Die Anforderungen, Bedürfnisse und Wünsche, die institutionelle Investoren haben, sind vielschichtig – die Lösungsansätze hierfür auch. Ein möglicher Weg ist das ganzheitliche Konzept des Fiduciary Managements, dass dem Kunden professionellen, koordinierten Service aus einer Hand entlang der gesamten Value Chain bietet.
Seit Jahren ist die Rede davon, dass instutionelle Anleger von Asset Managern zunehmend individuellen Service erwarten, also mit dem schlichten Angebot standardisierter Produkte nicht mehr zufriedenzustellen sind. Die zugehörigen, meist anglisierten Phrasen („solutions rather than products“) sind so abgegriffen, dass sie kaum noch Wirkung erzielen. Und in der Tat reden zwar viele Anbieter von individueller, ganzheitlicher Betreuung, stossen aber sehr schnell an ihre Grenzen, wenn ein Kunde wirklich individuelle Anforderungen hat.
Daraus folgt allerdings nicht, dass kein entsprechender Bedarf besteht – sichtbar wird hier lediglich, dass die Angebotspalette vieler Asset Manager noch nicht in angemessenem Masse kundenorientiert ist.
Komplexere Aufgabenstellung an institutionelle Anleger
Die Anforderungen an ein professionelles Management gehen inzwischen weit über die klassischen Spielwiesen von Asset Managern hinaus; es geht für viele institutionelle Anleger längst nicht mehr nur und auch nicht in erster Linie um Alpha Management, sondern auch um Asset Liability Management, um strategische und taktische Asset Allocation, um Manager-Auswahl, Risk Management, Reporting, Performance-Messung und vieles mehr. Alle diese Elemente der Wertschöpfungskette müssen nicht nur abgedeckt, sondern auch miteinander verzahnt und in ihren Wechselwirkungen berücksichtigt werden.
Der Apparat, den ein Pensionsfonds, eine Pensionskasse oder Versicherung im eigenen Hause unterhalten muss, um alle diese Aufgaben zu erfüllen beziehungsweise deren Erfüllung zu koordinieren, wenn die entsprechenden Dienstleistungen einzeln bei unterschiedlichen Providern eingekauft werden, wird folglich immer grösser. Die kritische Masse, von der ab sich dieser Aufwand lohnt, wird durch neue und strengere Regularien, durch wachsende Bedeutung des Zusammenhangs von Assets und Liabilities, durch komplexe Finanzinstrumente und so weiter immer höher.
Von der Konfektion zur Massschneiderei
Diese Entwicklung bedeutet für das Asset Management im Allgemeinen eine signifikante Ausweitung seiner Aufgabenfelder. Selbstverständlich wird es auch in Zukunft noch Nischen-Player geben, die ihr Produkt erfolgreich vermarkten. Aber jeder Anleger hat einen eigenen Hintergrund, was seine Verbindlichkeiten, seine Ertragsziele, sein regulatorisches Umfeld, seine Service-Anforderungen und Ähnliches betrifft; deshalb werden immer mehr – vor allem kleinere und mittlere – institutionelle Anleger nach ganzheitlicher Betreuung suchen, bis hin zum kompletten Outsourcing des Asset Managements an einen Anbieter, der dann gegebenenfalls Teilmandate subdelegiert oder bestimmte Services von Drittanbietern einkauft.
Dabei kann die Arbeitsteilung zwischen Asset Manager, Custodian und gegebenenfalls Consultant durchaus unterschiedlich ausgestaltet sein, je nach Wunsch des Anlegers beziehungsweise je nach den regulatorischen und traditionellen Gegebenheiten des jeweiligen Marktes.
Aber je mehr der Asset Manager kann, umso besser kann dieser – auch grenzüberschreitend – auf besondere Bedürfnisse der Anleger eingehen.
