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Was macht ein Asset Manager, den Institutionelle mit Geld zuschütten – obwohl er gar nicht so gross werden will? Die Antwort aus St. Gallen: Er setzt auf indexbasierte Strategien, besteht auf performanceabhängige Gebühren und schliesst auch einmal Produkte, im Interesse der Kunden. So wie die älteste Privatbank der Schweiz, Wegelin.
Fragen: Maik Rodewald
Antworten: Dr. Magne Orgland, Wegelin & Co. Teilhaber
spn: Herr Dr. Orgland, Sie sind seit August 2000 bei Wegelin & Co. und seit 2002 Teilhaber. Welches Ereignis hat Sie während dieser Zeit am meisten beeindruckt?
Dr. Magne Orgland: Sicherlich die Technologieblase und wie man als Investor mit Themen-Investments sehr viel Geld verlieren kann. Deshalb bietet Wegelin keine Themen-Fonds an, daran glauben wir einfach nicht.
spn: Woran glauben Sie denn?
Orgland: An quantitative globale Aktienstrategien. Wenn man langfristig Geld verdienen und wie Wegelin Alpha erzielen will, muss man die Investments immer wieder systematisch rotieren. Im Gegensatz dazu kommt man erfahrungsgemäss aus Themen-Investments schlecht wieder heraus. Dazu kommt: Der Asset Manager wird dem Kunden selten mitteilen, wann er bei diesen Themen aussteigen sollte, weil damit viel Geld verdient wird. Ein aktuelles Beispiel für solche gefährlichen Themen ist beispielsweise die Investition in Bric-Produkte. Wir halten derzeit nur einen Bric-Markt für interessant: Brasilien.
spn: Wie hat sich Wegelins institutionelles Geschäft seit 2000 entwickelt?
Orgland: Damals betreuten wir eher kleine und mittelgrosse Pensionskassen in Form von Mischmandaten. Die Active-Indexing-Strategien, die heute mit fünf Milliarden Schweizer Franken den Hauptteil unseres institutionellen Geschäfts ausmachen, gab es damals nicht. Die haben wir erst 2000 entwickelt. Derzeit verwalten wir etwa 18 Milliarden Franken, etwa die Hälfte davon ist institutionelles Geld. Die Assets insgesamt wachsen etwa um 30 bis 40 Prozent pro Jahr, der institutionelle Teil wächst am schnellsten, in den vergangenen Jahren um fast 100 Prozent pro Jahr. In diesem Jahr haben wir 20 neue Mandate gewonnen und viele bestehende Kunden haben aufgestockt. Wir wachsen weiterhin deutlich stärker als der Markt.
spn: Sie bezeichnen sich mit Ihrer Active-Indexing-Strategie als Marktführer für aktive, indexbasierte Anlagestrategien. Was ist Active Indexing?
Orgland: Das sind Mandate für Aktien weltweit beziehungsweise Emerging-Markets-Aktien, die mit einem angemessenen Tracking Error verwaltet werden. Wir sind Index-Picker, das heisst, wir investieren auf Basis unserer quantitativen Analysen nur in Indexanlagen aus dem MSCI-Universum. Bei globalen Aktienmandaten investieren wir in die acht bis zehn attraktivsten Märkte des MSCI World Index, bei Emerging-Markets-Mandaten in die sechs bis acht interessantesten Märkte. So erzielen wir ein Alpha gegenüber den jeweiligen MSCI-Benchmarks.
spn: Und wie viel konnten Investoren mit Ihrem Active Indexing über die Jahre verdienen?
Orgland: Wir kommen seit dem Start des Active Indexings 2001 auf eine Brutto-Rendite in Schweizer Franken von 106 Prozent, der MSCI World Index auf 27 Prozent – dies bei vergleichbarer Volatilität. Wir haben 14 Prozent pro Jahr gemacht, der Index 5 Prozent. Da wird deutlich, wie wertvoll Alpha ist.
spn: Wer sind Ihre Hauptkonkurrenten?
Orgland: Bei weltweiten Aktien messen wir uns an den besten Quant-Häusern der Welt, also beispielsweise Goldman Sachs oder GMO. Im Private Banking schauen wir auf die Bank Syz, die sehr innovativ ist.
Wo wir in den vergangenen drei Jahren zu Beauty Contests eingeladen wurden, haben sich die Investoren praktisch immer für unseren Active-Indexing-Ansatz entschieden. Erst gerade Mitte Mai haben wir zwei 130:30-Mandate, insgesamt je 70 Millionen Franken, von zwei britischen Pensionseinrichtungen gewonnen – und uns damit gegen 70 internationale Asset Manager durchgesetzt.
spn: War es diesen britischen Pensionsfonds egal, ob Sie die Überrendite mit Stock Picking oder mit Index Picking erzielen?
