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Jürg Roth |
Die Finanzkrise hat auch Spuren bei den Anlageprodukten hinterlassen. Hochkomplexe Produkte mit Derivate-Struktur sind out, einfache und transparente Produkte hingegen in. Das spürt man auch bei der Credit Suisse. Dementsprechend will man reagieren. Denn: Natürlich ist der Kunde König.
Fragen: Michael Lennert
Antworten: Jürg Roth und Martin Gut, Managing Directors und Co-Heads Institutional Clients, Credit Suisse
Jürg Roth kam 1993 zur Credit Suisse und arbeitete zunächst im Bereich Sales Derivate Products, dessen Leitung er 1996 übernahm. Zwei Jahre später wurde er zum Chief of Staff von Distribution Switzerland in der Asset Management Division ernannt.
Ab 2000 oblag ihm die regionale Verantwortung für den Vertrieb von Anlagedienstleistungen und der Anlageberatung für institutionelle Kunden der welschen Schweiz und der Region Basel. Ein Jahr später übernahm Roth zudem die Funktion als Head of Services an – eine Tätigkeit, die die Bereiche IT, Operations, Trading Desks, Treasury, Client Reporting, Fund Accounting und die Mandatsbuchhaltung umfasste. Vor seiner jetzigen Funktion war Jürg Roth ab 2002 als Leiter Institutional Clients für die Schweiz tätig.
Roth beendete 1993 sein Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universität Sankt Gallen mit Schwerpunkt Finanzmärkte. ML
spn: Herr Roth, wie lauten derzeit die drei Top-Themen auf der institutionellen Agenda der Credit Suisse?
Jürg Roth: Im Fokus steht sicher der Umgang mit der Finanzmarktkrise. Im aktuellen Umfeld gilt es, die nötige Transparenz zu schaffen sowie Kosteneffizienz zu gewährleisten. Was mit ganz unterschiedlichen Ansätzen erreicht werden kann, lässt sich wohl am besten unter dem Thema „Back to Basics“ zusammenfassen. Denn eines ist sicher, die Zeit der komplexen Strukturen ist momentan vorbei. Neben einem professionellen Kundenservice sind für uns insbesondere auch stabile Prozesse und beständige Teams von entscheidender Bedeutung. Mit unserem Geschäftsmodell der integrierten Bank sind wir gut aufgestellt, um sich bietende Marktgelegenheiten zu nutzen.
spn: Was für Erfahrungen mit Ihren Kunden machen Sie derzeit, Herr Gut?
Martin Gut: Bei den Kunden stehen derzeit die Analyse der Gegenparteirisiken sowie die Frage nach ausreichender Liquidität im Mittelpunkt. Das spürt man etwa im Bereich der Zertifikate und anderer strukturierter Produkte. Mit ein Grund hierfür ist, dass sich die Risikowahrnehmung in den letzten Monaten grundlegend verändert hat. In der Vergangenheit wurde am Markt manches einfach akzeptiert, ohne ausreichend hinterfragt zu werden. Aber wie gesagt, diese Zeit ist vorbei. Mit unserer Gesamtlösungspalette sind wir ausgezeichnet positioniert. Die Credit Suisse legt seit jeher grossen Wert auf umfassende, transparente Information ihrer Kundinnen und Kunden.
spn: Können Sie diese Gesamtlösungspalette näher erläutern?
Roth: Wir sind kein ausschliesslicher Nischen- oder Alternative-Anlagen-Player, sondern vielmehr ein Universalanbieter mit starken Pfeilern und ausgewählten Nischen.
spn: Und was sind Ihre starken Pfeiler?
Roth: Mit Blick auf den Schweizer Markt wären hier etwa unser indexiertes Geschäft, Global Custody, die Real-Estate-Anlagen sowie unser MACS, also der Multi-Asset-Class-Solutions-Bereich, zu nennen. Unser Vorteil ist, dass wir von der Schweiz heraus – neben unserer starken regionalen Präsenz – Zugang zu einer globalen Produktionsplattform haben.
spn: Wie gewährleisten Sie, dass Sie als Universalanbieter bei den jeweiligen Asset-Klassen oder Dienstleistungen zu den führenden Anbietern zählen?
