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Beat Zaugg, Watson Wyatt, Leiter Investment Consulting |
Die Agenden der Schweizer Consultants werden immer komplexer. Gleichzeitig spielt die Governance eine immer grössere Rolle, die Stichworte hierzu sind Unabhängigkeit und Entflechtung von Management und Kontrolle. Gute Chancen haben die Consultants, die qualitativ ihre Marktposition ausbauen oder erfolgreich eine Nische besetzen.
Asset Liability Management, Investment-Controlling, Beratung bei der strategischen und taktischen Asset Allocation, Manager Searches, aber auch die Ausbildung und Schulung von Anlagekommissionen und Stiftungsräten; die Agenden der Schweizer Consultants sind lang, komplex und könnten sicherlich noch um etliche Punkte ergänzt werden. Gleichwohl gibt es Differenzierungen, unterschiedliche Schwerpunkte und feine Nuancen zwischen den einzelnen Consulting-Anbietern.
Interessant hierbei: Im Rahmen der Recherche von spn wurde der Consultant-Markt von den Befragten nahezu einheitlich aufgeteilt in: lokale Anbieter wie Complementa, Ecofin und PPC Metrics, die einen Grossteil des Marktvolumens unter sich aufteilen, internationale Player wie Hewitt, Mercer und Watson Wyatt, die natürlich auch etwas vom zu verteilenden Kuchen abhaben wollen, Anbieter wie beispielsweise Coninco oder Lusenti & Partner, die sich insbesondere auf die Westschweiz konzentrieren, und Nischen-Playern mit spezifischem Fachwissen und persönlichen Kontakten.
Primär Research getrieben
„Wir sind primär ein Research-getriebener Consultant“, sagt Beat Zaugg, Leiter Investment Consulting bei Watson Wyatt in Zürich, und verweist dabei speziell auf die hauseigene 75 Mitarbeiter umfassende und weltweit agierende Research-Abteilung, die in die Sektoren Vermögensverwalter Produkte, Anlagekategorien und neue Investment-Themen aufgeteilt ist und bei der beispielsweise die „Thinking-Ahead“-Gruppe nichts anderes mache, als mögliche zukünftige Investment-Chancen für die Kunden zu analysieren, aufzubereiten und gegebenenfalls Empfehlungen daraus abzuleiten. Gleichzeitig würde etwa ein anderes global agierendes Komitee quartalsweise die Rendite- und Risikoannahmen aller möglichen Anlagekategorien inklusive der alternativen Anlageklassen festlegen.
Watson Wyatt verspricht sich hierdurch insbesondere einen Wettbewerbsvorteil in der Manager-Selektion, denn man habe einen Pool von rund 2.000 Managern und führe nach eigenen Angaben weltweit jährlich rund 500 Manager Searches durch. „Wir haben im Investment-Controlling zwar Mandate, hierin sehen wir aber nicht unseren Fokus. Unsere Stärken sehen wir in der Bestimmung der Anlagestrategie, bei Asset-Liability-Modelling-Analysen, bei der Identifizierung von neuen innovativen Anlageprodukten und im Risikomanagement, und hier insbesondere in der Risiko-Budgetierung und bei Szenario-Analysen sowie bei der erwähnten Manager-Selektion“, sagt Zaugg.
Investment-Controlling an erster Stelle
„Wir bieten unseren Kunden eine unabhängige Konsolidierung, eine Performance-Messung und ein Investment-Controlling an, welches sehr tief geht und an die individuellen Bedürfnisse unserer Kunden angepasst wird. Einmalige Beratungen wie Manager Searches oder Asset Liability Management hingegen machen einen kleineren Teil unserer Umsätze aus“,
![]() | sagt wiederum Michael Brandenberger, der CEO von Complementa, einem Unternehmen, welches seit 1986 auf dem Schweizer Markt tätig und mit rund 100 Mitarbeitern der grösste Consultant ist, und verweist dabei auf Trends im Consultant-Markt. |
Denn laut Brandenberger befinden sich zum einen die Anteile von alternativen Anlagen in den Portfolios von Schweizer Institutionellen weiter auf dem Vormarsch, zum anderen würden Verkürzungen der Duration im Bond-Bereich, aber auch Core-Satelitte-Ansätze zukünftig weiter verstärkt nachgefragt werden. „Auch in der Schweiz werden die Consultants wahrscheinlich längerfristig Multimanager-Produkte und -Konzepte auf den Markt bringen. Wir planen so etwas jedoch nicht“, erklärt er weiter.
