|
Marco K. Frei, Head of Global Pension Asset Management,F. Hoffmann La-Roche AG |
Wer wie Roche zahlreiche Stiftungen und Pensionskassen unter einen Hut zu bringen hat, der muss sich etwas überlegen – doch diese Aufgabe ist geschafft, ein passendes Vehikel gefunden. Von Stillstand jedoch keine Spur; nicht geplant, aber auch nicht undenkbar: den Fonds für konzernfremde Pensionskassen zu öffnen.
Fragen: Michael Lennert
Antworten: Marco K. Frei, Head of Global Pension Asset Management, F. Hoffmann La-Roche AG
Knapp 20 Jahre Berufserfahrung bei Roche stehen auf Marco Freis Habenseite. Ausreichend Erfahrung also, um seine heutige Herausforderung als Head of Global Pension Asset Management zu meistern. Das Wissen und die Fertigkeiten hierfür hat sich Frei nicht nur im Corporate Asset Management, sondern auch im Financial Risk Management des Konzerns und als Group Risk Manager angeeignet. Dennoch gab es auch für Frei ein Leben vor Roche. Ein Berufsleben jedoch, dass sich stets mit Geld beschäftigte – so arbeitete er vor Roche beim Schweizerischen Bankverein und der Schweizerischen Bankgesellschaft.
ML
spn: Herr Frei, Sie haben sich vergangenes Jahr dazu entschlossen, einen Anlagefonds für institutionelle Anleger ins Leben zu rufen. Warum?
Frei: Vielleicht zuerst der Hintergrund: Roche hat in der Schweiz knapp zehn Stiftungen und Pensionskassen, die über Vermögen zwischen 100.000 und fünf Milliarden Schweizer Franken verfügen. Die frühere Organisation des Portfoliomanagements der schweizerischen Pensionskassen und Stiftungen war nicht in jeder Hinsicht effizient. Bevor wir die neue Fondsplattform ins Leben riefen, hatte beispielsweise jede Pensionskasse einen designierten Asset Manager, der für die Umsetzung der Asset-Allocation verantwortlich zeichnete. Eine Spezialisierung auf verschiedene Anlagekategorien war daher nicht gegeben. Unser vorrangiges Ziel war es, in einem ersten Schritt alle Assets in einem Gefäss zu bündeln. Gleichzeitig war es uns wichtig, nicht mehr nur einen Allround-Anlageverwalter einzusetzen, sondern für jede Anlagekategorie spezialisierte Asset-Manager, die auf ihrem Gebiet zu den führenden Spezialisten gehören. Zudem galt es, klare Abgrenzungen bezüglich der Verantwortlichkeiten zu schaffen und ein Performance-Messsystem aufzubauen, welches diesen Verantwortlichkeiten Rechnung trägt. Schliesslich war es uns auch ein Anliegen, ausländischen Roche-Pensionskassen die Möglichkeit zu geben, an unserer Plattform zu partizipieren.
spn: Können Sie dies noch genauer erläutern?
Frei: Gerne. Die erste Herausforderung bestand darin, ein Vehikel zu finden, das diese Anforderungen alle erfüllt. Fündig geworden sind wir unter anderem bei der UBS, die derartige Anlagefonds für institutionelle Anleger anbietet und betreut. Diese Konstruktion sollte es zudem erlauben, dass auch die internationalen Pensionsfonds des Roche-Konzerns investieren können. Ein wichtiger Entscheid war die Wahl des rechtlichen Domizils. Wir mussten zwischen Luxemburg, Irland/Dublin und der Schweiz abwägen. Die Schweiz erhielt den Zuschlag, da die schweizerischen Pensionskassen innerhalb der weltweiten Roche-Pensionskassen das grösste Gewicht haben. Zudem bietet das schweizerische Anlagefonds-Gesetz besondere Vorteile für schweizerische institutionelle Anleger. Der Fonds ist als Umbrellafonds mit je einem Subfonds pro Asset-Kategorie aufgesetzt.
spn: Und der Roche-Anlagefonds erfüllt nun alle diese Anforderungen?