Roth: Wenn man einen Zyklus anschaut, kommt es selten vor, dass ein einzelner Anbieter über 20 Jahre der Beste ist. Wir haben mit unseren Kunden folgende Erfahrungen gemacht: Was zählt, sind Zuverlässigkeit, Stabilität und Kontinuität hinsichtlich der Berater und Prozesse. Und danach richten wir uns. Drei Jahre top zu sein und dann nicht zu wissen, wie es weitergeht, wird unseres Erachtens nach weniger gesucht. Die bereits hervorgehobenen Bereiche wie etwa das indexierte Geschäft, das Global Custody oder auch die Real-Estate-Anlagen stellen besondere Stärken von uns dar.
Gut: Ein weiterer Vorteil ist sicherlich auch unsere One-Bank-Strategie.
spn: Was verstehen Sie unter One-Bank-Strategie?
Gut: Die One-Bank-Strategie beschreibt unser Geschäftsmodell der integrierten Bank. Diese kombiniert die Expertise in den Bereichen Private Banking, Investment Banking und Asset Management. Auf diese Weise können wir unseren Kunden innovative Gesamtlösungen bieten, die auf deren komplexe Bedürfnisse zugeschnitten sind.
spn: Wie wollen Sie sich als Credit Suisse zukünftig im institutionellen Geschäft positionieren?
Roth: Wir werden uns auch künftig konsequent an den Bedürfnissen der Kunden orientieren und nicht nur Produkte, sondern umfassende Lösungen anbieten.
spn: Haben sich die Bedürfnisse der Kunden geändert?
Roth: Wie gesagt sind derzeit vor allem Transparenz, Einfachheit und Berechenbarkeit hoch im Kurs. Nicht mehr gefragt sind komplexe Innovationen. Bei hochkomplexen Strukturen ist man sehr zurückhaltend geworden. Teilweise war für die Kunden nicht erkennbar, wie sich welche Elemente dieser Strukturen unter welchen Marktgegebenheiten oder Konstellationen entwickeln. Das wollen die Kunden nicht mehr.
Gleichwohl stossen Innovationen in dosiertem Masse auf grosses Interesse. Hierzu zähle ich beispielsweise die inflationsgeschützten Obligationen für Schweizer Anleger. Das Inflationsthema ist ein gut erklärbares Anlagethema. Und derartige Produkte sind zwar innovativ, haben aber keine hochkomplexe Derivate-Struktur.
| Martin Gut arbeitete ab 1992 für vier Jahre als Leiter der Handels- und Verkaufsabteilung bei der UBS (Luxembourg) S.A. 1996 übernahm er die Verantwortung des Geldmarkt und ALM Trading Desks der UBS Zürich, bevor er im Jahre 1997 zur Credit Suisse wechselte. Bei der Credit Suisse First Boston leitete Gut zu-nächst das Trading Desk Money Markets & Foreign Exchange Forwards und übernahm 1998 zusätzlich den Handelsbereich Fixed Income Secondary Trading. Vor seiner heutigen Funktion wechselte Gut im Jahre 2007 in die Asset Management Division der Credit Suisse und führte die Abteilung Relationship Management für grosse institutionelle Kunden in der Schweiz. Gut absolvierte einen Abschluss der Volkswirtschaftslehre an der KSZ in Zürich. ML | ![]() |
spn: Was fragen die institutionellen Kunden derzeit besonders nach?
Gut: Wir erleben derzeit eine stetige Nachfrage nach indexierten, aber auch nach quantitativ bewirtschafteten Produkten, wie etwa das Enhanced Indexing. Dieser Trend dürfte anhalten. Im vergangenen Jahr verzeichneten wir deutliche Zuflüsse in diese Bereiche.
Roth: Hier gibt wohl nicht zuletzt die transparente Plain-Vanilla-Struktur den Ausschlag. Unsere Exchange Traded Funds (ETFs) beispielsweise sind „fully funded“, das heisst, hinter der Fondshülle stehen tatsächlich auch Wertschriften, also keine Total Return Swaps oder ähnliche Derivatkonstrukte. Früher hätte diese Differenzierung eine untergeordnete Rolle gespielt. Heute hingegen schauen die Investoren ganz genau hin, wie die Konstruktionen aussehen.
spn: Zu Ihren ETFs. Konzentrieren Sie sich hierbei vor allem auf die Abdeckung von Core- oder auf Satellite-Anlagen?
