Schweizer Pensions- & Investmentnachrichten
Wie dünn wird das Eis noch?
Veröffentlicht am:  07. Dezember 2009

Die Krise hat auch das Custody-Geschäft in der Schweiz gebeutelt. Die Konsequenzen waren eine veränderte Produktnachfrage sowie veränderte Wertigkeiten und Prioritäten. Dennoch hat eine grosse Konsolidierungswelle bis jetzt noch nicht stattgefunden. Doch Vorsicht: Das kann ja noch kommen.

„Der Schweizer Custody-Markt hat sich aufgrund der Wirtschaftssituation geändert. Viele Privatbanken stellen ihr Kerngeschäft in Frage und steigen aufgrund der hohen Kosten aus dem Custody-Geschäft aus.“ So lautet die Einschätzung eines Custodians, der im Rahmen der ersten Custody-Umfrage, die spn in Zusammenarbeit mit Kommalpha durchgeführt hat, gefragt wurde, wie er die derzeitige Situation des Custody-Marktes in der Schweiz beurteilt. Als Konsequenz leitet der Befragte zudem ab, dass sich der Markt mehr und mehr für die grossen ausländischen Custodians öffne und deswegen Marktführer wie die UBS oder die CS Marktanteile einbüssen würden.

Und in der Tat, dass sich der Custody-Markt in der Schweiz derzeit im Umbruch befindet, kann unter anderem ganz eindeutig als eines der Hauptergebnisse der spn Custody-Umfrage benannt werden, an der insgesamt sieben Custodians teilnahmen, und zwar BNP Paribas, J.P. Morgan, Lombard Odier, Pictet, RBC Dexia, State Street und die Zürcher Kantonalbank.

Druck nimmt zu

Im Umbruch auch deswegen, da sich durch die Finanzkrise zum einen die Profitabilität des an sich schon margenschwachen Custodian-Geschäfts verschärft hat. Mit der Folge, dass Stichworte wie Prozessoptimierung, Qualitätsverbesserung oder Kostenminimierung, die Erzielung fortlaufender Synergie- und Skaleneffekte oder eine noch intensiviertere Zentralisierung und Automatisierung weiter ganz oben auf den Agenden der Custodians stehen werden. Zum anderen sind die Herausforderungen durch die stetig steigenden Anforderungen an die Custodians, etwa durch die Krise oder durch die Notwendigkeit von kontinuierlich hohen Investitionen in die IT-Systeme, natürlich nicht kleiner geworden.

Gute Resultate bei Basisdienstleistungen, Herausforderungen noch bei Zusatzdienstleistungen

Doch was zeichnet einen guten Custodian überhaupt aus? In der Umfrage genannt wurden hierbei insbesondere die Qualität der Basisdienstleistungen, aber auch die Qualität von Zusatzdienstleistungen wie Investment Reporting oder Compliance Monitoring, ein Commitment zum Kerngeschäft, finanzielle Stärke und Unabhängigkeit, eine effiziente und kooperative Zusammenarbeit mit Vermögensverwaltern und anderen Parteien sowie Innovations- und wie schon angetönt Investitionspotenzial. Zudem wurde Wert darauf gelegt, dass ein guter Custodian zusätzlich als „offene Plattform“ konstruiert sein sollte. Sprich, es sollten sämtliche Dienstleistungen ohne administrative Hindernisse von Drittparteien, wie beispielsweise Devisentermingeschäfte, bezogen werden können.

Doch es gibt auch Herausforderungen oder Schwächen bei einzelnen Dienstleistungen, die bei einigen Custodians festgestellt wurden. Und die liegen laut den von spn befragten Marktteilnehmern unter anderem bei der Darstellung von alternativen Anlagen im Investment Reporting und in der Compliance. Insbesondere deswegen, da diese Dienstleistungen neben flexiblen Systemen auch einen manuellen Aufwand bei der Datenbeschaffung und ein hohes Know-how an sich erfordern. Weitere Schwächen wurden zudem im OTC-Bereich oder bei der Fondsabwicklung festgestellt.

