Schweizer Pensions- & Investmentnachrichten
Jetzt geht’s los!

Michael Lennert, Redaktor

Veröffentlicht am:  06. September 2007

Nein, es ist noch nicht vorbei; es geht erst richtig los! Die Rede ist von dem Beben auf den US-Hypotheken- und Immobilienmärkten und den dadurch ausgesandten Schockwellen auf benachbarte und artverwandte Sektoren.

Experten rechnen damit, dass der Grossteil der problematischen, variabel verzinslichen Subprime-Mortgages erst im Laufe des nächsten Jahres seinen Refinanzierungszeitpunkt erreichen wird. Erst danach dürfte eine gewisse Entspannung eintreten.

Dabei besonders bedroht: Anlagen in illiquide strukturierte Produkte, bei denen selbst die Rating-Agenturen kaum mehr durchblicken, wie es um deren Inhalt exakt beschaffen ist, und auch Anlageprodukte, die mit einem hohen Leverage arbeiten, also speziell Hedgefonds und Private-Equity-Anlagen. Auch diese Gefahren werden von vielen noch systematisch unterschätzt – vergleiche dazu auch den Artikel „Einfach aussitzen” auf Seite 7 dieser spn-Ausgabe.

Auch noch nicht vorbei, wenngleich schon lange gängige Praxis, ist die systematische Nichtweitergabe von Retrozessionen an die Vorsorgeeinrichtungen.

Dass Vermögensverwalter die sogenannten Retros an ihre Kunden weiterleiten müssen, hat zum einen das Bundesgericht (BGE 4C.432/2005) schon lange entschieden. Zum anderen fordert dies der Schweizer Bundesrat in seiner neuesten Botschaft zur Revision des Gesetzes über die Berufliche Vorsorge (BVG).

Vielleicht ist es nachvollziehbar, dass ein derartiges Ansinnen bei den betroffenen Akteuren auf Widerstand, gar auf taube Ohren stösst. Mit solchen Retrozessionen wird seit Jahren gutes Geld verdient, der Vermögensverwaltungs-apparat läuft dadurch wie geschmiert.

Gleichwohl, die potenziellen Gefahren von Retrozessionen sind unverkennbar: Erstens, die Vermögensverwaltungskosten sind nicht vergleichbar, eine Orientierung an Benchmarks wird somit unmöglich. Zweitens, künstlich zu tiefe Vermögensverwaltungshonorare verleiten tendenziell zur falschen Wahl des Vermögensverwalters. Und drittens sind Vermögensverwalter oder Broker, die bis zur Hälfte ihres Honorars an Retrozes-sionen oder Provisionen verdienen, zu sehr animiert, Produkte zu wählen, die höhere Vergütungen generieren. Sprich, die Gefahr, dass es zu einer Fehlallokation des Anlagevermögens von Vorsorge-einrichtungen kommt, ist somit systemimmanent. Damit sollte es endlich vorbei sein – aber auch das geht jetzt erst richtig los.

Herzlichst, Ihr

Michael Lennert, Redaktor





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