Schweizer Pensions- & Investmentnachrichten
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Veröffentlicht am:  29. März 2007

Gesamtlösungen, die auf die Verbindlichkeitsstruktur Rücksicht nehmen, gerade auch mithilfe alternativer Investments: Das ist für Vontobel das Geschäft der Zukunft, vor allem mit kleinen und mittleren Pensionskassen, der Hauptklientel der Zürcher. Eine weitere Aufgabe für 2007: Die dringend nötige Renovierung der Fixed-Income-Palette.

Fragen: Maik Rodewald
Antworten: Christoph Ledergerber, Vontobel, Mitglied der Gruppenleitung und Leiter Asset Management & Investment Funds

Das nennt man Treue: Im November dieses Jahres ist es 27 Jahre her, dass Christoph Ledergerber in den Dienst der Bank Vontobel AG eintrat. Und ob Aktien, Bonds oder Warrants, während seiner Zeit im Investment Banking lernte er so ziemlich alles kennen, was Vontobel zu bieten hatte: die Eurobondabteilung, wo er Erfahrungen im Emissionsgeschäft sammelte; danach folgte der Aufbau und die Leitung der Abteilung Auslandbörse: Aktien Ausland, Emissionen und Market Making in Franken-Japanwarrants. Fünf Jahre war er Head of Foreign Trading sowie weitere vier Jahre Head of Sales Swiss Equities. 1999 wechselte er dann bewusst auf die andere Seite, ins Asset Management, und heute spricht er von Glück, dass das Asset-Management-Geschäft unter der Baisse deutlich weniger litt als das volatilere Investment Banking.

Seit dem Frühjahr 2003 ist er Mitglied der Gruppenleitung Vontobel und Leiter Asset Management & Investment Funds. Der Vater zweier Kinder nennt als Hobbys Skilaufen und Walking; auch den Besuch einer guten Oper schmäht er nicht.

MRO


spn: Herr Ledergerber, aktives Asset Management zahlt sich aus. So steht es auf der ersten Seite Ihrer Marketing-Broschüre. Glauben Sie wirklich daran?

Ledergerber: Ja, wir glauben an aktives Management. Wir haben zuletzt sehr viel in die Performance der Produkte investiert – mit Erfolg: 2006 kürte uns die französische Rating-Agentur Europerformance zum besten Schweizerischen Alpha-Provider über einen Zeitraum von drei Jahren – gemessen an unseren Aktienfonds. Wer also ein Produkt aus unserem Haus wählte, konnte recht sicher sein, dass es auch Alpha liefert. Fairerweise sei hinzugefügt: Pictet war ebenso gut.

spn: Passiv zu investieren ist also keine Alternative? Gehen nicht viele Schweizerische Pensionskassen diesen Weg?

Ledergerber: Ich sehe nicht, weshalb Vontobel passives Asset Management anbieten sollte. Dafür haben wir das Volumen nicht, und es passt nicht zu unserer Philosophie. Doch es ist richtig: Indexierung ist ein ausgeprägter Trend unter Pensionskassen, dem wir ins Auge sehen müssen und der uns auch nicht nur Freude bereitete, zum Beispiel im Segment Schweizer Aktien. Ich frage mich aber, wie lange das muntere Indexieren noch weiter geht. Wenn das alle machen, bewegt sich schliesslich auch nichts mehr. Und dann?

spn: Dann schlägt wieder die Stunde der aktiven Manager!

Ledergerber: Stimmt, aber für uns schlägt die Stunde bereits jetzt. Denn mit erfolgreichen alternativen und Satelliten-Ansätzen, die derzeit gar nicht indexiert werden können, befinden Sie sich im attraktiveren Geschäftsfeld – zumindest, wenn Sie tatsächlich auch Alpha liefern.

spn: Performance und Alpha sind immer noch das Wichtigste für einen Asset Manager. Aber eine Top-Adresse muss mehr können. Wo müssen Sie noch nachlegen?

Ledergerber: Erstens sind wir dabei, unsere Fixed-Income-Palette grundlegend zu renovieren. Durch neue Techniken wollen wir einen guten Schritt nach vorne machen.

Zweitens legen wir bei den kundenorientierten Services nach: Das Reporting für unsere Kunden wird deren Bedürfnisse besser treffen und detaillierter gestaltet sein, zum Beispiel bei der Performance-Attribution. Außerdem bauen wir unser CRM-System aus. Das ist grundlegend, um die Kundenbetreuung zu optimieren.

