Schweizer Pensions- & Investmentnachrichten
Risikomanagement
Veröffentlicht am:  22. März 2010

Teilnehmer

  1. Ronald Schnurrenberger Vorsitzender der Geschäftsleitung, Pensionskasse Energie
  2. Volker Buschmann Managing Director, M&G
  3. Christoph Müller Anlageverantwortlicher, Nest Sammelstiftung
  4. Beat Zaugg Senior Advisor, onValues
  5. André Kohler Geschäftsleitungsmitglied, B+B Vorsorge
  6. Jeannette Leuch COO, Complementa
  7. Michael Lennert Moderator, Financial Times Ltd./spn

spn: Sehr geehrte Frau Leuch, meine Herren, herzlich willkommen. Wir sprechen über Risikomanagement. Herr Müller, was muss nach der Krise anders werden?

Christoph Müller: Die vergangenen zwei Jahre konfrontierten uns mit Aussergewöhnlichem. Insgesamt ziehe ich keine schlechte Bilanz für das Risikomanagement – im Gegenteil. Was bei uns fehlte, waren fixierte Prozesse und Bruchpunkte, die uns den aussergewöhnlichen Schock und den Umgang damit angezeigt hätten. Das hat nicht nur bei uns gefehlt, sondern bei sehr vielen Schweizer Pensionskassen.

spn: War das durchschnittliche Risikomanagement nicht vorbereitet auf Extremsituationen, auf den schwarzen Schwan?

Volker Buschmann: Ein schwarzer Schwan ist etwas Unerwartetes, das man nicht antizipieren kann. Allerdings war es den Marktteilnehmern schon bewusst, dass irgendwann einmal auch eine solche Situation entstehen könnte. Taleb hatte schon vor einigen Jahren von dem schwarzen Schwan gesprochen. Insofern war das keine unbekannte Geschichte. Ein Problem war, dass viele Asset Manager nicht auf bestimmte menschliche Faktoren vorbereitet waren. Das Risikomanagement hat sich sehr häufig eher im mathematischen Bereich bewegt. Es hat damit eine Komponente – die menschliche – komplett aussen vor gelassen. Dies ist inzwischen stark in der Diskussion.

spn: Herr Zaugg, wie könnte man menschliche Faktoren in das Risikomanagement einbringen?

Beat Zaugg: Indem wir mehr in qualitativen Szenarien denken. Es gibt zahlreiche Themen auf dieser Welt, die künftig die Anlagerenditen beeinflussen werden: Staatsverschuldung, Klimawandel, Bevölkerungswachstum, Migration. Dort braucht es einen multidisziplinären Ansatz. Man muss wegkommen von rein mathematischen oder rein qualitativen Modellen – es braucht beides und es muss interagieren. Dann hat man ein besseres Risk Management.

spn: Herr Kohler, was halten Sie vom Risk Management?

André Kohler: Das heute flächendeckend praktizierte Risikomanagement krankt nicht nur an seiner rein quantitativen Fixierung, sondern auch an seinem methodisch völlig falschen Fundament. Zusätzlich hat der durchschnittliche Anwender eine diffuse Vorstellung davon, was sein Risiko ist. Man will sich nicht darauf einlassen, dass eine Krise eine Übungsanlage im Sinne der Spieltheorie ist. Markowitz, Sharpe, Black und Scholes sind schon lange eindeutig widerlegt. Umso bedrückender ist die Beharrungsfähigkeit ihrer Ideen, deren Grund letztlich in der Verfolgung handfester kommerzieller Interessen zu suchen ist. Wenn sich das Risiko nicht in einer Zahl fassen lässt, dann können Sie keine Finanzprodukte mehr verkaufen und Sie können keine Portfolios mehr im industriellen Sinne strukturieren. Da es vom Handling her nichts Gleichwertiges gibt, hat die Praxis damit ein riesiges Problem. Man weiss: Eigentlich funktioniert es nicht, aber man hat keine Alternative zur mathematischen Scheingenauigkeit.

spn: Herr Schnurrenberger, welche praktischen Erfahrungen haben Sie als Chef einer Pensionskasse mit dem Risikomanagement in der Krise gemacht?

Ronald Schnurrenberger: Ich war in dieser Zeit noch bei meinem früheren Arbeitgeber, aber die Erfahrungen waren ähnlich: Der menschliche Faktor spielt eine sehr grosse Rolle. Auch in unserer damaligen Anlagekommission war dies spürbar. Für uns war der externe Anlage-Consultant in dieser Situation auch sehr wichtig. Er hat zur Versachlichung der Diskussionen beigetragen.

spn: Warum?

Schnurrenberger: Sie brauchen eine vertrauenswürdige, erfahrene Person, von der Sie glauben, dass sie durch ihre Lebenserfahrung eine solche Krise überschauen kann. Wenn Sie so eine Person haben, lassen Sie sich von ihr auch ein bisschen leiten. Aus meiner Sicht ist der menschliche Faktor viel wichtiger, als man denkt.

