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Fünf Jahre lang musste die Öffentlichkeit warten. Jetzt gibt es erste Klarheit über die echten Verwaltungskosten der zweiten Säule. spn publiziert exklusiv eine Vorauswertung basierend auf der Pensionskassenstatistik 2005. Die gesamte Erhebung wird im Sommer vom Bundesamt für Statistik veröffentlicht.
Von Andreas Valda
Die Pensionskassenstatistik des Jahres 2005 basiert erstmals auf präzisen Zahlen. Die Fragebogen mussten unter Verwendung der Rechnungslegungsvorschriften für Personalvorsorgeeinrichtungen nach Swiss Gaap Fer 26 ausgefüllt werden. Mit dieser vom Bund erstmals vorgeschriebenen Erhebungsmethode konnte sich das Bundesamt für Statistik (BfS) erstmals auf eine einheitliche Definition des buchhalterischen Teils stützen. Beteiligt haben sich 2.770 Kassen mit einem Bestand von 4,17 Millionen Versicherten, davon 3,3 Millionen Berufstätige und 0,87 Millionen Rentner. Die Kassen verwalteten per Ende des Jahres 2005 ein Vermögen von 543 Milliarden Franken, davon 493 Milliarden versicherungstechnisch als Minimum (BVG-Guthaben).
Die Auswertung dauert noch an. Auf Initiative und im Auftrag von spn stellte das BfS eine Vorauswertung der Verwaltungskosten zur Verfügung. Die Resultate der 2.193 Kassen, die privatrechtlich das BVG-Obligatorium versichern, sind aufgrund der einheitlichen Definition als spannend zu bezeichnen. Erstmals wird ein Vergleich der Kostensysteme von privatrechtlichen Pensionskassen, Sammelstiftungen und Gemeinschaftseinrichtungen möglich.
Gesamtbetrachtung
Die gesamten administrativen Kosten aller BVG-registrierten Vorsorgeeinrichtungen belaufen sich auf 1,31 Milliarden Franken. (Die Zahl von 1,3 Milliarden Schweizer Franken enthält nur die deklarierten Kosten. Bei vollständig rückversicherten Vorsorgewerken oder Gemeinschaftseinrichtungen ist die Abgrenzung nach wie vor schwierig.) In dieser Zahl enthalten sind jedoch die „deklarierten externen Verwaltungskosten” und der Werbeaufwand, nicht aber die Vermögensverwaltungskosten. Sie werden separat erhoben und sind noch nicht ausgewertet. Die administrativen Kosten teilen sich in dieser Auswertung auf vier Typen von Vorsorgeeinrichtungen auf: autonome Pensionskassen, teilautonome Pensionskassen, Sammeleinrichtungen und Gemeinschaftseinrichtungen. (Die vier Typen sind statistisch nicht nach den gleichen Kriterien abgegrenzt. Autonome und teilautonome Pensionskassen sind Risikokategorien, während Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen Verwaltungsformen darstellen. Letztere beide enthalten autonome, teilautonome und rückversicherte Vorsorgewerke.)
Die ungewichteten, durchschnittlichen Kosten je Versicherten (und Rentner) betragen 324 Franken. Zieht man die Zahl der Rentner ab, so beläuft sich der Durchschnitt auf 400 Franken. Der Grossteil der Vorsorgeeinrichtungen rechnet je Versicherten Kosten zwischen 100 und 600 Franken ab. Der häufigste Wert beläuft sich auf 250 und 350 Franken. Unter 100 Franken nimmt die Zahl der Kassen stark ab. Ein Viertel aller Kassen rechnet mehr als 600 Franken Verwaltungskosten ab – eine fragwürdig hohe Zahl.
Schaut man sich die Kosten in der Verteilung nach Versicherten an, so sieht das Bild zum Teil recht positiv aus: Rund 1,5 Millionen Versicherte (und Rentner) profitieren von jährlich 50 bis 200 Franken Verwaltungskosten. Diese tiefen Kosten sind der Verdienst der autonomen Pensionskassen. Die Spitze in der Kostenkategorie 250 bis 300 Franken ist der Überlagerung der Ergebnisse der autonomen Pensionskassen und Gemeinschaftseinrichtungen zu verdanken. Die Spitze bei der Kostenkategorie von 500 bis 600 Franken ist das Resultat der Sammelstiftungen der Lebensversicherer.
Betrachtet man die Verteilung der Kosten nach Kategorien, so fällt auf, dass die eben erwähnte Kategorie am meisten Kosten verursacht. Dies ist dem Multiplikationseffekt von grossen Versichertenzahlen und hohen Kosten zuzuschreiben. Einen erschreckend hohen Wert findet man auch in der Kostenkategorie 900 bis 950 Franken. 23 Einrichtungen mit einem Versichertenbestand von 84.000 generieren Kosten von 80 Millionen Franken. Diese Spitze verursachen hauptsächlich einige halbautonome Pensionskassen.
