Schweizer Pensions- & Investmentnachrichten
Der neuen Strategie auf der Spur

Christoph Schenk, Pensionskasse UBS, Geschäftsleiter

Veröffentlicht am:  29. März 2007

Das Feld hat Françoise Romanoff zum Jahreswechsel gut bestellt übergeben: an Christoph Schenk, den neuen Geschäftsleiter der über 21 Milliarden Schweizer Franken schweren Pensionskasse der UBS. Denn Romanoff hinterliess Schenk eine Pensionskasse, die einen Deckungsgrad von rund 130 Prozent ausweist und in den vergangenen Jahren stattliche Renditen erwirtschaftete. Im vergangenen Jahr lag der Wertzuwachs um die sieben Prozent, im Jahr 2005 lag er bei über zwölf Prozent und im Jahr 2004 bei rund sechs Prozent. Und damit hat Schenk sicherlich auch genügend Herausforderungen für die Zukunft.

Von Michael Lennert

Eine derzeitige Herausforderung von Schenk: die Umstellung vom Leistungs-primat auf das Beitragsprimat, die noch von seiner Vorgängerin in die Wege geleitet wurde, weiter zu begleiten, das Bewusstsein hierfür zu schärfen und dies vor allem transparent zu kommunizieren. Obwohl es keine Totalumstellung war, betont er, denn man habe nur den Alterssparteil umgestellt; die Risiken Tod und Invalidität werden bei der rund 28.000 aktiv Versicherte und knapp 16.000 Rentner umfassenden Pensionskasse ja nach wie vor weiter im Leistungsprimat versichert. Zudem, da das Freizügigkeitsgesetz auch beim Beitragsprimat verlangt, dass der Versicherte eine Nominalgarantie auf das eingezahlte Geld erhält, „haben wir zwar kein Leistungsprimat im Sinne einer Verzinsungsgarantie mehr, jedoch immer noch ein Leistungsprimat im Sinne einer Kapitalschutzgarantie“, erklärt Schenk.

Die Pensionskasse plant Änderungen in der Anlagepolitik

Gleichwohl, gerade dieser Unterschied kann Auswirkungen auf die Anlagepolitik der Pensionskasse haben. Denn laut Schenk gibt man beim Leistungsprimat ein Zinsversprechen ab. Hierzu ist es notwendig, eine Zielrendite zu definieren. Diese betrug im vergangenen Jahr rund fünf Prozent. Das Hauptaugenmerk richtete sich darauf, die Risiken – bei vorgegebener Zielrendite – zu minimieren.

Beim Beitragsprimat hingegen sei der Weg ein anderer. Hier gilt es zuerst sämtliche Risiken wie etwa den Risikoappetit oder die Alters- und Liability-Struktur der Versicherten zu analysieren, diesem Ganzen ein Risikobudget zuzuordnen und dann die Zielrendite zu maximieren. „In diesem Prozess befinden wir uns gerade“, erklärt er. Doch wie hoch das Risikobudget letztendlich nun ist, verrät Schenk noch nicht, lediglich, dass die Altersstruktur der Pensionskasse recht ausgewogen sei, denn rund die Hälfte der 21 Milliarden Schweizer Franken würde den Rentnern als Deckungskapital zugerechnet, die andere Hälfte sei aktives Vorsorgevermögen.

Dennoch verrät der Geschäftsleiter, wie die Prozesse bei der Pensionskasse UBS definiert sind, sowie den Zeitplan für mögliche Anpassungen: So hat der Stiftungsrat beispielsweise das Risikobudget für die Umstellung der Anlagepolitik im Beitragsprimat bereits festgelegt und delegierte unlängst den Anlageauftrag an die Anlagekommission. Diese arbeitet momentan an der Anlagestrategie. Danach soll es an die Umsetzung sowie an die Vergabe von möglichen neuen Mandaten gehen. Wie die neue Strategie im Detail aussehen wird, plant der Stiftungsrat nach einer Sitzung im Mai dieses Jahres zu veröffentlichen.

Beachtlicher Anteil alternativer Anlagen

Derzeit sieht die Anlagestrategie wie folgt aus: Die Pensionskasse UBS investiert rund 50 Prozent ihrer Vermögens-Allokation in Obligationen, rund 25 Prozent in Aktien, 10 Prozent in Immobilien und rund 15 Prozent in alternative Anlagen wie Hedgefonds, Private Equity, Rohstoffe und Infrastruktur. Infrastruktur-Investitionen beispielsweise werden derzeit gerade aufgebaut.

Die Investitionen stehen dabei jedoch noch am Anfang und bewegen sich auf niedrigem Niveau, mit rund 0,7 Prozent des Vermögens.

Die strategischen Zielwerte der Asset Allocation lagen im vergangenen Jahr für Obligationen bei 41,25 Prozent und für Immobilien bei 16 Prozent. Für Aktien wurde ein Zielwert von 28 Prozent bestimmt und für alternative Anlagen ein doch recht beachtlicher von 14,75 Prozent. Die taktischen Bandbreiten definierten sich dabei wie folgt: In Aktien durften zwischen 23 und 31 Prozent des Vermögens investiert werden und in alternative Anlagen zwischen 10 und 20 Prozent, der Zielwert bei Obligationen durfte zwischen 30,75 und 49,75 Prozent, der von Immobilien zwischen 10 und 19 Prozent schwanken.

