Schweizer Pensions- & Investmentnachrichten
spn-Roundtable Nachhaltiges Investieren
Veröffentlicht am:  02. Dezember 2007




Teilnehmer (von unten links nach oben rechts)

Werner Hertzog, Direktor, Pensionskasse des Bundes Publica

Dr. Sabine Rindisbacher, Nachhaltigkeitsexpertin, Pensionskasse der Stadt Zürich

Prof. Thomas Fischer, Fachhochschule Nordwestschweiz und Vorstand „Innovation zweite Säule”

Beat Zaugg, Leiter Investment Consulting, Watson Wyatt

Peter Bänziger, Leiter Asset Management und Institutionelle Kunden, Mitglied der Geschäftsleitung, Swisscanto

Michael Lennert, Redaktor, spn

Andreas Knörzer, Head of Sustainable Investment, Bank Sarasin





Peter Bänziger ist Leiter Asset Management und Institutionelle Kunden und arbeitet seit 2004 bei Swisscanto. Das Rüstzeug hierfür erarbeitete sich der Schaffhausener unter anderem bei der Bank Leu sowie beim ehemaligen Schweizerischen Bankverein (SBV). Hier durchlief er zahlreiche berufliche Stationen: Er war Leiter Private Banking Schweiz, aber auch Leiter Vermögensverwaltung Institutionelle Anleger.

Bänziger war zudem vier Jahre im Stiftungsrat der Credit Suisse Pensionskasse. Er besitzt etliche akademische Abschlüsse, unter anderem ein Executive MBA-Programm der Swiss Banking School. Der Vater zweier Kinder ist leidenschaftlicher Harley-Davidson-Fahrer und liebt den Schutzhundesport, beispielsweise nahm er mit seinem Malinois, einem belgischen Schäferhund, dieses Jahr an den Schweizer Meisterschaften teil.
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Beat Zaugg ist Leiter Investment Consulting bei Watson Wyatt in Zürich. Nach seinem Wirtschaftsstudium an der Universität Bern startete Zaugg als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Centre-Info in Fribourg. Nach einem Auslandseinsatz im IRRC in Washington D.C. war er in der UBS fünf Jahre lang für Sustainability Research zuständig.Zaugg ist begeisterter Mountain-Biker und Kat-Segler sowie Sammler von Vinyl-Schallplatten und Jukeboxes aus den 50er und 60er Jahren.
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Seit Dezember 2003 ist Frau Dr. Sabine Rindisbacher als Rechtskonsulentin des Geschäftsbereichs Anlagen der Pensionskasse Stadt Zürich (PKZH) tätig. Dabei ist sie neben der Betreuung der Immobilien-Mandate für die Socially Responsible Investments der PKZH verantwortlich sowie zudem seit 2006 für Private Equity.

Die studierte Juristin arbeitete davor bei der Credit Suisse Group. Und zwar seit 1996 als Rechtskonsulentin der Vorsorgewerke Winterthur Columna, im Corporate Center der Credit Suisse Financial Services und im Network Business und Legal & Compliance Support Investment Management der Credit Suisse Financial Services. Rindisbacher ist verheiratet und Mutter zweier Kinder. Sie liest gerne Bücher, fährt im Winter Ski und hält sich im Fitness Studio in Form.
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Andreas Knörzer arbeitet seit 18 Jahren bei Sarasin und ist Managing Director und Leiter Sustainable Investment. Knörzer schloss die Fachhochschule Bern (Abteilung Wirtschaft) im Hauptfach Rechnungswesen ab und besitzt Diplome als eidg. dipl. Bankfachmann sowie der Swiss Banking School. Er hat 20 Jahre Kapitalmarkt-Erfahrung, davon über 14 Jahre als Fondsmanager.

