Schweizer Pensions- & Investmentnachrichten
Der Pufferfonds

Eric Breval, AHV-Ausgleichsfonds, Geschäftsführer

Veröffentlicht am:  17. Dezember 2006

Von Michael Lennert.

Die jährlichen Zu- und Abflüsse des AHV-Ausgleichsfonds sind enorm, rund 40 Milliarden Schweizer Franken, ebenso wie dessen Herausforderungen; denn immerhin muss eine enorme Pufferleistung vollbracht werden.

Seit 1948 stellt der AHV–Ausgleichsfonds die Zahlungsbereitschaft der Leistungen der Alters– und Hinterlassenenversicherung (AHV), der Invalidenversicherung (IV) und der Erwerbsersatzordnung (EO) im Umlageverfahren der ersten Säule sicher. Die Ziele des AHV-Ausgleichsfonds sind dabei klar definiert: Genügend Liquidität halten, das ihm anvertraute Vermögen sicher verwalten, aber dennoch eine marktkonforme Rendite erwirtschaften. Ein Spagat, der nicht immer leicht zu bewältigen ist. „Das Gesetz legt nicht fest, wie hoch die Liquidität des AHV–Ausgleichsfonds sein muss. Die Herausforderung besteht darin, die täglichen Ausgaben, die bis zu einer Milliarde Schweizer Franken erreichen können, jederzeit zu decken“, sagt Eric Breval, Geschäftsführer des AHV–Ausgleichsfonds. Zeitgleich müsse bei der angestrebten Rentabilität ein Kompromiss gefunden werden. Dies sei in den vergangenen drei Jahren jedoch gut gelungen: So lag die erwirtschaftete Rendite 2003 bei 7,6 Prozent, das Jahr darauf bei 6,7 Prozent. Im vergangenen Jahr wurde sogar eine Rendite von 9,6 Prozent – bei einer Volatilität von 3,6 Prozent – erwirtschaftet. Eine Rendite, die inbesondere auf die konsequente Absicherung eines grossen Teils der Fremdwährungsrisiken zurückzuführen war.

Eine weitere gute Nachricht: Der AHV-Ausgleichsfonds darf im Frühjahr nächsten Jahres mit einem unerwarteten Geldsegen rechnen. Dann überweist der Bund sieben Milliarden Schweizer Franken, das letzte Drittel – zwei Drittel, rund 14 Milliarden Schweizer Franken, wurden bereits an die Kantone überwiesen – aus dem Verkauf von Goldreserven der Schweizer Nationalbank. Ein Geld- oder besser Goldsegen, der das Vermögen des Fonds dann auf knapp 27 Milliarden Schweizer Franken anschwellen lassen dürfte.

Doch wo es Licht gibt, gibt es auch Schatten. „Wir müssen jährlich einen Verlust von zwei Milliarden Schweizer Franken aus der Invalidenversicherung verkraften und aus unserem Vermögen bezahlen. Dies ist ein sehr grosses Problem. Durch diese Überweisung bekommen wir zwar etwas Luft. Die strukturellen Probleme der Invalidenversicherung sind jedoch noch lange nicht gelöst“, erklärt Breval. Doch nicht nur das. Zeitgleich erhöhen sich damit kontinuierlich die Schulden der Invalidenversicherung gegenüber der Alters- und Hinterlassenenversicherung, von aktuell neun auf bald zehn und mehr Milliarden Schweizer Franken.


Gerne noch strategischer ausgerichtet


Eine Belastung, die sich auch auf die Anlagestrategie des AHV-Ausgleichsfonds auswirkt. „Wenn die Blutung des Invalidenfonds gestoppt werden könnte, wäre das ideal für uns, denn dann könnten wir noch langfristiger planen und gleichzeitig unsere strategische Asset Allocation noch langfristiger ausrichten. Gleichzeitig würde uns dies ein Engagement in Asset-Klassen wie Private Equity ermöglichen. Chancen, die uns aktuell verwehrt sind“, beklagt Breval.

Derzeit investiert der Fonds 31 Prozent seines Vermögens in Obligationen, die auf Schweizer Franken lauten, 31 Prozent in Fremdwährungsobligationen und 31 Prozent in nationale wie internationale Aktien. Die restlichen sieben Prozent des Anlagevolumens stecken in börsenkotierten Immobilien.

Ein Engagement in Hedgefonds besteht derzeit nicht. Die Begründung hierfür sei laut Breval einfach und kurz: Hedgefonds waren bis jetzt einfach kein relevantes Thema. Sie wurden zwar analysiert, man sei jedoch zum Schluss gekommen, dass es im Moment andere Prioritäten gibt. „Wenn wir eines Tages in etwas Neues investieren, dann werden wir prioritär in Rohstoffe investieren“, erklärt Breval. Nur wie er letztendlich in Rohstoffe investieren will, verrät er noch nicht, lediglich dass es nicht optimal sei, „einfach long in einem Commodity-Index zu gehen.”