Selbst ist die UBS

Derzeit sind mehr als 95 Prozent der Mandate UBS-intern vergeben. Gleichwohl gibt es keine Vorgaben, die Mandate ausschliesslich intern zu vergeben, denn die Maxime der UBS lautet stets: „Die Mandate müssen unabhängig und immer im besten Interesse der Versorgungsberechtigten vergeben werden“, erklärt der Geschäftsführer. Gleichwohl, in diesen 95 Prozent subsumiert Schenk auch die hausinterne Managerselektion.

Denn bei alternativen Anlagen wie beispielsweise Hedgefonds und Private Equity, übernimmt die UBS lediglich die Managerselektion. Die Mandate, immerhin rund 15 Prozent der Asset Allocation – genau genommen investiert die Pensionskasse strategisch rund 10 Prozent in Hedgefonds und rund 3,5 Prozent in Private Equity –, werden dann extern gemanagt. Die Bandbreiten apropos liegen hierbei zwischen 8 und 11 Prozent bei Hedgefonds und zwischen 2 und 5 Prozent bei Private Equity.

Lediglich die Rohstoffe scheinen bei der Anlagestrategie etwas zu kurz zu kommen: Denn in diese wird lediglich ein Prozent des Vermögens investiert, und das, obwohl sich die Wertentwicklungen in den vergangenen Jahren durchaus sehen lassen konnten. „Zum einen gibt es bei Rohstoffen zahlreiche

Studien, die belegen, dass ein passives Halten von Rohstoffen keinen Mehrwert generiert, sondern nur ein aktives. Zum anderen haben wir bei der Allokation des Risikobudgets festgestellt, dass es vielversprechender ist, dies Hedgefonds und Private Equity zuzuordnen“, sagt der Geschäftsleiter der Pensionskasse UBS hierzu.


Abbildung 1: Pensionskasse UBS, Entwicklung des Deckungsgrades; Quelle: Pensionskasse UBS.

No risk, more fun

Doch zurück zum Risikobudget und insbesondere zum Risikomanagement. Auch hier greift die Pensionskasse auf das gesammelte Know-how der Bank zurück, die gleichzeitig auch als Custodian auftritt. „Natürlich“ werden beim Risikomanagement Verfahren wie Value at Risk durchgeführt, das Gleiche gilt für Stress-Tests. Bei den Stress-Tests sind Szenarien hinterlegt, die etwa mögliche Spread-Ausdehnungen oder -Einengungen, Schwellenländer-Krisen et cetera beinhalten. Hierbei wird das ganze Pensionskassen-Portfolio monatlich faktisch auf diese Szenarien gestresst und daraufhin detailliert analysiert.

Gleichzeitig gibt es Auflagen, die festlegen, in welcher Zeit einzelne Anlagen des Portfolios liquidierbar sein müssen. Das Ziel hierbei: Illiquide Blöcke sollen ausgeschlossen werden können. So ist vorgeschrieben, dass rund 50 Prozent der Anlagen innerhalb von zehn Tagen und rund 75 Prozent des Portfolios innerhalb von zwölf Monaten in Liquidität umgewandelt werden müssen. „Diese Massnahmen sollen sicherstellen, dass man keine Klumpenrisiken im Portfolio hält oder in illiquide Märkte investiert. Das wird immer überprüft“, erklärt hierzu Geschäftsleiter Schenk.

Gleichzeitig wird neben dem technischen Deckungsgrad auch der ökonomische berechnet und ausgewiesen, da „durch die lediglich technische Berechnung die Liabilities ökonomisch nicht korrekt abgebildet werden“, erläutert er weiter.

Der richtige technische Zinssatz

Eine Aussage, die die Frage anschliesst, wie hoch denn nun der technische Zins realistischerweise bei einer Pensionskasse sein sollte? Bei der Pensionskasse UBS beträgt der technische Zinssatz beispielsweise derzeit 3,5 Prozent. „Da in der Schweiz die Rentenbezüge nicht reduziert werden dürfen, sind Rentenzahlungen faktisch risikofreie Anlagen, die sich natürlich auch verändern. Deswegen entspricht für mich der richtige technische Zinssatz der durchschnittlichen Verweildauer eines Rentners in einer Pensionskasse“, sagt Schenk. Gleichwohl, auch wenn dies ökonomisch begründbar sei, ist es für Pensionskassen nicht immer sofort möglich, die technischen Zinssätze zu senken. „Denn dies ist auch eine Frage der Finanzierbarkeit.“

Über Alpha und Beta

So weit, so gut. Neben den technischen und ökonomischen Parametern ist Schenk insbesondere wichtig, darauf hinzuweisen, dass sich die Pensionskasse UBS als aktiver Anleger versteht: Denn eigentlich sei es ganz einfach. „Neben der Liability-Seite und allem, was damit zusammenhängt, sind wir auf der Suche nach billigem Beta und nach verlässlichem Alpha“, erklärt der Geschäftsführer seine Philosophie und outet sich dabei als Anhänger der Prudent Expert Rule. Findet die Pensionskasse kein verlässliches Alpha, investiert sie in billiges Beta. Findet die Pensionskasse verlässliches Alpha, investiert sie lieber in verlässliches Alpha. „Somit sind wir auf der Suche nach Chancen und glauben an verlässliche Fähigkeiten“, erklärt Schenk.



Abbildung 2: Pensionskasse UBS, Zusammensetzung des Anlagevermögens; Quelle: Pensionskasse UBS.



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