Schweizer Pensions- & Investmentnachrichten
Der Nachhaltigkeits-Himmel ist doch schön
Veröffentlicht am:  29. März 2007

Die Meinungen sind geteilt: Die einen sind von nachhaltigen Anlagen überzeugt, die anderen zweifeln noch am Renditepotenzial. Die Zürcher Kantonalbank wollte es genau wissen und untersuchte in einer Studie die Rendite-Risiko-Eigenschaften von nachhaltigen Anlagefonds – mit durchaus erfreulichen Resultaten.

Fragen: Michael Lennert
Antworten: René Nicolodi, stellvertretender Leiter Nachhaltigkeitsresearch, Zürcher Kantonalbank

spn: Herr Nicolodi, wie relevant sind Socially Responsible Investments (SRI) für Schweizer Institutionelle?

Nicolodi: Nachhaltige Anlagen sind für Schweizer Institutionelle noch kein Kernthema, jedoch eines, das stärker in den Fokus rückt. Pensionskassen investieren langfristig und erfüllen dabei auch eine gesellschaftliche Verantwortung gegenüber den Versicherten. Deshalb setzen sich fortschrittliche Stiftungsräte zunehmend mit verschiedenen Globalisierungskonflikten, dem Klimawandel oder Kontroversen im Bereich der Corporate Governance auseinander, die als extra-finanzielle Faktoren in einer langfristigen Anlagestrategie an Bedeutung gewinnen.

spn: Sie sprechen extra-finanzielle Faktoren an. Wie wirken sich diese extra-finanziellen Faktoren auf die Performance von nachhaltigen Anlagen aus?

Nicolodi: Wie bei traditionellen Produkten gibt es bei nachhaltigen Anlagen Qualitätsunterschiede. Zudem sind die individuellen Fähigkeiten des Portfolio Managers, die Qualität der Fondsgesellschaft, des Research- und die Konsistenz des gesamten Anlageprozesses wesentliche produktspezifische Renditefaktoren. Gleichwohl haben wir festgestellt, dass sich nachhaltige Produkte als Anlagekategorie nicht schlechter entwickeln als traditionelle Anlagen.

spn: Sie deuten Ihre Studie an, bei der die Rendite-Risiko-Eigenschaften von nachhaltigen Anlagefonds untersucht wurden. Was haben Sie genau analysiert?

Nicolodi: Als Grundgesamtheit dienten alle in der Schweiz zugelassenen Fonds, die mit einem globalen Aktienuniversum operieren. Es wurden Fonds ausgeschlossen, die ein Volumen von unter 50 Millionen Schweizer Franken ausweisen. Die Analyse setzte zudem voraus, dass die Fonds über eine entsprechende Performance-Historie, mindestens drei Jahre, verfügen. Als Vergleichsgruppe wurden somit 135 konventionelle Fonds mit 13 Fonds verglichen, die gemäss nachhaltigen Anlagekriterien verwaltet werden.

spn: Zu welchen Ergebnissen sind Sie gekommen?

Nicolodi: Der Fondsvergleich zeigt, dass nachhaltige Fonds hinsichtlich der Rendite-Eigenschaften, wie bereits angetönt, keine Nachteile gegenüber konventionellen Fonds aufweisen. Die Renditen über die Periode von einem und drei Jahren weisen sogar eine durchschnittlich höhere Performance auf. Berücksichtigt man bei der Vergleichsgruppe der nachhaltigen Fonds zudem die höheren Gesamtkosten – 1,86 Prozent versus 1,63 Prozent für konventionelle Fonds –, die durch den Analyseaufwand anfallen und einkalkuliert wurden, haben Nachhaltigkeitsfonds im Schnitt einen noch deutlicheren Renditevorteil erwirtschaftet. Aus dem Vergleich geht hervor, dass Nachhaltigkeitsfonds durchschnittlich eine höhere Überrendite erzielt haben.

Betrachtet man schliesslich die risikoadjustierte Performance, resultiert zum Beispiel aus der Sharpe Ratio der nachhaltigen Fonds ein durchschnittlich besserer Wert, während die Information Ratio der beiden Gruppen vergleichbar ist.

spn: Sind nachhaltige Anlagen weniger volatil?

Nicolodi: Es stimmt, die Volatilitätsdaten deuten darauf hin, dass Nachhaltigkeitsfonds durchschnittlich ein leicht tieferes Gesamtrisiko vorweisen. Dass konventionelle Fonds höhere Maximal- und tiefere Minimalwerte aufweisen, ist in erster Linie mit der grösseren Anzahl und Diversität von Fonds in dieser Vergleichsgruppe zu erklären. Allerdings wurde die beste Performance in der Kategorie „Aktien Global” über drei Jahre (103,52 Prozent) von einem nachhaltigen Produkt erreicht.

spn: Trifft die Aussage „less risk, more fun” auf nachhaltige Anlagen zu?

Nicolodi: Diese Aussage trifft insofern zu, als die Daten aus dem Vergleich die These unterstützen, dass Nachhaltigkeitsfonds durchschnittlich ein tieferes Risiko an den Tag legen. Das durchschnittlich vergleichbare Beta nachhaltiger Fonds zeigt, dass diese in gleichem Ausmass wie konventionelle Fonds auf Schwankungen des Vergleichsindex reagieren. Andererseits zeigt der Tracking Error von konventionellen Fonds, dass sie durchschnittlich höhere aktive Risiken eingehen. Dabei ist zu bemerken, dass die Marktsensitivität und das aktive Risiko gegenüber dem Vergleichsindex gewissermassen in Verbindung stehen und vom Fondsmanager eher direkt beeinflusst werden. Dies ist bei der Volatilität weniger der Fall.





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