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Dominique Ammann, PPC Metrics, Partner |
Das Anlagevermögen von Schweizer Vorsorgeeinrichtungen ist auf mehrere Arten von der US-Hypothekenkrise betroffen. Zum einen haben Pensionskassen entweder direkt oder indirekt über strukturierte Produkte in Obligationen, Asset-Backed-Security- oder Hedgefonds investiert, die Schuldverschreibungen aus zweitklassigen US-Wohnhypotheken enthalten.
Zum anderen sind die Finanzwerte unter Druck geraten. Damit verlieren auch indexorientierte Anlagestrategien an Wert, denn Finanzwerte halten traditionell einen hohen Anteil an diesen Index-Körben. Doch wie beurteilen Akteure die Auswirkungen?
Daniel Dubach etwa, Investment-Chef von Avadis erwartet Einbussen insbesondere auf den Positionen einiger Hedgefonds. „Wir haben aber auch in Produkte investiert, die von den Auswirkungen der Krise profitieren“, so Dubach. Zum jetzigen Zeitpunkt könne er keine Bilanz ziehen. Erst der Report seiner Verwalter werde Klarheit schaffen. „Hedgefonds-Positionen könnten gut und gerne ein paar Prozent an Wert einbüssen bis Ende Jahr“, schätzt er. Der Anteil von Hedgefonds am gesamten verwalteten Vermögen bewege sich jedoch im tiefen Prozentbereich.
Geringer Anteil in strukturierten Produkten
Swisscanto wiederum stuft das Risiko als „sehr gering“ ein. Laut ihrer Pensionskassenstudie haben Schweizer nur einen kleinen Anteil in strukturierten Produkte investiert, die betroffen sein könnten. „Dabei dürfte es sich hauptsächlich um kapitalgestützte Anlagen handeln“, sagt Sprecher Beat Amstutz von Swisscanto. „In unserer Stiftung selber sind keine Anlagen enthalten, welche von der Subprime-Krise direkt betroffen sind.“
Die Beamtenkasse des Kantons Zürich ist nur bei Hedgefonds betroffen. Ein direktes Risiko sieht ihr Chef, Rolf Huber, gleichwohl nicht. Im Gegenteil: „Unser Hedgefonds-Portfolio konnte vom Zusammenbruch der Subprimes enorm profitieren. Ein Manager erzielte allein im Juni und Juli über zehn Prozent Rendite von Short-Positionen auf Subprime-Titel.“ Ein weiterer „Zusammenbruch“ dieses Marktes würde sich positiv auf ihr Portfolio auswirken.
Auch zwei Schweizer Unternehmen, die Hedgefonds auflegen, die Zuger Partners Group und die Pfäffiker RMF, geben sich gelassen. „Unsere Hedgefonds-Produkte verzichten grundsätzlich auf Investitionen in illiquide und schwer bewertbare Anlagen, da unser Hedgefonds-Ansatz auf täglicher Bewertung, Liquidität und Risikomanagement basiert“, schreibt Tamara Krebs, Sprecherin von Partners Group. Ihre Kunden hätten durch Subprime-Investitionen keine Verluste erlitten. „Jedoch haben unsere Hedgefonds-Produkte durch Turbulenzen an den Finanzmärkten die Gewinne der ersten sechs Monate eingebüsst.”
Gleichwohl: trotz konservativem Ansatz keine Entwarnung
RMF investiert in Subprime-Produkte. Dennoch sieht Sprecher Domenico Truncellito keine Gefahr: „Wir haben seit Längerem einen konservativen Ansatz verfolgt. Unser Exposure zum US-Subprime-Hypotheken-markt war überwiegend netto short. Dies hat dazu geführt, dass wir von der Neubewertung in diesem Segment profitierten.“ Entwarnung gibt er trotzdem nicht. Per Ende Juli war einer der fünf RMF-Hedgefonds, Managed Futures, knapp im Minus. Truncellito dazu: „Allfällige Verluste stellen in unseren Portfolios eine Minderung der kumulierten Profite der vergangenen Monate dar.“
Laut der letzten Pensionskassenstatistik waren 2005 2,3 Prozent des Vermögens in Hedgefonds investiert. „Dieser Betrag ist seither angestiegen, aber immer noch relativ tief“, sagt Joseph Steiger, Finanzexperte des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV). Laut Gesetz kann in Hedgefonds investiert werden, wenn die dafür notwendigen Voraussetzungen erfüllt sind. Die Anlagen müssen sorgfältig ausgewählt werden, die Sicherheit ist zu gewährleisten und die Anlagen sind ausreichend zu diversifizieren. Dies ist in einem Bericht zuhanden der Aufsicht darzulegen. Steiger sieht auch die Möglichkeit, dass in ausländische Obligationen investiert wurde, die Forderungen aus US-Hypotheken enthalten. Der Umfang beschränke sich theoretisch auf 30 Prozent des Vermögens. „In Realität dürften aufgrund von Risikostrategien höchstens bis zu fünf Prozent in CDOs oder CLOs investiert sein“, sagt Steiger.
Komplexe Modelle schwer durchschaubar
Eine Variante, um solche Engagements zu beurteilen, ist das Instrument Value at Risk (VAR). Doch hilft es tatsächlich, Risiken zu eruieren? Dominique Ammann von PPC Metrics dazu: „Eine VAR-Berechnung beruht auf Simulationen, in denen mehrere tausend mögliche Kursverläufe und deren Auswirkungen durchexerziert werden. Auch die Bewertung der vom US-Markt betroffenen CDOs basierte zum Teil auf komplexen Modellen. Extreme Marktsituationen kombiniert mit Liquiditätsengpässen wurden in diesen Modellen aber offensichtlich zu wenig oder nur unvollständig berücksichtigt.“
Gute Ratschläge zum Schluss
Und Proffessor Martin Janssen von Ecofin mahnt zur Gelassenheit: „Wenn das Problem eingetreten ist, empfiehlt es sich, es auszusitzen.“ Vielleicht sei es sogar ratsam, die Anlage zu erneuern, weil sie einen höheren Ertrag abwirft als eine alternative Anlage. Gleichwohl ist der Handlungsspielraum eng: „Wer solche Beteiligungen hat, kann jetzt sowieso nicht mehr raus, weil zum Teil keine Preise gestellt werden, bis die Bewertung der Papiere geklärt ist“, sagt Daniel Dubach, der Investment-Chef von Avadis.
AV
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