|
Dr. Vera Kupper Staub, PKZH, Leiterin Vermögensanlagen |
Sie steht gut da, die 1913 gegründete und seit 2003 als selbstständige Stiftung agierende Pensionskasse Stadt Zürich (PKZH) – eine Kasse, welche die Stadtverwaltung Zürich sowie 167 angeschlossene Unternehmen versichert. Insgesamt sind dies etwas über 26.000 aktiv Versicherte und knapp 15.000 Pensionäre. Ein Indiz dafür, dass die Pensionskasse gut im Futter steht, ist unter anderem der Deckungsgrad, der aktuell 130,2 Prozent beträgt. Selbst nach den Folgen des Börsencrashs sank der Finanzierungsgrad zwar auf 119 Prozent, im Gegensatz zu manch anderen öffentlichen Kassen geriet die städtische Versorgungseinrichtung aber nie in eine Unterdeckung.
Ein Erfolg, der auch auf die Anlagepolitik zurückzuführen ist. Denn die kann sich durchaus sehen lassen. So erzielte die 13,5 Milliarden Schweizer Franken schwere Pensionskasse in den vergangenen zehn Jahren eine Durchschnittsrendite von 7,9 Prozent. Allein im vergangenen Jahr stand ein Wertzuwachs von 15,3 Prozent zu Buche, bis Ende August dieses Jahres einer von 3,6 Prozent. Angestrebt wird dabei eine Zielrendite von 6,1 Prozent. Mit dem Ergebnis, dass Reserven von 3,1 Milliarden sowie ein Deckungskapital von 10,4 Milliarden Schweizer Franken vorhanden sind. „Um unsere Anlagestrategie durchzuführen, brauchen wir eine Zielschwankungs- und Bewertungsreserve von 20 Prozent. Das heisst, wir streben einen Deckungsgrad an, der stets über 120 Prozent liegt“, sagt Dr. Vera Kupper Staub, Leiterin des Geschäftsbereichs Vermögensanlagen der PKZH.
Die Anlagestrategie der Zürcher ist stets strategisch ausgerichtet. Die Strategie wird alle drei Jahre neu justiert und regelmässig beobachtet. Die Kasse vergibt nur externe Mandate und setzt zum überwiegenden Teil auf den Erfolg passiv gemanagter Anlageformen. Eine interne Vermögensverwaltung existiert somit gar nicht. Das nächste Mal wird die strategische Asset Allocation im kommenden Jahr überprüft – einem Zeitpunkt, bei dem auch die Asset-Liability-Studie neu erstellt wird. Die PKZH arbeitet dabei mit der Ecofin Investment Consulting AG zusammen.
Keine Scheu vor alternativen Anlagen
Sehr auffällig bei der Anlagepolitik der Kasse ist der hohe Anteil alternativer Anlageformen wie Hedgefonds, Private Equity und Rohstoffe. „Die alternativen Anlagen verwenden wir zur Diversifikation der Renditequellen. Die Aktien sind eigentlich das grösste Klumpenrisiko einer Pensionskasse. Jede Reduktion dieses Klumpenrisikos ist somit gut. Wir achten natürlich darauf, dass die alternativen Anlagen unabhängig von dem Klumpenrisiko der Aktien sind“, erklärt Kupper Staub. Und das durchaus mit Erfolg. Denn der 2,5prozentige Anteil von Private Equity beispielsweise erzielte im vergangenen Jahr einen Wert-zuwachs von knapp 40 Prozent. Beim 2,4prozentigen Rohstoffanteil waren es kaum weniger befriedigende knapp 33 Prozent. Die ausländischen Aktien erwirtschafteten einen Gewinn von knapp 26 Prozent. Abgesichert werden die Fremdwährungsrisiken dabei ganz oder teilweise durch Währungsoverlay-Mandate. Diese reduzierten die Volatilität des Gesamtportfolios über die vergangenen drei Jahre von 5,7 Prozent ohne Währungsabsicherung auf 4,4 Prozent mit Währungsabsicherung.

Abbildung 1: Entwicklung des Vermögens und Deckungskapitals der PKZH Ende 1996 bis Ende 2005.
Der aktuelle Private-Equity-Anteil weicht am stärksten von der strategischen Asset Allocation ab. Dies erfordert mehrere Jahre, da nicht nur nach Unternehmensstadien und Branchen, sondern auch nach dem Zeitpunkt der Investitionen zu diversifizieren ist. Dabei investiert die Pensionskasse bereits in fünf Beteiligungen am Private-Equity-Teilvermögen der Avadis Vorsorgestiftung sowie in 43 Beteiligungen an Private-Equity-Fonds. Zudem wurden im Rahmen dieser Beteiligungen weitere Investitionsverpflichtungen, so genannte Commitments, in Höhe von rund 400 Millionen Schweizer Franken eingegangen. Ziel dabei ist es, auf einen Anteil von fünf Prozent des Gesamtvermögens zu kommen. Der Anteil der Immobilien liegt bei zehn Prozent des Portfolios. Aktuell ist die PKZH in drei börsengehandelten Immobilienfonds und –gesellschaften investiert, sowie an acht Immobilienstiftungen und Immobiliengesellschaften beteiligt.
