Schweizer Pensionskassen können besser werden, sowohl bei der Diversifikation der Anlagen als auch in der Vermögensbewirtschaftung. Viele Kassen sind von der kurzfristigen Deckungsgrad-Optik getrieben. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Grossbank Credit Suisse. Die Verfasser werfen auch einen Blick über den Gartenzaun.
Wie die Anlagen performen, ist für die Versicherten zentral – die Kapitalrendite wirkt als „dritter Beitragszahler“, neben den Beiträgen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Bereits eine Mehrrendite auf dem Anlagevermögen von einem Prozent erhöht über die volle Anlagedauer die Altersrente um ein Fünftel. Welche Faktoren sind also für die Anlagestrategie entscheidend? Berücksichtigt wurden etwa die Altersstruktur der Versicherten, die Rechtsform und das Primat der Kassen sowie der Deckungsgrad. Vor allem der letzte Faktor beeinflusst das Anlageverhalten wesentlich: Je höher der Deckungsgrad liegt, desto grösser ist in der Regel der Aktienanteil im Portfolio. Dank dem höheren finanziellen Polster kann mehr Risiko genommen werden. Die Portfolios der Pensionskassen wiesen denn auch, pro Prozentpunkt höherem Deckungsgrad, einen um 0,31 Prozentpunkte erhöhten Aktienanteil auf.
„Relativ effizient“ investiert
Als grosser Player im Pensionskassengeschäft hält die Credit Suisse ihren Kunden den Spiegel ganz vorsichtig vor. Fazit der Studie: Die Schweizer Pensionskassen sind im Rahmen der geltenden Anlagevorschriften „relativ effizient investiert und berücksichtigen die wesentlichen Erkenntnisse der modernen Portfoliotheorie“. Berücksichtigt man allerdings die erreichten Renditen seit 1985, orten die CS-Experten doch einiges Verbesserungspotenzial. So könnte bei der Asset Allocation noch besser diversifiziert werden: „Im Ergebnis würden die Pensionskassen bei gleichem Risiko eine höhere Rendite erzielen, oder die angestrebte Rendite wäre auch mit kleinerem Risiko zu erreichen.“
Dieses Prinzip der Diversifikation sei auch durch die jüngste Finanzkrise nicht widerlegt, wo viele Anlageklassen tauchten. Im Krisenjahr 2008 hätten Schweizer Aktien zwar eine Negativ-Performance von rund 34 Prozent verzeichnet, während Obligationen ein Plus von rund 9 Prozent erreichten. Die Erkenntnisse der modernen Portfoliotheorie basierten auf langfristigen Perspektiven und sollten nicht wegen einzelner Krisenjahre korrigiert werden.
Trotzdem: Das Debakel an den Kapitalmärkten zerzauste auch die Bilanzen der PKs und führte vielfach zur Unterdeckung. Hier plädieren die CS-Ökonomen für mehr Augenmass: Das System der beruflichen Vorsorge baue auf Langfristigkeit. Dies erlaube es, Finanzmarktturbulenzen und entsprechend schwankende Deckungsgrade zu verkraften.
Umwandlungssatz und Blick nach draussen
Mittels Modellrechnungen zeigt die CS-Studie, wie stark sich Veränderungen in den Lebens- und Renditeerwartungen auf die Höhe des Umwandlungssatzes auswirken. Zum stark politisch besetzten Thema liefert die Grossbank ein Zahlenbeispiel: Eine Veränderung des technischen Zinssatzes um 0,5 Prozentpunkte beeinflusst den Umwandlungssatz um etwa 0,3 Prozentpunkte. Welche Renditen zukünftig auf dem Anlagekapital der Pensionskassen erzielt werden, dürfte demnach die Bestimmung des „richtigen“ Umwandlungssatzes prägen.
In den letzten Jahren haben viele OECD-Länder ihre quantitativen Anlagevorschriften reduziert; noch ungefähr die Hälfte der Staaten kennt überhaupt Limiten. 18 von 30 untersuchten Ländern begrenzen etwa die Aktieninvestitionen, wobei die Obergrenzen zwischen 30 Prozent (Mexiko) und 80 Prozent (Slowakei) liegen. In der Praxis zeigt sich, dass die aktuell gültigen Limiten sowohl in der Schweiz als auch in anderen Ländern mit Anlagerestriktionen nur selten ausgeschöpft werden. Für die Schweiz spricht die CS von einer „bescheidenen Ausnutzung der Aktienlimite“, befürwortet dennoch gewisse Restriktionen: „Vielmehr bedarf es einer ausgewogenen Betrachtung der Ziele Sicherheit, Ertrag, Diversifikation und Liquidität, unter Berücksichtigung der spezifischen Situation der einzelnen Pensionskassen.”

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