Erfolgversprechend aus Sicht des Asset Managers ist demnach ein individueller, am Kunden orientierter Service-Ansatz, der massgeschneiderte Lösungen entwickelt und umsetzt. Zuverlässige Administration, nutzerfreundliches Reporting, modernes Risikomanagement und steuerlich effiziente Vehikel sind hier die Basisvoraussetzungen, ohne die ein dauerhafter Erfolg kaum möglich ist. Auf dieser Basis differenzieren kann sich ein Asset Manager dann vor allem durch sein Know-how im Bereich Asset Liability Management und der strategischen Asset Allocation sowie durch langfristig positive Performance der taktischen Allokation und der Manager–Auswahl.
Selbstverständlich wird nicht jeder Kunde alle diese Services aus einer Hand beziehen wollen; aber nur derjenige Anbieter, der die gesamte Wertschöpfungskette in kompetitiver Qualität anbieten kann, ist in der Lage, dem jeweiligen Kundenwunsch entsprechende Service-Pakete zu schnüren.
Die besprochene Entwicklung kommt in einer Reihe einzelner, teilweise auf bestimmte Märkte begrenzter Trends zum Ausdruck:
Der Weg über Master-KAG
In Deutschland, wo der sogenannte „Spezialfonds“ ein für das Angebot von Global Custodians unzugängliches Reservat für Asset Manager geschaffen hat, wird das Konzept der Master-KAG um immer mehr Zusatzdienstleistungen ergänzt und erweitert; dieses Konzept ist erfolgreich und zukunftsfähig, aber wegen der besonderen regulatorischen Voraussetzungen, die anderswo nicht bestehen, wohl kaum auf andere Märkte zu übertragen:
Der deutsche Spezialfonds ist seit Jahrzehnten das erfolgreichste Vehikel für die Geldanlage institutioneller Investoren. Gegenüber der Direktanlage zeichnen ihn zahlreiche Vorteile aus, insbesondere die Vereinfachung der Administration, ausserdem die Möglichkeit der Bildung stiller Reserven sowie die Verminderung der Gefahr von Abschreibungen.
Die konsequente Fortsetzung dieses Konzepts ist der sogenannte Masterfonds (oder: Master-KAG), der seit Mitte der 90er Jahre auf dem Vormarsch ist. Während ein grösserer institutioneller Anleger traditionell eine Reihe verschiedener Spezialfonds bei unterschiedlichen Kapitalanlagegesellschaften unterhalten hat, werden nunmehr sämtliche Assets eines Anlegers in einem Fonds gebündelt. Der Fonds wird dann virtuell segmentiert, das Management der einzelnen Segmente wird an Spezialisten ausgelagert.
Dieses Konzept kombiniert die administrativen und bilanziellen Vorzüge des Spezialfonds mit den Anforderungen an modernes Asset Management:
So verschafft das Modell der Delegation des Portfolio Managements Zugang zu „Best of Class“ Asset Managern unabhängig von deren Herkunft, Sitz und Lizenzierung, ohne dass das für deutsche Anleger nach wie vor optimale Vehikel des Spezialfonds aufgegeben werden muss. Ausserdem können Gewinne und Verluste nach HGB und in der Steuerbilanz über alle Segmente des Masterfonds hinweg saldiert werden, weil rechtlich nur ein einziger Fonds besteht. Auch die Asset Allocation kann bilanziell komplett neutral revidiert werden, solange die Umschichtung zwischen verschiedenen Segmenten eines Masterfonds stattfindet.
In der jüngeren Vergangenheit wird das Service-Paket einer Master-KAG durch immer mehr Zusatzdienstleistungen erweitert, die über reine Administration und reines Reporting hinausgehen, insbesondere qualifiziertes Risikomanagement, taktische Asset Allocation, regulatorisches und IFRS-Reporting und etliches mehr. Die Master-KAG ist somit auf dem Weg vom Administrationsvehikel zum Instrument eines Quasi-Outsourcings.