Auskunftsfreudiger ist Breval bei Emerging-Market–Equities–Anlagen, denn in die will er zukünftig verstärkt investieren. Hoffentlich mit einem so grossen Erfolg, wie das seit langem bei Emerging Market Debt der Fall sei. In klassische Private Equity Limited Partnerships darf ja, wie schon vernommen, nicht investiert werden, gleichwohl erlauben die internen Anlagerichtlinen eine Investition in börsenkotierte Aktien von Private–Equity–Gesellschaften. Daran bestehe auch durchaus ein Interesse, ebenso wie an Convertible Bonds. „Wir werden demnächst zudem unsere börsenkotierten Immobilienanlagen geografisch weiter diversifizieren, insbesondere der asiatische Raum interessiert uns sehr“, erklärt der Geschäftsführer weiter.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Einstellung Brevals zum Heimatmarkt Schweiz. „Der Home Bias ist ökonomisch schädlich. Wir investieren derzeit 20 Prozent unseres Aktienanteils in Schweizer Aktien. Dieses hohe Engagement werden wir systematisch abbauen.“ Konkret bedeutet dies, dass reine Schweizer Mandate aufgelöst werden und zukünftig beispielsweise nur noch Europe Large Caps, jedoch nicht ausschliesslich Schweiz–Large–Caps–Investitionen in Frage kommen. Übrig bleiben werden einzig und allein zwei kleine Schweiz–Small-Cap–Mandate. Alles andere werde breiter diversifiziert. Das Ziel der ganzen Aktion: das Klumpenrisiko bei Schweizer Anlagen systematisch zu reduzieren.

Der AHV-Ausgleichfonds nutzt für die Umsetzung der Anlagestrategie sowohl aktive, passive als auch semiaktive Enhanced-Mandate – je nach dem, wie lang die Track Records der in Frage kommenden Produkte gerade sind – sowie auch Derivate. Diese werden insbesondere für das Währungs-Overlay eingesetzt, bei dem durchschnittlich drei Viertel des Währungs-Exposures abgesichert werden. Hierfür wurden drei externe Mandate vergeben, die das Währungs-Exposure in drei verschiedenen Tranchen sichern. Ihnen steht ein Gesamtbetrag von rund sieben Milliarden Schweizer Franken zur Verfügung.

Das Team Brevals verwaltet alle auf Schweizer Franken lautende Obligationen-Mandate, das klassiche Treasury-Geschäft und einen Teil der Fremdwährungsobligationen selbst – in der Zukunft eher mehr als weniger – und vergibt externe Mandate an den Stellen, an denen interne Kapazitäten fehlen, beispielsweise bei Spezialitäten, Nischenprodukten, Emerging Market Debt, High Yield Debt oder Small Caps. Alles in allem handelt es sich hierbei um rund 30 Mandate.


Ganz frei von gesetzlichen Anlagelimiten


„Für uns gibt es keine gesetzlichen Limiten, unser Verwaltungsrat muss lediglich die strategische Asset Allocation bewilligen“, erklärt der Geschäftsführer. Diese wird dem Verwaltungsrat offiziell einmal pro Jahr präsentiert, unterjährige Veränderungen innerhalb der einzelnen Asset-Klassen werden im Anlageausschuss diskutiert. Breval orientiert sich – in Zusammenarbeit mit externen Consultants, die auch bei der strategischen Asset Allocation behilflich sind – an einem klassischen Optimierungsansatz. Hierfür wurde ein IT–basiertes Portfoliomanagement-System installiert, bei dem täglich Anlagen, Mandate und Risiken analysiert und kontrolliert werden können. Da Breval die Struktur der Verbindlichkeiten nur sehr grob einschätzen kann, verzichtet er auf eine Asset–Liability–Studie. „Klug ist der, der uns sagt, wie hoch unsere Ausgaben im nächsten Jahr sein werden, geschweige denn in zehn Jahren“, sagt er spitzfindig. Gleichwohl gibt es auch für ihn Vorgaben, zwar keine Zielrendite, jedoch eine erwartete Rendite. Diese liegt ungefähr bei fünf Prozent pro Jahr. Neben der erwarteten Rendite werden ebenso die erwarteten Risiken – und zwar für jede einzelne Asset-Klasse, aber auch für das ganze Portfolio – definiert. „Es wäre wünschenswert, wenn sich die Anlagephilosophie des Fonds mehr an einem Absolute–Return–Gedanken orientierte, als ausschliesslich ganz und gar den Märkten ausgesetzt zu sein,“ sagt Breval hierzu.


Besser geht immer


Alles in allem jedoch zeigt sich Breval mit dem bisher Erreichten zufrieden. Das heisst jedoch nicht, dass er sich ausruhen will. Als er vor drei Jahren den Job als Geschäftsführer antrat, fehlte beispielsweise die ganze Compliance-Struktur, das Backoffice, und auch ein effizientes Controlling und Risikomanagement. Das habe man alles in den vergangenen drei Jahren aufgebaut. Gleichzeitig wurde Brevals Team von fünf auf 20 Experten aufgestockt und etwa das Treasury „enorm verbessert”. Doch auch beim AHV-Fonds gibt es nichts, was nicht noch verbessert werden kann: „Bei den Anlagen beispielsweise haben wir noch viel zu tun.”



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