Gut: Unsere Xmtch-Fondsfamilie bietet zahlreiche Möglichkeiten, sowohl Kern-Investments („core“) als auch Beimischungen („satellites“) vorzunehmen. Der Xmtch (CH) on SMI, beispielsweise einer der grössten börsengehandelten Indexfonds Europas, eignet sich als „Core-Anlage“ für den Schweizer Aktienmarkt, während etwa der Xmtch (Lux) on MSCI Emerging Markets eine Beimischung für das Portfolio darstellen kann. Mit der Differenzierung nach Unternehmensgrösse lassen sich mit den ETFs der Xmtch-Fondsfamilie somit gezielt Engagements in Standardwerten oder kleineren Nebenwerten aufbauen. Im Bereich der Obligationen wiederum lässt sich mit den Xmtch auf die Laufzeiten-indizes für Schweizer Staatsanleihen eine präzise Steuerung der Duration vornehmen.
spn: Gibt es Schwächen bei der Aufstellung im institutionellen Geschäft der Credit Suisse, und wenn ja, wo liegen diese Schwächen?
Roth: Die sich wandelnden Kundenbedürfnisse stellen eine Herausforderung für alle Marktteilnehmer dar. Wir machen unsere „Hausaufgaben“ und orientieren uns konsequent an den Bedürfnissen unserer Kunden. In gewissen Feldern haben wir die notwendige kritische Grösse nicht erreicht. Ich spreche hier die bekannt gegebene Übereinkunft mit Aberdeen an. Wir wollen uns noch stärker als bisher auf diejenigen Geschäftsbereiche konzentrieren, in denen wir über die kritische Grösse und klare Wettbewerbsvorteile verfügen und die sich ideal in unser integriertes Geschäftsmodell einfügen.
spn: Und wie sieht die Partnerschaft konkret aus?
Gut: Die Credit Suisse hat eine Vereinbarung unterzeichnet, Teile ihres Global-Investors–Geschäft an Aberdeen zu verkaufen und dafür im Gegenzug eine Beteiligung am kombinierten Unternehmen zu erhalten. Die Transaktion schliesst etwa 75 Milliarden Schweizer Franken an verwaltetem Vermögen ein sowie den Grossteil des Global-Investors-Geschäfts der Credit Suisse in Europa – ohne die Schweiz –, den USA sowie in Asien und Australien.
spn: Sie sprachen von Global Investors. Aus welchen Geschäftsbereichen besteht Global Investors?
Gut: Global Investors ist die Long-Only-Sparte des Asset-Management-Bereichs der Credit Suisse. Das Angebot von Global Investors reicht dabei von traditionellen Regionen- und Sektorfonds bis hin zu spezialisierten Nischenportfolios mit festverzinslichen Anlagen und Aktien.
spn: Welche Bereiche sind hier betroffen?
Roth: Es betrifft Segmente, die in erster Linie in Japan, Grossbritannien und Australien angesiedelt sind. Vom Verkauf ausgenommen sind unser traditionelles Asset-Management-Geschäft in der Schweiz sowie unsere brasilianische Vermögensverwaltungssparte Garantiá und unsere Joint Ventures. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Produktionsaktivitäten in der Schweiz nahezu vollständig weiterbestehen und zum Teil sogar ausgebaut werden.
spn: Und wie passt das zur Gesamtstrategie des Asset-Management-Bereichs?
Gut: Die Transaktion entspricht unserer Strategie dahingehend, in unseren Nicht-Kerngeschäften nach Möglichkeiten für eine Wachstumsbeschleunigung zu suchen und unser Vermögensverwaltungsgeschäft zu straffen. Dabei ermöglicht uns der Verkauf, unsere Fokussierung zu verstärken und in Bereiche wie Alternative Investments und Multi Asset Class Solutions (MACS) zu investieren, in denen wir Grössenvorteile besitzen und unseren Kunden eine starke Performance bieten können.
spn: Apropos, welche Tendenzen verspüren Sie bei alternativen Anlagen?
Roth: Wir verspüren bei alternativen Anlagen derzeit sicherlich eine gewisse kurzfristige Zurückhaltung. Mir scheint aber wichtig, hier zwischen Hedgefonds und Private Equity zu differenzieren. Weil einzelne Hedgefonds in der jüngeren Vergangenheit Negativ-Schlagzeilen gemacht haben, sehen wir bei Hedgefonds eine grössere Zurückhaltung als bei Private Equity.
spn: Wann wird die Transaktion voraussichtlich abgeschlossen sein?
