Schweizer Pensions- & Investmentnachrichten
Wer hat Interessenkonflikte? Keiner! Alle?

Dominique Amman, Consultant, PPC metrics

Veröffentlicht am:  01. Juni 2009

In der Wirtschaftskrise erleben die Anlagestrategieberater von Pensionskassen einen Boom. Das Vertrauen in ihre Resultate scheint ungebrochen. Nur hinter vorgehaltener Hand kritisieren die Fachleute unseriöse Asset-Liability-Studien. Und Interessenkonflikte sind ein heisses Eisen.

Die Lage der Anlagestrategieberater ist komfortabel. In guten Börsenzeiten werden sie von ihren Kunden, den Stiftungsräten, für die umgesetzte Anlagestrategie beglückwünscht. In schlechten Zeiten können Berater auf Risiken des Finanzmarktes und Eintretenswahrscheinlichkeiten von Kursstürzen hinweisen. Schliesslich gibt es so-genannte asymmetrische Risiken, die nur schwer zu simulieren sind. So wurden die Vorgänge der aktuellen Krise bei den meisten Kassen mit einer Wahrscheinlichkeit gar nicht oder von weniger als einem Prozent vorhergesehen. Für die Pensionskassen ist das wenig tröstlich. Das Ergebnis brach zu 100 Prozent über sie herein. Jetzt hoffen sie auf Eintretenswahrscheinlichkeiten „von über 95 Prozent“, so der Tenor einer Risikofähigkeits-Studie, dass sich die Kurse und Vermögenswerte innert zwei bis drei Jahren auf das Niveau vor der Krise erholen.

Jede Haftung lehnen die Anbieter auch für die Resultate ihrer numerischen Modelle ab. Sie sagen: „Wir machen keine Prognosen. Wir zeigen nur das Verhältnis von Rendite und Risiko auf.” Oder: „Das sind nur Modelle. Man muss ihre Grenzen richtig einschätzen können.” Oder: „Das sind nur Modelle. Die Realität ist eine andere.“ Am ehrlichsten ist wohl ein bekannter PK-Experte, der gegenüber spn festhielt: „Die Resultate des Asset Liability Modeling sind da, um ein Bauchgefühl für Entscheide zu erhalten, dass die Zahlen zu erhärten sind.“ Papier im Dienste der Idee. So stellt sich aus Kundensicht die Frage, warum Zehntausende von Franken pro Jahr ausgegeben werden, um eine Strategieberatung zu erhalten.

There is no free lunch

Am Anfang steht die Forderung des Gesetzgebers. Laut Artikel 50 der entsprechenden Verordnung (BVV 2) muss der Stiftungsrat einer Pensionskasse „die Sicherheit beurteilen“. Dazu soll er die „Aktiven und Passiven“ seiner Bilanz würdigen, das heisst die Kapitalanlagen und Verbindlichkeiten, damit er in seinem Jahresbericht schreiben kann: „Unsere Kasse ist langfristig nicht gefährdet.“ In der Praxis werden dazu sogenannte Asset-Liability-Studien bestellt. Einfache sind laut der Umfrage von spn unter Strategieberatern ab 10.000 bis 20.000 Franken zu haben (für ein Vermögen von 100 bis 200 Millionen). Komplizierte kosten 30.000, 40.000, 70.000 Franken, ja „nach oben offen“, so ein Berater. Von Gesetzes wegen müssen sie heute mindestens alle drei bis fünf Jahre gemacht werden.

Neue gesetzliche Erfordernisse lassen einen wachsenden Bedarf nach Anlagestrategieberatung vermuten. „Die Strukturreform des Bundes in der beruflichen Vorsorge wird zu einer Spezialisierung der Aufgaben führen“, sagt Philippe Schlumpf von Libera. Er leitet die neue Firmensparte LCP Asalis, die im März eröffnet wurde. In drei bis fünf Jahren will sie einen Marktanteil von fünf bis zehn Prozent erreichen.

