Schweizer Pensions- & Investmentnachrichten
Vorteile nicht gefährden

Gerold Bührer

Veröffentlicht am:  01. Februar 2010

Die Sicherheit des Drei-Säulen-Systems aus Solidarität und Eigenverantwortung ist für den Standort Schweiz zentral. Man darf es nicht leichtfertig aufs Spiel setzen

Gerold Bührer

Die Schweiz zählt auf ein verlässliches und bewährtes Drei-Säulen-System der Altersvorsorge. Es beruht auf der Kombination von staatlicher, beruflicher und privater Vorsorge. Im internationalen Vergleich steht die Schweiz gut da. Während beispielsweise in Deutschland und Grossbritannien in erster Linie der Staat die Altersvorsorge trägt, stützt sich das Drei-Säulen-System der Schweiz breit ab. Das System ist auch für die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz von zentraler Bedeutung. Ungedeckte Rechnungen bei der Altersvorsorge können in Zukunft zu finanzpolitischer und sozialer Instabilität führen und sich zu einem Standortnachteil entwickeln. Davon profitieren vor allem auch die Arbeitnehmer, denn eine mehrfach abgestützte Altersvorsorge bietet mehr Verlässlichkeit und Sicherheit im Alter. Das Drei-Säulen-System steigert die Standortattraktivität der Schweiz.

Am 7. März stimmen die Schweizer Stimmbürger über eine moderate Anpassung des BVG-Mindestumwandlungssatzes ab. Aus Sicht der Wirtschaft muss dafür gesorgt werden, dass das Sozialsystem finanzierbar bleibt. Weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer können Finanzierungslücken in der Pensionskasse verantworten. Die Pensionskasse muss für alle Generationen sicher und fair bleiben.Für die Bevölkerung, aber auch für den Standort Schweiz insgesamt ist wichtig, dass wir die Pensionskasse rechtzeitig ins Lot bringen. Denn andere Sozialversicherungen stehen bereits unter Druck. Denken wir nur an die erste Säule, deren Finanzierung angesichts der Bevölkerungsentwicklung vor grossen Herausforderungen steht. Der Finanzierungsbedarf weiterer Sozialversicherungen wird bereits in absehbarer Zeit zu Mehrkosten für die Erwerbstätigen führen. Das auch bei der Pensionskasse mutwillig in Kauf zu nehmen, wäre verantwortungslos.

Gegner sprechen von Rentenklau, tatsächlich ist es aber ein Diebstahl an den Erwerbstätigen und der kommenden Generation, wenn der Umwandlungssatz aus Rücksicht auf die steigende Lebenserwartung und die deutlich tieferen Kapitalmarktrenditen nicht angepasst wird. Denn bereits heute stopfen die Erwerbstätigen, wegen der steigenden Lebenserwartung, über den Verzicht auf ihnen zustehende Beiträge das jährliche Rentenloch. Das ist weder nachhaltig noch fair. Deshalb ist die Anpassung des Umwandlungssatzes auf 6,4 Prozent auch aus Gründen der Generationensolidarität unabdingbar.

Der Autor ist Präsident von economiesuisse.





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