Knörzer ist der Begründer des Produktbereichs Nachhaltige Vermögensanlagen bei Sarasin. Zudem publiziert und referiert er regelmässig zum Thema Nachhaltigkeit und ist Mitglied des Vorstandes der ÖBU – Schweizerische Vereinigung für ökologisch bewusste Unternehmensführung sowie verschiedener beratender Regierungsgremien in der Schweiz. Knörzer ist verheiratet und Vater von zwei Buben.
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Strategisch denken, stets bemüht, politisch korrekt und ausgewogen zu sein und Reputationsrisiken von seiner Pensionskasse fernzuhalten, das sind die Hauptaufgaben von Werner Hertzog, dem Direktor der Pensionskasse des Bundes Publica. Seit knapp drei Jahren meistert er diese Herausforderung. Keine leichte Aufgabe, denn als Direktor der grössten öffentlich-rechtlichen Pensionskasse der Schweiz ist die Wahrscheinlichkeit gross, auch unverschuldet ins politische wie mediale Kreuzfeuer zu kommen.

Gleichwohl, wenn es zum Wohle seiner Versicherten ist, setzt er sich ein. Das Rüstzeug hierfür erarbeitete er sich unter anderem im Sektor Kollektivleben der Schweizerischen National Versicherungs-Gesellschaft Basel, als Direktor der Basellanschaftlichen Pensionskasse und bei der Basler sowie bei der Winterthur.
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Thomas Fischer ist Professor für Finanz- und Rechnungswesen an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Doch nicht nur das. Nebenbei übt er Beratungstätigkeiten im Bereich Alternative Anlagen aus, leitet die Corporate Governance Agentur Schweiz sowie den Kompetenzschwerpunkt Governance des Institutes für Unternehmensführung an der FHNW.

Studiert hat Fischer übrigens gleich mehrere Studiengänge, und zwar Betriebsökonomie und Rechtswissenschaften an der Universität Sankt Gallen sowie Psychologie und Angewandte Ethik in Zürich. Wenn er mal Zeit hat, treibt der Rechtsanwalt Sport und beschäftigt sich mit Literatur.
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spn: Das Thema Nachhaltigkeit ist in aller Munde, nicht nur, weil die Alarmsignale aus der Natur ständig zunehmen. Wie wichtig ist ein nachhaltiges Wirtschaften aus Investoren- und Unternehmenssicht?


Peter Bänziger:
Eine nachhaltige Entwicklung soll heutigen und kommenden Generationen ein Leben in einer gesunden Umwelt und einem intakten sozialen Umfeld ermöglichen. Dieses Konzept hat jetzt zum Glück auch in der Finanzwelt Einzug gefunden. Wir sagen, dass fortschrittliche Unternehmen darauf setzen sollten, dass Umweltschutz profitabel sein kann und dass der verantwortungsvolle Umgang mit sozialen Anspruchsgruppen die Unternehmenszukunft sichert. Dies sollte sich mittel- und langfristig auch positiv auf den Unternehmenswert auswirken.


spn: Gleichwohl gibt es bei der Nachhaltigkeit verschiedene Definitionen, Konzepte und Angebote. Auf was sollte eine Pensionskasse achten, wenn sie in derartige Konzepte investieren will?

Beat Zaugg: Ich denke, es ist die Verantwortung einer Pensionskasse, primär die Performance im Blickwinkel zu behalten. Deswegen ist es wichtig, vor allem zwei Arten von Anlagen zu unterscheiden: zum einen eine Anlage, bei der ich Zusatzerträge erwirtschaften möchte, weil sich Unternehmen sozial, ökologisch beziehungsweise verantwortungsbewusst verhalten, und zum anderen eine, die primär einen nachhaltigen Effekt hat. Zu den letzteren gehört zum Beispiel Private Equity in CleanTech und Mikrokredite.


spn: Wie engagiert sich die Pensionskasse der Stadt Zürich?

Dr. Sabine Rindisbacher: Wir sehen den Nachhaltigkeitsaspekt insbesondere im Active Ownership, also sprich bei einem aktiven Engagement und beim Proxy Voting. Auch vor dem Hintergrund, dass unser Anlagestil passiv geprägt ist.


spn: Mangelt es denn an passiven nachhaltigen Produkten?

