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Rolf Hubli, Pensionskasse Thurgau, Geschäftsführer |
Schweizer Pensionskassen haben mit alternativen Anlageklassen wie Hedgefonds und Private Equity 2008 keine besondere Freude gehabt. Während Hedgefonds öfters kritisch betrachtet werden, gibt es bei Private Equity gleichwohl Erweiterungspläne. Das auf jeden Fall geht aus einer nicht repräsentativen Kurzumfrage von spn unter Pensionskassen hervor.
Sowohl mit Private Equity als auch Hedgefonds hat etwa die Pensionskasse Thurgau Erfahrung. Dort möchte man vor allem Letztere wegen der Ereignisse 2008 nicht gleich pauschal verurteilen. Geschäftsführer Rolf Hubli berichtet, wie die Kasse zu ihren Alternativanlagen kam, die im Portfoliovermögen von rund zwei Milliarden Franken (Ende 2008) ein Volumen von gegen zehn Prozent stellen sollen. Bereits 2002 engagierte man sich in Kollektivanlagen bei Private Equity. Später erging dann ein Mandat an die Zuger Partners Group. Insgesamt habe man recht gute Erfahrungen gemacht, meint Hubli, und will der Anlageklasse nicht nur treu bleiben. Für 2009 ist vorgesehen, ein zweites Mandat an Goldman Sachs zu vergeben, die im ersten Jahr schon einmal 15 Millionen Franken investieren dürfen. Aufgrund dieser Erfahrungen machte man sich mit vergleichsweise viel Aufwand mit Hedgefonds vertraut. Im März 2007 erfolgten erste Investments über zwei bereits verbundene Dienstleister, UBS und Partners Group.
Hedgefonds: Nicht so gut wie versprochen
Hubli sagt denn auch, dass man im April 2009 ein erstes Fazit über die Engagements ziehen möchte. Auch er sieht allerdings das Leistungsversprechen der Hedgefonds einer jederzeit positiven Performance als nicht erfüllt an. „Sie waren relativ gut, aber nicht so gut wie versprochen“, meint Hubli. Aktien hätten sich aber nicht besser entwickelt. Dennoch scheint er Hedgefonds weiterhin gewogen zu sein, auch wenn der Leistungsanspruch neu definiert werden müsse. Die Kasse könnte beispielsweise zwei weitere Jahre halten und beschliessen abzuwarten, meint er. Die noch ungesicherte Performance auf dem Kassenvermögen beträgt 2009 minus 18 Prozent. Hedgefonds und Private Equity liegen zwischen minus 10 und minus 12 Prozent, sagt Hubli. Das Volumen beträgt 76 beziehungsweise 82 Millionen Franken.
Erfahrung mit Private Equity, nicht aber mit Hedgefonds hat die Nest Sammelstiftung. Hedgefonds sind zwar mit zwei Prozent in der Strategie eingeplant, doch zu einem Investment ist es noch nicht gekommen, sagt Geschäftsführer Felix Pfeifer. Dies habe vor allem zwei Gründe. Zum einen ist die Umsetzung der von der Kasse gefahrenen Nachhaltigkeitsstrategie bei Hedgefonds noch nicht im Sinne der Verantwortlichen gelöst. Doch Pfeifer kann sich eine Lösung vorstellen, bei der eine Long-Short-Strategie innerhalb eines vorselektierten und den Nachhaltigkeitskriterien genügenden Aktienuniversums umgesetzt wird.
Ausbau geplant
Private-Equity-Anlagen hingegen haben in der Strategie vier Prozent Platz, derzeit werden rund drei Prozent genutzt. Ein Grossteil steckt in von Partners Group gemanagten Dachfonds, aber auch in direkt investierenden Fonds. Zudem bestehen zwei Beteiligungen an Limited Partnerships und eine weitere an der PK Rück. Im laufenden Jahr überlegt man sich den weiteren Ausbau der Private-Equity-Engagements, beispielsweise Cleantech wäre eine interessante Geschichte. Die Performance der Beteiligungen per Ende 2008 liegt noch nicht vor. Pfeifer glaubt aber nicht, dass hohe Verluste angefallen sind. Auch sonst ist das Vermögen von 660 Millionen Franken (Ende 2008) nicht allzu stark dezimiert worden – die Performance 2008 betrug minus 7,6 Prozent.
Die Pensionskasse der technischen Verbände (PTV) in Bern hat sich dagegen mit Private Equity gar nicht erst eingelassen. Die Anlageklasse wurde aus Risiko- und Intransparenzgründen nicht ins Portfolio aufgenommen, sagt Geschäftsführer Daniel Dürr. Dach-Hedgefonds liegen jedoch innerhalb des Möglichen, und die Zielgrösse im Portfolio beträgt laut Dürr immerhin 3 Prozent. Aufgrund der Verluste 2008 lautet der Bestand derzeit auf 2,4 Prozent bei einem Portfoliovolumen von 1,4 Milliarden Franken. 2005 begann die Kasse Dach-Hedgefonds zu kaufen. Die Performance war bis Ende 2007 gemäss Dürr nicht berauschend, aber immerhin befriedigend. 2008 schnitten die Fonds dagegen negativ ab, wenn auch nicht so schwach wie die gehaltenen Aktienbestände. Dürr betont aber, dass aufgrund der Versprechen der Fondsmanager gar keine negative Performance hätte anfallen dürfen, schon gar nicht über die Dauer von mehr als einem Jahr.