Orgland: Ja. Die meisten Investoren bevorzugen sogar unseren Ansatz, weil er besser diversifiziert ist. Unser Portfolio repräsentiert etwa 900 Einzelwerte, hat keinen Style Bias und deshalb auch eine geringere Wahrscheinlichkeit, dass wir über längere Zeit schlechter abschneiden als der MSCI World. Der Ansatz ist auch weniger von Einzelpersonen abhängig als bei einem Stock-Picker.
spn: Lief das Mandat über einen Consultant?
Orgland: Ja.
spn: Was ist von Wegelin in diesem Jahr noch Neues zu erwarten?
Orgland: Unsere 130:30-Strategie ist noch recht neu und funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie unser marktneutraler Long-Short-Hedgefonds, der seit 2003 existiert: Wir gehen die attraktivsten Indizes long und die uninteressanten short. Auf Aktienindex-Basis macht das meines Wissens sonst kein anderer Anbieter.
Zweitens bringen wir einen Alternative Alpha Fund, unsere Antwort auf die Fund-of-Hedge-Fund-Welt; an diese Welt glauben wir nicht, vor allem weil diese Konstrukte mit insgesamt vier bis fünf Prozent Gebühren pro Jahr sehr teuer sind. Ausserdem sind sie sehr intransparent, die Risiken sind kaum zu durchschauen, und die Liquidität ist in der Regel mangelhaft. Wir werden sehr gute Long-Only-Manager suchen und hedgen die Marktrisiken heraus, indem wir die Indizes short gehen. Das Ergebnis: Transparente Investments, wöchentliche Liquidität des Fonds und geringere Kosten, weil die Long-Only-Manager selten Performance Fees verlangen. Ausserdem testen wir derzeit, ob Active Indexing auch in Frontier Markets funktioniert, also in den ganz kleinen Märkten, in welche man noch kaum investieren kann.
spn: Wo werden Sie in den kommenden Monaten am meisten investieren?
Orgland: Wir haben eine enge Beziehung zur akademischen Welt und finanzieren viele Studien und Doktorarbeiten. Das werden wir weitermachen. Nur wenn unser Research top ist, können wir auch weiterhin überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen. Ausserdem investieren wir weiter in unsere luxemburgische Investment-Plattform, damit wir unsere Anlagefonds auch verstärkt in anderen europäischen Ländern anbieten können.
spn: Welche Investorengruppen wollen Sie noch besser erschliessen?
Orgland: Vor allem institutionelle Kunden ausserhalb der Schweiz. Das Geschäft wird zunächst hauptsächlich über Consultants laufen. Unsere zwei Hauptkundengruppen derzeit sind Pensionskassen und Stiftungen beziehungsweise grosse Family Offices in der Schweiz. In fünf Jahren wird der grösste Teil unserer institutionellen Kunden aus dem Ausland stammen.
spn: Sie wollen trotzdem nicht zu gross werden, um weiterhin Alpha produzieren zu können. Im Zweifel verzichten Sie also auf Volumen. Das macht man nur, wenn man sich performanceabhängig vergüten lässt.
Orgland: Das stimmt, deshalb schliessen wir nur Mandate mit performanceabhängigen Gebühren ab. Das heisst: tiefere Management Fees und eine Performance-Gebühr, die auf das Netto-Alpha berechnet wird, mit relativer High-Water-Mark.
spn: Das ist selten.
Orgland: Ja, das macht kaum jemand so. Ein solches Modell ist fair und schaltet die Interessen von Asset Manager und Kunden gleich. Wir haben den Anreiz, die Fonds zu schliessen, wenn sie zu gross werden, um das Alpha nicht zu verwässern. Wer nur mit Gebühren auf das Volumen Geld verdient, hat diesen Anreiz nicht. Dort heisst es: je mehr Volumen, desto besser.
spn: Wie viel verdienen Sie durch feste und wie viel durch performanceabhängige Gebühren?
Orgland: 2006 entfiel ein sehr hoher Anteil auf die performanceabhängige Gebühr. Man muss natürlich als Asset Manager auch bereit sein, mit mehr Ergebnisvolatilität zu leben. Für ein börsenkotiertes Unternehmen wäre das sicherlich schwieriger. Mit unserer partnerschaftlichen Struktur können wir aber langfristig denken.
spn: Wie viel Personen sind eigentlich an Wegelin beteiligt?
