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Christoph Oeschger, ABB Pensionskasse, Geschäftsführer |
„Wir sind immer auf der Suche nach der optimalen Strategie, nach der bestmöglichen Diversifikation und dem ewig währenden Prozess, dies effizient umzusetzen“, sagt Christoph Oeschger, der Geschäftsführer der ABB Pensionskasse. Und dabei meint Oeschger derzeit nicht vornehmlich die Suche nach neuen Asset-Klassen, in die die Pensionskasse investieren könnte.
Nein, seit ungefähr etwas mehr als einem Jahr ist die Pensionskasse intensiv auf der Suche nach dem optimalen Grad der Währungsabsicherung. Um diesen zu erreichen, wurden auch schon Anlagen in nicht abgesicherten Fremdwährungen substanziell reduziert, sprich, es wurden Obligationen Fremdwährungen und Aktien Welt verkauft. Im Gegenzug wurden Positionen in den Anlageklassen Aktien Welt währungsgesichert und Obligationen Fremdwährungen sukzessive währungsgesichert auf- respektive ausgebaut. „Der Stiftungsrat ist zudem zum Schluss gekommen, dass wir den Home Bias bei Aktien, aber auch bei Immobilien abbauen müssen. Daran arbeiten wir gerade, sind aber noch nicht am Ziel. Deswegen ist es auch schwierig zu sagen, wohin die Reise geht. Sicherlich besteht auch die Möglichkeit hierbei das Engagement in alternativen Anlageklassen auszubauen. Dabei sind wir aber sehr zurückhaltend“, erklärt er weiter. Obwohl, derzeit beispielsweise investiert die Pensionskasse rund 2,2 Prozent in Private-Equity-Anlagen. Da die strategische Asset Allocation einen Zielwert von 2 Prozent vorsieht und die taktische Bandbreite zwischen 0,5 und 3 Prozent liegt, ist die Pensionskasse leicht übergewichtet. Abgebildet wird das Ganze übrigens über ein Advisory-Mandat in Zusammenarbeit mit Portfolio Advisor, welches über die Avadis Anlagestiftung abgewickelt wird.
Avadis soll es richten
Die ABB Pensionskasse hat vor neun Jahren eine Tochtergesellschaft gegründet, die Avadis Vorsorge AG. Diese bietet Pensionskassen-Dienstleistungen an, insbesondere mittleren und grösseren Pensionskassen. „Die Ausgründung erfolgte einerseits natürlich aus wirtschaftlichen Gründen, um beispielsweise von Pooling-Effekten profitieren zu können. Andererseits ist die ABB Pensionskasse in diesem Modell stets im Konkurrenzvergleich. Dies garantiert, dass die Leistungen in Bezug auf Kosten und Qualität konkurrenzfähig sind“, sagt Oeschger. Avadis betreut derzeit rund 80 Pensionskassen und dies in zweierlei Hinsicht. Denn zum einen wird die ganze technische Verwaltung und Betreuung übernommen, aber auch die Buchhaltung, es werden Stiftungsratssitzungen und die gesamte Kommunikation mit den Versicherten durchgeführt. Zum anderen wurde bereits vor über zehn Jahren ein Asset Pool gegründet. Hier ist Avadis daran interessiert, das Vermögen von Pensionskassen nach einem Multimanager-Ansatz individuell zugeschnitten zu managen, führt die Manager-Selektion durch und ist für die Qualitätssicherung verantwortlich. Hierauf greift auch die ABB Pensionskasse zurück. Sie verwaltet keine Anlagen in Eigenregie, sondern lässt die Anlagestrategie durch Avadis umsetzen. Avadis wiederum mandatiert für die Verwaltung die externen Vermögensverwalter.