Umsetzung der Anlagestrategie entscheidend
Die klassische Palette der Consulting-Dienstleistungen bietet auch Ecofin an.
![]() | Stephanie Spozio, Mitglied der Geschäftsleitung, nennt die Definition der Anlagestrategie und deren Umsetzung in klar strukturierter Form als entscheidend für den Kundennutzen. „Darin sowie in Lösungen, die Interessenkonflikte vermeiden, liegen die Stärken von Ecofin.“ |
Ein interessanter und entscheidender Aspekt, bei dem sich natürlich die Frage aufdrängt, wann ein Consultant wirklich unabhängig ist.
„Für einen Consultant bedeutet dies zweierlei. Erstens, dass er im Interesse des Kunden denkt und handelt, beispielsweise indem er auf unnötig komplizierte Lösungen, welche ein grösseres Beratungsvolumen versprechen, verzichtet. Beim zweiten Aspekt geht es um die Entflechtung von Umsetzung und Kontrolle. So kann es sinnvoll sein, dass ein Berater nicht für den gesamten Beratungsprozess zuständig ist und sich damit teilweise quasi selber kontrolliert“, erklärt sie weiter. Allerdings gebe es immer auch einen Trade-off, der Beizug von mehreren Consultants sei oftmals nicht effizient. Als weiteren entscheidenden Aspekt in der Beratungstätigkeit von Ecofin nennt Spozio das Investment-Controlling, welches nicht auf das Bereitstellen von Zahlen, sondern auf deren Interpretation fokussiert.
Governance wird immer wichtiger
Eine Entwicklung, die auch Brandenberger sieht. „Ein unabhängiges Reporting und Konsolidieren wird auch in Zukunft immer wichtiger werden, auch gerade weil viele Kunden ganz dezidiert verschiedene Depotstellen verlangen. Da braucht es einen Experten, der dies qualifiziert abbilden kann“, sagt er und will deswegen vor allem beim Investment-Controlling weiter wachsen. Als Wachstumsmärkte hat Brandenberger dabei neben den Pensionskassen insbesondere die Versicherungen, Krankenkassen und Treasury-Abteilungen bei Unternehmen, aber auch Privatpersonen und Asset Manager identifiziert, die einfach Outsourcing-Möglichkeiten bei Performance Reports suchen. Und dies nicht nur in der Schweiz, auch in Deutschland. Dafür übernahm Complementa beispielsweise die Münchner FondsConsult Institutional GmbH im vergangenen Jahr.
