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Im Dezember beginnt die UN-Klimakonferenz in Kopenhagen. Was lag näher, als Professor Ernst Ulrich von Weizsäcker auf dem Nachhaltigkeits-Symposium der Financial Times und dpn, der Schwesterpublikation von spn, in Frankfurt um seine Stellungnahme zu der Frage zu bitten: „Das Versprechen Nachhaltigkeit – was Kopenhagen halten muss“. Die Aufgabe ist einfach umrissen. Solange das Zeitfenster noch offen ist – und das sind wohl nur noch zehn Jahre –, gilt es, einen sanften Übergang zu organisieren. Nicht mehr und nicht weniger. Aber Kopenhagen kann nicht zum Erfolg werden, so legte der engagierte Biologe und Preisträger des Bundesumweltpreises in einem mitreissenden Vortrag dar, solange zwei Bedingungen weiter vorherrschen: zum einen die Freiwilligkeit, die die Chinesen, Inder und Brasilianer kategorisch einfordern, und zum anderen der Kyoto-Prozess, der ungeeignet ist, das strukturelle Problem zu lösen. Eindringlich rief von Weizsäcker seine strukturellen Fehlanreize in Erinnerung, vor allem die Vollanrechnung von Biokraftstoffen, deren Anbau inzwischen im Mittleren Westen boomt, als so-genannte Offsets auf die CO2-Abgaben, egal welche Wirkung sie auf das Klima ausüben.
Die einzige Lösung, dieses Patt aufzulösen, wären pro-Kopf-gleiche Emissionsrechte, in China und Indien genauso wie hier. Aber das ist wohl Illusion. Welche Option besteht dann noch? Natürlich gibt es die Möglichkeit, die Kohlenstoffintensität der Energie zu verringern. Viel besser, so Professor von Weizsäcker, wäre es aber, überhaupt erst einmal die Energieintensität des Wohlstands zu vermindern, zum Beispiel durch Passivhäuser, benzinarme Autos, energiearme Zementherstellung et cetera.

Professor Ernst Ulrich von Weizsäcker mahnte
eine Neuorientierung der Wachstumspolitik an.
Ist eine Neuorientierung nötig?
Oder anders gesagt, es geht um eine grundsätzliche Neuorientierung unserer Wachstumspolitik: Statt der Verbesserung der Arbeitsproduktivität muss das Ziel jetzt Verbesserung der Ressourcenproduktivität lauten. Das ist auch die Lehre aus der globalen Finanzkrise, an der nicht allein die Banken schuld waren, sondern insbesondere die billige Energie. Dies ist viel zu wenig wahrgenommen worden. Auch in Pittsburgh würden die wahren Ursachen des Klimawandels nicht adressiert. Denn die Amerikaner glaubten immer noch an ihr Recht auf billige Energie.
Höhere Ressourcenproduktivität bedeutet, dass die Preise steigen müssen. Anders lässt sich dieses Ziel nicht erreichen. Dann allerdings mit grossen Erfolgschancen. Denn die Erfahrung zeigt, dass die Preiselastizität enorm hoch ist. Steigende Ressourcenpreise haben stets relativ schnell zu rückläufigem Verbrauch geführt.
Der nächste Kondratieff-Zyklus, so die Schlussfolgerung, muss grün sein.
Vielleicht ist diese Vision nicht einmal ganz unbegründet. Denn der nächste Kondratieff-Zyklus – der sechste insgesamt – wird asiatisch sein. Und es waren zwei asiatische Länder, die die Ökologisierung der Wirtschaft am weitesten vorangetrieben haben, allen voran Südkorea, das 80 Prozent der Ausgaben in seinem Konjunkturprogramm Umweltprojekten gewidmet hat.

