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Michael Lennert, Redaktor |
Kaum etwas diskutiert Europa in diesen Tagen so intensiv wie den Klimawandel und seine Folgen. Die jüngsten Schlagzeilen grosser Tageszeitungen hierzu lauten nahezu identisch: „Der EU-Gipfel sagt ja zum Klimaschutz“, so titelte etwa die Neue Zürcher Zeitung; die deutsche Welt am Sonntag fragte: „Kann Europa das Weltklima retten?“, und Die Zeit orakelte, „dass sich in der Umweltpolitik die Idealisten als die wahren Realisten erweisen.“ In der Tat: Der Kampf gegen den Klimawandel geht alle an, und deshalb muss rasch gehandelt werden – aber bitte weltweit, nicht nur in Europa.
Und es gibt auch schon Positives zu berichten: Ökologische, soziale und Corporate-Governance-Aspekte halten zunehmend Einzug in die institutionelle Vermögensverwaltung; die Anzahl der weltweiten Initiativen boomt, ebenso wie der Markt für Socially Responsible Investments (SRI) – insbesondere in der Schweiz. Das ist gut und erfreulich. Der Wermutstropfen folgt aber sogleich: Die prozentualen Anteile von nachhaltigen Anlagen in den Portfolios Schweizer Pensionskassen sind immer noch verschwindend gering. Immer noch! Und das, obwohl die Brisanz und die Wichtigkeit nachhaltigen Wirtschaftens unverkennbar ist.
Deswegen wird es Zeit, andere sagen höchste Zeit, Ursachenforschung zu betreiben und darüber zu diskutieren, ob es sich bei nachhaltigen Anlagen mittlerweile um eine „erwachsene“ Anlageklasse handelt, und ob man aus den Fehlern der Vergangenheit – zu kleine Anlageuniversen, intransparente Investment-Ansätze – gelernt hat. Oder bleiben SRI, was sie häufig noch sind: eine Feigenblatt-Anlage mit Alibi-Funktion und geschenktem guten Gewissen? Spannende Fragen und deshalb auch gute Gründe für spn, die aktuelle Ausgabe den Socially Responsible Investments zu widmen.
Dass in der Vergangenheit Fehler gemacht wurden und dadurch Performance und Image gelitten haben, bestreiten selbst die Anbieter nicht. Und dass die Anlagestrategien weiterhin in Bezug auf Systematik, Stringenz und Evaluationsmethoden verbessert werden können, ist jedem klar, der seine Nase schon mal ins SRI-Dickicht gesteckt hat. Das sollten die Anbieter von Nachhaltigkeits-Anlagen ob der Euphorie um das Thema Klima nicht vergessen.
Gleichwohl oder gerade deswegen bleibt die Forderung bestehen: Gesucht werden wirklich nachhaltig nachhaltige Anlagen – und zwar dringend!
Herzlichst, Ihr
Michael Lennert
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