Roth: Die Transaktion erfolgt in zwei Phasen: zuerst die Asien-Pazifik-Region ohne Japan, dann die restlichen Regionen. Es ist vorgesehen, die Transaktion per 30. Juni 2009 abzuschliessen.
spn: Wie sieht das institutionelle Geschäft der Credit Suisse in fünf Jahren aus?
Gut: Das institutionelle Geschäft wird für den Standort Schweiz weiterhin eine sehr wichtige Rolle spielen. In der Schweiz bestehen grosse Sparvermögen bei Krankenkassen, Pensionskassen und Sozialversicherungen. In diesem Bereich verändern exogene Faktoren wie die demografische Entwicklung oder regulatorische Einflüsse bestehende Bedürfnisse und schaffen neue Voraussetzungen. Deswegen ist es wichtig, sich permanent auf geänderte Rahmenbedingungen einzustellen und diese auch zu antizipieren. Nur so können wir den Bedürfnissen unserer Kunden optimal entsprechen.
Roth: Genau deswegen erwarte ich, dass unser institutionelles Geschäft in fünf Jahren mindestens gleich gross sein wird wie jetzt, wenn nicht gar grösser. Dies, da man in der gesamten Branche auch eine Tendenz zur Konsolidierung, zur Fokussierung und zur Steigerung der Kosteneffizienz feststellt.
Gut: Summa summarum werden wir auch in fünf Jahren ein führender Universalanbieter sein, also gleich aufgestellt sein wie heute. Die Schweizer Präsenz wird weiter stark sein, und unsere Kunden werden weiter von den Möglichkeiten unserer integrierten Bank profitieren.

Hier am Paradeplatz in Zürich, dem Hauptsitz
der Credit Suisse, wird intensiv darüber diskutiert,
wie chancenreiche P rodukte oder Strategien der
Zukunft aussehen könnten.
Im Moment werden unter anderem Distressed Debt sowie ein gut diversifiziertes Fixed-Income-Portfolio favorisiert.
spn: Sie sprachen die Pensionskassen an. Mit welchen Themen werden Sie momentan hier konfrontiert?
Roth: Ein grosses Thema bei den Pensionskassen ist derzeit die Diskussion über die Unterdeckung der Kassen und die daraus möglicherweise abzuleitenden Sanierungsmassnahmen. Das ist eine grosse Herausforderung, bei der wir unsere Kunden mit individuellen Lösungen unterstützen.
spn: Was raten Sie Pensionskassen in Unterdeckung?
Roth: Vorab: Wir stellen die Lösungen zur Umsetzung der Entscheide der Pensionskassen und ihrer Experten bereit, wie sie diese Situation angehen wollen. Die Strategie muss aber die Pensionskasse selber festlegen, und zwar von Fall zu Fall. Hierbei gilt es Fragen zu beantworten wie: Wie hoch ist die Unterdeckung der Pensionskasse? Wie gross ist meine Risikofähigkeit? Wie setzt sich die Versicherungsstruktur der Kasse zusammen? Welche Massnahmen sollen ergriffen werden und wie definiere ich meine Risikobereitschaft?
spn: Gibt es Trends, die Sie nach der Finanzkrise sehen?
Gut: Wie gesagt sehen wir einen Trend „Back to Basics“: einfache Produkte, Transparenz, und, wie schon ausgeführt, keine zu komplexen Strukturen.
spn: Über welche Neuerungen können sich institutionelle Kunden bei der Credit Suisse in Zukunft freuen?
Gut: Wir werden beispielsweise unsere Angebotspalette im Bereich der Exchange Traded Funds (ETFs) im Verlauf von 2009 markant erweitern und den Investoren noch flexiblere Anlagemöglichkeiten bieten. Daneben werden wir auch unsere Real-Estate-Plattform mit weiteren innovativen Produkten ausbauen und differenzieren.
spn: Gibt es auch Asset-Klassen, die Sie niemals anbieten werden?
Gut: Um mit einem Bonmot zu antworten: „Sag niemals nie.” Für die spn-Leser ist gleichwohl sicher die Frage wichtig, welche Asset-Klassen momentan und zukünftig ein Thema sein könnten. Hier sehen wir etwa Distressed Debt sowie ein gut diversifiziertes Fixed-Income-Portfolio.
spn: Gutes Stichwort, die Diversifikation. Die hat ja 2008 nicht so ganz funktioniert?
