Schweizer Pensions- & Investmentnachrichten
Platz für eine Handvoll

Udo Jenner, UBS, Leiter Global Custody

Veröffentlicht am:  21. Juni 2007

Das Rad steht nie still, auch bei den Custodians nicht. Die Margen sind tief, das Brot-und-Butter-Geschäft verlangt einen hohen Automatisierungsgad; die Liste der gewünschten Zusatzleistungen nimmt ständig zu. Gute Chancen haben diejenigen Custodians, die es schaffen, die Qualität der gelieferten Daten weiterhin hoch zu halten.

Von Michael Lennert

Virtuelles Custody, ein zentrales Headquarter Reporting, Straight Through Processing und individuell zuschneid- und auswertbare Online-Tools, die führungsrelevante pensionskassenspezifische Informationen und Entscheide liefern, das sind nur einige Schlagworte, mit denen sich Custodians in der Schweiz derzeit intensiv beschäftigen. „Wir sehen, dass mittlerweile auch kleine und mittlere Pensionskassen in alternative Anlagen wie Hedgefonds, Private Equity und Rohstoffe investieren. Das erhöht natürlich auch die Anforderungen an den Global Custodian“, sagt Udo Jenner, Leiter Global Custody bei der UBS in Zürich. Ein Problem hierbei: Transparenz und eine zeitnahe Preisfeststellung. Denn beispielsweise geizen insbesondere Hedgefonds – vor allem die guten – oft damit, zeitnahe Informationen für ein aussagekräftiges Reporting zu liefern.

Ein Trend: Virtuelles Custody nimmt zu

„Deswegen spielt virtuelles Custody für die Zukunft eine immer wichtigere Rolle“, ergänzt Rolf Bauer, Leiter Global Custody bei Pictet in Zürich. Beim virtuellen Custody gebraucht man Daten für das Reporting, die man eigentlich gar nicht hat. „Das Problem sind die ständigen Preisanpassungen. Beispielsweise verwendet man bei einem Hedgefonds dreimal geschätzte Preise, bis einmal der richtige Preis kommt“, erklärt Bauer weiter. Virtuelles Custody gewinnt dabei jedoch nicht nur bei alternativen Anlagen zunehmend an Bedeutung, sondern bei allen externen Positionen, in die investiert wird, beispielsweise bei Exchange Traded Funds (ETFs), aber auch bei Immobilien. Einen weiteren Trend verzeichnet UBS-Experte Jenner bei Pool-Vehikeln im Bereich von institutionellen Fonds und hier insbesondere bei Core-Satellite-Ansätzen. „Hier sehen wir oft, dass Consultants sich für eine Kombination von Global Custody und Asset Management aussprechen, sprich die passiv gemanagten Core-Anlagen sollen aus dem gleichen Hause kommen wie der Global Custodian, die aktiv gemanagten Satellite-Anlagen werden selbstverständlich auch extern vergeben“, sagt er und verweist gleichzeitig auf die seiner Meinung nach zunehmende Bedeutung von institutionellen Fondslösungen in der Schweiz.

Ersparnisse durch den Custodian gesucht

„René Charrière, Managing Director bei der State Street Bank in Zürich, der unter anderem zunehmend Anfragen für Derivate-Bewertungen bekommt, weist parallel auf die steigende Bedeutung des Reportings für das Headquarter bezüglich konsolidierter Aktiven hin, insbesondere bei europaweit oder global agierenden Unternehmen. Ein Trend, den auch Bauer sieht, denn seiner Ansicht nach wollen weltweit agierende Unternehmen in jedem Land, in dem sie agieren, den gleichen Service haben. Früher hätten sie fünf bis sechs Custodians und immer die Schwierigkeit gehabt, einen Master Custodian zu finden, der die ganze Welt zusammenfasst. Dies sei man daran zu ändern, auch hier sei der Markt in Bewegung, die Stichworte hierzu: Asset und Pension Pooling.

Doch nicht nur hier. „Wir sehen, dass sich insbesondere Versicherer mit Outsourcing-Gedanken beschäftigen, um sich so stärker auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren. Sie wollen eine Zentralisierung des Asset Managements. Hier werden Ersparnisse durch den Custodian gesucht“, sagt Charrière, das Gleiche gelte beim Fondsgeschäft. Auch hier würde die Trennung immer klarer: Die Gesellschaften konzentrierten sich auf das Asset Management und die Distribution. „Der Rest wird eingekauft“, erklärt Charrière weiter und charakterisiert die Schweizer Global-Custodian-Szene dabei wie folgt: Stark auf die lokale Kundschaft fokussiert sowie an einer Gesamtbeziehung – also inklusive Brokerage und Asset Management – interessiert.

