„Unsere Möglichkeiten bleiben unverringert. Doch unsere Zeit der Untätigkeit, die Zeit, unangenehme Entscheidungen wegzuschieben – diese Zeit ist vorbei. Von heute an müssen wir uns aufrichten, den Staub abschütteln und beginnen, Amerika zu erneuern. Es gibt viel zu tun – überall, wo wir hinsehen“, sagte Barack Obama bei seiner Antrittsrede zum 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten.
Und in der Tat: Dass derzeit viel im Argen liegt, nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern überall auf den globalen Finanzmärkten, und auch bei einzelnen Finanzakteuren, liegt auf der Hand.
Beispiel gefällig? Im vergangenen spn-Chefsache-Interview antwortete ein für das institutionelle Geschäft Verantwortlicher einer Schweizer Privatbank auf die Frage, was denn die Privatbank zu einem guten Dach-Hedgefonds-Manager macht, Folgendes: „Wir haben weltweit ein Team von rund 200 Leuten, welche sich mit der Selektion, mit der Beurteilung und der Analyse von Hedgefonds befassen. Bei der qualitativen Analyse werden das gesamte Investment-Konzept und die Philosophie des Fonds analysiert, die quantitative Gruppe macht die Peergroup-Vergleiche, berechnet die ganzen Kennzahlen, und die strukturelle Risikogruppe macht nichts anderes, als zu schauen, ob die Geschäftsrisiken sauber gemanagt sind und ob das Geschäft nach Best-Practice-Kriterien aufgestellt ist.“
Interessantes Statement! Doch leider stellte sich mittlerweile heraus, dass auch diese Privatbank in den Madoff-Skandal verwickelt ist, und zwar in grossem Stil. Medienberichten zufolge wurden rund 700 Millionen Dollar in den Sand gesetzt.
Deswegen müssen sich die in den Fall Madoff verwickelten Akteure schon Fragen gefallen lassen wie: Wo hat dieses Risikomanagement im Detail versagt?
Doch nicht nur das. Sicherlich müssen auch die Rollen und die Verantwortung der Wirtschaftsprüfer und die der Depotbanken neu diskutiert werden. Muss eine Depotbank nicht jederzeit wissen, wie die Vermögenswerte investiert und wo und wie diese verfügbar sind?
Doch zurück zur Antrittsrede von Barack Obama. Obama hat recht: Nicht nur die Zeit der Untätigkeit, die Zeit, unangenehme Entscheidungen wegzuschieben, ist vorbei – auch die Zeit, wegzuschauen. Jetzt ist es Zeit, den Finger in die offenen Wunden zu legen.
Ja, es gibt viel zu tun, und wir müssen uns aufrichten, den Staub abschütteln und wieder damit beginnen, auch die Finanzmärkte zu erneuern – überall, wo wir hinsehen.
Herzlichst, Ihr
- Konrad Hummler, Wegelin
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