Durch die Krise veränderte Produktnachfrage

Daneben haben sich durch die Krise die Gewichte bei der Nachfrage nach Produkten oder Dienstleistungen grundsätzlich verschoben. Genannt wurden erhöhte Anforderungen an das Risikomanagement und Reporting, die Performance-Messung, das Identifizieren von Gegenparteirisiken, Herausforderungen beim Collateral Management oder Verschiebungen beim Securities Lending, also der Wertpapierleihe (vergleiche dazu auch das Interview „Stetig steigende Anforderungen“ auf der Seite 22). Doch nicht nur das. „Cash-Lösungen, gestreute Investitionslösungen sowie eine tägliche Bewertung sehen wir derzeit als klare Tendenz und sie sind für Pensionskassen momentan besonders wichtig“, sagt etwa Heribert Krämer, Director Operations & Services bei RBC Dexia in Zürich, für den speziell die täglichen Risikobewertungen auch im nächsten Jahr die grösste Herausforderung bleiben werden, mit der Konsequenz, dass für ihn flexible Reporting-Lösungen und ein Kundendatenzugriff zu jedem Zeitpunkt die Investitionen des Jahres sind. René Charrière wiederum, Managing Director bei der State Street Bank in Zürich, war erstaunt und erfreut, wie gut die Pensionskassen für die Krise gerüstet waren – so habe er keine Panik verspürt –, gibt aber offen zu, dass es natürlich auch bei State Street Gesprächsbedarf gab, vor allem in Bereichen, die „gelitten“ haben, etwa alternative Anlagen, das Collateral Management und die Liquiditätsplanung. „Wir haben nach Lösungen gesucht, wie PKs ihre Asset Manager besser kontrollieren können. Zudem haben wir geholfen, bei Derivaten oder strukturierten Produkten, beziehungsweise bei allen Produkten, die sich im oberen Bereich der Anlage-Komplexität befinden, Systematiken zu installieren, damit diese Produkte weiter gemanagt werden konnten. Mit der Konsequenz, dass es einfacher geworden ist auf der Transaktionsseite, aber viel komplexer auf der Reporting-Seite“, sagt er, für den 2010 ein Jahr der Professionalisierung wird, aber auch ein Jahr der besseren Kommunikation mit den Gegenparteien sowie ein Jahr des Hinterfragens von Produkten und Szenarien.

Projekte und Trends 2010

Doch nicht nur State Street hat Projekte für das nächste Jahr. „Wir sehen einen Bedarf an Pooling-Lösungen für Sammeleinrichtungen. Unser Ziel hierbei ist, unsere Kunden zu befähigen, die Service-Komponente bei ihren eigenen Kunden zu erhöhen und speziell die Investitionsentscheide, das Reporting und die Performance transparent und nachvollziehbar zu machen“, sagt etwa Marcel Theiler, Vice President Worldwide Securities Services bei J.P. Morgan Schweiz. J.P. Morgan hat zudem als Ziel die Implementierung einer vollautomatisierten Fondsorder- und -settlement-Plattform und den Ausbau eines Bewertungs-, Simultations- und Portfolio-Management-Systems für strukturierte Produkte (vergleiche dazu auch die Übersicht auf der rechten Seite). Als weiterer Trend wurde zudem wie schon angetönt genannt, dass einige Schweizer Privatbanken alle nicht zum Kerngeschäft zählenden Bereiche wie etwa die Administration auslagern wollten.