Buschmann: Auffällig war, dass ganz andere Arten von Risiken auftraten als diejenigen, die vorher präsent waren: Transparenzrisiko, Liquiditätsrisiko, Interventionsrisiko und so weiter. Und es ist kaum noch zu kontrollieren, welche Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Risiken stattfinden. Deshalb gehört wirklich Seniorität dazu, um den Überblick und vor allem die Ruhe zu behalten.

spn: Frau Leuch, haben die Pensionskassen in dieser Situation bei Ihnen als Consultant Halt gesucht?

Jeannette Leuch: Es ist tatsächlich so. Die Pensionskassen haben natürlich Halt gesucht. Es war ja auch eine Jahrhundertkrise. Wobei einige Pensionskassen gut vorbereitet waren. Sie hatten schon vorab diskuetiert, was sie machen, wenn gewisse Szenarien eintreffen. Wo dies nicht passiert ist, haben die Kassen die Lehren daraus gezogen und sagen: Künftig werden wir das so machen, damit wir nicht zu spät reagieren.

spn: Soll man ruhig bleiben in der Krise und es aussitzen oder soll man handeln?

Kohler: Ich plädiere für das Aussitzen, solange man nicht mit irreversiblen Schäden im Anlagesubstrat konfrontiert ist. Die Investments, die Sie haben, müssen den Schock so überstehen, dass die Ertragssubstanz in Takt bleibt. Dann kann das schwanken, wie immer es will, sofern die Liquiditätssituation nicht zum Problem wird. Wenn Sie die Struktur von Grossbewegungen am Markt anschauen, dann sehen Sie, dass diese exponentiell verlaufen. Und sie sind sehr verlässlich, und zwar in beide Richtungen: nach unten und nach oben. Die Chance, dass Sie nach einem Draw-down in einen Draw-up hineinlaufen, ist gross. Das Schlimmste, dass Sie einem Portfolio antun können, ist, nach einer exponentiellen Abwärtsbewegung die Taktik oder – noch schlimmer – die Strategie zu wechseln.

Müller: Man kann durch das Aussitzen kleine Schocks gut bewältigen. Die Pensionskassen sind so aufgestellt, dass sie damit rechnen, dass der Aktienmarkt hin und wieder heruntergeht. Deshalb gibt es in der strategischen Allokation Bandbreiten. Das Schwierige ist, wie wir erkennen können, wann ein Ereignis solche Nachfolgewirkungen hat, dass das ganze Finanzsystem in die Brüche geht. In einer solchen Situation der Unsicherheit lohnt es sich, das technische Niveau zu verlassen und dann das zu denken, was Beat Zaugg angesprochen hat, nämlich die fundamentalen Faktoren, die die Finanzmärkte bewegen. Das sind dann Fragestellungen, die man nicht mehr mit stochastischen Modellen, Volatility Trading oder Short-Positionen bearbeiten kann.

spn: Welche Auswirkungen hatte die Illiquidität mancher Anlagen in der Krise?

Leuch: Die Schweizer Pensionskassen machen das Liquiditätsmanagement gut, weil sie meistens in der strategischen Komponente eine Basisliquidität drinbehalten und ein gutes Cash Management haben. Deswegen waren sie beispielsweise von der Illiquidität im Bond-Bereich nicht betroffen. Sie mussten, sofern ich da den Einblick hatte, keine Verluste realisieren. Probleme gab es bei manchen Asset Managern im Bereich Hedge Funds. Wenn man einen Fund of Fund mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten auflegt, sollte man nicht gros-se Positionen eingehen, wo man ein Jahr Kündigungsfrist hat.

Zaugg: Ich weiss von einer Pensionskasse, die plötzlich nicht mehr aus einem institutionellen Bond Fund herauskam. Dort waren sehr viele AIG- und andere Finanztitel enthalten und der Bond Manager schloss den Fonds, um die Anleger zu schützen. In einem Bärenmarkt führt der Ausstieg von Anlegern dazu, dass der Fonds die schlechten Titel zum womöglich ungünstigsten Zeitpunkt verkaufen muss. Die Betroffenheit war gross, dass früher hochliquide, täglich rückzahlbare Anlagen plötzlich über Monate nicht mehr verkauft werden konnten. Das Gleiche galt noch in stärkerem Ausmass für Hedge Funds, die normalerweise quartalsweise mit einer Kündigungsfrist verkauft werden können. Hier kam es vor, dass das Portfolio über zwei Jahre liquidiert werden musste und die Höhe der Rückzahlung ungewiss blieb. Das war sicherlich ein Schock für Anlagekommissions- und Stiftungsratsmitglieder, wenn sie solche Produkte im Portfolio hatten.


Beat Zaugg, CFA, ist Senior Advisor bei onValues in Zürich. Zuvor war er neun Jahre bei Towers Watson, zuletzt als Leiter Investment Consulting in der Schweiz. Nach Abschluss des Wirtschaftsstudiums an der Universität Bern startete Zaugg als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Centre-Info in Fribourg. Nach einem Auslandseinsatz im IRRC in Washington D.C. war er in der UBS fünf Jahre lang für Sustainability Research zuständig. Zaugg ist begeisterter Mountain-biker und Kat-Segler.

