Schweizer Pensions- & Investmentnachrichten
Offerten für Pensionskassen: Riesige Unterschiede
Veröffentlicht am:  01. Juni 2009

Der Markt im Pensionskassengeschäft spielt verrückt. Offertenvergleiche bei den Risiko- und Verwaltungskosten liegen je nach Anbieter um bis zu 340 Prozent (!) auseinander. Gross sind die Unterschiede auch bei

der Verzinsung und beim Rentenumwandlungssatz. Der Kunde muss entscheiden, was ihm wichtig ist.

„Wer sich als Unternehmer nicht mit der Pensionskasse belasten will und eine sichere Lösung wünscht, der wählt eine Vollversicherung. Dieses Paket ist aber nicht gratis“, sagt René Weibel, Partner beim unabhängigen Vorsorgeberater Weibel Hess&Partner (WH&P) in Stans. Sein Unternehmen untersucht jährlich den KMU-Pensionskassenmarkt in der Schweiz. 2008 wurden 27 Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen mit 133.340 angeschlossenen Betrieben und über 1,05 Millionen Versicherten verglichen und bewertet. Der aktuelle Anbietervergleich wird Mitte Juni veröffentlicht. Diese Daten sind noch nicht verfügbar.

Die letzte Auswertung zeigt massive Preisunterschiede. So bezahlt ein Malereibetrieb mit 17 Mitarbeitenden und einer versicherten Lohnsumme von knapp einer Million Franken bei der teuersten Sammelstiftung 2009 fast 3,5-mal so viel wie bei der günstigsten (siehe Tabelle auf Seite 35). Auch bei Dienstleistungsfirmen macht der Preisunterschied über 200 Prozent aus. Erheblich sind die Unterschiede auch bei einem Preisvergleich des VermögensZentrum VZ aus dem Jahr 2007: 6 Anbieter offerierten für 114 Versicherte eines Unternehmens in der Luftfahrtindustrie (Risiko-, Zusatz-, Verwaltungskosten und Langlebigkeitsbeitrag). Der günstigste Anbieter kam auf 2.437 Franken pro Mitarbeiter, der teuerste auf 3.819 Franken – ein Unterschied von 54,4 Prozent.

WH&P liess für drei Branchen mit ganz unterschiedlicher Risikoeinstufung offerieren. Verglichen wurden jeweils die Risiko- und Verwaltungskosten im Verhältnis zur versicherten Lohnsumme. Die Offerten berücksichtigen versicherte Leistungen, die leicht über dem gesetzlichen BVG-Minimum liegen. Dies entspricht der Realität in den meisten Betrieben.

Die Kosten sinken

Gegenüber 2007 haben die Sammelstiftungen ihre Risiko- und Verwaltungskosten um durchschnittlich 11 Prozent gesenkt. Vor allem die grossen Lebensversicherer sind auf die Kostenbremse getreten und weisen um ein Fünftel tiefere Ansätze aus. Nur die Allianz Suisse hat für 2009 ihre Kosten um 9 Prozent erhöht. Günstigster Vollversicherer ist die Helvetia. Sie hat die Risiko- und Verwaltungskosten seit 2006 um ein Viertel reduziert. Damit liegt sie auf Augenhöhe mit vielen unabhängigen Sammel- und Gemeinschaftsstiftungen. Das bisherige Schlusslicht bei den unabhängigen Kassen, die Grano-Sammelstiftung, hat ihre Risiko- und Verwaltungskosten um 31 Prozent gesenkt und schafft es damit ins Mittelfeld.

„Die Kostendifferenz zwischen den Lebensversicherungen und den unabhängigen Pensionskassen ist in den letzten drei Jahren markant gesunken“, hält Weibel fest. Insgesamt bestehen aber nach wie vor grosse Unterschiede bei den Risiko- und Verwaltungskosten.

Beim Treuhandbetrieb im Offertenvergleich verlangen Abendrot und Profond in der besten Risikoklasse mehr als doppelt so viel wie die Meta-Sammelstiftung. Verantwortlich dafür ist der immer noch weit verbreitete Einheitstarif, wonach alle Branchen den gleichen Tarif berappen. Dieser ist für mittlere bis schlechte Risiken für die Kunden interessant, während beste Risiken heute meist bessere Angebote finden.

Am grössten sind die Unterschiede bei Handwerksbetrieben, wie dem Malereibetrieb im Offertenvergleich. Dort verlangt Swiss Life bei günstigstem Schadenverlauf – in den letzten 5 Jahren schadenfrei – rund 66.000 Franken pro Jahr an Risiko- und Verwaltungskosten. Die Basler-Versicherung machts bereits deutlich günstiger und verlangt knapp 41.000 Franken. Das ist aber immer noch doppelt so viel wie bei der Prosperita. Der günstigste Anbieter verrechnet dem Malereibetrieb 20.000 Franken. Im Vergleich dazu kassiert Swiss Life gar um stolze 340 Prozent mehr.

