Schweizer Pensions- & Investmentnachrichten
Stetig steigende Anforderungen

Oliver Kunkel

Veröffentlicht am:  07. Dezember 2009

Ein Custodian zu sein in diesen Tagen, ist nicht einfach. Stetig steigende Anforderungen und ein erhöhter Bedarf an Investitionen in die Systeme und die Kundenbetreuung sind Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Durch Einsparungen in diesen Bereichen riskiert man, den Anschluss zu verlieren. Doch nicht nur das.

Fragen: Michael Lennert
Antworten: Oliver Kunkel, Senior Consultant, PPCmetrics

Oliver Kunkel ist Senior Consultant bei PPC-metrics in Zürich und trägt Verantwortlichkeiten bei der Kundenbetreuung, dem Asset Liability Management und bei Manager Searches. Der im Jahr 1975 geborene Kunkel studierte an der Universität Maastricht und der HSG Sankt Gallen Wirtschaft mit Schwerpunkt Finanzmarkttheorie. Während des Studiums war er Lehrbeauftragter und wissen-schaftlicher Mitarbeiter am Finance Department der Universität Maastricht und absolvierte anschliessend einen Forschungsaufenthalt bei Global Property Research in Amsterdam. Kunkel übt neben seiner Arbeit bei PPCmetrics eine Lehrtätigkeit als Dozent an der Hochschule Luzern aus. ML


spn: Herr Kunkel, wie beurteilen Sie derzeit den Custodian-Markt?

Oliver Kunkel: Wir haben in der Schweiz einige sehr gute Global Custodians, welche auch im internationalen Vergleich hinsichtlich Umfang und Qualität der Dienstleistungen für Pensionskassen absolut konkurrenzfähig sind, auch im Hinblick zu ausländischen Anbietern. Zusätzlich decken vermehrt ausländische Custodians den Schweizer Markt ab. Dies führt zu einer Konkurrenzsituation. Wir beobachten fallende Preise für die Dienstleistung des Global Custody. Kunden, welche in den letzten Jahren eine Neuauschreibung der Global Custody-Dienstleistung vorgenommen haben, konnten teilweise signifikante Kosteneinsparungen realisieren.

spn: Welche Tendenzen und Trends sehen Sie?

Kunkel: Wir beobachten ein stabiles Kerngeschäft bei den Custodians und eine Ausweitung der Dienstleistungen im Bereich Performance Reporting und Compliance. Weiterhin wird die Integration von alternativen Anlagen wie Hedgefonds, Private Equity et cetera in das Reporting und die Compliance verbessert.

spn: Wie haben Sie die in der Schweiz agierenden Custodians während der Krise wahrgenommen?

Kunkel: Grundsätzlich waren die Schweizer Custodians während der Krise stabil. Getroffene Massnahmen haben in erster Linie das Gegenparteirisiko zum Custodian betroffen. Teilweise wurden Cash-Konti vom Custodian auf andere Banken, zum Beispiel mit Staatsgarantie, transferiert und das Securities Lending eingestellt.

spn: Welche Produkte und Dienstleistungen wurden aus Ihrer Sicht während der Krise besonders nachgefragt, und welche eher nicht?

Kunkel: Während der Finanzkrise mussten rasch spezifische Informationen über das Gesamtportfolio zusammengestellt werden, wie zum Beispiel das Exposure zu einer Firma über mehrere Kategorien und in Form einer Gegenpartei von Derivaten. Dies führte zu erhöhten Anforderungen an das Reporting bezüglich konsolidierter Gegenparteirisiken. Zusätzlich galt es Risiken aus Derivatgeschäften, etwa Devisentermingeschäfte und andere OTC-Derivatgeschäfte, zu messen und auszuweisen. Weniger nachgefragt wurde das Securities Lending. Dieses wurde teilweise vollständig sistiert oder die Anforderungen an Management und Reporting des Collaterals wurden erhöht.

spn: Welche Dienstleistungen sind für Pensionskassen derzeit besonders wichtig?

Kunkel: Aktuell steht die Umsetzung der revidierten BVV2 im Reporting und bei der Compliance auf der Pendenzenliste.

spn: Welche Herausforderungen werden auf die Custodians nächs-tes Jahr zukommen?

Kunkel: Generell führen die steigenden Anforderungen an die Dienstleistungen zu einem erhöhten Bedarf an Investitionen in IT-Technologie.

spn: In welche Bereiche muss ein Custodian im nächsten Jahr investieren, um nicht vom Markt überrollt zu werden?

Kunkel: Wichtig ist eine laufende Investition in die Systeme und die Kundenbetreuung. Durch Einsparungen in diesen Bereichen riskiert man, den Anschluss zu verlieren.

spn: Sehen Sie Konzentrations- oder Konsolidierungstendenzen, und wie muss ein Custodian aufgestellt sein, um weiter erfolgreich agieren zu können?

Kunkel: Global Custody ist ein Massengeschäft mit entsprechend hohen Einstiegsbarrieren.

spn: Wie sieht Ihre Prognose für 2010 aus?

Kunkel: Wir gehen davon aus, dass die Anzahl von Anbietern eher ab- als zunehmen wird.

spn: Vielen Dank für das Gespräch.





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