Orgland: Neben den fünf geschäftsführenden Teilhabern haben wir insgesamt etwa 300 Mitarbeiter. Die allermeisten sind an der Bank beteiligt.
spn: Kein Asset Manager ist vor Performance-Durchhängern gefeit. Wie reagieren Sie, falls Ihre Ansätze nicht mehr funktionieren?
Orgland: In einer Phase der Underperformance werden wir unseren Ansatz selbstverständlich durchhalten, sonst hat man in diesem Geschäft keinen Erfolg. Hektische Gegenmassnahmen wirken in der Regel mittelfristig kontraproduktiv – zumindest dann, wenn der Investment-Ansatz theoretisch fundiert und über längere Zeiträume empirisch getestet wurde. Und das haben alle unsere Ansätze gemeinsam.
spn: Würden Sie einen Asset Manager kaufen?
Orgland: Nein, wir werden weiterhin organisch wachsen.
spn: Sie decken das Segment Aktien Schweiz in Ihren Balanced Portfolios ausschliesslich über Indexfonds ab. Das entspricht dem Trend bei den Pensionskassen. Haben aktive Verwalter von schweizerischen Aktien Ihrer Einschätzung nach überhaupt eine Zukunft?
Orgland: Lassen Sie mich so antworten: Es ist eher die Regel als die Ausnahme, dass schweizerische Aktien etwa 50 Prozent der Aktienquote ausmachen. Wissenschaftlich gesehen ist es sicher wünschenswert, wenn die Pensionskassen ihren Home Bias reduzieren. Das ist aber auch regulatorisch bedingt.
spn: Wirklich? Wer sich heutzutage noch hinter regulatorischen Gegebenheiten versteckt, kennt den Artikel 59 BVV2 nicht – oder will ihn nicht kennen. Beides ist kaum hinnehmbar.
Orgland: Aber die Praxis ist anders. Ein Pensionskassen-Gremium ist eher risikoavers und sollte das vermutlich auch sein. Ich kann verstehen, dass es diesen Gremien schwer fällt, sich aus dem Fenster zu lehnen und etwas Unkonventionelles zu machen. Unsere Kunden glauben zumindest an globale Aktienmandate; denn wenn der Asset Manager gut ist, dann kann man ihm auch die Entscheidung überlassen, welche Märkte er wie gewichtet. Die Schweiz erachten wir jedenfalls derzeit nicht als besonders interessant für Aktien-Investments.
spn: Gibt es bei Ihrem Active Indexing eine Obergrenze, bis zu der Sie einen einzelnen Markt gewichten?
Orgland: Wir gewichten keinen Markt über 25 Prozent. Innerhalb des MSCI-World-Index-Universums werden die Teilmärkte über- und untergewichtet, und wir investieren in acht bis zehn Marktindizes. Da wir völlig unabhängig von der Marktkapitalisierung agieren, könnte beispielsweise Norwegen mit 20, die USA aber nur mit 15 Prozent gewichtet sein.
spn: Und das ist theoretisch sinnvoll?
Orgland: Ja, jedenfalls solange genügend Liquidität vorhanden ist. Deshalb ist so eine Strategie nicht unlimitiert. Genau das ist unser Vorteil gegenüber den grossen Häusern. Wenn diese Häuser zum Beispiel norwegische Aktien attraktiv finden, dann können sie nur eine relativ geringe Übergewichtung fahren, wir dagegen eine relativ grosse. Und darin steckt ein Teil des Outperformance-Potenzials.
spn: Kommt Ihr Ansatz auch bei deutschen Investoren an?
Orgland: Interessanterweise ist Deutschland jetzt schon unser stärkster Auslandsmarkt. Das liegt auch daran, dass uns die dortigen Consultants bereits intensiv beobachten. Derzeit zählen wir deutsche Versorgungswerke und Pensionskassen zu unseren Kunden. Sie sind in Active Indexing World, Emerging Markets und Long-Short investiert. Die meisten institutionellen Investoren investieren in unseren Publikumsfonds, in einem Fall sind wir Adviser einer Master-KAG-Konstruktion.
spn: Ab welchem Volumen schliessen Sie separate Mandate ab?
Orgland: Ab 50 Millionen Euro.
spn: Aber damit werden Sie die breite Masse der deutschen Investoren nicht erreichen.