Andreas Knörzer: Die gibt es sicherlich schon. Gleichwohl, wenn man ein Nachhaltigkeitsmandat nutzt, das auf einem Nachhaltigkeits-Research beruht und diesen Ansatz dann passiviert, ist das quasi die Passivierung eines aktiven Research. Hierbei stellt sich sicherlich die Frage, wie sinnvoll dies ist.

Rindisbacher: Genau. Auch wir denken, dass es sich beim nachhaltigen Investieren eben vorrangig um einen aktiven Ansatz handelt, das heisst, dass er sehr viel Subjektivität enthält. Uns konnte noch niemand erklären, warum gerade dieser aktive Ansatz besser sein sollte als irgendein anderer aktiver Ansatz.


spn: Herr Knörzer, was antworten Sie hierauf?

Knörzer: Entscheidend ist ein klar definierter Investment-Prozess. Wenn man diesen richtig aufsetzt und ihn auch finanziell begründen kann – und das können wir –, sieht man durchaus, wo das Research seinen Nutzen hat, und ist auch in der Lage, Alpha sowie eine Outperformance zu generieren.


spn: Herr Hertzog, legt die Pensionskasse des Bundes Publica nachhaltig an?

Hertzog: Ja.


spn: Wie viel Prozent ihres Vermögens?

Hertzog: 100 Prozent.


spn: 100 Prozent, Respekt, und mit welcher Begründung?

Hertzog: Die Begründung ist ganz einfach: Wir haben keine nicht nachhaltigen Anlagen. Nein, im Ernst, Nachhaltigkeit ist eine gute und auch unterstützungswürdige Idee. Ich frage mich einfach: Ist Nachhaltigkeit bereits ein Produkt? Dies konnte mir noch niemand schlüssig und überzeugend aufzeigen. Deswegen machen wir es implizit und nicht explizit.


spn: Ich gebe die Frage weiter an Herrn Knörzer: Ist Nachhaltigkeit ein Produkt?

Knörzer: Die Frage bei einem Produkt lautet doch immer: Welches sind die kritischen Aspekte, und wo können diese Aspekte Mehrwert schaffen? Und hierbei sind wir durchaus der Meinung, dass Kriterien aus der Umweltanalyse und Kriterien aus der Sozialanalyse finanzielle Relevanz haben. Und gerade hier liegt der Mehrwert, wobei natürlich auch klar ist, dass nicht jeder Manager in jeder Marktphase eine Outperformance generiert. Für mich handelt es sich hierbei klar sowohl um einen Anlagestil als auch um eine Produktkategorie.


spn: Herr Professor Fischer, Sie gehen bei der Nachhaltigkeit den Weg über das sogenannte Engagement. Warum?

Prof. Thomas Fischer: Das Konzept der Nachhaltigkeit ist mittlerweile derart umfassend, dass es sich eigentlich keine Firma mehr leisten kann, nicht nachhaltig zu agieren. Gleichwohl deckt sich dies häufig nicht immer mit dem Bild des rein finanziell orientierten Investors. Dennoch sollte ein verantwortungsbewusster Investor dann wenigstens sagen: Gut, wir investieren zwar nicht in die Anlageklasse Nachhaltigkeit, wir legen dennoch Wert darauf, dass sich unsere Anlagen in Richtung Nachhaltigkeit bewegen. Und dann kommt das Engagement ins Spiel.

Zaugg: Ich finde Engagement absolut notwendig, aber nicht hinreichend. Wichtig ist es, Nachhaltigkeit aus der Optik der Anlagestrategie zu betrachten und nicht, wie heute noch üblich, das Thema auf die Wahl eines Anlageproduktes oder die Aktionärsausübung zu beschränken. Was bedeutet das? Man schaut sich ein Nachhaltigkeitsszenario an und analysiert, was das für einen Einfluss auf das Pensionskassen-Portfolio hat und zwar systematisch für alle Anlagekategorien. Das ist aus meiner Sicht die Zukunft.


spn: Wie viele Anlageklassen kann man denn nachhaltig abdecken?