Deckungsgrad und Wertschwankungsreserve gesteigert
Doch zurück zu den einzelnen Asset-Klassen. In Hedgefonds etwa investiert die ABB Pensionskasse seit sechs Jahren, derzeit sind es 2,9 Prozent ihres Vermögens. Ein Wert, der nahe an der Strategie liegt, die drei Prozent vorsieht. Hierbei handelt es sich um eine Tailormade-Konstruktion, die auf das Hedgefonds-Know-how von Goldman Sachs zurückgreift. In Infrastruktur hingegen wird nicht investiert, genauso wenig wie in Mezzanine-Kapital, da dies Anlageklassen für die Pensionskasse zu Private-Equity-nahen Investitionen darstellen. Auf der anderen Seite ist es natürlich so: „Wir können dem inländischen Zinsniveau nicht entfliehen und müssen gleichwohl eine Mindestrendite von 3,89 Prozent erzielen, um den Break Even zu erreichen. Im Jahr 2005 war es sogar eine Mindestrendite von 5,12 Prozent. Deswegen engagieren wir uns vermehrt in Aktien, ohne gleichzeitig das Risiko erhöhen zu wollen“, erklärt Oeschger hierzu. Die ABB Pensionskasse erwirtschaftete im vergangenen Jahr eine Rendite von 5 Prozent, im Vorjahr waren es 9,8 Prozent, und konnte dadurch den Deckungsgrad von 107,8 Prozent auf 109,2 Prozent steigern. Die Wertschwankungsreserve beträgt aktuell 9,2 Prozent, nach 7,9 Prozent im vergangenen Jahr. Dabei kalkuliert die Kasse mit einem technischen Zins von 3,5 Prozent, weist eine Bilanzsumme von 3,3 Milliarden Schweizer Franken aus und versichert derzeit 6.430 Versicherte und 7.919 Rentner, ist also durchaus eher als einer rentnerlastige Kasse zu bezeichnen.
Obligation unter- und Aktien übergewichtet
Von der Krise an den US-Hypothekenmärkten und deren Auswirkungen etwa auf Asset-Backed-Security-Fonds sowie der Schliessung einiger dieser Fonds ist die Pensionskasse nicht direkt betroffen, da sie derzeit nicht in derartige Produkte investiert. Auch in Hochzinsanleihen wird nicht investiert. Dies wurde zwar geprüft, man kam aber zur Erkenntnis, dass diese Asset-Klassen je nach Marktumfeld einen aktienähnlichen Charakter einnehmen können und dass dieser Equity-Charakter dann doch lieber direkt mit Aktien umgesetzt werden soll. Aktuell beträgt der Geldmarktanteil der Kasse 4,2 Prozent, das liegt unter der Strategie von 5 Prozent, die taktische Bandbreite liegt zwischen 3 und 10 Prozent. Die ABB Pensionskasse vertraut sich auch beim Verwalten des Geldmarktanteils einem externen Manager an, in diesem Fall ist es Pictet. Dieser durchläuft wie die anderen externen Manager, insgesamt sind es immer so zwischen zehn und zwölf Manager-Mandate, ein engmaschiges Risikosystem, welches die Manager und deren Performance täglich prüft. Die Ergebnisse hieraus werden auf der Ebene der Anlage-klassen konsolidiert, ausgewertet und monatlich mit ausgewählten Peer Groups verglichen und analysiert. „Dies ist ein mehrstufiger Prozess, bei dem wir sehr schnell merken, ob Handlungsbedarf vonnöten ist“, sagt Oeschger und deutet an, dass die Anlageplattform von Avadis durchschnittlich ein bis zwei Manager pro Jahr aus unterschiedlichsten Gründen austauscht, natürlich wegen einer schlechten Performance, aber nicht nur, es können auch Gründe wie Eigentümer-, Fondsmanager-Wechsel oder Wechsel in der Anlagestrategie oder im Umsetzungsprozess eines Fonds sein.
Abbildung: Entwicklung der Wertschwankungsreserve, ABB Pensionskasse 1997-2006; Quelle: ABB Pensionskasse.