Orgland: Wir wollen ja auch kein Volumengeschäft betreiben, sondern Nischenanbieter sein. Die Komplexität soll gering bleiben, deshalb ziehen wir es vor, wenn Institutionelle in unsere Publikumsfonds investieren. Komplexe Mandate mit vielen Beschränkungen sind ineffizient in der Umsetzung und darunter leidet die Performance. Ein Umdenken hin zu Publikumsfonds gibt es auch in der Schweiz: Viele Investoren wandeln ihre Einzelmandate in Fondskonzepte um, weil es administrativ und teilweise auch steuerlich viele Vorteile bringt – das könnte in Deutschland auch kommen.
spn: Welche Konzepte nehmen Sie im Ausland wahr, die auch für Schweizer Investoren sinnvoll wären?
Orgland: Die strikte Trennung von Alpha und Beta, auch organisatorisch, zum Beispiel bei holländischen Pensionsfonds. Die haben zum Beispiel getrennte Alpha- und Beta-Teams. Wenn man wirklich Alpha suchen möchte, dann ist das sinnvoll, denn Alpha gibt es nicht viel auf der Welt – und netto sowieso nicht. Im Segment Obligationen gibt es relativ wenig Alpha zu verdienen, anders dagegen bei weltweiten Aktien.
spn: Glauben Sie, dass es richtig grosse Pensionsfonds schwerer haben als kleinere Einrichtungen, Alpha zu erzielen?
Orgland: Bei Pensionskassen ist Grösse bis zu einem gewissen Punkt ein klarer Vorteil, denn so können sie beispielsweise in der Manager-Selektion mehr Kompetenz aufbauen. Nehmen Sie die Holländer: Die investieren viel mehr aktiv als noch vor einigen Jahren, weil sie sich sicher sind, dass sie auch Alpha-Manager finden – und dieses Selbstvertrauen gewinnen sie eher, wenn sie Mitarbeiter haben, die sich auf die Alpha-Suche konzentrieren.
spn: Würden Sie öffentlich für die freie Pensionskassen-Wahl in der Schweiz plädieren?
Orgland: Ja, wir sind eindeutig dafür. Wir glauben an möglichst viel Liberalität, und dazu gehört auch die freie PensionskassenWahl. Der Pensionskassen-Markt ist überreguliert. Weniger und grössere Pensionskassen wären für die Arbeitnehmer eine bessere Lösung.
spn: Würde Wegelin davon profitieren?
Orgland: Ich glaube schon. Denn je professioneller die Pensionskassen agieren, desto besser kommen wir erfahrungsgemäss mit unseren Produkten an. Eine weniger professionelle Kasse fühlt sich mit einer grossen Adresse natürlich wohler – auch wenn das vielleicht nicht die beste Wahl für mehr Alpha ist.
spn: Welche Tendenzen in der schweizerischen Pensionskassen-Landschaft sind positiv, welche negativ?
Orgland: Der Core-Satellite-Gedanke greift spürbar um sich, das ist positiv. Es geht auch klar in die Richtung Trennung von Alpha und Beta. Der Trend zu unkorrelierten Anlagen ist ebenfalls richtig – mit einem grossen Aber: Man muss immer wissen, dass die Summe von Alpha null ist. Ich befürchte, dass sehr viele Pensionskassen mit solchen Investments relativ schlechte Erfahrungen machen werden, weil die Gebühren sehr hoch sind.
spn: Bitte entlarven Sie für uns einen Mythos im Asset Management.
Orgland: Es ist ein Mythos, dass die Grösse eines Asset Managers ein Vorteil ist. Wenn ich heute mit Active Indexing zehn Milliarden Franken verwalte, kann ich immer noch die besten Investments ausreichend gewichten, auch kleinere interessante Märkte. Wenn ich 100 Milliarden verwalte, geht das nicht mehr – Alpha zu liefern wird sehr viel schwieriger. Das haben viele noch nicht verstanden.
Der norwegische Petroleum Fund macht es zum Beispiel richtig: Der holt sich das Alpha von kleinen unbekannten Anbietern, nicht von den grossen. Grosse Kapitalsammelstellen und kleine, spezialisierte Asset Manager, so sieht die ideale Kombination aus Sicht der Investoren aus – und damit aus Sicht der Versicherten.
spn: Was raten Sie einer Pensionskasse, die nach neuen Investments sucht, weil die Anlageklassen immer stärker miteinander korrelieren?
Orgland: Eine grosse Gefahr ist, dass neue Anlageklassen wie Rohstoffe stärker korrelieren als bisher, einfach weil immer mehr Investoren darin investiert sind. Das einzige echt Unkorrelierte ist eigentlich nur noch eine marktneutrale Strategie, zum Beispiel mit einem gleich grossen Short- wie auch Long-Exposure – wenn der Manager dann tatsächlich auch Alpha liefert.
