Schweizer Pensions- & Investmentnachrichten
Alpha, bitte melden!
Veröffentlicht am:  16. Oktober 2006

Laut Swisscanto haben starre Anlagerichtlinien ausgedient. Sinnvoller ist ein Investieren nach der Prudent Expert Rule. Dies verbessert die Diversifikation und senkt das maximale Verlustrisiko. Generell ist der Trend hin zu einer fortwährenden Suche nach einem ökonomisch sinnvollen Alpha zu beobachten. Dieser ist ausdrücklich zu begrüssen.

Fragen: Michael Lennert

Antworten: Peter Bänziger, Mitglied der Geschäftsleitung der Swisscanto Gruppe

spn: Herr Bänziger, aufgrund der Ergebnisse der aktuellen Swisscanto-Studie bemängeln Sie, dass in der Schweiz immer noch zu viel Gewicht auf das Risiko der Einzelanlage gelegt und zu wenig auf den Risiko- und Ertragsbeitrag der einzelnen Anlage zum gesamten Portfolio geachtet wird. Warum ist das so?

Bänziger: Das geht meines Erachtens auf die starren Anlagerichtlinien des BVV2 zurück. Sicherlich wurde das Gesetz kontinuierlich angepasst. Zudem gibt es den Artikel 59 BVV2, der es erlaubt, im Einzelfall aufgrund einer schlüssigen Begründung gegenüber der Aufsichtsbehörde von den Artikeln 53 bis 57 abzuweichen. Dennoch ist das starre Denken in den Reglementierungen des ursprünglichen BVV2 noch in zahlreichen Köpfen fest verankert.

spn: Ein Umstand, der zu suboptimalen Ergebnissen führt.

Bänziger: Genau. Nehmen Sie einmal das Beispiel des Yale Endowment Funds. Dieser nimmt Anlagen in das Portfolio auf, die einen hohen Ertrag versprechen und gleichzeitig über eine tiefe Korrelation zu anderen Anlagekategorien verfügen. Ziel ist die Minimierung des Portfoliorisikos. Dabei werden die Korrelationen nicht nur statisch, sondern dynamisch betrachtet. Anlageklassen, auf die diese Eigenschaften zutreffen, sind Hedgefonds, Private Equity, Immobilien und Rohstoffe. Die Anlageentscheidungen des Fonds basieren dabei auf der so genannten Prudent Expert Rule. Die Prudent Expert Rule besagt, dass jedem Entscheid dieselben Krite-rien zugrunde liegen sollen, die ein erfahrener Fachmann in einer ähnlichen Organisation anwenden würde. Ob Emerging Market Funds, High Yield Bonds oder alternative Anlagen prudent sind, bestimmt der Markt, daher braucht es keine Anlagebeschränkungen. Dafür wird die Selbstverantwortung der Pensionskasse gestärkt. Eine solche Lösung befürwortet jedoch gegenwärtig lediglich ein Viertel aller Pensionskassenverantwortlichen.

spn: Das Portfolio des Yale Endowment Funds investiert 25,7 Prozent des Anlagevolumens in Hedgefonds, 14,8 Prozent in Private Equity und rund 25 Prozent in Rohstoffe und Immobilien. Was den Aktienanteil betrifft, sind es 14,1 Prozent Aktien USA und 13,7 Prozent Aktien Ausland. Auf der anderen Seite beträgt der Fixed-Income-Anteil lediglich 4,9 Prozent. Finden Sie eine solche Allokation nicht zu aggressiv für eine Pensionskasse?

Bänziger: Heute wäre eine solche Asset Allocation für eine Schweizer Pensionskasse kaum vorstellbar. Die Entwicklung wird jedoch, wenn auch nicht ganz so extrem, in diese Richtung gehen. Der entscheidende Grund ist folgender: Der Einsatz alternativer Anlagen bringt eine bessere Diversifikation und vor allem eine Reduktion der maximalen Rückschlagsrisiken. Dies ist wichtig, da eine Pensionskasse dadurch ihre Handlungsfreiheit bewahren kann. Das heisst, dass sie nicht im dümmsten Moment ihre Anlagestrategie anpassen muss.

spn: Sie haben aufgrund der Ergebnisse der Studie ein optimiertes Portfolio für Schweizer Pensionskassen erarbeitet. Können Sie Ihre Vorstellungen näher erläutern?

Bänziger: Ziel unserer Überlegungen ist es, Risikoprämien abzuschöpfen und besondere Fähigkeiten von Managern auszunutzen. Ausgehend von einem traditionellen Portfolio mit einem Aktienanteil von 40 Prozent haben wir untersucht, welche Anlagekategorien in einem optimierten Portfolio mit welchen Anteilen vertreten sein sollten, wenn keinerlei Restriktionen bestehen. Dabei wurde der Risikominimierung ein höherer Stellenwert zugeordnet als der Gewinnmaximierung.

spn: Für welche Gewichtungen haben Sie sich entschieden?

Bänziger: Unser optimiertes Portfolio investiert – bei den traditionellen Anlagen – zu null Prozent in den Geldmarkt, zu 18 Prozent in Franken denominierten Obligationen, zu 14 Prozent in Fremdwährungsobligationen und zu zwei Prozent in Wandelanleihen. Der Anteil Schweizer Aktien beträgt 8, der ausländischer Aktien 16 Prozent. Dazu mischen wir 2 Prozent Private Equity, 10 Prozent Immobilien Schweiz, 4 Prozent Immobilien Ausland, 18 Prozent Hedgefonds sowie 8 Prozent Rohstoffe bei.

spn: Gibt es weitere Trends, die Sie beobachten?

Bänziger: Unserer Ansicht nach werden Strategien wie Liability Driven Investments weiter entwickelt und implementiert werden. Hierzu werden vermehrt neue Anlageinstrumente wie Kreditderivate wie beispielsweise Credit Default Swaps eingesetzt. Im Bereich der Aktien denke ich vor allem an Long-Short-Strategien. Relativ neu und hoch interessant ist auch das Konzept des Portable Alphas.





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