Bei den Obligationen Inlandsschuldner vertraut sich die Pensionskasse via Avadis aktuell der Zürcher Kantonalbank, der Credit Suisse und Loyal Finance an und gewichtet diese leicht unter der Strategie. Bei den gehedgten Fremdwährungsobligationen mandatiert Avadis State Street, bei den Obligationen Euro Vanguard. Auch hier liegt der Investitionsgrad der ABB Pensionskasse leicht unter der Strategie. Die von Avadis selber verwaltete Anlageklasse Immobilien Schweiz macht bei der ABB Pensionskasse immerhin einen Anteil von 16,6 Prozent des Gesamtvermögens aus und ist damit leicht übergewichtet. Die Anlageklasse besteht hauptsächlich aus Wohnliegenschaften und konnte im vergangenen Jahr eine Performance von 5,56 Prozent erwirtschaften. Die Mandate für die ausländischen Immobilien hat Avadis wiederum extern vergeben, und zwar ging der amerikanische Anteil an AEW, den europäischen Part managen European Investors und AXA, und nicht zuletzt ging der asiatische Anteil an Macquarie.
Da die ABB Pensionskasse wie angetönt an Aktien glaubt, sind jegliche Aktiensektoren derzeit übergewichtet, jedoch in der Ausprägung nur leicht. Schweizer Aktien verwaltet die UBS, Aktien Welt gesichert und ungesichert nanaged State Street, das Mandat Aktien Emerging Markts bekam GMO in Bosten. In andere Anlageklassen investiert die ABB Pensionskasse zurzeit nicht, so auch nicht in spezifische Nachhaltigkeitsprodukte. Zwar findet Geschäftsführer Oeschger die Idee der Nachhaltigkeit „ausgesprochen gut, gleichwohl haben wir noch kein Konzept und keinen Ansatz gefunden, der uns überzeugt. Deswegen ist es auch nicht auf der Agenda“, erklärt er.
Nur ein niedriger technischer Zins ist ein guter technischer Zins
Die Pensionskasse hat sich vor zwei Jahren dazu entschlossen, überschüssige Reserven, rund 80 Millionen Schweizer Franken, in die Reduktion des technischen Zinses zu stecken, und zwar von 4 Prozent auf 3,5 Prozent. „Sicherlich tragen wir uns mit dem Gedanken noch tiefer zu gehen. Das kann in Richtung drei Prozent gehen“, sagt er, weist jedoch gleichzeitig auf die Brisanz des Entscheides hin. Denn zum einen gibt ein tiefer technischer Zins eine Pensionskasse laut Oeschger zweifelsohne mehr Spielraum, sie bewege sich einfach besser auch durch turbulente Zeiten, zum anderen sei dies natürlich auch ein sozialpolitisch sehr heikler Entscheid, der dem Stiftungsrat sicher in einem guten Marktumfeld leichter falle, dem eine Reduktion um weitere 50 Basispunkte würde wieder 80 Millionen Schweizer Franken kosten und zudem den Deckungsgrad um drei Prozentpunkte sinken lassen, ein weiterer Spagat lässt grüssen, denn Oeschger glaubt, dass der Deckungsgrad von 115 Prozent risikofähig ist, aktuell liegt dieser bei 109,2 Prozent.
Strenge Regeln festgelegt
Und noch ein weiteres Thema treibt die Pensionskasse stetig um: die Pension Fund Governance, und das obwohl sich die ABB Pensionskasse schon im Jahre 2000 dem Verhaltenskodex unterstellte. Doch das war ihr nicht genug, mit dem Ergebnis, dass nun auch noch explizit festgelegt wurde, welche Wertschriftentransaktionen unzulässig sind, und zwar folgende: zum Beispiel Front Running, Handel zum Nachteil der Pensionskasse und Ausnutzen von kursrelevanten Informationen. Zudem haben die Stiftungsräte einmal im Jahr schriftlich darzulegen, welche Vermögensvorteile, beispielsweise Gelegenheitsgeschenke, sie in ihrer Stiftungsratsfunktion entgegengenommen haben: Offenlegungspflichtig sind dabei Geschenke ab einem Wert von 250 Schweizer Franken.
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