Kerndienstleistungen

Zur engeren Definition des Marktes gehören vier Kernberatungsleistungen: Anlagestrategie, -organisation, -selektion und -kontrolle (siehe grosser Kasten). Da Anlagestrategien eher selten geändert werden, suchen Berater nach Geschäften, die eine laufende Nachfrage schaffen: Zwischenstudien, Simulationen, monatliches oder Quartals-Reporting, Performance-Vergleiche, Benchmark-Vergleiche, Controlling, Compliance und taktisches Anlagemanagement (das heisst Beratung für Käufe und Verkäufe von Wertschriften je nach Konjunktur, Region, Währung und Branche). So gibt es Kunden, die alle zwei bis vier Wochen einen Kontakt von zwei bis drei Stunden zum Berater suchen. Schlumpf von LCP Asalis schätzt das Kundenpotenzial auf 800 Pensionskassen, das Honorarvolumen auf 40 bis 80 Millionen Franken. Das ergibt einen jährlichen Umsatz von 30.000 bis 50.000 Franken pro Kasse, ein Wert, der von anderen Beratern „unter normalen Voraussetzungen“ als realistisch beurteilt wird.

Dass mit Libera Pensionskassenexperten auf den Markt der Anlagestrategieberatung drängen, folgt einer im Markt anerkannten Logik. „Das A von Asset und L von Liability sind in Verbindung zu bringen“, sagt Stefan Wyss, PK-Experte von Swisscanto. So haben beispielsweise Geldfluss-Projektionen einen wichtigen Einfluss auf die Anlagetätigkeit in Zukunft. Der Cashflow kann aber nur beurteilt werden, wenn dem Anlagestrategieberater Prognosen über die Versichertenstruktur vorliegen, das Aufgabenfeld der PK-Experten. So verlangt es auch das Gesetz: Zur Beurteilung der Sicherheit gehört auch die „Würdigung der zu erwartenden Entwicklung des Versichertenbestandes“.

In der Mindestvariante erhält der Anlagestratege also die vom PK-Experten errechnete Sollrendite, die Kapitalflussrechnung und eine Simulation des Versichertenbestandes zusammen mit den Löhnen und künftig auszuschüttenden Leistungen. Dann kann er sich daran-machen, „die Mittel auf die verschiedenen Anlagekategorien, Regionen und Wirtschaftszweige“ zu verteilen, wie es im Gesetz heisst, kurz: Asset Allocation. Dazu verwendet er einfache oder komplizierte Computerprogramme, die mit Parametern der Kasse und Finanzmarktszenarien gespiesen sind. Einfache Modelle heisst, einjährig und statisch. Aufwendige heisst, mehrjährig und dynamisch, das heisst, die Anlageerträge können beispielsweise auch in Abhängigkeit von veränderten Versichertenbeständen (Kündigungen, Fusionen, Krisen) simuliert werden. Sie erfordern eine viel detailliertere Erfassung der Kassendaten. Kompliziert sind auch Simulationen von asymmetrisch verteilten Risiken, etwa wenn Strategien versagen, obwohl sie nach gängigen Theorien sehr selten versagen sollten.

Luxus heisst in der Branche auch, dass ALM-Programme anwenderfreundlich sind. Ältere Software erfordert zur Parametrisierung des Kassenprofils profunde Kenntnisse. „Wir schaffen zurzeit ein Programm an, das für Life-Simulationen geeignet ist. Im Beisein des Kunden können Parameter verändert und so die Auswirkungen life demonstriert werden“, sagt Ernst Rätzer, PK-Experte und Spezialist für ALM von Aon Chuard.