Knörzer: Die Anbieter haben in den vergangenen fünf Jahren enorme Fortschritte gemacht, so dass man heute sehr viele Anlageklassen wie zum Beispiel Obligationen, verschiedenste Balanced-Varianten sowie Aktienprodukte mit unterschiedlichen Risikoprofilen bis hin zu Private Equity nachhaltig abdecken kann.


spn: Noch einmal zurück zum Engagement. Was machen Sie genau, Frau Rindisbacher?

Rindisbacher: Wir sind beim Engagement-Pool von Ethos dabei und waren eine der Gründerkassen. Insgesamt sind es heute neun Kassen. Hierbei zahlt jede Kasse einen gewissen Beitrag, der proportional zu den Aktien Schweiz, die man in seinem Portfolio hält, gestaffelt ist. Mit diesem Betrag wird dann aktiv Einfluss genommen.


spn: Herr Hertzog, Sie bleiben weiter skeptisch?

Hertzog: Ja und nein, ich bin froh um jeden, der aktiv in Nachhaltigkeitprodukte investiert, da wir dann als Trittbrettfahrer auch profitieren, ganz opportunistisch. Die Nachhaltigkeitsinvestoren sorgen dafür, dass alles schön nachhaltig ist, und wir müssen nichts dafür bezahlen. Wie gesagt, wir fahren einen ähnlichen Engagement-Ansatz wie die PKZH, gleichwohl mit einem anderen Partner, der hier übrigens anwesend ist.


spn: Wer, Herr Professor Fischer?

Hertzog: Genau. Herr Professor Fischer hat ein Produkt, bei dem es um die aktive Nutzung der Stimmrechte geht, und dies haben wir gekauft. Vielleicht noch etwas zur Ergänzung. Ich habe etwa zehn Jahre Erfahrung mit nachhaltigen Produkten und relativ zur Benchmark immer Geld verloren. Sicherlich kann man da sagen: Da habe ich einfach Pech gehabt. Gleichwohl prägt einen dies, mit der Folge, dass man sich hierin nicht mehr allzu gross exponiert. Der zweite Punkt: Wir haben wenig politischen Druck und wenig Anfragen, sei es von Politikern, von Externen, von Kunden oder Versicherten, in nachhaltige Produkte zu investieren. Und das trotz den Wahlen, die stattgefunden haben.


spn: Aber sind Sie als grösste öffentliche Pensionskasse in der Schweiz nicht gerade auch ethischen Zielen verpflichtet?

Hertzog: Wie gesagt, wir verspüren wenig politischen Druck. Zudem haben wir relativ beschränkte Ressourcen. Es ist auch eine Frage, wie viel Arbeit investiert man in einen kleinen Anteil? Denn dieser kleine Anteil kann unter Umständen, je nach Rahmenbedingungen, relativ viele Ressourcen binden. Mit der Folge, dass man sich am Schluss nur noch mit den Satelliten beschäftigt und nicht mehr mit dem Kerngeschäft. Das ist auch eine Opportunitätsüberlegung.


spn: Herr Zaugg, Ihre Meinung.

Zaugg: Zwei Dinge, gerade zu Ihrer Bemerkung, Herr Hertzog, Sie hätten mit nachhaltigen Anlagen Geld verloren. Ich denke, man muss die gesamte Sicht sehen, denn ich halte insbesondere passive Anlagen per se auch nicht für risikolos. Und zwar aus folgenden Gründen: Mit einer passiven Strategie kauft man eine Exponierung in gewissen Sektoren und Ländern, beispielsweise mit dem MSCI-World-Index über 20 Prozent in Finanzwerten. Dazu stelle ich Ihnen eine rhetorische Frage. Was würde passieren, wenn man in Zukunft, vielleicht in fünf Jahren merkt, dass man genau mit einer solchen indexierten Anlage in Bezug auf die Nachhaltigkeit falsch positioniert war? Und zwar deswegen, weil man nur in grossen Unternehmen und in die heute bedeutenden Sektoren investiert war und nicht beispielsweise in die kleinen Innovatoren, die nicht nur aus nachhaltigen Gründen ein Potenzial haben.

