Schweizer Pensions- & Investmentnachrichten
Alle Jahre wieder?
Veröffentlicht am:  07. Dezember 2009

Als ich neulich mittags die Tür zu meinem Stammgriechen um die Ecke öffnete, musste ich glatt zweimal hinsehen: Eine Runde fröhlicher Menschen mit roten Zipfelmützen war dort offensichtlich zur Büroweihnachtsfeier zusammengekommen. Und zwar im November, bei milden 15 Grad plus. Damit war klar: Mein schwacher Versuch, die sich seit Wochen häufenden Anzeichen des bevorstehenden Weihnachtsfestes und des Jahresendes schlicht zu ignorieren, war endgültig gescheitert.

Meiner Resignation folgte sofort ein beunruhigender Gedanke: Wäre ich nicht jetzt wieder gezwungen, das vergangene Finanzjahr im Redaktionsbrief Revue passieren zu lassen, es zu analysieren und zu bewerten? War nicht das nahende Jahresende die allgemein verordnete Zeit zur Besinnung? Ich lamentierte innerlich und erinnerte mich an meinen Redaktionsbrief vor genau einem Jahr: Sollte ich meine Weihnachtswünsche von damals an der Wirklichkeit messen? War es wieder einmal an der Zeit, eine Bilanz der Finanzkrise zu ziehen? Und wäre das Ergebnis wirklich weihnachtlich? Schliesslich ist ein dauerhafter Aufstieg aus der Talsohle immer noch nicht in Sicht, ebenso wenig wie eine grundlegende Abkehr von alten, verhängnisvollen Verhaltensmustern. Oder sollte ich – genau wie letztes Jahr – versuchen, meine Wunschschlagzeilen für das kommende Jahr zu formulieren? Aber würden sich diese wirklich grundlegend von meinem Wunschzettel für 2009 unterscheiden?

Schnell versuchte ich, mein aufkommendes Unbehagen mit einem Schluck Mineralwasser zu dämpfen. Die Weihnachtsgesellschaft am anderen Ende des Raumes wurde lauter. Nein, dachte ich, liegt die Kraft der Vorweihnachtszeit und des Weihnachtsfestes nicht ganz woanders? Sollte uns diese besondere Jahreszeit nicht den Raum geben, uns einmal anderen Inhalten zuzuwenden, als permanent die bekannten Finanzthemen zu verbreiten, den Zeigefinger zu heben und die immer noch zahlreichen Missstände anzuprangern?

Mein Entschluss stand schnell fest. Die Feiergesellschaft hatte recht. Es muss auch Raum für anderes geben.

Deswegen: Kein Resümee, keine Analyse und kein Ausblick in diesem Redaktionsbrief, sondern selbst verordneter weihnachtlicher Abstand von Finanzfragen. Auch deswegen, da Abstand unter anderem Zuversicht schafft, Wirtschaftsthemen wieder mit Optimismus und Tatkraft zu begegnen. Im neuen Jahr.

Eine frohe Weihnachtszeit, Abstand, Raum für anderes und vor allem Zuversicht für das nächste Jahr wünscht Ihnen

Michael Lennert, Chefredaktor





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