Einiges im Angebot

Während PK-Experten wie Libera und Aon Chuard mit aktuariellem Wissen ins Strategiegeschäft drängen, suchen die Grossen andere Herausforderungen. PPCmetrics, Complementa und Ecofin arbeiten an einer Verfeinerung des Wissens in einzelnen Asset-Klassen, indem Spezialisten beispielsweise für Immobilien oder Hedgefonds heran gezogen werden. Benchmarks werden geklärt, Werbeargumente von Fonds und Vermögensverwaltern überprüft, die Anlagekosten in Relation zum Ertrag bewertet et cetera. So wirbt PPCmetrics beispielsweise mit einem Gebührenvergleich von Anlagemanagern, und Complementa betreibt einen internetbasierten Vergleich von Hedgefonds. PPCmetrics und Ecofin führen Datenbanken, die Anbieter zwingen, ihre Angaben objektiv zu erfassen. Sie schaffen eine effiziente Plattform zur Auswahl der Anlagemandate. Die Nachfragebündelung testet den Marktpreis im Dienste der Pensionskassen. Die andere Seite der Medaille ist, dass solche Tools hohe Kosten verursachen. Wer soll sie bezahlen? Eigentlich die Kunden, die Pensionskassen, denn die Plattformen sind ein Hilfsmittel in der Ausschreibung zur ManagerSelektion und unterstehen dem Auftragsrecht, das die Entgegennahme eines Entgeltes nur von einer Seite gestattet. Während Complementa für ihre Plattform von Hedgefonds kein Geld verlangt, machen PPCmetrics und Ecofin die Registrierung von Gebühren abhängig (siehe Kasten). Von einigen Beratern werden diese wegen möglicher Interessenkonflikte kritisiert. Die Kritisierten rechtfertigen sie mit der Flut von Angeboten. „Das ist Schutzgebühr, die den administrativen Aufwand deckt“, sagt Dominique Ammann von PPCmetrics. Ähnlich argumentiert Gabriele Giraudi von Ecofin. Die Gebühr führe zu einer Triage und zu einer höheren Qualität der Anbieterdaten. Ammann erklärt es im Kontext eines Alltags: „Wir erhalten täglich Post mit neuen Bewerbungen für Anlagemandate. So kanalisieren wir das Angebot.“

Eine andere Art von Einkunft betreiben die Westschweizer Anbieter Coninco und Lusenti Partners. Sie veranstalten Events oder Seminare, die nicht nur von den Teilnehmern, sondern auch von Referenten und Sponsoren bezahlt werden. Das sind Banken, Fonds oder Vermögensverwalter, die von Coninco oder Lusenti in die Anlageselektion mit einbezogen werden. Diese Einnahmen wecken den Argwohn der Berater wegen „inakzeptabler Interessenkonflikte“, so ein Konkurrent. Coninco nimmt keine Stellung dazu. Firmenchef Graziano Lusenti von Lusenti Partners sieht in dieser Einnahmequelle kein Problem: „Die Beiträge beeinflussen uns nicht. Wir legen die Sponsoren offen. Die Einnahmen aus den Events machen rund 15 Prozent unserer Einnahmen aus.“ Die Sponsoren sind unter „Performer-events.com” nachzulesen. Sie reichen von der Waadtländer Kantonalbank über Reichmuth & Co bis BlackRock, rund 35 an der Zahl.

Harsch kritisiert werden solche Berater, deren Arbeitgeber als Hauptsache die Vermögensverwaltung betreiben, also Banken. „Sie bieten ALM-Studien zu Dumping-Preisen an“, ist ein vielgehörter Vorwurf. „Sie betreiben die Strategieberatung zur Akquise von Assets“, so das Urteil eines bekannten Beraters. „Auffallend, dass von Banken insgesamt wenig Immobilien in der Asset Allocation empfohlen werden. Daran verdienen sie nämlich nichts“, sagt ein anderer. Die Vertreter von zwei Banken, der UBS, und Pictet, haben sich zu den Vorurteilen geäussert. Andreas Kim, Leiter der Anlageberatung für Institutionelle bei der UBS, weist diese Vorwürfe als Behauptungen zurück. „Wir verlangen Marktpreise für ALM-Studien“, sagt Kim, der seit 30 Jahren im Geschäft ist, und ergänzt: „Wir betreiben in der Strategieberatung auch keine Manager-Selektion.“

Antoine Cuénod, verantwortlich bei Pictet für Anlagestrategien, akzeptiert, dass es für den Vertreter einer Bank einen gewissen Interessenkonflikt gibt. „Der ist da“, sagt Cuénod. Er betont aber, dass die Strategieberatung in seiner Bank eine „gute, unabhängige Position“ habe. Auch würden für Studien „Marktpreise verlangt“. Der Vorteil der Strategieberatung einer Bank bestehe in der Auswertung der Global-Custody-Daten. „Unser Reporting gibt uns wertvolle Hinweise zur Optimierung der Anlagestrategie.“


Antoine Cuénod,
Anlagestrategie-
experte, Pictet

Freie Auswahl

Letztlich haben es die Pensionskassen in der Hand, welche Teilleistungen sie bei welchem Strategieberater bestellen. So ist es beispielsweise möglich, dass die Asset Allocation von der UBS, die Organisation von PPCmetrics und die Manager-Selektion durch Ecofin vorgenommen wird. So erreicht die Pensionskasse einen gewissen „Check and Balance” der Beraterleistungen. Gerade PPCmetrics und Ecofin sind bekannt dafür, passive Anlageformen zu fördern. „Wir achten bei der Umsetzung auf die Kosteneffizienz“, sagt Gabriele Giraudi von Ecofin.