Outsourcing des Asset Managements von Versicherungen
In verschiedenen Ländern denken kleinere und mittlere Versicherungen über eine Reorganisation ihres Asset Managements nach, weil die naturgemäss limitierten, internen Ressourcen den gestiegenen Anforderungen an professionelles Management nicht mehr uneingeschränkt genügen können.
Einerseits erzwingt der Markt eine effiziente Allokation von Risikokapital; andererseits stellen die Aufsichtsbehörden immer höhere Ansprüche an Risikomanagement und Reporting.
Einige Asset Manager bieten Versicherungen daher neben ihren klassischen Produkten verschiedene Zusatzdienstleistungen an, die in einem kompletten Outsourcing gipfeln können.
Zu diesen Leistungen gehören insbesondere kundenspezifische Asset-Liability-Analysen, die Administration versicherungstypischer Kapitalanlagen, wie zum Beispiel Namenspapiere, ertragsorientiertes Portfolio Management unter Berücksichtigung von Bilanz- und Erfolgsrechnungsvorgaben, kundenspezifisches, umfangreiches Reporting inklusive Risikokennzahlen sowie eine elektronische Schnittstelle zum Kunden zur Lieferung täglicher Transaktionsdaten.
Pension Pooling
Europaweit wird auch das sogenannte „Pension Pooling“ diskutiert, mit dem grenzüberschreitend aufgestellte Konzerne das Asset Management ihrer Pensions-Assets bündeln wollen, um einerseits einheitliche Performance- und Risikostandards zu erreichen und um andererseits die Administration zu vereinfachen beziehungsweise effizienter zu gestalten. Ausserdem kann das Gesamtportfolio wegen des höheren Volumens sinnvoller gegliedert, das Investment-Universum eher auf kleine, aber Performancestarke Märkte ausgedehnt werden. Die Schwierigkeiten bei der Verwirklichung des Pension Poolings liegen naturgemäss in den unterschiedlichen regulatorischen Rahmenbedingungen der einzelnen Länder; auch steuerliche Überlegungen sind zu berücksichtigen.
Jedoch zeigen die Beispiele einiger Grosskonzerne (Unilever, Shell), dass das Ziel nicht unerreichbar ist; Pension Pooling hat mithin durchaus das Zeug zum Euro-Trend.
Fiduciary Management als ganzheitliches Konzept
In den Niederlanden hat sich das Konzept des Fiduciary Managements etabliert, das dem Kunden professionellen, koordinierten Service aus einer Hand entlang der gesamten Value Chain bietet: Unterstützung beim ALM sowie bei der strategischen Asset Allocation, komplette Übernahme der taktischen Asset Allocation sowie gegebenenfalls der Manager-Auswahl, Koordinierung der externen Manager, Risikomanagement und Reporting.
Die Absatzerfolge einiger Anbieter in den Niederlanden belegen den steigenden Bedarf nach solchen integrativen Lösungen, und schon werden für die Wachstumsraten des Fiduciary Managements in den nächsten Jahren dreistellige Milliardenbeträge prognostiziert. Man muss sicherlich abwarten, ob die Konzepte halten, was sie versprechen, aber nach einer Eintagsfliege sieht die Entwicklung der letzten zwei Jahre nicht aus.
Durchaus exportfähig
Nur auf den ersten Blick ist es überraschend, dass Fiduciary Management ausgerechnet in einem hochentwickelten Pensionsfonds-Markt wie den Niederlanden erfolgreich ist; dabei könnte man doch annehmen, dass eher die noch wenig entwickelten Märkte Bedarf nach „Rundum-Sorglos-Paketen“ haben.
Aber es ist eben gerade die Komplexität des entwickelten Pensionsfonds-Systems, die solche Nachfrage hervorbringt. Insofern ist das holländische Modell durchaus exportfähig.
In Zusammenarbeit mit: Deutsche Asset Management Schweiz
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Marco Bagutti
Leiter institutioneller Vertrieb Schweiz
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