Gut aufgestellt, ist halb gewonnen

Eine Aussage, bei der sich die Frage nach der optimalen Positionierung für den Schweizer Markt aufdrängt. „Sie brauchen eine gewisse Grösse und eine kritische Masse, um Skaleneffekte zu erreichen und das Geschäft effizient betreiben zu können. UBS hat diese Grösse. Deswegen können wir das Geschäft auf sehr hohem Niveau abwickeln“, erklärt Jenner und deutet an, dass diese kritische Masse seiner Ansicht nach höher sein muss als der institutionelle Markt in der Schweiz. „Eine Argumentation wie, man decke rund die Hälfte des Schweizer Marktes ab, das sind rund 300 bis 350 Milliarden Schweizer Franken, reicht aus unserer Sicht alleine nicht aus. In einem sehr preissensitiven Markt wie diesem, bei dem es eines enormen Aufwands bedarf, einen bestehenden Global Custodian abzulösen, braucht es einen ausgezeichneten Ruf und eine enorme Überzeugungsarbeit, um sich differenzieren zu können“, sagt er weiter und verweist beispielsweise darauf, dass das UBS Global Custody Team – rund 150 Mitarbeiter sind alleine bei den Zusatzdienstleistungen beschäftigt – die Assets under Custody seit 2001 im institutionellen Bereich um über 400 Prozent gesteigert hätten.



Margrit Koch, Julius Bär,
Leiterin Custodian Services

„In einem Markt mit tiefen Margen können Sie nur überleben, wenn Sie einen hohen Automatisierungsgrad und eine hohe Standardisierung vorweisen können, sprich Straight Through Processing ist das oberste Gebot“, sagt Margrit Koch, Leiterin Custodian Services der Bank Julius Bär in Zürich. Ein Finanzinstitut, das derzeit rund 360 Milliarden Schweizer Franken Assets under Management und zusätzlich rund 50 Milliarden Schweizer Franken Assets under Custody verwaltet und mit einem Team von 30 Mitarbeitern den Schweizer Custody-Markt bearbeitet. „Wir fokussieren uns insbesondere auf Institutionen mit Sitz in der Schweiz, da wir in unserem Heimmarkt über die grösste Expertise verfügen und die Kundenwünsche sehr genau kennen. Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, ein weltweites Compliance Monitoring anzubieten, weil dies nicht unserer Kernkompetenz entspricht. In Europa bieten wir jedoch ein umfassendes und massgeschneidertes Basispaket als globale Depotstelle an“, erklärt Koch weiter, deren Team jährliche Wachstumsraten von rund 15 Prozent verzeichnet. Koch legt insbesondere Wert auf langfristige Partnerschaften, Qualität in der Datenlieferung – man sei nach eigenen Angaben Marktführer bei den Ablieferungsfristen – und persönliche Betreuung. So habe man Client Manager, die den single point of contact Kunden darstellen und die dessen Wünsche speziell und individuell bearbeiten.

Soft-Faktoren sind ausschlaggebend

Aussagen, die insbesondere die Bedeutung der Soft-Faktoren als wichtigstes Unterscheidungsmerkmal zu anderen Anbietern hervorheben und die speziell von Privatbanken genannt wurden, die spn in diesem Zusammenhang befragte, denn: „Es sind die soliden, qualitativ hochstehenden Basis- und Value-Added-Dienstleistungen, die die Kunden von uns verlangen. Sie wollen auf der Reporting-Seite benutzerfreundliche, individuell zuschneid- und auswertbare OnlineTools, die führungsrelevante pensionskassenspezifische Informationen und Entscheide liefern, und nicht einfach Global-Custody-Konsolidierungen“, sagt auch Pictet-Custody-Experte Bauer, der ebenfalls die Zentralität von langjährigen persönlichen Beziehungen betont, denn seiner Ansicht nach hassen beispielsweise Pensionskassen nichts mehr als hohe Fluktuationsraten, diese liege jedoch bei Pictet im tiefen einstelligen Bereich, weltweit. Gleichwohl, qualitativ hochstehende Produkte haben ihren Preis, das weiss auch Bauer, der gleichzeitig offen zugibt, dass Pictet im Vergleich zur Konkurrenz teurer ist, „es stimmt, wir sind teurer, aber auch transparent. Das ist eine Prämie, die unsere Kunden gerne zahlen, denn sie wissen, was sie dafür bekommen“, sagt er und verweist darauf, dass man bei Pictet eben nicht nur ein kleiner Fisch in einem grossen Teich sei.