Lieber Rohstoffe
Nun stehen bei der PTV die Hedgefonds auf der Watchlist, und das wohl mit negativen Implikationen, wie Dürr durchblicken lässt. Als besondere Risiken, die zu einer Abkehr führen könnten, nennt er die mangelnde Liquidität, wenn zu viele andere Investoren aus den Vehikeln aussteigen. Teilweise wird offenbar der Fortbestand von Dach-Hedgefonds im PTV-Portfolio dadurch in Frage gestellt, dass zugrunde liegende Single-Hedgefonds aufgelöst wurden. Allerdings, so Dürr, hatte die Anlageklasse kein entscheidendes Gewicht in der Allokation, sondern stellte wie alternative Anlagen allgemein meistens ja eher eine „homöopathische Dosis“ dar. Im Bezug auf Rohstoff-Investments ist er deutlich positiver gestimmt als für Hedgefonds. Diese würden fundamental weniger in Frage gestellt.
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Georg Wessling, Harcourt Investment Consulting, Executive Director |
Auch Produktanbieter erleben ein je nach Kundengruppe gemischtes Feedback in Sachen Hedgefonds. Bei der Swiss Capital Group in Zürich berichtet Partner und Head Client Solutions Matthias Erb, dass sich Banken und Privatanleger deutlich von der Anlageklasse abwenden, institutionelle Anleger dagegen abwarten. „Dort erleben wir kaum einen Abfluss der Gelder“, sagt Erb. Unternehmen, Versicherungen und Stiftungen würden die Bestände halten. Erb rechnet aber damit, dass in Zukunft die Portfolios angepasst werden. Bisher sei oft zu undifferenziert in breit diversifizierte Multi-Strategie-Fonds investiert worden. Künftig würden Investoren eher auf klar differenzierbare Themen wie Distressed, CTA oder Market Neutral setzen und das mit spezialisierten Anbietern realisieren. Man werde auch eine Abkehr von mit Hedgefonds einhergehenden kapitalgeschützten Strukturen und Zertifikaten sehen.
Keine nennenswerten Neugelder für Hedgefonds
Nennenswerte Mittelzuflüsse gibt es aber auch bei den Institutionellen nicht, obwohl die für Hedgefonds vorgesehenen Portfolioquoten das zulassen würden. „Das Problem ist die Risikotragfähigkeit der Kassen“, stellt Erb fest. Wie er sagt, sehe man vereinzelt Umschichtungen aus Aktienbeständen in alternative Anlagen. Dann werden sogar Produkte gesucht, die eine Illiquiditätsprämie aufweisen. Schliesslich hätten Pensionskassen einen langen Anlagehorizont. Zudem würden vermehrt Produkte mit einer Volatilität zwischen 5 und 8 Prozent gesucht, wo bisher eine mit 2 bis 3 Prozent eher niedrige Range gefragt war. Beim von Swiss Capital Group verwalteten Gesamtanlagevermögen von rund 1,2 Milliarden US-Dollar stammen gegen 50 Prozent von Schweizer Pensionskassen. Bei Mandaten wurde je nach Strategie eine Performance zwischen null und minus 12 Prozent erzielt. Erb begründet das mit der Mischung aus Dachfonds in solchen Portfolios. Einzelne Strategien hingegen hätten Renditen von plus 15 Prozent (Global Macro mit CTA) bis minus 16 Prozent (Relative Value) generiert.
Von einem gemischten Feedback der betreuten Pensionskassen auf die Performance der Anlageprodukte berichtet Georg Wessling, Executive Director bei Harcourt Investment Consulting. „Die Kundenreaktionen zeigen eine gewisse Bandbreite“, sagt er. Manche Kassen Manager meinten, dass die Resultate in einem sehr schlechten Jahr doch recht gut seien und Hedgefonds damit ihre Berechtigung hätten. Andere würden die Produkte auf „Bewährung“ setzen.
Hedgefonds auf Bewährung
Die Performance der Harcourt-Produkte scheint sich dabei sehen lassen zu können. Insgesamt verwaltete man Mitte 2008 ein Volumen von 5,5 Milliarden Franken in Hedgefonds, davon zwei Drittel für Pensionskassen. Die Performance der verschiedenen Fonds lag per Ende 2008 zwischen null und minus 15 Prozent. Der mit 350 Millionen Franken Vermögen grösste Einzelfonds, der Vontobel Diversified Alpha Fund, kam laut Wessling auf einen Verlust von 8,5 Prozent. „Das dürfte etwa den Schnitt der Pensionskassengelder reflektieren“, meint der Manager. Er gibt zu, dass das Versprechen absoluter Performance nun doch nicht eingelöst wurde. Allerdings meint er, dass man beispielsweise bei Präsentationen auf Szenarien eingegangen sei, die das Investment-Versprechen gefährden würden. Und da hätte man bereits darauf hingewiesen, dass eine Liquiditätskrise ein solches Szenario sein könne.
Wessling zieht zwei Lehren aus der Krise. Zum einen gelte es das Exposure gegenüber Produkten mit hohem Leverage rasch zu reduzieren, wenn sich eine umfassende Krise des Finanzsystems anbahne. Denn die Liquiditätsknappheit führe dazu, dass sowohl Long- als auch Short-Positionen abgebaut werden müssten, wenn die Banken ihre Kreditvergabe einschränken und nicht mehr als Gegenpartei fungieren. Zweitens sei sichtbar, dass Hedgefonds-Manager oft in gleichen Themen aktiv seien. Anfang 2008 war das beispielsweise die vermutete Entkopplung der Emerging Markets von der schwachen Weltwirtschaft. Über alle Strategien hinweg konnte man sehen, dass dieses Thema besetzt wurde. Doch habe es nicht funktioniert, ebensowenig wie Rohstoffe. Wessling findet es deshalb wichtig, nicht nur ein oder zwei Hauptthemen im Portfolio zu haben.
Gerade wo sich eine Mehrheit der Branche engagiere, dort gelte es die Exponierung zu begrenzen.
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