Schweizer Pensions- & Investmentnachrichten
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Oscar Vermeulen

Veröffentlicht am:  21. August 2009

Fiduciary Management ist ein Konzept, mit dem man komplexen Herausforderungen begegnen kann. Und in der Tat: Durch die Krise ist die Welt herausfordernder geworden. Investoren entdecken die Bilanz wieder und stürzen sich auf soldides Beta, anstatt auf heisses Alpha. Das merken auch die Fiduciary Manager. Doch nicht nur das.

Fragen: Michael Lennert

Antworten: Oscar Vermeulen, Mitbegründer Altis Investment Management und Alfonso Papa, Länderverantwortlicher (Managing Director) ING Investment Management Schweiz.

Oscar Vermeulen ist Mitbegründer von Altis Investment Management, einem unabhängigen Fiduciary Manager, der zu ING Investment Management gehört.

Davor war er als Executive Director für Morgan Stanley (UK) tätig, wo er die Entwicklung und den Ausbau der europäischen Asset Allocation/Multi-Manager-Gruppe verantwortete. Zu Morgan Stanley kam er von der Achea/PVF NV, einem niederländischen Versicherungsunternehmen, für das er das US-Aktienportfolio gemanagt hat.

Vermeulen hat 17 Jahre Erfahrung im Investment Management und führt einen Masters degree in Economics der Erasmus Universität in Rotterdam, in dessen Finanzfachbereich er bis zu seiner Graduierung im Jahr 1993 gearbeitet hat.

ML


Alfonso Papa wurde im August 2008 zum Country Head der ING Investment Management Schweiz ernannt. Zuvor war der 39-Jährige für Allianz Global Investors Europe in Zürich tätig, wo er ebenfalls die Geschäftsentwicklung verantwortete. Die Unternehmenseinheit Geschäftsentwicklung ging aus den Third-Party-Aktivitäten der Dresdner Bank hervor, die Papa im August 2000 mitbegründet und bis zum Zusammenschluss mit der AGI Ende 2006 ausgebaut hat. Frühere Stationen umfassten unter anderem das Produkt- und Informations-Management für Aktienfonds bei der DWS Switzerland. Seine berufliche Laufbahn startete Papa bei der Credit Suisse Asset Management.

Papa ist certified Financial Analyst (CEFA) und Chartered Alternative Investment Analyst (CAIA) und hat einen Abschluss in Business Administration der Universität für Applied Sciences in Zürich.

ML


spn: Herr Vermeulen, Sie sind ein Verfechter des Fiduciary Managements. Wie definieren Sie Fiduciary Management?

Oscar Vermeulen: Fiduciary Management ist ein sehr heterogener Begriff. Gleichwohl, für uns geht es beim Fiduciary Management vor allem um Bilanzmanagement und die Steuerung der Volatilität des Deckungsgrades.

spn: Können Sie Ihr Konzept noch detaillierter erläutern?

Vermeulen: Fiduciary Management läuft in der Regel wie folgt ab: Zuerst beauftragen die von uns betreuten Pensionskassen einen Consultant mit der Durchführung einer Asset-Liability-Studie. Die Aufgabe des Fiduciary Managers ist es dann, die Ergebnisse dieser Studie einerseits mit den Investment- und Manager-Selektions-Richtlinien der Pensionskasse in Einklang zu bringen und andererseits die Ergebnisse der ALM-Studie zu implementieren. Hierbei geht es etwa um die Übersetzung in eine strategische Asset Allocation, um die mögliche Anwendung von taktischen Overlays, die Implementierung eines zentrales Risikomanagements, die Selektion der besten zur Verfügung stehenden Produkte und Manager, aber auch um Themen wie das Durationsmatching der Liabilities, Liability Driven Investments, et cetera.

spn: Das ist eine ganze Menge. Wer kontrolliert dabei den Fiduciary Manager?