Buschmann: Wir bekommen als Asset Manager inzwischen viele Fragen zum Liquiditätsmanagement: Wie sieht unsere Liquiditätsanalyse aus? Wie ist unser Risk Management in dem Rahmen? Wie schnell könnt Ihr Eure Portfolios liquidieren? Das sind Fragen, die vor einigen Jahren nie grossartig Thema waren. Ich kenne Beispiele aus Grossbritannien, wo Anleger gesagt haben, wir wollen aus dem Senior-Loan-Bereich ganz schnell rausgehen, und dann gab das die Liquidität des Marktes nicht her. Darüber muss man sich schon Gedanken machen, finde ich. Wir haben interne Vorgaben zur Liquidität und können es schaffen, innerhalb von wenigen Tagen das gesamte Portfolio eines Fonds zu verkaufen – allerdings natürlich nicht in ganz extremen Marktphasen.

spn: Herr Buschmann, mit welchen Fragen werden Sie jetzt ausserdem noch verstärkt konfrontiert?

Buschmann: Mit Fragen des Risk Managements: Wie robust sind die Prozesse? Wie stark ist das Risk Management in das Portfolio Management integriert? Wann beginnt das Risk Management? Wann hört es auf? Wo reportet das Risk Management hin? In der Vergangenheit hat es wahrscheinlich schon ausgereicht zu sagen: Wir haben Risk Management. Und dann haben die Kunden einen Haken drunter gemacht. Inzwischen wird viel tiefer nachgehört und die Sachen werden dann auch überprüft. Meiner Meinung nach müssen sich einige Asset Manager bemühen, diese Prozesse deutlich zu verbessern und das Thema Risk Management höher aufzuhängen.

spn: Herr Schnurrenberger, werden bei der Pensionskasse Energie (PKE) Lehren aus der Krise gezogen oder sagen Sie, es hat super geklappt, wir sind zufrieden?

Schnurrenberger: Wir machen das eigentlich weiter so, wie wir es bisher gemacht haben. Wir halten an unserem teilaktiven Management fest. Wir managen zu zwei Drittel aktiv und ein Drittel passiv. Wir machen das inhouse, unter anderem weil wir den Managern dann nicht erklären müssen, was unsere Erwartungen sind. Unsere Manager wissen, was wir wollen. Sie sind im Haus. Im Prinzip würden wir nichts anders machen.

spn: Herr Zaugg, wo lagen für Sie in der Vergangenheit die grössten Irrtümer und Mythen im Risikomanagement?

Zaugg: Einer der grössten Irrtümer ist das Übervertrauen in quantitative Risk-Management-Modelle. Etwa indem man den Value at Risk mit einem 95-Prozent Konfidenzintervall berechnet hat. Auch bei Asset-Liability-Studien sind Annahmen kritisch zu hinterfragen und die Ergebnisse vorsichtig zu interpretieren. Es ist nützlich für Pensionskassen, ihre früheren ALM-Studien, die sie vor fünf oder zehn Jahren gemacht haben, hervorzunehmen und zu hinterfragen, ob sie zielführend waren. Da bin ich bereits bei einem wichtigen Kritikpunkt. Ich denke, ALM-Studien allein genügen nicht als Risk-Management-Instrument für Pensionskassen. Historische Renditen sind für gewisse Anlageklassen ein schlechter Schätzwert für die Zukunft. Die zukünftige Entwicklung wird andere Renditetreiber haben als in den vergangenen Jahrzehnten. Deswegen muss man qualitative Zukunftsszenarien bilden, was jedoch anspruchsvoll ist.

spn: Frau Leuch, Sie sind Investment Controller. Haben Sie ein Konzept für das Risikomanagement der Zukunft in der Schublade? Etwas anderes als Value at Risk?

Leuch: Risikomanagement ist vielschichtig. Man betrachtet zunächst die Strategie mit den verschiedenen Kategorien und den Risikokennzahlen. Dann ist es wichtig im Sinne einer Risikomatrix Gegenparteienrisiken, Währungsrisiken, Zinsrisiken, Inflationsrisiko et cetera über alle Kategorien hinweg anzuschauen. Und jetzt fragen Sie mich: Was ist für die Prognose der richtige Faktor? Da sollte man in erster Linie vielleicht nicht einen Controller fragen.


Jeannette Leuch ist COO und Mitglied der Geschäftsleitung bei Complementa. In diesen Funktionen ist sie zuständig für das Qualitätsmanagement, die Personalbelange, für zentrale Prozess- und Kundenbetreuungsthemen und unterstützt die Geschäftsentwicklung in Deutschland. Ihr Steckenpferd ist die Entwicklung von Weiterbildungsmassnahmen rund um die Themen Pension Fund Governance, Anlagestrategie, Anlageorganisation und Investment Controlling. Sie ist verheiratet und hat einen Sohn. Zu ihren Hobbys zählt sie ihre Familie, Wandern, Lesen, Wintersport, Reisen und Tauchen. 

Zaugg: Heisst das nicht gerade, dass wir innerhalb der Pensionskassen, aber auch bei anderen Investoren viel zu viel Controlling und Reporting ex post machen und zu wenig Zeit und Ressourcen einsetzen, um ex ante zu diskutieren?