Kann es nicht sein, dass Sie mit passiven Anlagen sogar die treuhänderische Verantwortung, die Sie gegenüber dem Versicherten haben, nicht wahrnehmen?

Hertzog: Da muss ich knallhart sagen: Unsere Klientel interessiert wirklich nur die Rendite. Das ist einfach meine Erfahrung. Ich habe mit diesen Produkten eben schlechte Erfahrungen gemacht, übrigens auch reputationsmässig. Denn Anlegen ist nicht nur eine Frage der Performance und der Liquidität, sondern letzten Endes gerade für eine öffentliche Pensionskasse auch eine Frage der Reputation. Sicherlich würde ich direkter in Nachhaltigkeit investieren, wenn wir einen anderen Deckungsgrad hätten. Die Pensionskasse der Stadt Zürich hat einen Deckungsgrad von um die 140, wir einen von nur 108,8 Prozent. Da muss man aufpassen, weil man Botschaften überbringen muss, wie: Wir können keine Teuerungszulagen für die Rentenbestände et cetera zahlen. Bei derartigen Bostschaften interessiert dann die Nachhaltigkeit nicht mehr.


spn: Frage an die Anbieter, Herrn Knörzer und Herrn Bänziger. Herr Hertzog hat mit nachhaltigen Anlagen schlechte Erfahrungen gemacht, insbesondere was die Performance betrifft. Ihre Meinung?

Knörzer: Die Mehrzahl der heute am Markt angebotenen Produkte funktioniert. Herr Hertzog hat einfach das Pech gehabt, dass er quasi ein nachhaltiger Investor der sehr frühen Stunde war. Das kann jedem auch bei anderen Anlagen, beispielsweise Biotechnologie, passieren. Wir sollten uns einfach von der Grundprämisse verabschieden, dass Nachhaltigkeit nur Geld kostet. Auch die Anbieter haben einen Lernprozess durchlaufen. Sie finden heute, egal ob das Aktien Schweiz, Europa oder Aktien Welt sind, durchaus Konzepte, die sich nicht nur ein Jahr gut entwickeln, sondern über mehrere Jahre hinweg, und die auch nicht nur Schönwetter-Produkte sind.

Bänziger: Ich habe anhand der KGAST-Zahlen per 30. September 2007 geprüft, ob Nachhaltigkeitsprodukte Mehrwert generiert haben. Zweifellos sind dies aktive Investitionsansätze, basierend auf einem spezifischen, fundamentalen Research. Zwei Beispiele: Die BVG-Mischvermögen „41–50 Prozent Aktien“ erzielten über 5 Jahre eine jährliche Nettorendite von durchschnittlich 7,9 Prozent bei einem Risiko von 5,3 Prozent. Unser nachhaltiges Produkt (mit gleichem Aktienanteil) erreichte eine annualisierte Rendite von 11,5 Prozent bei einem Risiko von 5,7 Prozent. Die Kategorie „Aktien Ausland“ erzielte über 5 Jahre eine Durchschnittsrendite von 12,5 Prozent mit einem Risiko von 12,4 Prozent. Unser Produkt wiederum (100 Prozent Aktien weltweit) erreichte über die gleiche Periode durchschnittlich 21,5 Prozent bei einem Risiko von 12,9 Prozent. Dieses Beispiel erhebt keinen Anspruch darauf, dass nachhaltige Ansätze generell besser sind – gleichwohl, es ist möglich Mehrwert zu generieren.