Kostensparer Pensionskassen
Seit jeher ein Dorn im Auge der Vorsorgeindustrie – aber auch ihr Akquirierpotenzial – sind die autonomen Pensionskassen. Sie lagern keine Kernaufgaben aus und sind die Kosten-Benchmark der beruflichen Vorsorge. Ein Grossteil dieser von Arbeitgebern organisierten Kassen generiert Verwaltungskosten von 150 bis 400 Franken. Das ungewichtete Mittel liegt bei 212 Franken und errechnet sich aus 526 Millionen Franken Kosten getragen von 2,5 Millionen Versicherten (und Rentnern). Die interessantesten Ergebnisse sind:
- Der Grossteil der Versicherten von autonomen Pensionskassen profitiert von äusserst tiefen Kosten: 169 Pensionskassen versichern 1,9 Millionen Versicherte und arbeiten mit einem Durchschnitt von 99 Franken je Versicherten jährlich.
- In den Kostenkategorien von über 400 Franken je Versichertem nimmt die Zahl ab. Diese zu teuren Pensionskassen betreffen rund 222.000 Versicherte mit Kosten von 132 Millionen Franken. Gerade eine Kostenoptimierung der Kassen dieser Kosten-kategorien hätte eine substanzielle Einsparung zur Folge.
Dass Sammelstiftungen strukturell höhere Kosten verursachen, ist unbestritten. Indem der Gesetzgeber diese Form von Vorsorgeeinrichtung zugelassen hat, musste er höhere Kosten in Kauf nehmen. In diesem Vergleich zeigt sich erstmals, wie stark das System Sammelstiftungen die Kostenrechnung der beruflichen Vorsorge belastet. Die 93 Sammeleinrichtungen versichern 1,2 Millionen Arbeitnehmer (und Rentner) und verursachen administrative Kosten in Höhe von 687 Millionen Franken. Die ungewichteten Durchschnittskosten belaufen sich auf 563 Franken und sind die höchsten aller vier Vorsorgeeinrichtungstypen.
Mit einem Versichertenbestand von knapp einem Viertel sind sie zudem für die Hälfte der Kosten verantwortlich. Dieses Verhältnis dürfte politisch zu reden geben. Ein Grossteil der Sammelstiftungen wird von einem der 14 im BVG-Geschäft tätigen Lebensversicherer rückversichert. Die interessantesten Ergebnisse können wie folgt zusammengefasst werden:
- Das Gros der Sammeleinrichtungen generiert Kosten zwischen 500 und 800 Franken. Am meisten Versicherte sind von der Kostenkategorie 500 bis 600 Franken betroffen. Mit 590 Franken je Versicherten führt Winterthur Leben die Benchmark unter Lebensversicherungen an (siehe auch folgender Artikel).
- Eine beachtliche Zahl Versicherter leistet Beiträge von 600 bis 1.000 Franken. Diese zu hohen Kosten betreffen 25 Sammelein-richtungen mit einer Versichertenzahl von 355.000 und durch-schnittlichen Kosten von 759 Franken je Versicherten. Ein Viertel aller Sammeleinrichtungen sind also für knapp die Hälfte derKosten dieses Einrichtungstyps verantwortlich.
- Mehr als ein Drittel aller Kassen erreicht einen Aufwand von 200 bis 300 Franken pro Versicherten jährlich. Von diesem vergleichs-weise guten Wert profitieren mehr als eine Viertelmillion Versicherte.
- Eine weitere Viertelmillion zahlt jährlich gar unter 150 Franken. Die Kostenstruktur unter 150 Franken durfte aus Datenschutz-gründen (zu wenige Kassen) nicht weiter detailliert werden.
- Im Ausgabevergleich nach Kostenkategorien fällt der grosse absolute Unterschied zwischen den günstigsten und den durchschnittlich administrierten Kassen auf. Die 12 günstigsten generieren zwei Drittel weniger Kosten als die 36 Kassen der Kategorie 200 bis 300 Franken. Solche Kostenvergleiche zeigen auch, wo bei einer Kostenoptimierung der zweiten Säule der Hebel anzusetzen wäre.
Dieser Betrag steht im krassen Missverhältnis zur Referenzgruppe der autonomen Pensionskassen.
Bemerkenswert sind die folgenden Resultate:
- Zwar erreicht das Gros der Kassen Verwaltungskosten in der Spanne von 150 bis 450 Franken. Aber eine beachtlich hohe Zahl, nämlich 170 Kassen, weist Kosten von über 1.000 Franken aus. Den grössten Kostenblock verursachen Kassen der Kategorie 900 bis 950 Franken. Die Spitze in dieser Klasse ist auf den Multiplika- toreffekt von hohen Kosten und einer grossen Versichertenzahl zurückzuführen. 12 Kassen mit 54.000 Versicherten verursachen allein 50 Millionen Franken administrativen Aufwand.
- Geradezu frappant sind die Werte der Kassen der Kategorie über 1.000 Franken: 170 Kassen mit 14.000 Versicherten schaffen Kosten von durchschnittlich 1.630 Franken pro Versicherten jährlich. Damit schlagen sie sogar die gescholtenen Sammeleinrichtungen.
Die „neue” Pensionskassen-Statistik
Im April 2004 traten die revidierten Vorschriften bezüglich der zweiten Säule in Kraft, darunter auch die Transparenzvorschriften. Das erste volle Rechnungsjahr der Vorsorgeeinrichtungen war das Jahr 2005. Die Akteure erwarten also mit Spannung die Ergebnisse der Pensionskassenstatistik des Jahres 2005. Eckdaten wurden letzten Dezember publiziert. Die vollständigen Erhebungsdaten erscheinen voraussichtlich im Sommer dieses Jahres.
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