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Thomas Jasper, Rauser Towers Perrin, Vorstand |
Schweizer Unternehmen haben aufgrund ihrer langen Tradition und Erfahrung mit kapitalgedeckten Vorsorgesystemen Vorteile gegenüber deutschen Unternehmen, insbesondere die Höhe der Ausfinanzierung ihrer Pensionsverbindlichkeiten besticht – doch die deutschen Unternehmen holen auf, mit grossen Schritten.
Von Michael Lennert
Schweizer Unternehmen, die im Swiss Market Index (SMI) gelistet sind, investieren deutlich mehr in die Altersvorsorge ihrer Mitarbeiter als ihre Pendants im Deutschen Aktienindex (Dax) und im MDax: und zwar mehr als doppelt so viel wie die MDax-Unternehmen und immerhin noch knapp 50 Prozent mehr als die Dax-Schwergewichte. Gleichzeitig sind die Pensionsverpflichtungen der SMI-Unternehmen wesentlich höher ausfinanziert als die ihrer deutschen Nachbarn. So auf jeden Fall lauten die wichtigsten Ergebnisse einer von Rauser Towers Perrin aktuell durchgeführten Studie, die dazu Daten der Dax30-, MDax50- sowie 26 SMI-Unternehmen zwischen 2003 und 2005 auswertete.
Schweizer Unternehmen mit guten Pensions-Bilanz-Relationen
Interessant sind zudem Struktur, Zusammensetzung und Veränderung der Pensionsverbindlichkeiten. Doch zuerst zur Höhe: Ende 2005 betrugen die Pensionsverpflichtungen, die die Eidgenossen in ihren Geschäftsberichten unter Defined-Benefit-Plänen auswiesen, umgerechnet rund 113 Milliarden Euro: Dies bedeutete einen Anstieg um 12 Prozent zum Vorjahr und entspricht gleichzeitig 18 Prozent der Marktkapitalisierung oder 19 Prozent des Eigenkapitals der Schweizer Unternehmen. Im Vergleich dazu: Die Pensionsverbindlichkeiten der Dax-Unternehmen stiegen mit 19 Prozent nicht nur 7 Prozent mehr als die der Schweizer Unternehmen, die Schweizer haben zudem noch die besseren Pensions-Bilanz-Relationen. Denn die deutschen 247 Milliarden Euro Pensionsverpflichtungen entsprechen 35 Prozent der Marktkapitalisierung oder ganzen 56 Prozent des Eigenkapitals der im Dax gelisteten Unternehmen. Zudem sind die Pensionsverpflichtungen in der Schweiz viel höher ausfinanziert. In Zahlen ausgedrückt stehen den 113 Milliarden Euro Schweizer Pensionsverpflichtungen rund 96 Milliarden Euro Planvermögen gegenüber. Dies entspricht einem Ausfinanzierungsgrad von 85 Prozent sowie einem Zuwachs von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Pensionsverbindlichkeiten bei den Dax-Unternehmen hingegen waren lediglich zu 56 Prozent ausfinanziert, hier betrug die Höhe der Plan Assets 139 Milliarden Euro. Diese sind jedoch stärker als die der Schweizer angewachsen, und zwar um ganze 34 Prozent. Doch es geht noch besser. Das zeigen die mittelgrossen MDax-Unternehmen: Bei diesen sind die Pensionsverbindlichkeiten bis Ende 2005 zwar rasant um 46 Prozent auf 40 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr angewachsen, die Plan Assets stiegen jedoch auch um ganze 58 Prozent auf 14 Milliarden Euro. Lediglich der Ausfi-nanzierungsgrad lässt noch zu wünschen übrig: Er betrug 35 Prozent. Generell ist hierbei festzustellen, dass „die deutschen Unternehmen sicherlich Nachhol-bedarf bei der Ausfinanzierung ihrer Pensionsverbindlichkeiten haben, jedoch auch ein klarer Trend zur Aussenfinanzierung besteht, den sie konsequent verfolgen“, erläutert Dr. Thomas Jasper, Vorstand bei Rauser Towers Perrin und Mitinitiator, die Ergebnisse der Studie.
Den optimalen Ausfinanzierungsgrad gibt es nicht
Eine interessante Frage ist hierbei auch die nach der optimalen Ausfinanzierungsquote der Pensionsverpflichtungen. Diese lässt sich jedoch nicht pauschal beantworten, denn wenn heute ein Unternehmen noch nicht ausfinanziert ist, es auf der anderen Seite jedoch freies verfügbares Kapital zur Verfügung hat, „ist dessen Verwendung eine individuell finanzwirtschaftliche Entscheidung, bei der das Ausfinanzieren der Pensionsverbindlichkeiten nicht der einzig richtige Weg sein muss. Denn es kann durchaus sinnvoll sein, das Kapital auch in andere lohnenswerte Projekte zu investieren“, erklärt Jasper weiter. Umgekehrt ist es natürlich auch so: Je höher der Ausfinanzierungsgrad der Pensionen ist, desto positiver ist dies zu bewerten, denn zum einen erleichtert dies das Pension Risk Management. „Zum anderen ist es aus Kapitalmarktsicht ein positives Signal an die Rating-Agenturen, die einerseits Transparenz einfordern und andererseits Antworten auf die Frage erwarten, wie mit den Pensionsverbindlichkeiten und den mit ihnen verbundenen Risiken umgegangen wird“, sagt Jasper.