Frei: Genau. Doch nicht nur das. Zusätzlich kann der Fonds zur Kostenoptimierung eingesetzt werden. Erstens erwirtschaften wir mit der Plattform ein kleines Einkommen aus dem für uns erstmals eingegangenen Security Lending. Zweitens kann man den so genannten Stempel legal vermeiden. Wie Sie wissen, zahlen institutionelle Anleger und damit auch die Schweizerischen Pensionskassen auf ihren Wertschriftentransaktionen eine Umsatzabgabe, den Stempel, von 0,075 Prozent für inländische und 0,15 Prozent für ausländische Titel. Hier sparen wir einen ansehnlichen Betrag, der sogar höher ist als jener, den wir für die Einführung und den Unterhalt des institutionellen Anlagefonds aufbringen. Das heisst, wir verdienen mit der neuen Plattform sogar noch etwas. Zudem wird die Transparenz dank dieses Vehikels deutlich erhöht. Die Eidgenössische Bankenkommission tritt als Regulierer beziehungsweise als Zulassungsstelle für den Fonds auf. Die UBS hat die Fondsadministration übernommen und kontrolliert zusätzlich die Einhaltung der im Fondsreglement festgehaltenen Anlagerichtlinien.
spn: Wie ist der Anlagefonds im Detail beschaffen?
Frei: Der Roche-Anlagefonds ist als Umbrella, also als Dachfonds mit derzeit zehn Subfonds aufgesetzt. Diese decken jeweils verschiedene Asset-Klassen ab. Im einzelnen sind das Obligationen Schweizer Franken – je ein Subfonds mit inländischen Franken-Obligationen und einer mit ausländischen auf Schweizer Franken lautenden Obligationen –, Obligationen Euro und Obligationen US-Dollar, Aktien Schweiz, Aktien Europa, Aktien Amerika und Aktien Asien Pazifik, Immobilien und die Anlagekategorien strategische Investments und Hedgefonds. Die Themen der strategischen Investments können sich ändern, derzeit werden darunter die Anlagen in Rohstoffen subsummiert. Das sind schwergewichtig Anlagen in Goldminentiteln sowie in Soft Commodities und Energie. Der Sektor der alternativen Investments besteht aus Hedgefonds sowie Private-Equity-Anlagen. Derzeit spielen alternative Anlagen eine untergeordnete Rolle. Hedgefonds und Private-Equity-Anlagen betragen weniger als fünf Prozent.
spn: Welche Rolle kommt nun den Roche-Stiftungen und -Pensionskassen zu?
Frei: Eine sehr wichtige Rolle. Die einzelnen Stiftungen und Pensionskassen kaufen Anteile am Fonds, beziehungsweise Anteile an den einzelnen Subfonds. Durch den gezielten Kauf von Subfonds können die einzelnen Pensionskassen diejenige Asset Allocation bestimmen, die am besten zu der Struktur ihrer Rentenverbindlichkeiten passt. Der wichtigste Punkt dabei: Die Entscheidungskompetenz und Zuständigkeit hierfür liegt bei den jeweiligen Anlagekommissionen, beziehungsweise den Stiftungsräten und nicht beim Roche-Konzern. Dies bedeutet, dass die einzelnen Stiftungen oder Pensionskassen dafür verantwortlich sind, dass sie ihre Asset Allocation im Griff haben.
spn: Das würde ja bedeuten, dass Sie als Vertreter des Roche-Konzerns überhaupt keinen Einfluss auf die Asset-Allocation haben?
Frei: Wenn wir seitens der Zentrale Veränderungen – sowohl grundsätzlicher Art als auch in Bezug auf die Anlagepolitik – einleiten wollen, ist das ohne Frage ein komplexer Prozess. Arbeitgebervertreter der jeweiligen Pensionskassen müssen in den Entscheidungsprozess eingebunden werden.
Die Arbeitgebervertreter müssen ihrerseits zwischen dem Interesse der Pensionskasse respektive der Begünstigten und den Interessen des Arbeitgebers abwägen. Das heisst, sie müssen für die Arbeitgeber- wie Arbeitnehmerseite eine optimale Lösung finden und vertreten. Bei den Asset-Allocation-Entscheidungen in Pensionskassen mit über 100 Millionen Franken Assets bin ich jeweils als Entscheidungsträger oder Beobachter eingebunden. Gleichwohl gibt es bei auftretenden Interessenskonflikten keine Automatismen. Jedes Problem wird individuell analysiert
spn: Sicher ist es sinnvoller, rechtzeitig informiert zu sein, als den Problemen hinterher laufen zu müssen. Welche Rolle spielt Ihr Risikomanagement in dieser Hinsicht?