Mit geteilten Verantwortlichkeiten wenig anfangen kann André Kohler. Er leitet bei B+B Vorsorge die Strategieberatung. „Unabhängigkeit wird regelmässig mit Desintegration der Dienstleistung gleichgesetzt“, kritisiert Kohler. Asset Liability Management werde von Stiftungsräten allzu oft als „Kauf eines periodischen Persilscheins“ gehandhabt und so weit als möglich externalisiert. So entstehe ein unpraktikables Kompetenzgerangel unter Beratern.

Kohler lanciert die Gegenthese „zum hochgerüsteten ALM-Tool“: Notwendig seien vielmehr eine richtige Besetzung des Stiftungsrates, Zeit und Interesse des Auftraggebers und Pragmatismus in der Umsetzung. „Aufwendige, auf Kenntnissen externer Experten beruhende Langfrist-Studien sollen durch eine regelmässige, interne Beurteilungsstruktur von Geschäftsleitung und Stiftungsrat ersetzt werden“, erklärt der Strategieberater.


Wer sind die Strategieberater und was bieten sie an?

Als Kerntätigkeit der Anlagestrategieberater im Dienste der Pensionskassen gelten vier Module: Erarbeitung der Strategie,

Errichtung der Organisation, Hilfe bei der Auswahl von Anlageprodukten und Vermögensverwaltern und Anlagekontrolle. In der Branche werden die Angebote meist mit den englischen Begriffen umschrieben: Investment Consulting oder Investment Advisory, Asset Manager Selection, Investment Controlling und Performance Reporting. Zur Strategieberatung gehört die Risikosteuerung der Aktiv- und Passivseite einer Pensionskassenbilanz. Sie wird unter den Begriffen Asset Liability Management oder Asset Liability Modeling angeboten, beides abgekürzt ALM. Das Wort Management betont die Verantwortung in der Risikosteuerung, das Wort Modeling die Verwendung eines numerischen Modells, das zur Einschätzung der Anlagerisiken verwendet wird. Viele Anbieter stellen fest, dass ALM-Studien alles andere als standardisiert sind, und dass je nach Anbieter grosse Qualitätsunterschiede vorhanden sind. Das Gleiche gilt für die Anlagekontrolle.

Einige Firmen bieten neben den genannten vier Kernleistungen zusätzlich Ausbildungen für Kassenverantwortliche und Stiftungsräte an. Zwei Anbieter betreiben regelmässig Weiterbildungsevents oder -seminare. Es gibt Firmen, die Wertschriftenbuchhaltung von Pensionskassen führen. Und schliesslich bieten einige die Regelüberwachung (Compliance) und Beratung der verantwortungsvollen Führung an (Good Governance). Einige Strategieberater arbeiten trotz Interessenkonflikten in Firmengruppen, deren Hauptgeschäft die Vermögensverwaltung ist.

Die Grossen und Kleinen

Als Nummer eins der Branche gilt PPCmetrics. Der Marktanteil der Firma wird von Marktteilnehmern auf rund 30 Prozent geschätzt. Sie operiert mit rund 50 Mitarbeitern und offeriert die genannten vier Kerntätigkeiten der Strategieberatung sowie die Ausbildung. Zur Selektion geeigneter Anlageprodukte und Vermögensverwalter führt das Unternehmen eine direkt zugängliche Datenbank (www.fmbase.ch), worauf Banken, Fonds, Vermögensverwalter (Asset Manager) sich präsentieren können. Dafür erhebt PPCmetrics eine Registriergebühr pro Anbieter von 1.980 Franken pro Jahr. Hinzu kommen 940 Franken pro standardisiertes Anlageprodukt. Die Registrierung nicht standardisierter Angebote („höhere Monitoring-Kosten“ oder „keine Kernprodukte“) kostet bis zu 2.820 Franken pro Jahr. Die Firma wird von sechs Partnern geführt, darunter Werner Strebel, der Gründer, und Dominique Ammann, der wohl bekannteste der Führungsequipe.