Auf dem Symposium Nachhaltigkeit & SRI von
Financial Times Global Events in Zusammenarbeit
mit dpn und spn war die Agenda prall gefüllt.
Noch eine untergeordnete Rolle
Nachhaltige Ansätze spielen immer noch eine untergeordnete Rolle. In einer Netzwerkanalyse hat der Strategieberater Funds@ Work ein Universum von circa 1.000 Finanzunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz untersucht. Das Ergebnis: 159 von ihnen geben an, Nachhaltigkeitskriterien zu verfolgen. Aber nur 56 von ihnen berücksichtigen diese Kriterien tatsächlich auch bei ihren Eigenanlagen.
Warum diese geringe Verbreitung? Eine schlechtere Performance kann es nicht sein. Darin waren sich die Vertreter namhafter Investoren einig. Dies gehört zu den Mythen, die unausrottbar zu sein scheinen, aber weder von Studien noch konkreten Erfahrungen gestützt werden. Und selbst die Annahme, dass nachhaltige Anlagen (nur) die gleiche Performance wie herkömmliche Investments bringen, sollte dem Konzept schon einen ideellen Mehrwert verleihen.

Murat Ünal von Funds@Work analysierte das
Investitionsverhalten von institutionellen Investoren.
Hemmnisse bleiben
Es sind konkrete praktische Gründe der Anlagepolitik, die ein Hemmnis bilden.
Das gilt zum einen für das Fehlen einheitlicher Definitionen. Wie lässt sich etwa begründen, dass bei Aktien das Ausschlusskriterium „Rüstung“ gilt, bei Renten indessen nicht? Wie kann ein Investor in Staatsanleihen anlegen, wo jeder Staat sein Verteidigungsministerium hat? Im Endeffekt verfolgen die Investoren eine Vielzahl unterschiedlicher Standards – überwiegend mit Negativkriterien und/oder Best-of-Class-Ansätzen, in geringerem Masse mit Positivkriterien oder noch seltener mit einer aktiven Corporate Governance. Fast ein Drittel, so das Ergebnis von Funds@Work, verfolgt eigene Standards oder legt sich quasi eine „private“ Definition zurecht. Da bleibt die Glaubwürdigkeit für manche Beobachter auf der Strecke.
Zum anderen wird das Fehlen einheitlicher Regularien bemängelt. So hat Schweden durch seine regulativen Vorgaben eine ganz andere Nachhaltigkeitskultur. Und in England gilt immerhin das Prinzip „comply or explain“. In Deutschland hingegen ist mit der Riester-Rente gerade einmal ein „kleiner Nachhaltigkeitsbalkon“ angebaut worden – ein Balkon, der aber nicht einmal beaufsichtigt wird.
Schliesslich sind auch die Fallstricke im praktischen Umgang mit Anlagen nicht zu übersehen. Derivate zum Beispiel weisen eine hohe Volatilität auf. Da fällt es schwer, der Aufsichtsbehörde die Nachhaltigkeit nachzuweisen. Das britische Prinzip des „comply or explain“ verkehrt sich hier geradezu in ein „comply and explain“. Insofern bedarf es regulativer Anpassungen, um eine organische Aufsicht zu entwickeln, die auch Nachhaltigkeitsaspekten genügt. Überdies gibt es nicht genug Derivate auf Nachhaltigkeitsindizes. Im Risikomanagement können damit leicht Absicherungslücken entstehen. Und wie sieht das bei passivem Management aus? Wenn Investoren wie die Volkswagenstiftung ihre Aktienposition eher mit passiven Instrumenten bestücken, um entsprechend ihrer Korrelation die Risiken auszutarieren, so besteht kaum die Möglichkeit, auf die Einzeltitelauswahl Einfluss zu nehmen. Vielleicht ist es nur konsequent, wenn passive Manager angesichts ohnehin fehlender gemeinsamer Definition insofern eher auf globale Trends setzen, als in detaillierte Einzelwertbetrachtungen einzusteigen.
Was am Ende bleibt, ist die Erkenntnis, dass die Nachhaltigkeitskultur noch einen langen Weg vor sich hat – aber auch die Überzeugung, dass für diesen Weg gute Chancen bestehen. Die beste Voraussetzung ist allein schon, dass das Thema ethischer, sozialer und nachhaltiger Anlagen zunehmend wahrgenommen wird.- Die grosse Unübersicht der BVG-Versicherer
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