Frei: Es gibt verschiedene Reporting- und Kontrollebenen. Mit der neuen Organisation wurde die Kontrolle durch zusätzliche Überwachung des Fonds durch das Fondsmanagement und die eidgenössische Bankenkommission verstärkt. Für die Schweizer Pensionskassen von Roche basiert das Controlling auf einem Portfoliomanagement-System, das auch die UBS intern verwendet. Dies war unter anderem auch ein Grund, warum wir die neue Organisation in Zusammenarbeit mit der UBS konzipiert haben. Doch zurück zur Frage. Sicherlich ist es wichtig, sowohl im neuen Fonds wie auch auf der Ebene jeder Pensionskasse oder Stiftung ein Controlling- und Risikomesssystem zu haben, das uns hilft, die Asset Allocation, die Performance und die Einhaltung der Anlagerichtlinien zu überwachen. Wir erhalten dazu von UBS Fondsmanagement täglich eine Liste mit allen Positionen inklusive den Nettoinventarwerten sowie eine Liste mit den Bewegungen des Vortags. Zudem erhalten wir von einer anderen UBS-Einheit monatlich einen detaillierten Performance-Report über die einzelnen Fondssegmente, eine Auflistung der Gewinner und Verlierer und verschiedene Performance-Übersichten gegenüber den vorher festgelegten Benchmarks. Unter anderem hilft uns all dies zu überprüfen, ob wir unsere absolute Zielrendite erwirtschaftet haben.
spn: Doch wie verhalten Sie sich, wenn Sie die Zielrendite nicht erreichen und in Unterdeckung geraten?
Frei: In der Schweiz ist es gesetzlich in Grundsätzen verankert, wie viel Risiko beim Anlegen von Pensionskassen und Stiftungsgeldern eingegangen werden darf. Dabei gilt: Wenn Sie keine Überdeckung haben, sind sie nicht risikofähig. Und wenn Sie nicht risikofähig sind, können sie eine derartige Anlagepolitik, wie wir sie derzeit fahren – der Aktienanteil unserer strategischen Asset-Allocation beträgt derzeit rund 40 Prozent – nicht realisieren. Dazu benötigt man eine ausreichende Schwankungsreserve. Wir weisen gegenwärtig eine ausreichende Überdeckung aus, um auch eine grössere negative Jahresperformance aufzufangen. Unsere Zielgrösse ist jedoch eine Schwankungsreserve, die ausreicht, um zwei Jahre mit negativer Performance aufzufangen.
spn: Welche Asset-Klassen verwaltet Roche selber und welche Mandate haben Sie extern vergeben?
Frei: Roche, respektive die Abteilung Corporate Finance Pension Asset Management, ist für das Asset Management der Anlagekategorien Obligationen Schweiz, Obligationen Euroland sowie Aktien Schweiz und Aktien Europa direkt verantwortlich. Diese Sektoren machen insgesamt weit über 70 Prozent der Anlagen aus. Bei asiatischen Aktien Asien haben wir eine Mischung aus Direktanlagen, Exchange Traded Funds und Anlagefonds. Immobilien werden über Anlagefonds und Anlagestiftungen gehalten. Daneben vergeben wir auch externe Mandate, beispielsweise bei den alternativen Anlagen wie Hedgefonds und Private Equity.
spn: Wie zufrieden sind Sie bis jetzt mit Ihrem neuen Fondsvehikel? Wie lange dauerte der Prozess des Aufsetzens? Und planen Sie auch Pensionskassen ausserhalb des Roche-Konzerns in Ihr Fondskonstrukt aufzunehmen?
Frei: Wir sind sehr zufrieden, insbesondere mit der höheren Transparenz. Der Prozess hat rund ein Jahr gedauert und lief relativ reibungslos. Wir nehmen keine externen Pensionskassen auf, beabsichtigen aber gewisse Anlagefonds auch ausländischen Pensionskassen des Roche-Konzerns zur Verfügung zu stellen. Insbesondere für mittlere und kleineren Kassen dürfte unsere Plattform interessant sein. Der Entscheid dazu verbleibt aber bei den Vertretern der jeweiligen Pensionskasse und basiert auf dem Performance-Vergleich mit anderen Anlagevehikeln. Summa Summarum haben wir einen Grossteil des Weges hinter uns.
- Konrad Hummler, Wegelin
- Aktives versus passives Asset Management
- Mit der Lizenz zum Geldverdienen
- Nur eine von zehn Pensionskassen ist risikofähig
- Wo die Jungen die Alten subventionieren
- Michael Brandenberger
- Vertrauen wieder herstellen
- Risikomanagement
- Pensionskassen 2010: Vorerst auf Kurs
- Wettbewerb mit freundlicher Unterstützung des Staates