Als zweitgrösster Anbieter der Branche gilt die St. Galler Firma Complementa. Sie bietet die genannten Kerntätigkeiten sowie die Wertschriftenbuchhaltung an. Letztere ermöglicht der Firma laufende Aussagen über die Anlage-Performance von Schweizer Pensionskassen. Complementa ist neben Swisscanto und in Zusammenarbeit mit AWD einer der Pioniere in der statistischen Messung der zweiten Säule. Der Öffentlichkeit bekannt sind ihre jährliche Publikation „Risiko Check-up“ und die Mithilfe bei der jährlich publizierten Swisscanto-Pensionskassenstudie. Mit der Internetseite Hedgegate (www.hedgegate.com) verbessert Complementa zudem die Transparenz von Hedgefonds, indem Performance-Daten vergleichbar werden.

Seit 1998 ist sie in Vaduz tätig, seit 2006 mit einer eigenen Gesellschaft in München. Seit kurzem hat Complementa Büros auch in Zürich. In den drei Ländergesellschaften arbeiten rund 120 Leute. Geführt wird die Firmengruppe von Benjamin und Michael Brandenberger. Letzterer ist als Kommentator in Pensionskassenfragen der Öffentlichkeit bekannt.

Als Nummer drei der Branche wird Ecofin genannt, eine Zürcher Firmengruppe mit rund 45 Mitarbeitern, davon zehn, die sich der Strategieberatung von Pensionskassen widmen. Ecofin bietet nebst den genannten Kernleistungen auch Beratung in der Regelüberwachung (Compliance) an. Zur Ecofin gehören die Sammelstiftungen Noventus Collect und Collect Plus (Kader) sowie eine Abteilung, die bei der Errichtung einer Pensionskasse hilft und extern die Geschäfte einer Pensionskasse führt (www.noventus.ch). Wie PPCmetrics führt Ecofin eine von aussen zugängliche Datenbank für Anbieter von Finanzprodukten (www.pmdb-online.ch), die sie zur Auswahlsuche von Vermögensverwaltungsmandaten nutzt. Die Registrierung kostet je Anbieter 1.200 Franken pro Jahr, für jedes Produkt werden 360 Franken verlangt. Der Gründer und Präsident der Firmengruppe ist der bekannte Zürcher Uniprofessor für Finanzen, Martin Janssen.

Neben den drei grossen gibt es eine Reihe von mittelgrossen und kleinen Anbietern für Strategieberatung und ALM. In der Schweiz als marktdominant bezeichnet wird die in Vevey ansässige Coninco (www.explorersinfinance.ch) mit 20 Mitarbeitern. Nebst der Beratungssparte Coninco Advisory gehören zu ihr die Vermögensverwaltung Coninco Wealth Management und drei in Luxemburg domizilierte Dachfonds („Pegase“). Coninco bietet neben den vier Kernaufgaben eines Strategieberaters auch die Vermögensverwaltung an und organisiert Seminare. Exponent der Firmengruppe ist der Gründer, Präsident und Vermögensverwalter Olivier Ferrari (siehe www.citywire.co.uk, Link Fund Manager Performance, Olivier Ferrari).

Als mittelgrosse Anbieter im Deutschschweizer Markt gelten Watson Wyatt, Mercer/Pendia, Swisscanto und in der Westschweiz Lusenti Partners (Nyon) und MBS Capital Advice (Genf). Als kleine Anbieter werden genannt B+B Vorsorge, Aon Chuard (Bern), LCP Asalis (Libera), Pittet & Associes, Pensionstools, Exactis und Keller Pensionskassenexperten. Beachtung in der Branche findet die 2005 gegründete, lediglich auf ALM spezialisierte St. Galler Firma C-ALM mit fünf Beratern. C steht für „comprehensive”. Gegründet hat sie der emeritierte St. Galler Uniprofessor für Statistik und Pensionskassenexperte Alex Keel.

