Schweizer Pensions- & Investmentnachrichten
Primatwechsel als Chance
Veröffentlicht am:  02. Dezember 2007

„Die schwierige Lage nach der Immobilienkrise in den USA ist noch nicht ausgestanden. Möglicherweise erleben wir noch mehrere Wellen von Nachwirkungen“, sagt Francoise Bruderer, Direktorin der Pensionskasse Post. Deshalb sei es wichtig, die primären Renditeziele und Benchmarks unter Berücksichtigung der Risiken zu erreichen und die Risiken tief zu halten.

Dabei ist die Pensionskasse in ihrer Anlagepolitik grösstenteils traditionell ausgerichtet. Der Deckungsgrad lag per Ende 2006 bei 103,9 Prozent und ist damit der höchste seit der Gründung im Jahr 2002 als Stiftung. Versichert sind bei der Pensionskasse circa 46.000 aktive Mitglieder und 26.000 Rentner.


Fundamentale Einflussfaktoren


Die Anlagepolitik wird fundamental beeinflusst durch die Entwicklung des Mitarbeiterbestandes der schweizerischen Post: sinkende Geburtenrate und steigende Lebenserwartung. Dies überträgt sich auf das Anlageverhalten der Pensionskasse. Versicherte Personen beziehen im Alter von durchschnittlich 61,5 Jahren erstmals eine Altersrente. Das Verhältnis der Anzahl der Rentenbezüger zu den aktiven Versicherten hat sich von 2 im Jahr 2005 auf noch 1,9 aktive Versicherte pro Rentenbezüger im Jahr 2006 verringert. Vor diesem Hintergrund müssen der Primatwechsel und die langfristige Anlagepolitik betrachtet werden.

Das aktuelle Vermögen von 13,6 Milliarden Schweizer Franken ist derzeit aufgeteilt in 26 Mandate, wovon 21 durch externe und 5 durch interne Vermögensverwalter bewirtschaftet werden. Bei den Aktien wurden 2 externe Mandate gekündigt, für die Kategorie Alternative Anlagen 3 neue Verwalter bestimmt. Die Anlagen werden intern (Aktien Schweiz/Europa, Obligationen) und mit externen Mandaten (Aktien weltweit, Alternative Anlagen) verwaltet.


Primatwechsel auf der Agenda


Ab Anfang 2008 werden alle aktiven Versicherten im Duoprimat versichert. Die Altersleistungen werden gemäss Beitragsprimat versichert, die Risikoleistungen nach dem Leistungsprimat. Die Versicherten können künftig zwischen drei verschiedenen Sparplänen zur Altersleistung wählen. Der Primatwechsel ist für die Pensionskasse Post eines der Hauptthemen auf der Agenda, die Umsetzung ein sehr ambitiöses Projekt.

Der Primatwechsel setzt eine gründliche Analyse sowohl der Vermögensseite (Aktiven) als auch der eingegangenen Vorsorgeverpflichtungen (Passiven) voraus. Dabei wird die Anlagestrategie der Pensionskasse unter Berücksichtigung ihrer Risikofähigkeit und der projizierten künftigen Entwicklung überprüft. Diese Umstellung bedingt auch die Anpassung der Informatiksysteme, der internen Prozesse und der verschiedenen Schnittstellen. „Die Anlagestrategie der Pensionskasse Post wird sich trotz Primatwechsel nicht wesentlich verändern, sondern verfolgt eine vorsichtige, durch Diversifikation gezeichnete Anlagepolitik. Durch den Deckungsgrad bleibt der Handlungsspielraum für die Anlagepolitik allerdings begrenzt“, führt Frau Bruderer aus. Dem Aufbau von genügend hohen Wertschwankungsreserven kommt oberste Priorität zu. Dies ermöglicht eine langfristig flexiblere Anlagepolitik.


Vermögensstruktur und angestrebte Strategie


Die angestrebte Strategie setzt sich dabei zusammen aus einem leicht höheren Aktienanteil auf 28,5 Prozent, einem höheren Obligationenanteil auf 45 Prozent, einer Erhöhung der Immobilien auf 15 Prozent, einer höheren Gewichtung der alternativen Anlagen auf 8,5 Prozent und einer Abnahme der Liquidität auf 3 Prozent.

Im laufenden Jahr erzielten dabei Aktien und alternative Anlagen bisher die besten Renditen. Ein umfangreicher Kriterienkatalog für bestehende und neue Anlagen, welcher ständig verbessert wird, dient der Selektion der Anlagen. Hier greift die Pensionskasse auch auf externe Berater zurück.

„Die aktuelle Immobilienkrise in den USA setzt ein Warnzeichen, Opportunitäten, neue Anlagestrategien und strukturierte Produkte vorsichtig einzusetzen nach genauer Analyse der Chancen und Risiken“, wägt Bruderer ab. Man muss die Ergebnisse, zum Beispiel im Hedgefonds-Bereich abwarten und analysieren, um die richtigen Rückschlüsse aus den Finanzmarkt-Volatilitäten zu ziehen. „Ebenso müssen wir eine längere Investment-Erfahrung aufbauen, um die Investitionsstrategien nachhaltig anzupassen.”