Leuch: Das mag sein. Aber so schlecht sind die Pensionskassen nicht durch die Krise gekommen.

Zaugg: Das ist auch richtig.

Leuch: Es gibt sicher Verbesserungsmöglichkeiten. Dass man sagt: Ich hätte mir vorher bewusst sein sollen, in welchem Moment ich reagieren möchte. Oft ist es so, dass man zu spät merkt: Jetzt ist man in einer wirklich tiefen Krise. Und dann fängt man an zu diskutieren: Was kann ich machen? Wenn man sich darüber vorher Gedanken gemacht hätte, dann hätte man sich eher zusammengesetzt und hätte darüber gesprochen, wie man reagieren will. Das könnte den Verlust verkleinern. Trotzdem stellt sich natürlich noch das Problem des Wiedereinstiegs. Aber auch darüber kann man schon vorher diskutieren.

Zaugg: Es gibt ja Techniken, wo man ex ante mögliche Massnahmen bereits vordiskutiert ...

Leuch: Das würde ich auf jeden Fall empfehlen.

Zaugg: Ich denke an regelbasierte Ansätze, Interventionslimiten et cetera. Diese können in solchen Situationen durchaus einen wichtigen Beitrag leisten.

Müller: Das Technische allein reicht nicht, der Value at Risk reicht nicht. In dem Sinne würde ich sagen, man muss allem misstrauen. Man muss ein gesundes Misstrauen haben, und vor allem auch sich selbst gegenüber. Aber man kann im Misstrauen nicht verharren, wenn man anlegt. Es braucht dann gleichzeitig auch sehr viel Selbstvertrauen, zum Beispiel in die Analyse- und Prognosefähigkeit eines Komitees oder eines Beraters. Im Alltag, nicht in der Literatur gibt es dieses Ausbalancieren der beiden Aspekte: Dass man sich einerseits auf historische Werte verlässt und stochastische Analysen macht und gleichzeitig dann aber auch prognostische Elemente einfliessen lässt.

spn: Wie gut hat der Wiedereinstieg geklappt?

Zaugg: Mir sind einige Fälle von Pensionskassen bekannt, wo das Rebalancing der Aktienquote in den sechs Monaten vor März 2009 ausgesetzt wurde.

Müller: Mir auch.

Zaugg: Ich war selbst in Anlagekomitees und es war schwierig, im Februar 2009 ein Rebalancing zugunsten von Aktien durchzusetzen. Die Stimmung war derart schlecht, dass das kaum jemand mehr wollte. Ich kenne zumindest Einzelfälle, wo dann aus heutiger Sicht zu spät wieder in Aktien investiert wurde. Die GesamtPerformance der Pensionskassen für 2009 lässt sich aber sehen.

spn: Wie sind Sie gerade investiert bei der PKE?

Schnurrenberger: Die PKE hatte schon immer eine relativ hohe Aktienquote von 40 Prozent. Wir haben aktuell ein bisschen reduziert. Aber ich kann die Aussage von Herrn Zaugg absolut unterstützen. Mir ist keine Kasse bekannt, die das Rebalancing konsequent durchgesetzt hat. Und ich kenne keine, die das Rebalancing rechtzeitig wieder eingesetzt hat, obwohl man ihnen gesagt hat: Bevor Ihr aussetzt, müsst Ihr Euch eine Regel geben, wann Ihr wieder einsetzt. Das war zum damaligen Zeitpunkt nicht von Interesse. Nur das Aussetzen war wichtig. Und dann kam genau das Problem: Wann setzen wir wieder ein? Das war absehbar. Ich glaube, dass man sich als Person nur dann fixe Regeln geben kann, wenn man bereits eine Krise durchgemacht hat. Wenn ich noch keine Krise durchgemacht habe, weiss ich gar nicht, wie ich reagiere. Diese Vorausüberlegungen „Wie reagiere ich in der Krise“ finde ich extrem schwierig. Überlegen Sie sich vorher, wie Sie reagieren, wenn Sie mit einem Auto in einen Unfall geraten?

Leuch: Aber gut ist, wenn Sie zumindest schon einen Punkt definieren, wo Sie sagen: Ich speche darüber, was für Massnahmen ich ergreife.

Müller: Das meinte ich, der Prozess!

Schnurrenberger: Ich finde das schon schwierig. Es braucht einfach Erfahrung dazu. Ich habe diesen Unterschied erlebt von erfahrenen Leuten und unerfahrenen Leuten.

Buschmann: Das Beispiel Autofahren finde ich ganz gut. Es gibt natürlich Fahrertraining. Man kann sich auf bestimmte Extremsituationen vorbereiten. Aber unterm Strich kommt es immer noch darauf an, wie talentiert man am Steuer ist. Und da hilft auch das beste Fahrertraining nicht.