Alfonso Papa: Das ist natürlich die zentrale Aufgabe der Pensionskasse. Wobei man sagen muss, dass natürlich auch hier eine Evolution stattgefunden hat. So ging es früher eher um ein „glorifiziertes“ Auslagern an den Asset Manager, und damit natürlich auch um ein quasi Auslagern der Verantwortlichkeit. Im Gegensatz zu heute, wo der Fokus eindeutig wieder hin zu einer Stärkung der Verantwortlichkeiten innerhalb einer Pensionskasse geht.

spn: Und was kostet die Dienstleistung eines Fiduciary Managers?

Vermeulen: Das kommt natürlich auf die Grösse und die Komplexität des Mandates und der Asset Allocation an. Diese Frage kann somit schlecht beantwortet werden, aber ich sag mal, mit 10 bis 20 Basispunkten muss man schon rechnen.

spn: Fiduciary Management spielt gerade in den nordischen Ländern eine zentrale Rolle. Hingegen nicht so sehr in der Schweiz. Woran liegt das?

Papa: Institutionelle Investoren werden zunehmend mit komplexeren Herausforderungen konfrontiert. Und die gilt es zu lösen. Fiduciary Management ist ein Konzept, wie man dieser Komplexität begegnen kann.

Vermeulen: Ein Grund, warum das Konzept in der Schweiz bis jetzt noch nicht in Gänze angenommen wurde, liegt sicherlich in den unterschiedlichen Rechnungslegungspraxen, sprich der IFRS-Market-to-Market-Bewertung der Verbindlichkeiten, wie es in Holland üblich ist. Ein Umstand, der natürlich volatilere Schwankungen der Deckungsgrade zur Folge hat. Das ist nicht so ein Thema in der Schweiz, nichts desto trotz machen eine Vielzahl dieser LDI-Techniken Sinn, egal ob man nun einen festen oder einen variablen Rechenzins verwendet.

spn: Gibt es neue Trends beim Fiduciary Management?

Vermeulen: Es gibt bestimmt einen Trend zurück zu den Wurzeln. So sind die Investoren momentan sicherlich weniger experimentierfreudig mit Konzepten wie etwa Portable Alpha, sondern sie kümmern sich mehr, ich sag mal, um solides Beta und haben ihren Fokus mehr auf konsistentem statt spektakulärem Alpha. Ein anderer Trend geht sicher dahin, dass das Asset Liability Management wieder stärker als Ganzes wahrgenommen wird. Die Stärke der Bilanz steht wieder im Vordergrund und nicht nur das Asset Management.

spn: Welche Dienstleistungen werden nach der Krise vermehrt nachgefragt?

Vermeulen: Wir sehen sicher, dass die ganzen operationalen und Investment-Management-Prozesse zu externen Parteien mehr Kontrolle und Aufsicht brauchen. Die Overall-Kontrolle seitens der Pensionskassen wird stärker wahrgenommen. Gleichzeitig wird die Frage stärker diskutiert, welche Prozesse überhaupt outgesourct werden können und welche auf jeden Fall im Hause bleiben müssen.

spn: Sie sprachen das Asset Management an. Hat sich das Asset Management durch die Krise verändert?

Vermeulen: Es gibt sicher einen Trend hin zu einfachen transparenten Produkte, also auf keinen Fall opportunistische Produkten. Zudem wird es, wie schon angetönt, in den nächsten Jahren sicher mehr um ein anständiges Beta und konsistentes Alpha gehen, anstatt um heisses Alpha. Sprich, diejenigen Anbieter, die sich auf High Alpha konzentrieren, werden es sicher schwer haben. Und noch ein Punkt: Was wir als Industrie sicher auch ändern müssen, ist die Sichtweise auf das Risiko.

Papa: Die Antwort kommt natürlich auch vom Kunden selbst. Vor drei bis vier Jahren war es für den Kunden absolut wichtig, dass der Asset Manager mindestens die Benchmark schlägt. Heutzutage ist eine Diskussion über relative Performance irrelevant, denn in negativen Marktphasen zählt die absolute Performance.

spn: Rechnen Sie demnach mit einem Come Back der Absolute- oder Total-Return-Ansätze. Kleiner Kommentar dazu: Die hören sich zwar gut an, haben aber auch nicht immer funktioniert, oder?

