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RUDOLF STRAHM |
Nach der massiven Ablehnung der BVG-Vorlage brauchen die Pensionskassen eine Vertrauensstrategie. Hier sind die Tipps eines Kritikers
Mit 72 Prozent Nein-Stimmen wurde am 7. März 2010 die BVG-Vorlage versenkt. Diese überwältigende Ablehnung war ein Misstrauensvotum gegen die Versicherungs- und Finanzmarktszene, aber auch ein Protest gegen die Laisser-faire-Politik der Aufsichtsbehörden im Bundes-Bern. Das Nein kam nicht nur von Links-Grün, die haben ein Stimmenpotential von bloss 30 Prozent. Vielmehr hat die grosse Mehrheit der KMU-Chefs und der Gewerbetreibenden ebenfalls ihrem Misstrauen gegen die Kassen-Verantwortlichen Luft gemacht. Der Umwandlungssatz war dabei zweitrangig.
Die Pensionskassen sind zum Selbstbedienungsladen von Beratern, Asset Managern, Fondsmanagern und der Finanzmarktszene geworden. Niemand hat je die Haftung und Verantwortung für die Fehlinvestitionen tragen müssen. Via eidgenössischer BVG-Kommission und politischem Lobbying hatten sich gewiefte, schillernde Nutzniesser ihre eigenen Regeln geschaffen.
Wenn Pensionskassen und Privatassekuranz wieder Vertrauen und Akzeptanz gewinnen wollen, müssen sie einerseits Kosten senken und anderseits riskante, spekulative Finanzmarktanlagen meiden. Beides geht Hand in Hand.
Behalten Sie erstens einen Pensionskassenexperten, der von Zeit zu Zeit die Passivseite Ihrer Kasse überprüft. Aber schicken Sie alle Anlage-Consultants, Asset Manager und PK-Consultantfirmen zum Teufel. Denn diese kosten viel, übernehmen keine Haftung, stecken meistens in Interessenkonflikten und verteuern die Anlagen resp. reduzieren die Nettoanlagerendite durch die teuersten Anlageempfehlungen. PPCmetrics, Complementa, Ecofin und Coninco werden in der Branche als besonders aggressive „Viererbande“ bezeichnet und beherrschen das PK-Beratungs-Geschäft.
Seriöse Pensionskassen, die langfristig und konservativ für ihre Versicherten handeln, haben zweitens keine Hedge-Fonds-Titel und keine strukturierten Produkte in ihren Assets. Die Nichthaltung von solchen spekulativen Anlageprodukten ist ein Merkmal für Verantwortungsbewusstsein und Seriosität einer Pensionskasse.
Kostenbewusste Kassen legen drittens nur in Passivfonds an, zum Beispiel in ETF ohne Leverage, denn Aktivfonds sind im Durchschnitt anderthalb Prozent teurer. An den Aktivfonds verdienen nur die Banken und Fondsmanager. Langfristig operierende Kassen investieren nicht in Dollar-Anlagen, denn auf lange Sicht wird der Dollar auch in den nächsten Jahrzehnten an Wert verlieren.
Rudolf Strahm, 66, ist ehemaliger eidgenössischer Preisüberwacher und Alt-Nationalrat. Er ist Nationalökonom und Chemiker.
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