Zaugg: Jede neue Krise ist wieder eine andere Krise. Nehmen Sie stellvertretend Toyota, bis vor kurzem Technologie- und Innovationsleader. Der Autokonzern musste über eine Million Fahrzeuge zurückrufen. Konkreter: Sie fahren 100 km/h, möchten abbremsen und das Gaspedal blockiert. Dann ist das ein neues Problem, wo Sie situativ handeln müssen. Lebenserfahrung hilft dabei. Aber es gibt keine generellen Rezepte wie „Die nächste Krise sitzen wir wieder aus, die Aktien gehen nach der Krise sicher wieder 50 Prozent hoch“. Das könnte ein Irrtum sein.

Müller: Ich möchte trotzdem noch einmal für die Regel votieren. Ich habe einen Traum. Einen Traum, dass ich ein technisches Signal bekomme: Jetzt könnte etwas auf uns zukommen, das ausserordentlich ist, das nicht im normalen Risikomanagement abgefedert werden kann. Und dann haben die Anlageverantwortlichen besondere Aufgaben. Ich denke schon, dass man sich gewisse Szenarien überlegen kann. Wir haben in der Krise etwas gemacht, dass man sonst im Rahmen des Risikomanagements nicht macht: in die Tiefe gehen mit der Analyse der Risikofaktoren. Was geschieht, wenn die Staaten die Banken fallen lassen und wir am nächsten Tag nicht mehr zum Bankomat gehen und 100 Franken rauslassen können? Und was würde das dann bedeuten? Unser Risikomanagement ist sonst „technisch“ und orientiert sich an Kennziffern. Mit diesem Ansatz wurden gewissermassen neue Elemente in die Risikobetrachtung eingeführt. Diese Diskussionen haben aber Vertrauen gebildet. Es hat ein Grundverständnis dafür gegeben, dass wir in einer ausserordentlichen Situation sind. Und dass rasches, übereiltes und – was beim Autounfall wichtig ist – reflexhaftes Handeln auch gefährlich sein kann.


Christoph Müller studierte an der Universität Zürich Volkswirtschaft und war anschliessend bei der Bank HSBC Guyerzeller als Senior Analyst zuständig für Finanzmarktprognosen Europa. An der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich leitete er in den darauffolgenden Jahren die Konjunktur International. Müller ist zudem Gründer und Geschäftsführer der FourA, eines Unternehmens zur Beratung taktischer Anlageentscheide, und seit mehreren Jahren aktiv im Anlagebereich der Nest Sammelstiftung, als Präsident der Anlagekommission, und im Bereich Nachhaltigkeitsanalyse (Inrate) tätig.

spn: Herr Kohler, machen Sie das Risikomanagement im Haus oder nehmen Sie sich einen externen Consultant zur Beratung?

Kohler: Wir haben keinen externen Risikomanager. Ich denke auch nicht, dass uns das helfen würde. Der Level der Kenntnisse, was Risiko ist, ist sehr niedrig. Der Begriff Risiko ist sehr schnell bei der Hand. Der Begriff der Wahrscheinlichkeit auch. Die Vorstellung davon, worum es geht, ist meistens diffus. Jeder, der von Wertschwankungen betroffen ist, müsste hier jedoch zuerst glasklar sehen. Danach kann er allenfalls gewisse Teil-aufgaben outsourcen. Aber er sollte auf keinen Fall wegen eines Mangels an Inhouse-Kompetenz etwas outsourcen, weil er damit das Steuer völlig aus der Hand gibt. Da ist die Regel „einfach bleiben“ empfehlenswert, dafür aber zu verstehen, was man tut. Der Verzicht auf komplexe Instrumente fällt dabei leicht. Wir sind der Meinung, dass Sie mit Plain-Vanilla-Instrumenten bestens zu Ihrem Ziel kommen. Und dann wird es auch funktionieren mit dem Risikomanagement.

spn: Frau Leuch, welche Form der Unterstützung beim Risikomanagement fragen die Pensionskassen nach, wenn Sie zu Ihnen kommen?

Leuch: Erst einmal geht es darum, Risiken zu erkennen und aufzudecken. Über eine Berichterstattung aufzuzeigen, welche Risiken sich dahinter verbergen können, welche sich in Zukunft ergeben könnten. Das andere ist, diese dann effektiv zu managen, was die Anlagekommission macht, vielleicht mit Hilfe anderer Externer. Zum Beispiel ein Overlay Management zu machen oder Absicherungsstrategien zu fahren. Schweizer Pensionskassen arbeiten sehr stark in den Gremien. Overlay und Absicherungsstrategien werden nicht ganz so stark angefragt. Die durchschnittliche Pensionskasse hat durch die Krise hindurch bewusst die Abweichung von der Bandbreite in Kauf genommen und hat dann den Einstiegszeitpunkt unter Umständen ein wenig später gemacht. Wenn man sich anschaut, wozu dies geführt hat, dann sieht man, dass sie eine Outperformance hatten in der Krise und etwa die Hälfte der Outperformance verloren haben, als das gedreht hat. Aber insgesamt noch ganz gut durchmarschiert sind.

spn: Herr Schnurrenberger, so ein Overlay oder eine dynamische Wertsicherung, wäre das etwas für Ihre Pensionskasse?