Eine Einschätzung, die Watson Wyatt-Experte Zaugg nicht in Gänze teilt. „Mittel- und langfristig geht das Investment-Controlling tendenziell zu den Custodians. Es gibt Banken, die können diese Dienstleistungen sehr günstig offerieren. Dies heisst nicht, dass der Consultant wegfällt, da er weiterhin die Interpretation der Zahlenmenge vornimmt. Es wird jedoch zu Verschiebungen kommen“, sagt er, verweist darauf, dass es zukünftig noch zu einer klareren Trennung zwischen unabhängigen Consultants, die weitgehend frei von Interessenkonflikten sind, und „Asset Management orientierten Consultants“ kommen wird, und skizziert mögliche Beispiele potenzieller Interessenkonflikte auf: Etwa wenn Consultant X die Bank Y in der Produktentwicklung berät, Consultant X jedoch zudem gleichzeitig die Pensionskasse Z bei der Auswahl ihrer Anlageprodukte berät. Theoretisch müsste dann die Bank Y, wenn Consultant X gute Arbeit geleistet hat, auf der Vorschlagsliste der Anlageprodukte der Pensionskasse Z sein. „Hier sehe ich einen massiven Interessenkonflikt, wenn der Consultant die Bank auf seine Empfehlungsliste für Pensionskassen nimmt“, erklärt Zaugg und nennt als weiteren Konflikt kritische Fee-Strukturen. „Bei uns wird das Research ausschliesslich durch die Pensionskassen bezahlt. Deswegen sind wir im Gegensatz zu Consultants, die mit Datenbank-Fees arbeiten, völlig unabhängig“, erklärt er. Eine weitere Herausforderung sind die unterschiedlichen Vergütungsmodelle der Consultants und Banken: Consultants verlangen in der Regel Franken-Beträge, die von Kundenseite manchmal als hoch empfunden werden, Banken hingegen Basispunkte, also vermögensvolumenabhängige Gebühren, die subjektiv als tief empfunden werden. Deswegen sei es sicher sinnvoll, zukünftig Vergütungsmodelle einzusetzen, die sich noch stärker als bisher am geleisteten Mehrwert für die Pensionskasse orientieren.
Unabhängigkeit gefordert
„Kunden wollen klare Statements hören, daran fehlt es Consultants jedoch oft“, sagt Dr. Alexander Dimai, Partner bei DL Investment Partners AG, und verweist darauf, dass sich Consultants nicht gerne aus dem Fenster lehnen, auch aus Haftungsgründen. „Wir hingegen versuchen das zu vermeiden, indem wir uns klar positionieren. Positionieren dahin gehend, dass wir sagen, welches Marktumfeld, welche Strategie und welche Implementierung sinnvoll sind, auch wenn nicht jede Entscheidung perfekt ist“, sagt Dimai, ein Consultant, der sich auf Produktlösungen bei Hedgefonds, Commodities und im Währungsmanagement spezialisiert hat. Gleichwohl, auch er, der nach einem Asset-Based-Fee-Modell entlöhnt wird, ist sich Governance-Konflikten bewusst. „So ist es beispielsweise die Pflicht, die Retrozessionen, die man von Banken bekommt, an den Kunden weiterzugeben. Gleichzeitig sollte man sich mit den Produktanbietern nicht zu stark identifizieren oder gar helfen, ihre Produkte quasi mitzuentwerfen oder mitzuentwickeln“, erläutert er und verweist hierbei auf die seiner Ansicht nach reine Lehre: Denn danach sollte ein Consultant beispielsweise bei der Manager-Selektion nur entlöhnt werden, wenn er Manager aussucht, die auch tatsächlich Outperformance generieren, und nicht, wenn der Consultant lediglich die Namen von drei möglichen Kandidaten präsentiert. Im ersten Fall jedoch dann durchaus auch leistungsabhängig. „ Wir bieten dies immer an. Dies wird in der Schweiz (noch) nicht angenommen“, erklärt er und verweist auch auf die psychologische negative Wahrnehmung von dann fälligen, potenziell hohen Einzelbeträgen, insbesondere beim Stiftungsrat.
Gleichwohl, wie sieht die Zukunft aus? „Ich glaube, dass es für einen weiteren grossen Consultant schwierig werden dürfte, auch vor dem Hintergrund, dass die Zahl der Pensionskassen tendenziell abnimmt. Zunehmende Bedeutung werden aber spezialisierte Berater erlangen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass insbesondere bei grossen Pensionskassen ein Nebeneinander von mehreren Beratern die Regel wird. Ein übergeordneter Consultant agiert aus Sicht des Gesamtportfolios und der Gesamtinteressen, und daneben stehen Spezialisten, beispielsweise bei alternativen Anlagen, beratend zur Seite“, sagt Spozio von Ecofin. Denn es gehe auch um immer mehr Detailwissen.
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