Rindisbacher: Aber das bestreitet ja niemand. Es ist nur so, dass jeder aktive Ansatz gewisse Phasen hat, wo er sich besser entwickelt als ein anderer, und es wiederum Phasen gibt, wo er sich schlechter entwickelt. Matchentscheidend ist, ob langfristig das Mehrrisiko des aktiven Ansatzes entschädigt wird.

Bänziger: Deswegen sind nachhaltige Aktienprodukte für mich Satelliten-Produkte für die Anlagekategorie Aktien Welt. Es liegt am Investor, den besten aktiven Ansatz oder das beste Produkt innerhalb seiner Asset Allocation zu wählen. Möglicherweise haben einige Pensionskassen in der Vergangenheit den Fehler gemacht und nachhaltige Produkte ausschliesslich unter dem Motiv „Grün Investieren“ gekauft. Heute werden diese Produkte über einen erfolgreichen Investitionsansatz und dank guter Performance gekauft - das gute Gewissen gibt es gratis dazu.

Knörzer: Wenn ich noch ergänzen darf. Heute ist eben vieles möglich. Sicherlich gibt es Produkte, die reine Satelliten sind und beispielsweise einem Mid-Small-Cap-Fonds entsprechen. Man kann und soll Nachhaltigkeit aber natürlich immer auch als Basisstrategie, mit natürlich tieferen Risiken, nutzen. Unsere Aufgabe ist es eben, diese Mehrwerte und Unterschiede transparent zu machen und zu kommunizieren.

Rindisbacher: Gleichwohl, die Frage, warum eine aktive Nachhaltigkeitsanlagestrategie nun per se besser sein soll als irgendeine andere aktive Anlagestrategie, wurde mir bis jetzt noch nicht schlüssig beantwortet.

Knörzer: Nicht immer besser, aber auch nicht schlechter als eine andere. Doch zur Vorgehensweise. Wir etwa analysieren Faktoren, die einen starken Einfluss auf die Gewinnsituation der Unternehmen haben, beispielsweise gewichten wir Aspekte wie Ressourcenverbrauch in unseren Ansätzen. Diese Gewichtungen sind relativ hoch, transparent, können somit nachvollzogen werden, aber letztendlich auch bis auf die Gewinnprognosen heruntergebrochen werden. Ansonsten verwenden wir die gängigen Bewertungsmassstäbe. Summa summarum ist es somit entscheidend, dass man insbesondere die Faktoren berücksichtigt, die finanziell relevant sind, und nicht nur das Gewissen abfragt.


spn: Wie misst man den Erfolg von nachhaltigen Anlagen?

Bänziger: Das macht man genau wie bei allen anderen Anlagen: durch Vergleiche mit den zugrunde liegenden Benchmarks unter Berücksichtigung der eingegangenen Risiken und mit den bekannten Kennzahlen in der Performance-Messung.


spn: Ach wirklich? So war die Frage jedoch nicht gemeint.

Bänziger: Nein, im Ernst, selbstverständlich können Sie Äpfel nicht mit Birnen vergleichen. Die Produkte müssen schon im gleichen Risikobereich liegen, sonst ist das unfair. Ein Investor muss sich auch bewusst sein, dass verschiedene „Key Performance Drivers“ einen positiven Einfluss hatten. Diese positiven Einflussfaktoren waren z. B. das starke globale Wirtschaftswachstum, die Probleme im Nahen Osten und die dadurch stark angestiegenen Erdölpreise. Dazu kommen Megatrends.


spn: Und zwar welche Megatrends?

Bänziger: Zu nennen wären beispielsweise die globale Klimaerwärmung, der steigende Energiebedarf, beschränkt verfügbare Ressourcen, limitierte fossile Energien und letztendlich auch neue Regulatorien, die nachhaltige Energien fördern. Als Beispiel das Einspeisegesetz in Deutschland, das sich ganz entscheidend auf die Profitabilität von Windkraftwerken auswirkt.


spn: An nachhaltige Anlagen kann man von mehreren Seiten herangehen, beispielsweise über einen Best-in-Class-Ansatz, oder über Ausschlusskriterien. Was halten Sie von solch einer Black List?