Vermeulen: Dem stimme ich zu, obwohl man auch sagen muss, dass es sich hier um valide und diversifizierte Ansätze handelt. Natürlich wurden auch Versprechungen gemacht, die im Nachhinein unhaltbar waren.

Papa: Wenn ich noch ergänzen darf. Wenn man einem Kunden klar und transparent erklären kann, warum, wo und wie viel er in seinem Portfolio verloren hat, wird er natürlich ärgerlich sein, aber er wird es verstehen. Problematischer wird es sicherlich, wenn man dem Kunden keine Transparenz gibt und auch keine ausreichende Liquidität.

spn: Welche Herausforderungen haben die Schweizer Vorsorgeeinrichtungen deswegen zu meistern?

Papa: Ein zentrales Thema wird sicherlich sein, welche Erwartungen, aber auch Notwendigkeiten Pensionskassen bei zukünftigen Renditen haben. Vor allem, wenn man bedenkt, dass ein durchschnittlicher Pensionsplan pro Jahr durchschnittlich zwischen vier und fünf Prozent Rendite in Schweizer Franken erwirtschaften muss. Da kann sich schon eine große Lücke zwischen dem, was man braucht, und dem, was man im risikolosen Bereich bekommt, auftun.

Vermeulen: Hierbei kommt es natürlich auch auf die Konstruktion des Portfolios an. Beispielsweise muss die Erholung, also die upside, von einem diversifizierten Teil der Asset-Klassen kommen und nicht vom Core-Obligationenteil. Dafür muss die Vorsorgeeinrichtung Risiken eingehen um die notwendigen Ziele zu erfüllen. Das ist keine Frage. Die Frage ist natürlich: Wird das Risikobudget diversifiziert eingesetzt oder konzentriert es sich ausschließlich auf Zins-, Kredit- oder Liquiditätsrisiken. Wenn ja, kann dies gefährlich werden.

Papa: Ein wichtiger Punkt ist auch, wie es um die Zukunft von alternativen Anlagen bestimmt ist, und die Frage, ob man diesen Anteil erhöhen soll oder nicht. Alternative Anlagen bieten nach wie vor Diversifikation in der Portfoliokonstruktion und Performancequellen an. Zudem muss entschieden werden, ob man das Alpha talentierter Asset Manager oder das Beta des Marktes einkaufen will, wobei man keine Alpha-Kosten zahlen muss, um einen Beta-Return zu bekommen.

spn: Alternative Anlagen haben das Portfolio im vergangenen Jahr aber auch nicht diversifiziert, oder?

Vermeulen: Sicherlich, im Jahr 2008 sahen wir zum einen eine generelle Abnahme des Risikoappetits, und zwar über alle Kategorien von Risiko, teilweise deswegen ging die Korrelation zwischen allen Asset-Klassen gegen eins. Da war natürlich auch sehr viel Psychologie dabei.

Das schmälert jedoch nicht das langfristige Konzept der Diversifikation an sich, insbesondere nicht in normaleren Zeiten. Diversifikation ist immer noch ein sehr valides Konzept, das einen natürlich nicht gegen ein globales Desaster schützen kann.

Papa: Ein Krisenbeschleuniger und -verstärker war sicher der hohe Leverage im System. Zudem haben viele Marktteilnehmer das Gleiche gemacht.

spn: Ist die Zeit des hohen Leverage also vorbei?

Papa: Das weiss man nicht. Wenn man die letzten drei Monate anschaut, ist die Gefahr des Übertreibens offensichtlich immer noch da. Die Gier wird sicher bleiben. In der jetzigen Situation sind wir zwar – und das sicher auch noch eine lange Zeit – in einem Stadium des Deleveraging, die Gefahr von weiteren Blasen ist aber weiter gegeben. Die Marktentwicklungen gehen nicht spurlos an den Investoren vorbei, aber wie gesagt, die Gefahr neuer Blasenentwicklungen ist nach wie vor da.







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