Schweizer Pensions- & Investmentnachrichten
Verbandsvorsorge – Ärzte im Fokus
Veröffentlicht am:  07. Dezember 2009

„Ex pluribus unum”, dieses Motto könnte sich – neben den Vereinigten Staaten von Amerika – auch die in Zürich ansässige Pro Medico Stiftung geben. Sie wurde im Jahr 1974 gegründet und unter der Trägerschaft der Ärzte- und Tierärztegesellschaft des Kantons Zürich aufgebaut. Mittlerweile haben sämtliche kantonalen Ärztegesellschaften, die Gesellschaft Schweizerischer Tierärzte GST und diverse psychologische Fachverbände die Pro Medico Stiftung als Verbandsvorsorgeeinrichtung der zweiten Säule für ihre Mitglieder anerkannt. Die Vorsorgestiftung hat die Struktur einer teilautonomen Pensionskasse und ist als Sammelstiftung organisiert. Gegen 4.700 Personen zählt der Versichertenkreis, der über 2.400 Anschlussverträge erreicht wird. Dabei reicht der Arm über die deutschsprachige Schweiz hinaus und auch Ärzte aus dem Tessin und der Romandie erledigen die Vorsorge bei den Zürchern. Die Bilanzsumme lag bei 1,11 Milliarden Schweizer Franken per Ende 2008, der Deckungsgrad war damals auf 88 Prozent gesunken. Derzeit liegt er dank der im Jahresverlauf verzeichneten Kurserholung bei den Wertschriftenbeständen bereits wieder bei rund 98 Prozent. Die Bilanzsumme dürfte Ende 2009 gegen 1,3 Milliarden Franken betragen.

 Die Führung der Geschäftsstelle der Pro Medico Stiftung ist ein Tätigkeitszweig der 1992 gegründeten Mark&Michel, Vorsorge- und Versicherungsberatung, die sich ansonsten auch um alle anderen versicherungs- und vorsorgetechnischen Aspekte der Berufsausübung ihrer Kunden kümmert. Die Angebotspalette reicht von der Erwerbsausfallversicherung über die Berufshaftpflicht und Personalversicherungen bis hin zu privaten Versicherungsangeboten und der Steuerplanung. Aktuell steht die Nachfolge des Gründungsmitgliedes Marcel Mark an. Er wird per Anfang 2010 von Peter Michel abgelöst, der als Kollektivgesellschafter von Mark&Michel und gleichzeitig auch in die Geschäftsführung der Pro Medico Stiftung aufgenommen wird. Dabei sind Peter und Hannes Michel weder verwandt noch verschwägert, wird betont. Wie Hannes Michel ankündigt, wird man sich ab 2010 in Sachen berufliche Vorsorge noch um eine weitere Berufsgruppe kümmern können. Mark&Michel übernimmt die Geschäftsführung der Vorsorgestiftung des Zürcher Anwaltsverbandes. Diese hat derzeit ein Volumen von rund 500 Millionen Franken und wird als Vollversicherungslösung mit Rückversicherung bei drei Schweizer Lebensversicherungsgesellschaften geführt.

Verschiedene Anlagemodule zur Auswahl

Bei der Pro Medico Stiftung werden hingegen lediglich die Risiken für Tod und Invalidität über einen Rückversicherungsvertrag mit der Axa Leben AG ausgelagert. Vor 1990 konnte jedes angeschlossene Vorsorgewerk – sprich jede einzelne Arztpraxis – völlig eigenständige Entscheide über die Kapitalanlage treffen, sich sogar einzelne Aktien selbst aussuchen. Nachdem der Aufwand dafür im Zuge stetigen Wachstums der Stiftung aber zu gross und die Gesetzgebung in dieser Hinsicht angepasst wurde, verringerte man die Auswahlpalette. Derzeit bestehen zwei Anlagemodule, die sich durch ihre Asset Allocation unterscheiden. Modul 1 (Ende 2008 rund 515 Millionen Franken) setzt dabei stärker auf Obligationen, während Modul 2 (Ende 2008 rund 548 Millionen Franken) Aktien und weltweite Investments stärker gewichtet. Die angeschlossenen Ärzte können ihren Vorsorge-Investments durch eine frei wählbare Gewichtung beider Anteilsklassen in ihrem Portfolio ein Risikoprofil nach eigenem Ermessen geben. Derzeit legen rund 80 Prozent der Praxen ihr Vorsorgevermögen jeweils hälftig in beiden Klassen an.


