Schweizer Pensions- & Investmentnachrichten

Herbert Brändli

Gegen die Mitesser am Vorsorgekuchen
Veröffentlicht am:  01. Februar 2010

Er gilt als scharfzüngiger Querkopf der Vorsorge-Branche. Einen allgemein anwendbaren Umwandlungssatz lehnt Profond-Chef Herbert Brändli ab. Bernhard Raos berichtet

Nach dem Börseneinbruch vom letzten Jahr schien der Stern von Herbert Brändli, 59, zu sinken. Der Gründer und Leiter der B+B Vorsorge AG, die auch die Geschäfte der Profond Vorsorgeeinrichtung führt, brauchte „einen breiten Rücken“, wie er selber sagt. In seiner Sammelstiftung klaffte Ende 2008 eine Deckungslücke von fast einer halben Milliarde Franken und der Deckungsgrad lag noch bei 82,4 Prozent. Die Performance betrug –25,7 Prozent; das Profond-Vorsorgevermögen ist zu 50 Prozent in Aktien angelegt. Brändli wurde als Hasardeur gebrandmarkt, Profond ein „Management by Hope“ unterstellt und über einen möglichen Bankrott spekuliert.

Profond hielt an ihrer Asset Allocation fest und machte damit alles richtig. Ende November 2009 lag der Deckungsgrad wieder bei 93,5 und die Deckungslücke hatte sich auf 190 Millionen Schweizer Franken reduziert. Buchverluste irritieren den Betriebswirtschafter mit Diplom als Eidgenössischer Versicherungsexperte nicht. Profond ist 1990 mit einem Deckungsgrad von 100 Prozent gestartet, hat trotz schwieriger Jahre an den Märkten bisher im Mittel einen Ertrag von 5,8 Prozent erzielt, was eine durchschnittliche jährliche Verzinsung von 4,8 Prozent beziehungsweise Rentenerhöhungen von 0,8 Prozent erlaubte.

Dieses Resultat kann sich im Vergleich durchaus sehen lassen, vor allem wenn man auch noch den Umwandlungssatz berücksichtigt. Der liegt bei Profond aktuell bei 7,2 Prozent. Das ist fast ein halbes Prozent mehr als der durchschnittliche Umwandlungssatz gemäss der letzten Swiss-canto Pensionskassenumfrage. Und Profond will trotz der vom Parlament beschlossenen Senkung auf 6,4 Prozent – darüber wird am 7. März abgestimmt – weiterhin an 7,2 Prozent festhalten.

„Lange nicht alle Spezialisten in der beruflichen Vorsorge sind für eine Senkung des Umwandlungssatzes“, meint Herbert Brändli und geht in Opposition zum Pensionskassenverband Asip, der Kammer der Pensionskassenexperten und dem Versicherungsverband: „Der Staat soll Minimalleistungen vorgeben, wie dies ja bei der Einführung des BVG geschehen ist. Er soll aber nicht laufend nach unten korrigieren, weil gewisse Mitesser am Vorsorgekuchen wie die Versicherungsgesellschaften die minimalen Ziele nicht einhalten“, argumentiert er. Auch die Anlageberater bekommen ihr Fett weg. Diese würden stetig am Vorsorgekuchen nagen und immer grössere Anteile für sich abschneiden.

Brändli muss sich den Vorwurf gefallen lassen, mit seiner B+B Vorsorge AG ja auch von diesem System zu leben, das er heftig kritisiert. „Aber nicht auf Kosten der Versicherten“, wendet er ein. Für ihn gibt es keinen allgemein anwendbaren Umwandlungssatz. Weil jede Kasse für ihre eigene Sicherheit besorgt sein müsse und ihre Leistungen auf den eigenen Erfolg und den eigenen Versichertenbestand auszurichten habe, gebe es unzählige faire Umwandlungssätze. Und der Querdenker legt eine weitere Lunte: „Weil etwa Bauleute viel weniger lang leben als Lehrer, müssten sie fairerweise einen viel höheren Umwandlungssatz haben.“





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