Drittens wollen wir immer mehr Gesamtlösungen anbieten, die auf die Verbindlichkeitsstruktur der Kunden Rücksicht nehmen. Genau dies, also die stärkere Ausrichtung auf die Verbindlichkeitsstruktur, ist auch der Trend, der das Asset-Management-Geschäft in den kommenden fünf Jahren mit Abstand am stärksten umkrempeln wird.

spn: Rufen Sie in diesem Zuge auch eine ganz neue Gruppe ins Leben, die sich um solche Lösungen kümmert?

Ledergerber: Wir werden keine Asset-Liability-Studien durchführen, das machen die Consultants. Aber wenn die Bedürfnisse klar sind, versuchen wir ein entsprechendes Konstrukt – etwa ein Balanced-Mandat – zu stricken. Eine dieser Lösungen ist eines meiner Lieblingskinder, unser so genanntes Trac-Produkt; Trac steht für Target Return Asset Composition. Damit wollen wir die Chance maximieren, dass der Kunde seine Zielrendite erreicht oder die Chance minimieren, dass er seine Schmerzgrenze unterschreitet; und die Zielrendite leitet sich aus der Verbindlichkeitsstruktur des Kunden ab. Das bieten wir seit Mitte 2006 an, und die Resonanz ist sehr gross; nicht nur in der Schweiz. Das erste Mandat überhaupt kam sogar aus dem europäischen Ausland.

spn: Könnten Sie eine Zielrendite von über fünf Prozent darstellen?

Ledergerber: Das wird schwierig. Da wäre die Frage, über welchen Zeitraum das erzielt werden müsste.

spn: Ist Trac eher ein Produkt für kleine Pensionskassen im Sinne eines Rundum-Wohlfühlpakets? Die grossen versuchen doch sicher, ihre Zielrendite über ihr gesamtes Portfolio zu erzielen, allerdings mithilfe der Vorgabe von Tracking Errors in verschiedenen Anlageklassen.

Ledergerber: Die kleineren und mittleren Pensionskassen müssen notwendigerweise anders anlegen als eine Kasse einer grossen multinationalen Gesellschaft. Sie haben Recht, ein Trac-Produkt würde eine grosse Pensionskasse wenn überhaupt selbst umsetzen. Aber für Kassen zwischen 50 und 500 Millionen, in manchen Fällen auch bis zu einer Milliarde Schweizer Franken Anlagevermögen, ist das sehr wohl attraktiv.

spn: Müsste eine Pensionskasse den Paragrafen 59 BVV2 bemühen, um in Ihr Trac-Produkt zu investieren?

Ledergerber: Ja, wenn die Pensionskasse sich für die Variante mit alternativen Investments entscheidet.

spn: Ist das verbesserte Reporting eigentlich schon live?

Ledergerber: Nein, ab Mitte 2007, die Investitionen sind aber grösstenteils getätigt.

spn: Wie teuer war das?

Ledergerber: Das hält sich in Grenzen; deutlich teurer war das neue Portfoliomanagement-System, das auch noch nicht so lange im Einsatz ist und worauf unser Reporting basiert.

spn: Sie erwähnten die Performance-Attribution. Das ist doch eigentlich die typische Dienstleistung eines Custodians. Spezialisiert sich Ihr Haus also systematisch auf kleinere Kunden, die gar keinen Global Custodian brauchen?

Ledergerber: Sie haben Recht, dass bei den Grossen häufig der Global Custodian derjenige ist, der die Performance einheitlich aufbereitet und die Attributionsanalysen erstellt. Aber auch die Grossen wollen trotzdem nocheinmal von ihren Asset Managern wissen, wo sie ihre Performance erzielt haben. Performance-Attribution ist also für uns Pflicht.

spn: Wie lief das bei Ihnen denn in der Vergangenheit?

Ledergerber: Weniger effizient als künftig, da es nicht innerhalb eines integrierten Systems errechnet werden konnte. Das wird jetzt automatisiert.

spn: Könnten Sie sich vorstellen, dass es Pensionskassen gibt, die mit Ihrer Performance-Attribution gar nichts anfangen können? Ihre Hauptklientel sind schliesslich kleine und mittlere Kassen.