Roth: In der Tat hat diese im vergangenen Jahr nicht funktioniert. Innert weniger Monate haben ehemals unkorrelierte Anlageklassen miteinander zu korrelieren begonnen. Diversifikation ist aber ein langfristiges Konzept.
spn: Aber das hat doch bereits bei Weitem gereicht, um deutliche Wertverluste zu erleiden.
Roth: Dennoch bin ich überzeugt, dass sich das Prinzip der Diversifikation über einen längeren Zeitraum hinweg betrachtet bewährt.
spn: Wie sehen Sie sich in der Schweiz positioniert?
Roth: Als einen der führenden Anbieter im institutionellen Geschäft.
spn: Wer sind für Sie die grössten Mitbewerber und warum?
Gut: Auf lokal-regionaler Stufe gewisse Privat- und Kantonalbanken und auf globaler Stufe selbstverständlich die Grossbanken beziehungsweise selektiv auch ausländische Institute mit ihren jeweiligen Spezialitäten.
spn: Können Sie konkrete Namen nennen?
Roth: Wir kommentieren unsere Mitbewerber grundsätzlich nicht. Wir orientieren uns am Kunden und nicht an der Konkurrenz. Für uns ist die Meinung unserer Kunden entscheidend.
spn: Werden die Pensionskassen in fünf Jahren, auch oder gerade als Folge der Finanzkrise eine andere Asset Allocation vorweisen als jetzt?
Roth: Ich glaube nicht, dass es dramatische Veränderungen in der Asset Allocation geben wird. So zeigt etwa unser Pensionskassen-Index, den wir seit rund acht Jahren erheben, ein relativ statisches Bild über den Zeitverlauf – selbst für die Jahre ab 2002. Zudem bin ich der Meinung, dass das schweizerische Vorsorgesystem relativ zu denjenigen im Ausland trotz der Finanzmarktkrise grundsätzlich nach wie vor sehr gut dasteht.
spn: Welchen Einfluss hat die Finanzkrise auf das institutionelle Geschäft?
Roth: Ein institutioneller Kunde ist ein emanzipierter Kunde, der in der Regel mit mehreren Partnern zusammenarbeitet. Als Anbieter steht man in einem steten Wettbewerb, denn der institutionelle Investor wird gegebenenfalls einen Anbieter gegen einen anderen austauschen. Das akzeptieren wir, und es treibt uns an, uns noch weiter zu verbessern. Wir haben das immer ernst genommen und werden uns dieser durch die Finanzkrise noch verschärften Herausforderung stellen. Denn Innovation, Effizienz und eine klare Kundenorientierung sind unsere Maxime.
Gut: Die zunehmenden Anforderungen der Kunden nach Transparenz werden den Wettbewerb weiter intensivieren. Als Anbieter muss man in der Lage sein, noch flexibler und schneller auf das Umfeld und die entsprechenden Kundenbedürfnisse reagieren zu können. Gleichwohl werden Aspekte wie ausgezeichnete qualifizierte Berater und effiziente, eingespielte Prozesse weiter nachhaltig wichtig sein. Das ist so im institutionellen Geschäft, und das wird auch so bleiben.
spn: Wie lautet Ihr Ausblick für den Rest des Jahres?
Gut: Weltweit gehen wirtschaftspolitische Akteure die Finanzkrise mit ungeahnten Massnahmen an. Diese zielen zum einen auf eine Stabilisierung des Finanzsystems ab, damit dieses seine für die Gesamtwirtschaft entscheidende Rolle der Kreditvergabe wahrnehmen kann. Zum anderen soll die staatliche Nachfrage im Rahmen von Fiskalprogrammen den Rückgang privater Nachfrage kompensieren. Zudem versuchen die Notenbanken, global die Kreditbedingungen zu lockern. Neben starken Zinssenkungen werden hierzu auch unkonventionelle Massnahmen, wie der direkte Aufkauf von Anleihen, eingesetzt.
Allerdings bleibt die Unsicherheit bezüglich der Massnahmen aufgrund der grossen zeitlichen Verzögerung zwischen der Ankündigung, Umsetzung und Wirksamkeit weiterhin hoch. Dennoch gehen wir davon aus, dass sie im Verlauf des Jahres ihre Wirkung zunehmend entfalten und auf globaler Ebene zunächst zu einer Stabilisierung und dann zu graduellem Wachstum führen werden. Vorerst bleiben die wirtschaftlichen Indikatoren, wie Umfragen zum Geschäftsklima, jedoch auf einem sehr tiefen Niveau.
spn: Vielen Dank für das Gespräch.
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