Aussagen, die die Vertreter der Grossbanken natürlich nicht teilen können. „Sicherlich gibt es Marktteilnehmer, die behaupten, wir sind gross und damit nicht beweglich“, greift Jenner ein gelegentlich zu hörendes Argument auf und macht anschliessend seine Sicht deutlich: „Wenn Sie sehr gross sind, haben Sie sehr viel mehr Mühe wieder aufzustehen, wenn Sie hinfallen. Deswegen können wir es uns gar nicht leisten hinzufallen und arbeiten ausschliesslich über die Qualität.“ Jenner verweist zudem auf jüngste Auszeichnungen: So wurde die UBS von R&M Consultant beim Global Custody Survey 2007 bei den Overall Results auf Platz drei gewählt, Pictet belegte übrigens Platz vier, die Credit Suisse den sechsten Platz, BNP Paribas den achten Platz und State Street Platz 13. Noch besser fiel das Ergebnis für die Schweiz aus: Hier eroberte die UBS Platz eins und löste dabei Pictet ab, die in diesem Jahr lediglich auf Platz zwei landete. Die grösste punktuelle Verbesserung erzielte jedoch die Credit Suisse. Sie erreichte den dritten Platz. „In der Wertschriftenbuchhaltung sind wir klar Qualitätsführer und im Bereich Performance-Messung und Investment Reporting Innovationsleader“, lässt sich Patrik Frieden, Leiter Global Custody/Investment Reporting bei der Credit Suisse, zitieren und verweist gleichzeitig auf den Fakt, dass der Global-Custody-Markt in der Schweiz für ihn reif sei, das heisst, die Dienstleistungen werden auf einem professionellen und hohen Niveau angeboten, es gebe deswegen jedoch weniger wirkliche Neuentwicklungen als vielmehr einen stetigen Ausbau der bestehenden Dienstleistungen.

Vieles ist möglich

Wobei hier natürlich die Frage diskutiert werden muss, welche Dienstleistungen denn grundsätzlich angeboten werden. Übereinstimmend hierbei wurden als Standard-Dienstleistungen unter anderem genannt: das Plain Vanilla Core Custody, die Rückforderungen der Quellensteuer, das Führen des Stempelsteuerjournals, ein effizientes Cash Management sowie Dienste wie Investment Reporting, Compliance Monitoring, Online Tools, Wertschriftenbuchhaltungen nach Swiss Gaap Fer, Securities Landing, Unterstützung von institutionellen Fonds nach Schweizer Recht, Infrastruktur-Lösungen für beispielsweise Anlagestiftungen sowie sämtliche Bankdienstleistungen, die häufig auch ohne Global Custodian genutzt werden.



Christian Zoss, Lombard Odier Darier Hentsch (LODH),
Verantwortlicher Merketing & Verkauf Global Custody

„Entscheidend hierbei ist, dass die Daten zwischen dem Reporting und der Wertschriftenbuchhaltung konsistent sind, die Qualität muss einfach stimmen. Das ist jedoch heute nicht bei allen Anbietern der Fall“, sagt Christian Zoss, Verantwortlicher Marketing & Verkauf Global Custody bei Lombard Odier Darier Hentsch (LODH) in Zürich, der hierbei auf eine der Stärken von LODH hinweist: das Anbieten von speziellen Infrastruktur-Lösungen, beispielsweise für Sammelstiftungen, die ihr Depotgeschäft auslagern möchten, sowie das Bereitstellen eines Online-Tools, welches neben den herkömmlichen Funktionalitäten wie Performance- und Risikoberechnung auch die Möglichkeit von komplexen Compliance-Überprüfungen auf täglicher Basis sowie die Ausführung von Transaktionen wie Börsenaufträge, FX-Transaktionen und Zahlungsverkehr über ein System bietet. Und das durchaus mit Erfolg, denn die Bank, die sehr stark in der Romandie verankert ist, konnte in den vergangenen fünf Jahren ihre Assets under Global Custody von 6 auf 35 Milliarden Schweizer Franken steigern und insbesondere auch in der Deutschschweiz substanziell Mandate dazugewinnen. Gleichwohl gibt es immer etwas zu tun, denn offen gibt Zoss gleichzeitig auch zu, dass der Markenname von LODH in der Deutschschweiz eben noch nicht so bekannt sei, wie er sein sollte. Eine Herausforderung für ihn, dies in den nächsten Jahren, von Zürich aus, zu ändern.