Schnurrenberger: Ja, Overlay machen wir. Wir haben unser Verhalten im Vergleich zu vor der Krise nicht verändert. Man sollte das machen, was man versteht. Man sollte sich im Voraus überlegen, was man tut. Und man sollte in der Krise sein Verhalten nicht extrem verändern. Wenn man sein Verhalten in der Krise extrem verändert, hat man es sich ja vorher nicht viel überlegt.

spn: Gibt es neue Produkte, die für das Risikomanagement hilfreich sind?

Buschmann: Man mischt Innovationen bei, die das Risiko entsprechend reduzieren. Mal sind es einfache Absicherungsstrategien, die dazu führen, dass das Ganze etwas passender ist. Oder auch gewisse Flexibilitäten, die man schneller umsetzen kann. Es gibt Produkte, wo man die Duration schnell ändern kann, über Futures beispielsweise. Ich glaube, dass da noch einige Innovationen im guten Sinne möglich sind.

Müller: Für Absicherungsinstrumente braucht es auch Märkte. Wir prüfen, ob es möglich wäre, kostengünstig ein Overlay für gewisse Absicherungen (Kapitalschutz) des Gesamtportfolios zu implementieren. Meine Frage ist: Funktionieren in solchen Krisen, die wir gehabt haben, diese Märkte dann auch so, dass das Instrument spielt. Das ist eine offene Frage. Ich würde es mir wünschen.

Schnurrenberger: Wir haben ja gesehen, dass es nicht funktioniert. Wenn Sie sich in einem Markt bewegen und Sie sich alle aneinander abstützen. Das kann nur funktionieren, wenn Sie sich an etwas abstützen, was ausserhalb des Marktes ist.

Leuch: Ich würde mir ein Inflationsschutzprodukt wünschen, das auch funktioniert, wenn die Inflation effektiv da ist: in Schweizer Franken und liquide und dass der Staat in einer Inflation nicht aussteigt und keine Produkte mehr anbietet, weil er kein Interesse mehr dran hat.

Zaugg: Nützlich wäre ein liquides Derivativ auf Volatilitätsindizes. Im Schweizer Aktienmarkt stieg der VSMI®, welcher die implizite Volatilität von SMI®-Optionen zeigt vom Durchschnittswert von rund 20 bis im Oktober 2008 auf 80, heute ist er wieder unter 20. Wenn ich ein Produkt hätte, wo ich mich gegenüber höheren Volatilitäten absichern könnte, wäre das interessant. Aber es ist schwierig, eine Gegenpartei zu finden, die Extremszenarien zu vernünftigen Kosten absichert.

spn: Würden Sie so etwas kaufen, Herr Schnurrenberger?

Schnurrenberger: Das hängt von der Gegenseite. Und das ist genau das Problem. Ich würde es allenfalls kaufen, wenn die Gegenpartei in jeder Krise sicher wäre.

spn: Gibt es in der Wissenschaft neue Ansätze, die hilfreich wären?

Leuch: Ich habe in letzter Zeit einige Modelle beurteilt, die einen Risikoansatz für die Strategiefindung darstellen. Das mag im Asset Management durchaus sinnvoll sein. Für die Pensionskasse gibt es nur das Problem, dass sie eine Rente finanzieren muss. Diese Finanzierungsziele drücken sich in Form einer Rendite aus und nicht in Form eines Risikos. Sie können nicht sagen: Ich habe ein Zielrisiko. Sie haben eine Zielrendite. Sie müssen suchen, woher sie die Rendite bekommen, und müssen versuchen, dass mit möglichst wenig Risiko zu tun. Und das ist die Kunst.

Kohler: Ich habe etwas Probleme, in diese Diskussion einzusteigen. Eigentlich geht es um die Frage: Ist eine bestimmte Gefahrenquelle relevant für Sie? Wenn Sie eine hochliquide, gut strukturierte junge Kasse mit einem dynamischen Sponsor sind und der Kapitalstock nicht bei Madoff investiert ist, dann müssen Sie sich keine Gedanken um zyklische Bewegungen machen. Und dann ist es unverzeihliche Ressourcenverschwendung, die Varianz irgendeiner Aktie abzusichern. Das ist für mich kein Risiko. Das ist die Ebene des abstrakten Risikomanagements. Da passiert meistens der erste Fehler. Man bewegt sich auf dieser abstrakten Ebene und sichert „Risiko“, das gar keines ist, für teures Geld, welches dem Rentenkapital abgeht, ab.


André Kohler ist Mitglied der Geschäftsleitung bei der B+B Vorsorge AG und seit dem 1.Januar 2007 verantwortlich für Aufbau und Führung des Geschäftsbereiches Investment Services. Sein besonderes Interesse gilt der Analyse realitätsgerechter Verfahren für Risikomanagement und Ertragsplanung sowie der Erarbeitung darauf basierender Instrumente und Produkte mit Kundennutzen. Seine Erfahrung umfasst langjährige Ergebnisverantwortung als Portfolio Manager für Anlagefonds,  Anlagestiftungen und institutionellen Vermögen. Kohler studierte Rechtswissenschaft in Zürich und hat einen Abschluss als CFA.