Peter Michel,
Firmeninhaber und Geschäftsführer,
Mark&Michel 

        


Hannes Michel,                                         
Firmeninhaber und Geschäftsführer,
Mark&Michel 

Allerdings macht sich Mark&Michel angesichts der jüngsten Verwerfungen auf den Kapitalmärkten auch Gedanken, eine dritte Variante mit den Charakteristika einer Vollversicherung anbieten zu können. Diese soll im kommenden Jahr lanciert werden und man ist in Gesprächen mit Banken und Versicherungen bezüglich der Rückdeckung. Damit eröffnet man dem Vorsorgewerk die Möglichkeit, das Marktrisiko zu verringern, auch wenn die Verzinsung der Kapitalien dann wohl geringer ausfallen wird. „Wir spüren, dass ein gewisses Bedürfnis danach besteht“, so Hannes Michel. Es sei jedoch nicht einfach, ein Gefäss zu finden, welches nicht nur die Substanz sichere, sondern auch noch den BVG-Zins verspreche. Im Hintergrund für die Angebotsplanung steht die Tatsache, dass sich der Deckungsgrad der Stiftung im Zuge der Finanzkrise im Jahr 2008 auf 88 Prozent reduzierte. Deshalb mussten auch Sanierungsmassnahmen beschlossen werden. Diese bestehen in einer Verzinsung der überobligatorischen Guthaben von einem Prozent im laufenden Jahr. Ausserdem sind Vorbezüge von Guthaben für die Tilgung von Hypothekardarlehen so lange nicht möglich, bis der Deckungsgrad des jeweiligen Vorsorgewerkes wieder 100 Prozent erreicht. Zudem hält sich die Stiftung die Möglichkeit offen, allenfalls Sanierungsbeiträge von einem Prozent für die Anschlusspartner, deren Vorsorgewerk 2008 einen Deckungsgrad unter 95 Prozent aufwies, zu verlangen.

Sanierungsbeiträge könnten obsolet werden

Allerdings hat das Jahr 2009 für die Interessen der Versicherten gearbeitet. Die beiden Anlagemodule generierten bis Ende Oktober Renditen von rund 8 und 11,5 Prozent. Damit hat sich die Lage für die ganze Stiftung wesentlich entspannt. Man überlegt nun, vom Einzug der Sanierungsbeiträge abzusehen und sich mit der Minderverzinsung des Überobligatoriums und der WEF-Einschränkung zu begnügen. „Wenn ich die Entwicklung für 2009 anschaue, könnte der Stiftungsrat vermutlich auf Sanierungsbeiträge verzichten", meint Hannes Michel. Zupass kommt den Stiftungslenkern dabei, dass die Sanierungsbeiträge erst 2010 fällig sind. Wegen der mehrstufigen Struktur besteht ein zeitlich verzögerter Umsetzungsmechanismus solcher Beschlüsse. Somit ist in dieser Sache noch ein Entscheid des Stiftungsrates abzuwarten.

Die jüngst recht mageren Ergebnisse der Kapitalanlage haben jedoch nicht nur Folgen für die Versicherten, sondern auch für einige Asset Manager der Stiftung. Die gesamte Verwaltung der Gelder ist an verschiedene externe Asset Manager delegiert. Die Stiftung hält auch keine direkten Immobilien-Investments. Grundlegend sind beide Anlagemodule nach dem Core-Satellite-Ansatz gestaltet. Seit drei Jahren fährt man diesen Investment-Ansatz. Den Core verwaltet jeweils eine der zwei Schweizer Grossbanken, die anderen Mandate wurden an spezialisierte Anbieter vergeben.