Immobilien-Investments von Interesse


Während die Pensionskasse ihre Immobilien-Investments ausbauen möchte, verfügt der Markt derzeit nicht über geeignete Anlageobjekte, welche den Kriterien und der Grösse der Pensionskasse entsprechen. Sie legt grossen Wert auch auf eine geografische Diversifikation im Immobilien-Depot von derzeit 10,7 Prozent oder 1,36 Milliarden Schweizer Franken. „Im demografisch immer wichtiger werdenden Segment der Altersresidenzen gibt es sicherlich Investitionsmöglichkeiten. Dieses Segment ist allerdings noch jung und muss genauer analysiert werden“, erklärt Bruderer. Die Pensionskasse kann sich vorstellen, zukünftig ausländische Investitionsprojekte im Residenzbereich zu finanzieren. Solche Investments würden indirekt über Investmentfonds und -Stiftungen finanziert. Derzeit fehlen auch hier die nötigen längerfristigen Investment-Erfahrungswerte und -Möglichkeiten. „Infrastruktur-Investments sind für uns eine interessante Alternative zu herkömmlichen Immobilien-Investments. Wir prüfen derzeit Gefässe, welche wir noch nicht offenlegen wollen.” Eine intensive Prüfungsphase sei jedoch Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzungs- und Investitionsphase.


Alternative Anlagen im Rahmen


In alternative Anlagen wird derzeit 7,6 Prozent investiert, dabei unterscheide man sich nicht wesentlich von anderen Pensionskassen. „Wir investieren gezielt in Hedgefonds, in Infrastrukturfonds und derzeit mit weniger als 2 Prozent in indexnahe Rohstoff-Anlagen“, sagt sie. Die Volatilitäten und Risiken im Aktienbereich haben erheblich zugenommen, was grössere Schwankungen in diesem Bereich erwarten lässt. Der Anteil im Aktienbereich von 27,6 Prozent oder 3,5 Milliarden Schweizer Franken wird in acht internen und externen Vermögensverwaltungsmandaten bewirtschaftet. Die verfolgten Strategien reichen von Aktien Ausland aktiv-passiv, Schweiz aktiv-passiv bis Aktien Ausland. Mit dieser aktiven und passiven Aktien-Allokation hat die Pensionskasse auf dem Gesamtvermögen eine Performance von 1,45 Prozent bis Ende August 2007 erzielt. Investment-Consultants werden hierbei nur punktuell eingesetzt, und wenn, dann insbesondere bei neuen Themen oder der Überprüfung der Anlagestrategie.


Diversifikation im Risikomanagement


Angesichts der jüngsten Volatilitäten an den Finanzmärkten wird klar, wie wichtig ein systematisches Risikomanagement ist. Die Pensionskasse Post setzt auf eine nachhaltige Diversifikationspolitik bei den Asset-Klassen, der geografischen Streuung und der Anlagegewichtung.

Der Fokus des Risikomanagement liegt also eher in der Streuung der Anlagen und dem Handlungsspielraum, als in der Überwachung der einzelnen Anlagen selbst. Die Funktion Risk Monitoring und Controlling wird sowohl intern durch vier Fachleute durchgeführt, als auch extern durch ein spezialisiertes Unternehmen und periodisches Reporting/Investment-Controlling. Der Risikoprozess wurde im Rahmen des Primatwechsels überprüft und entspricht den Bedürfnissen der Anlagepolitik der Pensionskasse.


Leicht besser als die Benchmark


Die Performance des Gesamtvermögens war vergangenes Jahr über alle Anlagekategorien positiv und betrug 7,46 Prozent und bis Ende August dieses Jahres 1,45 Prozent. Am besten schnitten in 2006 die in- und ausländischen Immobilien-Anlagen mit 25,29 Prozent ab, gefolgt von in- und ausländischen Aktien mit 14,86 Prozent. Nur leicht im Plus endeten Ende 2006 die Obligationen mit 0,39 Prozent und die alternativen Anlagen mit 0,14 Prozent. Zum Vergleich: Die entsprechende Benchmark wies vergangenes Jahr einen Wertzuwachs von 7,3 Prozent und bis Ende August einen von 0,8 Prozent aus.


Ausblick für die Anlagepolitik


„An der strategischen Ausrichtung unserer Anlagepolitik ändert sich vorläufig wenig, im taktischen Bereich allerdings können wir uns den jeweiligen Marktsituationen anpassen. Zur Erzielung stetiger und attraktiver Renditen wird im alternativen Bereich in Infrastrukturfonds investiert“, sagt Bruderer.

Da jede Änderung in der Anlagepolitik Kosten verursacht, werden diese Schritte jeweils vom Investment-Team nachhaltig überprüft. Aus Sicht der gegenläufigen Preisentwicklungen von Aktien und Alternativ-Investments, zum Beispiel Rohstoffen, könnten sich interessante Absicherungsmöglichkeiten ergeben, welche das Rendite-Risiko-Verhältnis der gesamten Anlage verbessern.



Abbildung 1: Zusammensetzung des Vermögens; Quelle: Pensionskasse Post.






Abbildung 2: Performance seit 2002; Quelle: Pensionskasse Post.





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