Ledergerber: Die Zeiten, in denen ein Laie das Geld einer Pensionskasse verwaltet, sind endgültig vorbei, auch bei kleineren Pensionskassen. Und sehr häufig ist auch ein zweites Gewissen dabei – ein Consultant. Die Pensionskassenwelt in der Schweiz ist in der Lage, ausgefeilte Attributionsanalysen zu verstehen.

spn: Um bei kundenorientierten Services nachzulegen braucht man auch ausreichend viele Kundenbetreuer. Wieviele Relationshipmanager haben Sie und wie viele Kunden betreut ein solcher Relationshipmanager im Schnitt?

Ledergerber: Zwischen 25 und 35 Kunden, wobei es selbstverständlich sehr auf die Grösse der Kunden ankommt. Insgesamt arbeiten 15 Relationshipmanager bei Vontobel, die ausschliesslich Schweizerische Kunden betreuen.

spn: Wie unterlegen Sie künftiges Wachstum mit Vertriebskräften? Bauen Sie die eher im eigenen Haus auf, oder kaufen Sie die ein?

Ledergerber: Wir haben viele Relationshipmanager, die ihre Erfahrungen grossteils bei Vontobel gesammelt haben. Wir haben es jüngst auch geschafft, einen unserer Portfoliomanager als Relationshipmanager zu engagieren. Wir haben eine starke interne Basis, sind aber nicht in der Lage, das künftige Wachstum nur durch intern ausgebildete Menschen zu unterfüttern. Deshalb suchen wir uns Top-Mitarbeiter von ausserhalb – die bringen auch wieder neue Ideen und Know-how hinein. Ein weiteres Thema für 2007 werden aber auch Investitionen in Schulungen sein. Produktkenntnisse vermitteln wir intern.

spn: Welche Aufgabe steht nicht unmittelbar bevor, sondern kommt eher strategisch auf Sie zu?

Ledergerber: Unseren Kunden den Zugang zu weiteren Asset-Klassen zu eröffnen. Anfang 2006 haben wir ja bereits die Mehrheit an Harcourt Investment Consulting übernommen. Harcourt ist ein weltweit renommierter Schweizerischer Dachhedgefonds-Manager und Talente-Pool von über 70 Mitarbeitern und vier Milliarden Dollar Assets – unser Kompetenzzentrum für Dachhedgefonds.

Der richtige Durchbruch mit unseren eigenen Hedgefonds-Ansätzen ist uns zuvor nicht gelungen, obwohl die Ergebnisse sehr gut waren. Wir haben also nun ein Jahr Erfahrung mit Harcourt, und der Vertrieb läuft sehr gut.

spn: Und welche neuen Asset-Klassen wollen Sie erschliessen?

Ledergerber: Commodities als nächste alternative Investment-Klasse. Auch das werden wir 2007 mit Harcourt machen.

spn: Werden Commodities von Investoren denn bereits als wirklich langfristige Investments angesehen?

Ledergerber: Dahin sollte die Richtung gehen, meine ich.

spn: Wie würden Sie Vontobels Marktposition in der institutionellen Landschaft in der Schweiz charakterisieren?

Ledergerber: Wir haben eine äusserst gute Position bei kleineren und mittleren Pensionskassen, und zwar vor allem mit Balanced-Mandaten – das ist so, weil wir als sehr guter Asset Allocator bekannt sind. Bei grossen Pensionskassen sind wir gut unterwegs mit Satelliten-Investments, vor allem mit Emerging Markets Equity und Far East Equity, alternativen Investments über Harcourt und Schweizer Aktien; Vontobel ist bekannt als Schweizer Aktienhaus, sowohl als Asset Manager als auch als Broker.

spn: Ihre Produktpalette lässt darauf schliessen, dass Vontobel eher für Value als für Growth Investing steht?

Ledergerber: In der Tat verfügt Vontobel in New York über ein Spezialisten-Team, das über viele Jahre hinweg einen hauseigenen Value-Stil entwickelt und vertieft hat. Es handelt sich hier aber um Satellitenprodukte, die sich von den in Zürich verwalteten Core-Produkten deutlich unterscheiden.

spn: Wie erfolgreich ist Ihr Mandatsgeschäft mit Schweizer Institutionellen im Vergleich zu Ihren Wettbewerbern?