Strategieberatung für Pensionskassen bieten auch vier Banken und eine Versicherung an: die UBS, die Credit Suisse, Pictet (Genf und Zürich), die Zürcher Kantonalbank und die Axa-Winterthur-Tochterfirma Expertisa. Beratungsleistungen werden pro Modul offeriert. Strategieberatungen kosten pro Stunde günstig 220 und teuer 500 Franken.

Diese Angaben stammen entweder von Firmenpräsentationen im Internet oder Interviews mit den folgenden zehn Fachleuten: Dominique Ammann (PPCmetrics), Antoine Cuénod (Pictet), Gabriele Giraudi (Ecofin), Andreas Kim (UBS), André Kohler (B+B Vorsorge), Graziano Lusenti (Lusenti), David Pittet (Pittet Associés), Ernst Rätzer (Aon Chuard), Jürg Walter (Libera) und Stephan Wyss (Swisscanto). Nicht geantwortet haben Michael Brandenberger (Complementa) und Olivier Ferrari (Coninco). AV


Was sind Interessenkonflikte von Strategieberatern?

Die Anlagestrategieberater haben seit kurzem einen Verband. Er heisst umständlich Schweizerischer Verband der Anlageexperten und Investment-Consultants für die berufliche Vorsorge (SIACPF), wurde im November 2007 gegründet und erst vier Monate später, im März 2008 bekannt gemacht. Der von den vier grössten Anlagestrategieberatern gegründete Verband hat sich Richtlinien „zur Unabhängigkeit und zum Umgang mit Interessenkonflikten“ gegeben. Die Mitglieder werden verpflichtet, die folgenden Regeln einzuhalten:

1. Der Anlageexperte vermeidet es, in potenziellen Konfliktsituationen zu agieren, ohne alle Parteien im Voraus davon in Kenntnis gesetzt zu haben. Konflikte können namentlich durch geschäftliche oder persönliche Beziehungen eines Anlageexperten beziehungsweise der mandatierten Beratungsfirma entstehen.

2. Ein Anlageexperte wird weder Kommissionen, Entschädigungen noch andere Vorteile seitens Dritter im Zusammenhang mit Empfehlungen an eine Vorsorgeeinrichtung ohne deren Wissen und Einverständnis annehmen.

3. Ein Anlagestrategieberater verzichtet auf Retrozessionen, Kommissionen, Vergünstigungen „und Ähnliches“.

4. Ebenso sind eigene finanzielle Interessen an Gütern oder Dienstleistungen, die Teil einer solchen Empfehlung sind, offenzulegen.

Die Beratungsrichtlinien verbieten also nicht eine Vermögensverwaltung innerhalb der gleichen Firmengruppe und auch nicht die Entgegennahme von finanziellen Vorteilen, solange sie dem Kunden „offengelegt“ werden. Auch Front und Parallel Running sind nicht untersagt, solange man die „finanziellen Interessen“ dem Kunden offenlegt. Ein Hindernis dürfte allerdings die Regel sein, dass auf „sämtliche dem Verhaltenskodex in der beruflichen Vorsorge widersprechenden Handlungen zu verzichten“ ist. So ist insbesondere das Front Running verboten.

Die Strategieberater-Richtlinien verpflichten ihre Mitglieder auf die in der Verordnung BVV 2 genannte Definition der Unabhängigkeit (Artikel 40). Kein Bezug nehmen die Richtlinien hingegen auf die Verordnungsartikel 48f, g und h. Darin definiert der Bund die Interessenkonflikte in der Vermögensverwaltung. Unter Unabhängigkeit verstehen die Verbandsmitglieder Folgendes: „Der Anlageexperte gibt sein Urteil objektiv und unbeeinflusst ab. Unter Objektivität ist eine Kombination aus grösstmöglicher Unparteilichkeit, charakterlicher Integrität und dem Fehlen von Interessenkonflikten zu verstehen.“

Die Zuwiderhandlung gegen die Regeln ist nicht sehr gravierend. Sie hat nur den Ausschluss des Mitglieds aus dem Verband zur Folge. Eine Veröffentlichung, die eine Prangerwirkung hätte, ist nicht vorgesehen. Bis dato haben sich die folgenden sieben Firmen zu den Richtlinien bekannt: C-ALM, Complementa, Coninco, De Planification, Ecofin, Mercer und PPCmetrics. AV





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