Pensionsverpflichtungen unterliegen Einflussfaktoren
Doch zurück zu den Ergebnissen der Studie. Dass Pensionsverbindlichkeiten schwanken, liegt in der Natur der Sache, und dass Veränderungen etwa des Rechnungszinses, der Inflationserwartungen und der Erträge Einfluss auf deren Höhe haben, auch. Beispiel Rechnungszinssatz: Rauser Towers Perrin orientierte sich hier an dem Zinssatz, der sich nach internationaler Rechnungslegung an der Rendite von Unternehmensanleihen mit einer sehr guten Bonität (AA) und vergleichbarer Laufzeit ausrichtet, und implizierte, dass eine Veränderung des Rechnungszinses um 1 Prozent, eine Veränderung des Pensionsvermögens zwischen 10 und 15 Prozent nach sich zieht. „Auffällig ist, dass der Rechnungszins in der Schweiz in den vergangenen Jahren deutlich weniger gefallen ist als bei den deutschen Unternehmen“, erklärt Jasper hierzu und verweist als Erklärung auf den anderen Währungsraum. Das bedeutet zum einen, dass die Schweizer weit weniger unter einem Zinsrückgang leiden mussten, und zum anderen, dass die Pensionsverpflichtungen der deutschen Unternehmen deutlich gestiegen sind, obwohl: „Wir gehen davon aus, dass der Zinssatz Ende 2006 in Richtung 4,5 bis 4,6 Prozent tendierte und die Unternehmen im Dax und MDax ihren durchschnittlichen Rechnungszins mittlerweile wieder um 0,25 Prozent, wenn nicht gar um mehr angehoben haben“, sagt Corinna Lux, Mitautorin der Studie und Consultant bei Rauser Towers Perrin, weiter und rechnet vor, dass sich die Pensionsverpflichtungen der Dax-Unternehmen somit wieder um rund zehn bis zwölf Milliarden Euro erholt haben dürften. Interessant sei zudem zu sehen, dass der Korridor, in dem sich die Unternehmen bewegen, in Deutschland schmaler geworden ist, sprich, es gäbe weniger Ausreisser nach oben wie nach unten. Auch ein Indiz dafür, dass die Pension Fund Governance zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Erfreuliche Ergebnisse auf allen Seiten
Sehr bemerkenswert waren zudem die Unterschiede zwischen den erwarteten und den tatsächlichen Erträgen, den die Unternehmen mit dem Planvermögen letztendlich erwirtschafteten. Hier gab es erfreuliche Ergebnisse zu verkünden: und zwar sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland. Beispielsweise wurde in der Schweiz als Ziel für 2005 eine Rendite von 5 Prozent im Median ausgegeben, in Deutschland war diese sogar noch höher und lag im Median bei 5,4 Prozent. Tatsächlich erwirtschaftet wurde in der Schweit jedoch ein Ergebnis, welches 88 Prozent über den Erwartungen lag. Der Dax lag sogar 93 Prozent über den Erwartungen, und der MDax konnte sein Ergebnis immerhin noch um 50 Prozent steigern.
Ausschlaggebend hierfür war sicherlich die Ausrichtung der strategischen Asset Allocation. Interessant hierbei ist, dass insbesondere die Unternehmen im Dax, aber auch die im MDax eine höhere Aktienquote ausweisen als die im SMI. Auf der anderen Seite investieren die Schweizer Unternehmen wiederum einen höheren Anteil in alternative Investments wie Hedgefonds, Private Equity und Rohstoffe. „Wir rechnen damit, dass die derzeitigen Veränderungen in den Rechnungslegungsvorschriften, beispielsweise die Abschaffung des Korridorverfahrens, dazu führen werden, dass sich die Anlagestrategien stärker an den Pensionsverpflichtungen orientieren werden, Stichwort Liability Driven Investment“, erklärt Jasper hierzu und verweist darauf, dass er sich gut vorstellen kann, dass als Folge hierzu grosse Teile der Plan Assets konservativer gemanagt werden, der Rest hingegen durchaus spannend investiert wird, auch um einen ausreichenden Return zu erwirtschaften.
Und noch eine weitere Tendenz ist zu beobachten: Im Jahr 2005 wurde deutlich mehr Kapital für Pensionsvermögen reserviert als im Jahr zuvor. So steigerte sich das für Pensionsvermögen reservierte Vermögen beim Dax um ganze 118 Prozent, beim SMI um 58 Prozent und beim MDax sogar um 233 Prozent. Ein Trend, der sich sicherlich, wenn auch nicht mit diesen hohen Steigerungsraten, fortsetzen dürfte.
Und noch ein weiteres beachtliches Ergebnis: So sind bei den SMI-Unternehmen die Zahlungen an die Rentner im Vergleichszeitraum konstant geblieben, beim Dax hingegen sind sie um 11 Prozent, beim MDax sogar um 33 Prozent angestiegen. Deswegen bemerkenswert, weil bei diesem Ergebnis der Demografiefaktor ausscheidet, da die Menschen ja in beiden Gesellschaften älter werden. „Das liegt sicherlich daran, dass die Tradition der Pensionskassen in der Schweiz viel länger besteht als in Deutschland. Wir sind in Deutschland immer noch im Aufbau und haben den eingespielten Zustand wie in der Schweiz noch nicht erreicht“, sagt Jasper abschliessend.