Jeder hat seine Stärken…

Interessant ist zudem seine Einschätzung des Custodian-Marktes in der Schweiz, bei dem er jedem seiner Mitstreiter Stärken zuspricht. „Meiner Ansicht nach ist beispielsweise State Street sehr stark im Core-Custody-Geschäft und kann sehr hohe Volumen abdecken“, sagt Zoss, hervorzuheben seien auch die internationalen Möglichkeiten, ähnlich wie bei BNP Paribas, die seit Kurzem in den Schweizer Markt drängen. Auch die seien stark, wenn es gilt, Lösungen für europäische und internationale Konzerne anzubieten. Wobei er jedoch auch feststellt: „Wir befinden uns in einem gesättigten, reifen, wenn nicht gar überreifen Markt, in dem ein ausgeprägter Verdrängungswettbewerb herrscht und die Differenzen zwischen den einzelnen Anbietern immer kleiner werden, mit dem Ergebnis, dass es durchaus denkbar sei, dass sich in absehbarer Zukunft einmal ein Anbieter aus diesem Geschäft verabschiedet. Denn wenn man dabeibleiben will, bedeutet dies auch, dass man regelmässig genügend Ressourcen in die Infrastruktur und die Technologie investieren muss“, erklärt er weiter. Und das koste viel Geld.

…jedoch wird einem nichts geschenkt

Das Gleiche gilt übrigens für Anbieter, die sich neu im Markt positionieren wollen. Denn die Eintrittskosten, um die notwendigen Systeme aufzubauen und an die regulatorischen Bedingungen anzupassen, sind hoch. Ein Kandidat, der sich dieser Herausforderung angenommen hat, ist BNP Paribas, die seit Kurzem auf dem Schweizer Markt angreifen. Und gleich einen Erfolg landeten, denn: BNP Paribas Securities Services hat kürzlich ein Custody-Mandat von der Bâloise-Gruppe an Land gezogen. Diese Lösung umfasst die europaweiten Asset-Managemen-Aktivitäten von 16 verschiedenen Bâloise-Konzerneinheiten auf dem Schweizer Heimatmarkt sowie in Deutschland, Luxemburg und Belgien. Zusätzlich zu den Global-Custody-Dienstleistungen wird BNP Paribas Bâloise auch Depotbank-Dienstleistungen und eine Reihe von Treasury- und Liquiditätsmanagement-Lösungen bieten, unter anderem Wertschriftenleihe, Cash und Devisenmanagemen.

BNP Paribas startet durch

„Wir sehen unsere Stärken speziell in Europa, aber auch international. Wenn ein Unternehmen in mehreren Ländern operativ tätig ist, untersteht es natürlich den Gesetzen vor Ort. Dies abzubilden ist für uns kein Problem, da beispielsweise eine Kontoführung vor Ort angeboten werden kann“, sagt Garrick Smith, Managing Director, BNP Paribas Securities Services in Zürich, und deutet hierbei einen komparativen Vorteil gegenüber ausschliesslich auf die Schweiz fokussierten Anbietern an. Das heisse auf der anderen Seite jedoch nicht, dass man etwa Schweizer Pensionskassen ignorieren möchte, ganz im Gegenteil, man biete auch immer fleissig mit, denn „wir können mittlerweile das gesamte institutionelle Business direkt aus der Schweiz heraus anbieten“, sagt er, die Produkte wären zwar schon vorhanden gewesen, könnten seit einem halben Jahr jedoch in der Schweiz voll repliziert, auf die Schweizer Gesetze angepasst und auf Schweizer Kunden zugeschnitten werden. „Das gilt für den ganzen Werkzeugkasten“, erklärt Smith weiter, gibt jedoch auch zu, dass sich BNP noch in der Startphase befindet, sprich bei Referenzkunden müsse man sich noch anstrengen, aber auf der anderen Seite sei man sich daher auch bewusst, dass, wenn man ein Mandat bekomme, man sich mehr bemühen und passgenauere Lösungen anbieten werde als etwa die Konkurrenz, denn Potenzial für die Zukunft sei auf jeden Fall da.

Wobei noch die Frage bleibt: Wie sieht denn wohl der Markt in fünf Jahren aus? Dazu Frieden von der Credit Suisse: „Wir denken, dass der Markt in fünf Jahren grundsätzlich ähnlich aussehen wird wie heute. Es wird eine Handvoll von Anbietern geben. Allerdings wissen wir nicht, ob es dieselben Anbieter sein werden wie heute, wir wissen jedoch, dass wir mit Sicherheit einer davon sein wollen und auch werden.“





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