Zaugg: Ein Beispiel dafür, dass Volatilität als Risikomass über eine längere Frist gar nicht so relevant ist: Emerging-Markets-Aktien haben hohe Volatilitäten, aber auch entsprechend hohe Renditeerwartungen. Für eine Pensionskasse, die einen langfristigen Horizont hat, sind die kurzfristigen Schwankungen wenig relevant. Es kann Sinn machen, sehr viel mehr von Renditen zu sprechen und nicht nur von Risiken und Risikomanagement.

Buschmann: So, wie wir Risk Management verstehen, geht es darum, gerade im Aktienmanagement das Alpha zu erhöhen. Das ist ein wesentlicher Punkt, den das Risk Management bei uns definiert bekommt. Es geht nicht darum, Dinge zu nivellieren oder nur Risiken herauszunehmen, sondern zu helfen, dass wir eine entsprechende Rendite darstellen.

spn: Wie gehen Sie beim Risikomanagement vor, Herr Kohler? Können Sie uns ein praktisches Beispiel geben?

Kohler: Wenn Sie heute 20-, 40-, 60-jährige rollende Ertragsdurchschnitte von Weltportfolios nehmen, dann sehen Sie eines: Bonds sind absurd, wirklich absurd über jedes Niveau hinaus historisch teuer. Wenn ich das ignoriere, dann habe ich die erste Sünde vom Risikomanagement schon begangen. Das ist ganz einfach. Das kann ich mir ansehen. Das ist handfest. Solche Überlegungen sind mir lieber als mathematische Ausformungen längst widerlegter Konzeptionen, die ich als Anwender darüber hinaus nicht nachvollziehen kann.

spn: Herr Zaugg, braucht man generell externe Consultants für das Risikomanagement?

Zaugg: Das hängt auch ab von der Grösse der Institution. Mir sind grössere Kassen bekannt, die ein internes Risikomanagement absolut professionell betreiben und keinen externen Consultant dazu benötigen. Umgekehrt, denke ich, dass bei kleineren und mittleren Pensionskassen noch Potenzial vorhanden ist, auch mit einem externen Consultant die Risikomanagement-Kultur zu verbessern und Ex-ante-Szenarien, Interventionspunkte oder regelbasierte Ansätze zu diskutieren. Nicht zuletzt deshalb, weil der Sitzungsrhythmus dort niedrig ist. Wenn die Anlageausschüsse nur drei-, viermal pro Jahr tagen, entsteht immer ein Timelag zu den Realitäten an den Finanzmärkten. Zudem müssen gewisse Entscheide der Anlagegremien noch durch den Stiftungsrat abgesegnet werden. Da kann nochmals Zeit verloren gehen. Deshalb sind frühzeitig diskutierte, beschlossene und implementierte Risikomanagement-Systeme sinnvoll.

spn: Wie können die menschlichen Faktoren und die qualitativen Aspekte besser in das Risikomanagement einbezogen werden?

Leuch: Ein regelbasiertes System würde helfen können, den Faktor Mensch mit seinen Schwächen wie Gier oder Angst ein wenig zu überlisten. Man lernt aus dem, was man gemacht hat, und man lässt sich aufzeigen: Jetzt habe ich einen Punkt erreicht, da haben wir letztes Mal nichts gemacht. Und heute könnte man sagen: Da reagieren wir. Allerdings: Wenn alle mit solchen intelligenten Systemen arbeiten, würde der Markt auch wieder ausser Kraft gesetzt, und keiner weiss, was dann passiert.

Schnurrenberger: Ich würde nicht von Gier sprechen, sondern von Gruppendruck. Sie müssen mitmachen. Bei Dotcom nach drei Jahren ist jeder eingestiegen, weil er zusammengeschimpft worden ist, wenn er nicht mitgemacht hat.

spn: Sind Sie schon aktuell wieder so, dass Sie mitmachen müssen?

Schnurrenberger: Ich verstehe die Diskussion über die Risiken auch im Sinne einer Professionalisierung der Gremien. Einem Gruppendruck können Sie nur widerstehen, wenn Sie wirklich wissen, was Sie tun. Dabei hilft meiner Meinung nach auch ein externer qualifizierter Berater. Das ist ein Element der Professionalisierung in so einem Gremium, und er bringt auch eine Aussensicht in ein Gremium hinein. Man darf zudem nicht vergessen: Sie haben Gruppendruck auch von oben. Auch eine Anlagekommission hat ein Gremium oben. Und die Märkte – das ist Gruppendruck. Sie setzen alles ausser Kraft mit dem Gruppendruck.

spn: Sind Sie mit Ihren internen Abläufen zufrieden?

Schnurrenberger: Wir sind in der heutigen Zusammensetzung gut aufgestellt. Wir haben ein gutes Gremium. Wir haben nur erfahrene Leute, wir haben keine ganz jungen Leute da drin. Wir haben einen guten externen Consultant, einen echten Pragmatiker aus dem Markt. Wir haben gute Anlage-Manager in der Kasse selbst.

spn: Herr Kohler, welche Entwicklung sehen Sie für die nächsten zehn Jahre?