Um eben solche Manager zu finden, empfiehlt sich auch eine darauf spezialisierte Inhouse-Kompetenz, wie vorhin schon erwähnt. Und damit das realistisch ist, muss die Pensionskasse eine gewisse Grösse haben. Kleine Kassen, die diese Ressourcen nicht haben, sollten ganz einfach mit Indizes arbeiten. Das heisst: Kosten minimieren, und die Allokation zwischen Aktien und Bonds gemäss ihren Verpflichtungen und Möglichkeiten wählen.
spn: Bestimmt die strategische Allokation Ihrer Erfahrung nach tatsächlich mindestens 90 Prozent der Rendite und des Risikos einer Vermögensanlage?
Orgland: Ja, für alle Anleger weltweit muss das so sein, weil die Summe aller Alphas null ist. Die Rendite muss vom Wachstum der Unternehmensgewinne kommen, und hauptsächlich von Aktien und nur teilweise von Obligationen. Für einen einzelnen Investor kann das natürlich anders aussehen, wenn er nämlich die Fähigkeit hat, Alpha-Manager zu finden. Die meisten werden das Rennen aber mit negativem Alpha beenden.
spn: Taugen Ihrer Meinung nach die bisherigen Asset-Klassen-Definitionen noch für die Kapitalanlage der Zukunft?
Orgland: Bei Aktien und Obligationen ja, bei Hedgefonds und Private Equity nein. Hedgefonds arbeiten sowieso grösstenteils mit Aktien. Hedgefonds werden künftig oft von bisherigen Long-Only-Managern verwaltet werden, die etwas innovativere Ansätze verfolgen, wie etwa 130:30. Die Grenzen zwischen Long-Only und Hedgefonds werden sich auflösen.
spn: Hand aufs Herz: Wie viel Prozent der Aktienanlagen einer Pensionskasse würden Sie verwalten, ohne dass Sie den Kassenverantwortlichen gegenüber ein schlechtes Gewissen bekommen?
Orgland: Das hängt sehr stark von der Risikobereitschaft der Kasse ab, also wie viel Tracking Error sie vergeben kann. Das kann aber bis zu 100 Prozent sein. Für unsere Wegelin Pensionskasse decken wir das gesamte ausländische Aktienvermögen mit unseren eigenen Strategien ab, und der Schweizer Aktienanteil wird vollständig über Indexfonds abgedeckt.
spn: Worüber wird sich Ihrer Einschätzung nach die Investment-Branche in den kommenden Jahren noch wundern?
Orgland: Dass die Renditen bei Private Equity und Hedge Fund of Funds schlechter sind als erwartet. Noch einmal: Das Netto-Alpha ist immer null abzüglich Kosten. Dazu kommt bei den Hedgefonds fehlende Transparenz bezüglich der Risiken, zum Beispiel bei Kreditderivaten. Bei Private Equity besteht die Gefahr, dass dort Geld aktuell sehr einfach zu haben ist und zuviel gehebelt wird. Man muss kein Prophet sein, um zu behaupten, dass es dort Unfälle geben wird. Ich bin aber zuversichtlich, dass unser marktneutraler Long-Short-Fonds in so einem Umfeld gute Ergebnisse liefern wird.
Zwei Jahre ist es her, da pilgerte er nach Omaha, dem Mekka der Value-Investoren, um seine Faszination für Warren Buffets Investment-Stil noch zu vertiefen. „Ich weiss noch genau, wie um 2000 herum viele an ihm gezweifelt haben, am Schluss hatte er doch wieder Recht”, sagt Magne Orgland heute. Doch wer Orgland kennt, den wundert nicht, dass es trotz aller Faszination beim einmaligen Besuch blieb und er stattdessen lieber die Zusammenfassungen der Berkshire-Hauptversammlungen liest: Nicht ohne Grund ist „Effizienz” eines der Lieblingswörter Orglands, dessen Schwäche für quantitativ orientierte Anlagestrategien der Bank Wegelin seit einigen Jahren ein rasantes Wachstum beschert, ganz besonders im institutionellen Geschäft. Doch wie wird ein Norweger Teilhaber der ältesten Privatbank der Schweiz? Dr. Stefan Tolle, wie Orgland an der Universität St. Gallen promoviert und derzeit einer der fünf unbeschränkt haftenden Teilhaber von Wegelin, holte ihn im August 2000 von McKinsey, wo Orgland die europäische Asset Management Practice mitleitete.
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