Die von der PKZH gehaltenen Hedgefonds erwirtschafteten im vergangenen Jahr eine Rendite von 4,1 Prozent und verfehlten damit die Benchmarkvorgabe nur leicht. Geplant ist ein strategischer Anteil von fünf Prozent. Aktuell liegt der Anteil jedoch höher, bei rund 6,5 Prozent. Diese Erhöhung steht im Zusammenhang mit der Fokussierung des aktiven Managements der PKZH. Dabei wurden traditionelle aktive Mandate aufgelöst und zum großen Teil in passive Mandate sowie zu einem kleinen Teil in Long-Short-Equity-Hedgefonds investiert; dies aufgrund der Überzeugung, dass die aktive Vermögensverwaltung in der Struktur von Hedgefonds die grösste Erfolgschance hat. „Wir werden unsere Anlagestrategie in den nächsten Jahren nicht revolutionieren, nehmen jedoch kontinuierlich graduelle Veränderungen vor und sind offen für neue Themen, beispielsweise für das Thema Infrastruktur“, erklärt Kupper Staub.
Die Suche nach dem objektivierten
technischen Zinssatz
Ein weiteres Thema, welches die Pensionskasse Stadt Zürich aktuell beschäftigt, ist die Diskussion um die mittelfristig sinnvolle Höhe des technischen Zinssatzes. 2004 und 2005 wurden Rückstellungen im Umfang von knapp zehn Prozent des Deckungskapitals gebildet, um den technischen Zinssatz von den lange in der Schweiz üblichen 4 Prozent auf 3,25 Prozent zu senken. Eine definitive Entscheidung ist noch nicht gefallen. Bei der Festlegung des technischen Zinssatzes plädiert Kupper Staub für eine objektivierte, transparente Lösung, die losgelöst vom politischen Apparat entschieden werden sollte, da für sie die aktuelle Vorgehensweise zu sehr sozialpolitisch motiviert ist. Mit dem Ergebnis, dass die Festlegung des technischen Zinssatzes sowie auch der Umwandlungssätze in der Regel zu hoch ausfällt. „Die Festsetzung des technischen Zinssatzes und der Umwandlungssätze sollte allein dem obersten Führungsgremium einer Pensionskasse übertragen werden.” Bei den entscheidungsrelevanten Variablen bezieht sich Kupper Staub dabei auf Kriterien wie Sterbetafeln beim Thema Langlebigkeit sowie die Verwendung von langfristig mit einem für die Pensionskasse vertretbarem Risiko erzielbaren Anlagerenditen.

Abbildung 2: So investiert die Pensionskasse Stadt Zürich per Ende 2005; Quelle PKZH 2006.
In der Hauptsache begrüsst die Expertin das eidgenössische Drei-Säulen-System sehr, warnt jedoch in der Nebensache vor einer Überregulierung und appelliert gleichzeitig an die Wahrnehmung der Eigenverantwortung der Pensionskassen. Als Beispiel nennt Kupper Staub die Anlagevorschriften für Pensionskassen gemäss BVV 2: „Man kann sich hinter Regeln auch verstecken“, erklärt sie und verweist auf die Gefahr, sich als Führungsgremium in Sicherheit zu wiegen, wenn man sich ausschliesslich innerhalb der Anlagerichtlinien bewegt. Denn auch wenn man innerhalb der Anlagerichtlinien agiert, kann das eine falsche Anlagestrategie für die Pensionskasse bedeuten. Deshalb sei es wichtig, sich nicht nur auf die Regulatoren zu konzentrieren, sondern den Blick für die unternehmerische Entscheidung nicht zu verlieren. Denn die Verantwortlichen müssten nicht nur in der Lage sein, eine stichhaltige Begründung zu liefern, warum sie beispielsweise in alternative Anlageformen investieren, sondern generell jede ihrer Anlageentscheidung begründen können.
Dabei sei es auch entscheidend, welche Entscheidungen auf welche Ebene delegiert werden können. „Es kann nicht sein, dass ein paritätisch zusammengesetztes Laiengremium über die taktische Asset Allocation einer Pensionskasse entscheidet“, erklärt die Anlageexpertin hierzu. Deswegen bemüht sich die Pensionskasse Stadt Zürich bei ihrer Anlageorganisation auch um eine stufen-gerechte Verteilung der Entscheidungskompetenz und um eine klare Trennung zwischen Entscheidung, Ausführung und Kontrolle.
Offen für Neuanschlüsse
Und nicht zuletzt will sich die PKZH im Wettbewerb behaupten. Vor dem Hintergrund, dass die Zahl der Zürcher Angestellten stagniert oder sogar rückläufig ist, strebt die PKZH nach externem Wachstum. Die Pensionskasse ist also durchaus offen für Neuanschlüsse. Die letzte grössere Pensionskasse, welche sich ihr angeschlossen hat, ist die Pensionskasse der Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen. Infrage kommen Anschlüsse erstens von anderen öffentlich-rechtlichen Pensionskassen, zweitens von Unternehmen, die eine ähnliche Vorsorgepolitik wie die PKZH verfolgen. Die Grundvoraussetzung: Sie müssen sich in die Reserven der Kasse einkaufen – die sind allerdings hoch.
- Finanzkrise frisst Deckung weg
- Nebenwerte auf Überholspur
- „Kosten sind wichtig, aber nicht entscheidend“
- Prof. Dr. iur. Monika Roth: Retrozessionen: Die gr...
- „Der Kunde soll ein Kostendach verlangen”
- Platz für eine Handvoll
- Der Preis des Risikos
- Impressum
- Der Anlagefonds für Insitutionelle soll es richten
- Sucht darf verschwiegen werden