Kohler: Der Trend geht weiter. In den vergangenen 14 Jahren hat es mindestens sechs schwarze Schwäne gegeben: die Asienkrise, die Russlandkrise, LTCM, die Tech-Bubble, Amaranth und die Subprime-Krise. Wir sind mitten im Deleveraging-Prozess des Systems drin. Damit verbunden sind meiner Meinung nach alle schweren Schocks, die noch kommen werden. Nach sechs schwarzen Schwänen sollten wir uns aber nicht wundern, wenn es einmal ein Jahr ohne gibt.

spn: Gibt es noch Mankos?

Buschmann: Ein grosser Fehler, der beim Risikomanagement gemacht wird, ist, dass man nicht für die notwendige Transparenz sorgt. Wenn ich mir unseren Risk-Management-Prozess auf der Aktienseite anschaue, wie viel verschiedene Tools wir nutzen und wie diese miteinander einhergehen, wie die dann auch im Endergebnis sind – das sollte der Investor vom Asset Manager erläutert bekommen. Das kam in der Vergangenheit immer wieder zu kurz, und es ist sehr schwierig, das zu transportieren. Da kann man noch dran arbeiten.

Kohler: Ich finde es interessant, dass Sie auf diesen Punkt kommen. Der ist unglaublich wichtig. Ich hätte jetzt nicht Transparenz gesagt, sondern Informations-transport. Bundesrechtlich sind die fachlichen Anforderungen an einen Stiftungsrat gleich null. Ganz unverhohlen begründet: Sonst finden wir niemanden, der das tut. Das ist ein katastrophaler Ansatz, der natürlich nicht dazu beitragen wird, diesen Informationstransport zu erleichtern. Wenn man sich vorstellt, in welche Lage der Gesetzgeber einen Stiftungsrat bringt, müssten sich eigentlich alle verabschieden, denn bei Fehlern infolge vorwerfbaren Wissensdefizits droht die Haftung mit dem persönlichen Vermögen.

Buschmann: Es geht darum, die Marktteilnehmer auf einen Stand zu bringen, der das Verständnis herbeiführt. Das ist die Anforderung. Man muss auf verschiedenen Ebenen über Risk Management reden, damit man es verständlich macht. Es gibt viele Diskussionen, die immer wieder im Raum sind, wo man sich einfach verabschiedet, weil es nicht zum Fachgebiet gehört. Das ist menschlich. Das Thema Risk Management ist inzwischen aber so bedeutsam, dass sich eigentlich jeder bemühen sollte, aber es kommt immer wieder der Punkt, dass Sie unterschiedliche Levels haben. Und damit werden wir konfrontiert, und dies sind die Anforderungen der Zukunft an Consultants, an Asset Manager, das entsprechend richtig rüberzubringen.

Schnurrenberger: Ich wollte das mit der Transparenz unterstützen. Das ist eines der Haupthindernisse. Wenn Sie unter Fachleuten reden: kein Problem. Wenn Sie in einem Milizgremium wie einem Stiftungsrat reden, ist die Transparenz umso wichtiger. Ich gebe auch Herrn Kohler Recht. Ich habe Stiftungsräte gekannt, bei denen hat man die Arbeitnehmervertreter dann in eine Schulung geschickt, die sind zurückgekommen und sind alle ausgetreten, weil man sie dort über die Haftung aufgeklärt hat. Die haben gesagt: Was soll ich hier? Meine Zeit wird mir nicht vergütet, ich habe eine Riesenhaftung und verstehen tue ich es ja sowieso nicht.


Ronald Schnurrenberger ist seit Ende 2009 Vorsitzender der Geschäftsleitung der PKEPensionskasse Energie. Davor war er 18 Jahre als Pensionskassenspezialist für eine internationale Prüfgesellschaft tätig. Zudem war er mehrere Jahre Vizepräsident des Stiftungsrates und Mitglied der Anlagekommission der damaligen firmeneigenen Pensionskasse. Schnurrenberger hat Betriebswirtschaft studiert, ist diplomierter Wirtschaftsprüfer, verheiratet und hat zwei Töchter. Seine Freizeit verbringt er gerne mit seiner Familie in den Bergen oder mit Büchern von Martin Suter.

spn: Wo liegen für Sie die Herausforderungen für das Risikomanagement der Zukunft, Frau Leuch?

Leuch: Ich würde das Thema mit der Transparenz unterstützen. Man sieht, dass jetzt wieder Produkte auf den Markt kommen, die sehr intransparent sind. Und mich hat erschreckt, dass es tatsächlich Kassen gibt, die sehr viel Risiko mit nur einer Gegenpartei haben. Das sollte nicht passieren.

spn: Zum Abschluss bitte ich noch um eine These zur Zukunft des Risikomanagements.

Müller: Nicht die Risikokennziffern, sondern die Risikofaktoren beachten!

Kohler: Die Mittel einfach, die Aktionen nachvollziehbar, die Partner kompetent und charakterstark – das ist das, was das Risikomanagement am Schluss ausmacht.

Schnurrenberger: Die nächste Blase kommt bestimmt.

spn: Sehr geehrte Damen und Herren. Danke für die vielschichtige Diskussion auf verschiedenen Ebenen. Es war sehr konstruktiv, sehr offen, eine lebendige Diskussion.





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