Wer die Trends bei den Innovationen in der Welt der Indizes beobachtet, findet grosse Parallelen zu den Themen, welche die Finanzmärkte bewegen. Allein Dow Jones berechnet aktuell mehr als 3.000 Indizes und hat knapp 1.000 neue Indizes in den letzten zehn Jahren hervorgebracht. Weitere Indizes von Wettbewerbern, Börsen und auch Banken kommen hinzu.
Manche neuen Indizes helfen, weisse Flecken auf der Landkarte zu füllen, wie die Länder-Indizes für Osteuropa. Andere bringen neue Strukturen in die Abgrenzung von Branchen oder Regionen, wie die Titans-Serie von Dow Jones in 2001 und 2002, welche auf die grössten Titel fokussiert ist, um sich von Indizes mit teilweise mehr als 100 Titeln abzugrenzen. Auch die Gruppe der Islamic- Markets-Indizes von 2006 geht in diese Richtung und spricht ein bestimmtes Kundensegment an. Exotischer sind Indizes zu neuen Branchen oder Themen, wie im Bereich der erneuerbaren Energien
Mehr als nur eine Benchmark: ausgewählte Strategie-Indizes
Statt als Marktbarometer ein Land oder eine Branche abzudecken, folgen StrategieIndizes primär einer expliziten Anlagestrategie. Beispiel Dividendenstrategie: Seit 2005 wendet die Deutsche Börse einen Dividenden-Filter auf den Dax-Index an. Das Resultat ist der DivDax mit 15 Titeln. Seit 2006 stellt Dow Jones diese Strategie mit der Select-Dividend-Serie für mehrere Regionen der Welt zur Verfügung. Der Beitrag zur Optimierung des Rendite-Risiko-Profils ist teilweise erheblich, fällt jedoch je nach Anbieter unterschiedlich aus, wie das Fallbeispiel des deutschen Marktes zeigt. Nicht jeder neue Index erreicht dieses Ziel – oder nur in bestimmten Finanzmarktphasen (siehe Abbildung). Auch die hauptsächlich in 2006 kreierten BRIC-Indizes gehören zur Gruppe der Strategie-Indizes, da sie auf die Globalisierung und die damit verbundenen fundamentalen Zusammenhänge in den entsprechenden Ländern ausgerichtet sind. Investoren sollten sich deshalb bewusst sein, dass neue Indizes oft erst als Reaktion auf einen bereits stark ausgeprägten Markttrend konzipiert werden, wie die Rohstoff-Indizes im Zuge der Hausse der letzten Jahre.
Investieren analog zu einem Index wird immer beliebter
Der Trend weg von aktiven Mandaten hin zu indexorientierter Vermögensanlage hält an. Institutionelle sind auf der Suche nach Alpha bei Hedgefonds-Strategien gelandet oder umgestiegen auf kostengünstigere, indexierte Anlagen, wie Exchange Traded Funds (ETF). Mitte der 90er Jahre war ein ETF noch selten. Der Wachstumsschub setzte mit der Jahrtausendwende ein, so dass sich ein substanzielles Marktsegment von etwa 500 Milliarden US-Dollar in über 400 ETF weltweit etabliert hat.

Auf die Konzeption des Index kommt es an
Eine genaue Analyse lohnt sich: Manche Indizes sind aufgrund ihrer Konstruktion weniger geeignet zum Investieren. Bei häufig ändernden oder sehr breit gefassten Indizes können die Transaktionskosten tendenziell hoch sein. Das hat Konsequenzen für die Konzeption von Indizes: Indexanbieter überprüfen die Zusammensetzung ihrer Indizes grösstenteils lediglich einmal jährlich, um das Ausmass der Umschichtungen klein zu halten. Dadurch wird ein Index träge. Bei der Index-Komposition begrenzen sie sich vermehrt auf 15 bis 30 Titel, um eine kostengünstige Abbildung durch Derivate zu erleichtern. Die Kappungsgrenzen, die verhindern sollen, dass einzelne Titel den Index dominieren und auf diese Weise Klumpenrisiken entstehen, werden mit in der Regel 10 und 20 Prozent relativ weit gefasst – soweit sie überhaupt vorhanden sind. Daher machen die fünf grössten Titel meistens mehr als 50 Prozent vom gesamten Index aus. Bei etablierten Indizes, an denen sich viele Investoren orientieren, mag das weniger kritisch sein. Anders ist es dagegen bei Randthemen oder Nischenstrategien: Die Klumpenrisiken können bedrohlich werden, falls Störereignisse auftreten oder eine stärkere Kurskorrektur einsetzt – dann macht sich die fehlende Diversifikation besonders negativ bemerkbar. Ausserdem ist zu beachten, dass die neuen Indizes zum Zeitpunkt ihrer Lancierung für mehrere Jahre rückwärts- gerechnet werden, was ihre Aussagekraft reduziert. Fazit: Die Wahl geeigneter Indizes wird mehr und mehr selbst zur Kunst. CT
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