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Autor: René Charriére |
Von René Charrière, State Street Bank Schweiz, Managing Director
Das Anlagegeschäft verändert sich rasant. Dies zwingt alle Akteure, sich immer wieder die Frage nach der effizientesten Geschäftsführung zu stellen.
Trennung von Alpha und Beta
Viele institutionelle Investoren unterscheiden zwischen Alpha und Beta. Vor allem Pensionskassen und Versicherungen decken ihren Hauptanlageteil oft mit Indexanlagen, den Beta-Produkten, ab. Für die potenzielle Überrendite kommen Alpha-Produkte zum Einsatz, die ihre Rendite möglichst unabhängig von der gewählten Benchmark erzielen.
Dieser Trend der Trennung von Alpha und Beta prägt auch das Geschäftsmodell der Anbieter. Das Spektrum reicht heute von der Boutique mit Spezialitäten oder Hedgefonds im Alpha-Bereich bis hin zum ETF-Anbieter, der reines Beta liefert und wo Volumen und Grösse kritische Erfolgsfaktoren sind. Einige Gesellschaften kaufen die Beta-Komponenten ein, damit sich ihre Asset Manager auf Produkte mit höherer Marge und Komplexität – die Alpha-Produkte – fokussieren können.
Für einen globalen Custodian hat die Trennung von Alpha und Beta Konsequenzen für den Leistungskatalog. Heute erteilen Anleger Mandate bereits gebündelt mit dem Auftrag für die Indexkomponente. Müssen bis anhin für diese spezialisierte Vermögensverwalter oder Fonds beigezogen werden, so ist denkbar, dass in Zukunft der passivierte Teil der Anlagen mit der Verwahrung eingekauft wird.
Knacknuss alternative Anlagen
Die Rolle des globalen Custodians geht heute weit über das Verwahren und die einfache Buchführung hinaus. Die Herausforderungen sind so vielseitig wie für den Asset Manager: Sie umfassen die Bewertung, die Informationsbeschaffung, die Risikomessung, das Reporting und die steuerliche Behandlung. Heute werden zum Beispiel Kredit- und Zinsrisiken aufgeteilt und der Investor kann über Derivate seine Wetten gezielter eingehen. Die Abwicklung, Bewertung und Verbuchung solcher Transaktionen berühren vielschichtige Themenbereiche. Das professionelle Handling von Hedgefunds gehört ebenfalls zum Tagesgeschäft eines grossen Custody-Anbieters. Auch andere alternative Anlagen wie Immobilien, Private Equity und Commodities sind nicht länger eine Randerscheinung. Die Datenbeschaffung für ein Reporting auf strategischer wie auch operativer Ebene wird zur Knacknuss. Denn oft besteht kein etabliertes Berichtswesen oder die notwendige Transparenz ist nicht vorhanden.
Schneller am Markt
Die Umsetzung von innovativen Anlageideen und der sich ständig verändernde Markt erhöhen die Komplexität in der Administration. Deshalb ist eine Aufteilung zwischen Eigen- und Fremdleistung sinnvoll: Innovation, Marketing und Verkauf bleiben beim Anbieter. Nachgelagert findet die optimale Verpackung für den Zielkunden statt. Diese Verpackung kann ein Offshore-Fonds sein, ein UCITS–kompatibler Fonds für den Vertrieb in der EU oder ein Zertifikat je nach steuerlichen oder regulatorischen Anforderungen. Ideal für einen Anbieter ist, wenn er die Risiko- und Kostenkontrolle sowie die Unterstützung für das Portfolio Management gleich mitgeliefert bekommt. Die Auslagerung der Infrastruktur, der Administration und der Kontrollaufgaben gewinnt deshalb immer mehr an Bedeutung. Ein Custodian ist dank seiner internationalen Vernetzung in der Lage, grenzüberschreitende und individuelle Services zu leisten. Eine Aufteilung in Eigen- und Fremdleistung verkürzt die Zeit von der Konzeption bis zur Markteinführung einer neuen Anlageidee erheblich.
Trends im Custody
Zusätzlich zu erhöhten Anforderungen an Performance-Messung und -Attribution im Reporting kommen anspruchsvolle Bedürfnisse bezüglich Risikomessung und Risikoreporting. Diese Zusatzberichte werden von den Kontrollorganen aus Gründen einer guten Corporate Governance erwartet. Indexänderungen und die Selektion oder der Wechsel von Asset Managern fördern ein weiteres Aufgabengebiet: das Transition Management. Portfolio-Restrukturierungen sind komplex und müssen oft innerhalb eines kurzen Zeitraums durchgeführt werden. Ein international agierender Custodian ist dank seiner Infrastruktur ein geeigneter Partner, um Umschichtungen kosten- und risikooptimiert durchzuführen.
Fazit
Anlagegesellschaften und institutionelle Investoren benötigen einen Partner für die Infrastruktur und Administration, damit das hohe Markttempo und die Komplexität nicht zum Stolperstein werden. Beachtliche Wertschöpfung bringt der Custodian im Bereich Bewertung, Informationsbeschaffung, Risikomessung, Reporting und buchhalterische Behandlung von komplexen Anlagestrategien und Produkten. Zusatzleistungen wie Transition Management und Integration von alternativen Anlagen im Reporting werden zunehmend vorausgesetzt. Ein Custodian muss deshalb global vernetzt und mit entsprechenden personellen Ressourcen ausgestattet sein.
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