Das ist Wasser auf die Mühle von Personalvorsorgeberatern wie WH&P oder dem VZ. Sie verkaufen ihre Dienstleistung, wenn Firmen ihre Pensionskassenlösung überprüfen lassen. Das VZ lockt aktuell mit einem Vorzugspreis zum PK-Check: Eine Basisanalyse auf dem revidierten Jahresabschluss 2008 samt vier Controlling-Reports kostet 1.000 Franken. Bei den grossen Preisunterschieden der PK-Anbieter ist das gut investiertes Geld. Für den PK-Experten Weibel ist der Vertragsablauf „der ideale Zeitpunkt für einen Pensionskassen-Check-up“. Dabei ist zu beachten, dass Anschlussverträge per 30. Juni auf Ende des Kalenderjahres gekündigt werden müssen.

Die bestehenden Leistungen überprüfen

Was wird bei einem PK-Check überprüft? Zuerst die bestehenden Leistungen. Beim Versicherungsschutz für Erwerbsunfähigkeit wird beurteilt, ob die IV-Renten zusammen mit den Leistungen aus der ersten Säule ausreichen. Bei Gehältern über 130.000 Franken empfiehlt es sich laut WH&P, die Erwerbsunfähigkeit bei Unfall in Ergänzung zur gesetzlichen Unfallversicherung einzuschliessen. Eine Partnerrente sichert im Todesfall auch den Konkubinatspartner ab. Bei den Altersleistungen ist die Höhe des Rentenumwandlungssatzes ein wichtiges Kriterium, ebenso ein flexibler Altersrücktritt.

Im WH&P-Vergleich 2008 zeigen sich beim Umwandlungssatz die Unterschiede zwischen Vollversicherungslösungen der grossen Lebensversicherer und der unabhängigen Anbieter – die Vollversicherung ist nicht gratis: Die Lebensversicherer rechnen bei einem 65-jährigen Mann mit einem Umwandlungssatz von 6,8 Prozent für das BVG-Obligatorium und 5,835 Prozent fürs Überobligatorium, während Profond einen einheitlichen Satz von 7,2 anwendet. Gehen wir von einem Alterskapital von 800.000 Franken (davon 60 Prozent überobligatorisch) aus, gibt dies in der Vollversicherung eine jährliche Rente von knapp 50.000 Franken, bei Profond sind es 57.600.

Zur Verzinsung: Der Zins als „dritter Beitragszahler“ gilt nach dem verlorenen letzten Jahrzehnt an den Kapitalmärkten zwar als wankelmütiger Geselle. Doch über ein Arbeitsleben von gut 40 Jahren trägt die Verzinsung durchschnittlich ein Drittel zum Alterskapital bei. Wegen des Zinseszinseffektes bringt ein Prozent mehr Zins über die Jahre massiv mehr ein. Als Faustregel gilt: Ein Prozent mehr Rendite bringt eine Rentenverbesserung von knapp 30 Prozent. Der verfügbare WH&P-Vergleich erfasst den Zeitraum von 2000 bis 2007, noch ohne das desaströse 2008. Dabei liegen die Vollversicherer mit einer durchschnittlichen Verzinsung zwischen 3,33 und 3,42 Prozent gut im Rennen, die Bandbreite bei den unabhängigen Gemeinschaftseinrichtungen und Sammelstiftungen liegt zwischen 2,53 Prozent und 4,18 Prozent.

Kosten nicht das einzige Kriterium

„Sind die Leistungen für den Betrieb definiert, sollte bei mehreren Anbietern inklusive der bisherigen Kasse eine Offerte eingeholt werden“, empfiehlt Weibel. Wichtig seien neben klaren Vorgaben auch konkrete Daten zu bestehenden IV- und Altersrenten. Nicht jede Sammelstiftung oder Gemeinschaftseinrichtung beurteile das Risiko einer Branche oder eines Betriebes gleich. Entsprechend unterschiedlich fallen auch die Offerten aus. In der Praxis zeigt sich, dass die aktuelle Kasse in der neuen Konkurrenzsituation oft bereit ist, nochmals über die Bücher zu gehen. „Prämienreduktionen sind möglich, auch ohne die Kasse zu wechseln“, weiss Weibel.

Die Kosten sind ein wichtiger Faktor bei der Wahl einer Sammelstiftung oder Gemeinschaftseinrichtung – aber nicht das einzige Kriterium. Berücksichtigen muss man auch die Bonität der Kasse und ihren Deckungsgrad. Unterdeckung kann bedeuten, dass man zwar weniger Risikokosten hat, dafür aber Sanierungsmassnahmen mittragen muss. Vor allem Gemeinschaftseinrichtungen mit hohem Aktienanteil wurden vom Crash an den Kapitalmärkten im letzten Jahr arg gebeutelt. Die aktuellen Daten zu Deckungsgrad und Verzinsung finden Interessierte ab Mitte Juni auf www.pensionskassenvergleich.ch.

Risiko-und Verwaltungskosten: Vergleichen rechnet sich





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