Ledergerber: Wie schon angedeutet, bei den kleineren und mittleren Pensionskassen sehe ich uns unter den ersten fünf. Anlagestiftungen bieten wir nicht an. Unsere grössten Wettbewerber in diesem Segment sind sicherlich die beiden Grossbanken, dann aber auch ehemalige Privatbanken wie Julius Bär, und daneben die klassischen wie Pictet und Lombard Odier Darier Hentsch.

spn: Wie kommt das eigentlich, dass in einem derart hoch entwickelten institutionellen Markt wie der Schweiz keine Ranglisten über Mandatsvergaben erhoben werden?

Ledergerber: Wie wollen Sie das erheben? Die Grundproblematik besteht darin, dass Mandate sehr individuell gestrickt sind. Es gibt gewisse Studien im Markt, die aber zum Teil mit relativ grosser Zeitverzögerung publiziert werden.

spn: Wie könnte man erklären, dass Schweizerische Einrichtungen dennoch viel öffentlichkeitswirksamer agieren als Pensionseinrichtungen in Deutschland?

Ledergerber: Wenn das so ist, dann kann ich mir das am ehesten so erklären, dass der Prozentsatz der Bevölkerung, der Mitglied in einer Pensionskasse ist, sehr hoch ist. Und das Geld, das jeder einzelne in dieser Kasse hat, ist mittlerweile substanziell genug, dass es auch die breite Öffentlichkeit interessiert. Man vergleicht die Performance auf dem eigenen privaten Konto mit der Performance der Pensionskasse und mit derjenigen anderer Pensionskassen. Da ist der Wettbewerbsdruck schon gross.

spn: Woran verdienen Sie – Vontobel – jetzt am meisten, und woran in fünf Jahren?

Ledergerber: Seit Jahren dominieren All-in-Fees, das heisst volumenabhängige Gebühren. Der performanceabhängige Anteil wird zunehmen, gerade auch wegen der steigenden Bedeutung alternativer Investments. Das spüren wir derzeit bei Emerging-Market-Aktien: Hier werden immer häufiger Performance Fees vereinbart. Generell sind derzeit aber Performance Fees bei traditionell verwalteten Mandaten eher selten.

spn: Also sind Ihre Erträge in fünf Jahren weniger stabil als heute?

Ledergerber: Das lässt sich nicht ausschliessen, aber grundsätzlich wird wohl eine gewisse Basisgebühr bestehen bleiben, von der der Asset Manager leben kann. Zusätzlich geht der Trend in die Richtung, dass Alpha überproportional entschädigt wird.

spn: Zur Schweizer Pensionskassenlandschaft: Welche Trends stellen Sie fest?

Ledergerber: Eine Professionalisierung; das hat mit der erhöhten Aufmerksamkeit der vergangenen Monate ebenso zu tun wie mit der verstärkten Regulierung. Ausserdem werden mehr Mandate extern vergeben.

spn: Wie weit sind Schweizerische Pensionskassen noch davon entfernt, so anzulegen wie ein David Swensen vom Yale Endowment Fund?

Ledergerber: In diese Richtung, also deutlich mehr alternative Investments, gehen sie sukzessive. Aber ob es jemals die Ausmasse wie bei Swensen annimmt, das ist fraglich.

spn: Haben Sie das Gefühl, dass Asset-Liability-Studien bei Pensionskassen zum Standard gehören?

Ledergerber: Deren Bedeutung steigt. Wir stellen fest, dass die Kassen ihre Mandate spürbar stärker auf die Verbindlichkeiten ausrichten.

spn: Braucht die Schweiz eigentlich über 3.000 Pensionskassen?

Ledergerber: Es gibt sicherlich nicht zuwenige. Ich bin überzeugt, dass Pensionskassen, die nicht professionell und effizient arbeiten, automatisch verschwinden werden. Die Professionalität im Schweizer Pensionskassen-Markt halte ich aber für ziemlich hoch. Man kann auch nicht generell sagen, dass die kleinen Pensionskassen schlecht und die grossen gut sind.

spn: Wird der Paragraf 59 BVV2 nur mangelhaft ausgenutzt?

Ledergerber: Die gemischten Mandate könnten von der Beimischung durch alternative Investments profitieren. Wir stellen auch fest, dass die für die Asset Allocation Zuständigen nicht abgeneigt sind. Die Aufgabe ist, dass der Stiftungsrat im Laufe der Zeit vertrauter mit alternativen Investments wird – das ist eine Frage der Zeit. Der Trend geht aber in die richtige Richtung.

spn: Sie sind auch für Deutschland zuständig. Wundern Sie sich, wie wenig weit entwickelt der deutsche Markt im Vergleich zum Schweizerischen ist?