2010 Jahr der Konsolidierung?

Doch was bedeutet dies für die Custodians? Wird 2010 ein Jahr der Konsolidierung? „Es gibt sicherlich eine Konsolidierung der kleineren Anbieter. Ich erwarte auch, dass grössere Custodians gewisse Dienstleistungen von den grossen globalen Anbietern einkaufen werden“, erklärt Theiler weiter. Und Charrière stellt fest, dass speziell Veränderungen im Asset Management, und hier vor allem die Konsolidierungs-, Auslagerungs- oder Fondschliessungstendenzen, natürlich Auswirkungen auf das Custody-Geschäft haben. „Wir sind getrieben von Asset-Management-Themen. Gleichwohl hat eine Konsolidierung bis auf wenige Ausnahmen in der Schweiz noch nicht stattgefunden. Das heisst, ein Konsolidierungsschub steht uns noch bevor”, sagt er. Zudem werde entscheidend sein, wie sich die Wertschöpfungskette weiter entwickelt.


Die Strategien der einzelnen Häuser

Haben Sie besondere Pläne/Projekte für 2010?

BNP Paribas Securities Services, Zurich Branch: „Roll out FX“ Online Trading Tool, Erweiterung der Auswertungen im Bereich Attributionsanalysen und Risk im DNA.

J.P. Morgan (Schweiz) AG: Implementierung einer vollautomatisierten Fondsorder- und -settlement-Plattform, Ausbau des Bewertungs-, Simulations- und Portfolio-Management-Systems für strukturierte Produkte.

Lombard Odier: Intensivierung der Marketing- und Akquisitionsanstrengungen im deutschsprachigen Raum.

Pictet & Cie.: Weiterentwicklung des Internetangebots und der Custody-Lösung „Pictet Connect“, Bewahrung der Platzierungen, die man bereits über mehrere Jahre in verschiedenen Industrieumfragen (R&M & GI) erhalten habe, fortgesetztes Nutzen von Möglichkeiten, die sich am Markt als Nischenanbieter von Vermögensdienstleistungen ergeben.

RBC Dexia Investor Services Bank S.A., Zurich Branch: Murex: eine neue Alternative-Anlagen-Plattfform, Projekt NCS (neue RBCD Globale Custody-Plattform).

State Street Bank GmbH München, Niederlassung Zürich: Ausbau des kombinierten Fondsleitung & Custody-Angebots.

Zürcher Kantonalbank: k.A.

Welche 3 markanten Trends/Neuerungen sehen Sie am Markt für Custody Services in den kommenden 12 Monaten?

BNP Paribas Securities Services, Zurich Branch: Joint Offering von Asset-Management- und Global-Custody-Lösungen, Pan European Pension Pooling, Fiduciary-Management-Lösungen.

J.P. Morgan (Schweiz) AG: Konsolidierung der Depotbanken, wachsende Bedeutung der finanziellen Stärke von Depotbanken, zunehmende Aufmerksamkeit für Bewertungskompetenz komplexer Anlagestrukturen.

Lombard Odier: k.A.

Pictet & Cie.: Aufzeigen, dass Kundenvermögen ständig sicher und einzeln verwahrt werden, Weiterentwicklung der integrierten Fondsadministration und des integrierten Custody-Modells, Anpassung der Gebührenmodelle durch Aufgliederung von Dienstleistungen in allen Phasen der Wertschöpfungskette. Nur Unternehmen mit langfristigem Engagement im Bereich Custody-Dienstleistungen werden überleben. Weitere Polarisierung zwischen Produzenten und Vertreibern.

RBC Dexia Investor Services Bank S.A., Zurich Branch: Strengere Aufsicht für Custodian-Banken, verstärkte Verpflichtungen und Haftung für Sub-Custodian-Netzwerke, im Falle einer Insolvenz. Weiteres „Outsourcing“ bei Kunden, wo Verwahrung nicht zum Kerngeschäft gehört oder skalierbar ist.

State Street Bank GmbH München, Niederlassung Zürich: Zunehmende Konsolidierung im gesamten Sektor der Custody-Anbieter/Ausbau der Compliance-relevanten Dienstleistungen aufgrund verstärkter Regulierung.

Zürcher Kantonalbank: Bei Firmenkunden gewinnt der Risikoaspekt an Bedeutung; Private Banking: Reportings für Steuererklärung; individuellen Kundenwünschen gerecht werden.

Quelle: spn Custody-Umfrage





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