Eine vorsichtige, eine mutige Allokation

Im Anlagemodul 1 ist die UBS der Core Manager der grössten Geldvolumen, die gemäss Strategie zu 62 Prozent in Schweizer und internationalen Obligationen und zu je 10 Prozent in Schweizer und internationalen Aktien stecken. Per Ende 2008 wurden diese Investment-Ziele eingehalten. Umgesetzt werden diese Anlagen mit passiv gemanagten Fonds für institutionelle Anleger. Einen Anteil von 6,9 (Strategie: 7,5) Prozent indirekt gehaltener Schweizer Immobilien verwaltet die ZKB. Im Abteil für alternative Anlagen, welches gesamthaft immerhin rund 9 (Strategie: 10,5) Prozent des Modulvolumens ausmacht, finden sich verschiedene Spezialanbieter, die sich um Hedgefonds, Rohstoffe und Insurance Linked Securities oder auch Cat Bonds kümmern. Weil jedoch die Hedgefonds ihre Anlageversprechungen nicht gehalten haben, wird man das bisherige Verwaltungsmandat nicht fortführen. Die Verluste dieser Anlageklasse hätten 2008 immerhin 10 Prozent und seit Eingehen der Investments 13 Prozent erreicht. In der Strategie für das Modul 1 möchte man aber den Anteil alternativer Anlagen nicht schmälern – und ist mithin auf der Suche nach Gelegenheiten. Schliesslich haben die Hedgefonds des Moduls 2 gute Resultate gezeigt.

Im Anlagemodul 2 wird der Core-Teil durch Credit Suisse gesteuert, welche wiederum Obligationen und Aktienanteile managt. Die Allokation ist hier breiter, so sind auch Investments in Obligationen von Emerging Markets vorgesehen. Allerdings besteht kein aktuelles Engagement. Ein sehr gut gelaufenes Mandat Obligationen Emerging Markets, welches GMO verwaltete, wurde aufgrund der erzielten Performance 2007 und der sich verringernden Bonitäts-Spreads liquidiert. „Anschliessend haben wir den Einstiegszeitpunkt im März 2009 verpasst und nun scheint uns ein Einstieg nicht günstig“, erläutert Peter Michel. Insgesamt kommen Obligationen auf einen Strategieanteil von 42 Prozent, Aktien erreichen insgesamt 41 Prozent. Dabei bestehen höhere Exposures gegenüber dem einheimischen Markt (17 Prozent) und weltweiten Aktien (20 Prozent), während nochmals 4 Prozent für Dividendenpapiere der Emerging Markets vorgesehen sind. In diesem kleinsten Aktiensegment wird eines von drei Verwaltungsmandaten nicht verlängert. Schweizer Immobilien und Immobilien Ausland werden ebenfalls extern gemanagt. Der Anteil alternativer Anlagen besteht aus den gleichen Klassen, ist aber geringer als beim Modul 1 und beträgt um die 9 Prozent.

Überbetriebliche technische Rückstellungen

Im langjährigen Vergleich von 1991 bis 2008 erzielte Anlagemodul 1 eine jährliche Rendite von 3,25 Prozent und hatte eine Volatilität von 4,96 Prozent. Modul 2 brachte 3,96 Prozent Durchschnittsrendite, doch galt es eine Volatilität von immerhin 8,42 Prozent auszuhalten. Allerdings veränderte sich die Asset Allocation während dieser Zeit mehrfach und substanziell. Die Wertschwankungsreserven für die Anlagerisiken werden in den einzelnen Vorsorgewerken gebildet. In einem überbetrieblichen, übergreifenden und keinem einzelnen Vorsorgewerk zugeordneten Zentralfonds äufnet die Stiftung ferner technische Rückstellungen. Diese Gelder –rund neun Millionen Franken waren es Ende 2008 – sind in den drei Mixta-BVG-Fonds der Credit Suisse angelegt, vorrangig in den zwei defensiveren Varianten mit 25 und 35 Prozent Aktienanteil.


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