Fischer: Die Verwendung einer Black List geht in Richtung Socially Responsible Investments. Persönlich als Mensch habe ich sehr viel Verständnis dafür, wenn man beispielsweise Ölindustrie et cetera ausschliesst. Gleichwohl, wenn man Mandate vergibt, muss man aufpassen, dass man den Asset Manager nicht zu stark einschränkt. Er braucht ein gewisses Anlageuniversum.

Knörzer: Ich sehe diese Probleme überhaupt nicht. Das ist eine Frage der Definition. Die muss praktikabel sein, dann kann man das tun. Die Frage ist, ob das sinnvoll ist als alleinige Strategie. Da würde ich sagen: Nein.

Zaugg: Ich möchte es noch prägnanter formulieren. So ein Negative-Screening bewirkt einfach wenig. Die Reduktion des Anlageuniversums ist finanzökonomische im Nachteil, der Effekt auf die Nachhaltigkeit eines Unternehmens gering. Negative-Screening ist in meinen Augen ein Konzept aus den 80er Jahren. Ich denke, diese Entwicklung, die Herr Fischer auch angedeutet hat, wird weitergehen und das Thema wird vermehrt top-down und nicht bottom-up betrachtet werden.

Fischer: Nur zu Ihrer Information. Ich habe hier eine Liste der acht Stufen der Nachhaltigkeit, und die Ausschlussstufe ist eigentlich die erste, die unterste.


spn: Und was kommt dann?

Fischer: Ethical Exclusion, Positive-Screening, Best in Class, Pilot Screening, Norm-Based Screening, Simple Screening, Simple Exclusion, Engagement und Integration. Das sind die acht Stufen, und die unterste ist die Ausschlussliste. Und ich weiss nicht, ob man das sagen darf – insbesondere nach dem Wahlkampf –, man sollte die schwarzen Schafe waschen, nicht die weissen, also beispielsweise die Unternehmen, die die Umwelt stark verschmutzen, dazu bringen, diese weniger zu verschmutzen. Dies bringt mehr für die Umwelt, als den zu belohnen, der sowieso umweltfreundlich arbeitet.


spn: Herr Hertzog, welche Trends sehen Sie?

Hertzog: Ich sehe Produktentwicklungen in zwei Bereichen, das ist zum einen Nachhaltigkeit verbunden mit Private Equity und zum anderen Nachhaltigkeit als Overlay-Produkt. Dies ist zwar anspruchsvoll, da man sich überlegen muss, wie das aufzusetzen ist. Gleichwohl könnte man über das ganze Aktienpaket auch ein Nachhaltigkeits-Overlay stülpen. Das wäre interessant für mich.

Knörzer: So etwas gibt es. Das ist machbar und ist sinnvoll, weil hier die investierten Mittel sehr direkt wirken und man als Inves-tor viel mehr Einfluss hat, um ein Unternehmen in Richtung Nachhaltigkeit zu lenken.


spn: Herr Bänziger, wie verträgt sich die Nachhaltigkeit mit Overlay-Strukturen?

Bänziger: Zu einem solchen Overlay kann ich nichts sagen. Ich wüsste jetzt spontan auch nicht, wie dies umgesetzt werden könnte. Zu Private Equity: Private Equity zu beurteilen ist sehr aufwendig. Das lohnt sich nur, wenn man ein genügend grosses Kollektivvermögen aufsetzen kann und dieses mit einem genügend grossen und qualitativ guten Dealflow alimentieren kann.

Knörzer: Zum Dealflow: Ich denke, das ist überhaupt kein Problem. Wir haben mehr spannende Pipelines, als wir Geld zu investieren haben. Gleichwohl teile ich die Meinung, dass es nicht zu klein sein darf.


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