Ledergerber: Unser Feedback aus Deutschland ist, dass dortige Institutionelle doch auch sehr offen sind für Neues, beispielsweise für die Produkte von Harcourt. Einen grossen Niveau-Unterschied zwischen Deutschland und der Schweiz kann ich nicht feststellen.

spn: Aber wie bewerten Sie, dass selbst ganz grosse deutsche Pensionseinrichtungen ihrem Portfolio dezidiert formulierte Absolute-Return-Ansätze von Asset Managern beimischen?

Ledergerber: Auch in der Schweiz stellen wir diese Tendenz fest. Dies mitunter darum, weil es in der versicherungstechnischen Vermögensverwaltung primär darum geht, Verluste zu vermeiden und nicht Rendite zu maximieren.

spn: Ob in der Schweiz oder in Deutschland: Kann es nicht sein, dass die ganze Branche viel zu sehr in Asset-Klassen denkt. Was macht eine Asset-Klasse denn eigentlich aus? Viel wichtiger sind doch die Renditetreiber, oder?

Ledergerber: Sie haben Recht, die moderne Asset-Klassen-Betrachtung deckt sich nicht eins zu eins mit den dahinter stehenden Renditetreibern. Yale beispielsweise denkt auch nicht in Asset-Klassen, sondern in Rendite und Risiko – und das führt zu ganz anderen Allokationen.

spn: Wäre es für Vontobel eher gut oder eher schlecht, wenn die immer mal wieder diskutierte freie Pensionskassenwahl eingeführt würde?

Ledergerber: Ich schliesse nicht aus, dass das so kommt, wenn auch nicht von heute auf morgen. Es würde die Konsolidierung unter den Pensionskassen beschleunigen, und das könnte zu einem Preisdruck führen. Es würde die Konkurrenzsituation unter den Asset Managern noch stärker anfeuern, auch wenn gewachsene Beziehungen zwischen Kunden und Asset Manager verschwinden. Wir sind als aktiver Vermögensverwalter auf beide Szenarien eingestellt.

spn: In welchen Asset-Klassen rechnen Sie für dieses Jahr mit dem stärksten Neuzuwachs im Schweizer institutionellen Geschäft?

Ledergerber: Aus der Sicht von Vontobel relativ gesehen wahrscheinlich bei den alternativen Anlagen. Absolut betrachtet wird das meiste in Aktien gehen, den grössten Nachfrageschub erwarte ich für Emerging-Market-Aktien weltweit. Ich glaube auch, dass Schweizer Pensionskassen hier noch unterinvestiert sind.

spn: Ist das in Ihrem Privatportfolio auch so?

Ledergerber: Ich investiere langfristig, und dann sind Emerging-Market-Aktien eindeutig ein diversifizierendes Element – genauso übrigens wie Rohstoffe.

spn: Würden Sie in eines Ihrer neuen Rohstoff-Produkte privat anlegen?

Ledergerber: Ich würde nicht nur, ich werde. Das macht langfristig grossen Sinn. Allerdings wird es kein grosser Block sein, und in meinem Portfolio mit einem tieferen einstelligen Prozentsatz gewichtet.

spn: Und was macht den Hauptteil Ihres Portfolios aus? Aktien?

Ledergerber: Langfristig spielen Aktien natürlich eine grosse Rolle. Ende 2006 haben wir – Vontobel – das Aktien-Übergewicht gesenkt. Trotzdem glauben wir auch 2007 an Aktien, wir empfehlen nach wie vor, Aktien überzugewichten; ob sie sich so gut entwickeln wie 2006 ist aber fraglich, und wir müssen uns auf höhere Volatilitäten einstellen. Bonds haben wir untergewichtet.

spn: Seit zehn Jahren arbeiten Sie im Asset Management, davor waren Sie Investment Banker. Welches Erlebnis hat Sie am meisten beeindruckt?

Ledergerber: Mich fasziniert, wie lernfähig die Asset-Management-Branche ist, und wie die Professionalität der Marktteilnehmer nach jedem Missgeschick oder sogar Börsencrash einen grossen Schub nach vorne macht. Auch deshalb ist Asset Management ein extrem spannendes Geschäft.





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