Während sich die politischen Lager nach dem Entwurf des neuen Pensionskassengesetzes des Kantons Basel-Stadt formieren, setzt die Pensionskasse Basel-Stadt (PKBS) den eingeschlagenen Pfad der Internationalisierung der Kapitalanlage unbeirrt fort: Die erstmalige Investition in Rohstoffe – die regulatorischen Voraussetzungen dafür sind seit einem halben Jahr geschaffen – haben die Basler ebenso auf der Agenda wie ein Engagement in ausländische Immobilien. Für ausländische Immobilien wurde die strategische Zielquote von 0 auf 2,5 Prozent erhöht. Eine erste Tranche wird zur Zeit investiert, und zwar ausschliesslich in nicht börsenkotierte Anlagen. Ausländische Real Estate Investment Trusts, die 2005 so mancher deutschen Pensionseinrichtung wie etwa der knapp acht Milliarden Euro schweren Nordrheinischen Ärzteversorgung aus Düsseldorf die internationale Immobilienanlage versüsst hat, scheiden demnach aus. „Wie viele Schweizer Pensionskassen haben auch wir immer noch einen Home Bias bei der Kapitalanlage. Aber die PKBS wird den Internationalisierungspfad zwecks Diversifikation konsequent weiter gehen“, sagt Dieter Stohler, Direktor der PKBS und Vorstandsmitglied des Pensionskassenverbandes Asip.
Plädoyer für mehr Auslandanlagen
Die Voraussetzungen für eine zukunftsgerichtete Kapitalanlagepolitik bei der PKBS wurden mit einer neuen Anlageorganisation geschaffen, die in den vergangenen zwei Jahren implementiert wurde. In dem Zuge wurden auch die Vermögensverwaltungsmandate neu verteilt – allerdings waren laut Jahresbericht 2005 ausschliesslich Schweizer Vermögensverwalter eingeschaltet. Im Juni 2005 wurde die PKBS aus der Staatsverwaltung ausgegliedert und ein paritätisch mit Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern besetzter Verwaltungsrat installiert, der die langfristige Anlagestrategie und die taktischen Bandbreiten festlegt.
Zwar fühlt sich Stohler durch die gesetzlichen Anlagegrenzen in dem Internationalisierungsvorhaben nicht beeinträchtigt – dem Paragrafen 59 der Verordnung 2 zum BVG sei Dank. Dennoch plädiert er für eine Öffnung der gesetzlichen Quote für Auslandanlagen von derzeit maximal 30 auf mindestens 50 Prozent des Anlagevermögens. „Die notwendige internationale Öffnung Schweizer Pensionskassen muss sich auch in den Limiten niederschlagen – wenn solche Limiten überhaupt sein müssen“, sagt Stohler. Er setzt auf die Eigenverantwortlichkeit der Kassen, trotz der gegenwärtigen Attacken auf die zweite Säule: „Die Kassenreglemente dürfen dick sein. Aber die Bundesvorschriften, die über die Kassenreglemente gelten, sollten dünner werden.“
Vermögenserträge kompensieren Abfluss
Die derzeit 7,6 Milliarden Franken schwere Kapitalanlage wird laut Stohler weiter wachsen – auch ohne den Kapitalzuschuss in Höhe von circa 1,3 Milliarden, mit dem der Kanton Basel-Stadt die PKBS ausfinanzieren wird, sollte der aktuelle Gesetzesentwurf zum 1. Januar 2008 tatsächlich in Kraft treten (vergleiche auch Interview auf Seite 31). 2005 betrug der Nettoabfluss – Beitragseinnahmen abzüglich bezahlter Leistungen – 246 Millionen Franken, der Vermögensertrag wuchs jedoch vor allem dank der über 30prozentigen Aktienquote (Aktien Inland: 13,4 Prozent, Aktien Ausland 19,9 Prozent) per Ende 2005 um knapp 700 Millionen Franken. Das Ergebnis: Eine Gesamtperformance in Höhe von knapp zehn Prozent.
Auch nach einer Ausfinanzierung rechnet Stohler damit, dass das Anlagevermögen etwa in dem Ausmass wächst wie in den vergangenen Jahren, also um etwa zwei bis drei Prozent pro Jahr. Konkrete Investitionspläne gebe es für die zu erwartenden 1,3 Milliarden Franken zwar noch nicht, aber „die Anlagekommission hat schon signalisiert, dass die Summe problemlos auch im Rahmen der bestehenden Strategie angelegt werden kann“, so Stohler im Gespräch mit spn. Dafür ist auch der Einsatz von Absicherungsstrategien denkbar.
An Core-Satellite führt kein Weg vorbei
Aktive Anlageverwalter werden aber auch künftig nur sehr eingeschränkt eingesetzt. Seit zwei Jahren verfolgt die PKBS ihren Core-Satellite-Ansatz bei den Aktienanlagen konsequent – drei Viertel des Vermögens werden passiv, also indexnah, verwaltet. „Die Suche nach Alpha abzüglich der Kosten ist eine fragliche Übung, die sich in einzelnen Fällen und ineffizienten Märkten vielleicht auszahlt, oftmals und langfristig zu häufig aber nicht.“
Dass neben dem reinen Beta künftig bei der Festlegung der strategischen Anlagepolitik auch die Alpha-Ebene berücksichtigt wird, wie seit kurzem auch bei der grössten deutschen Versorgungseinrichtung, der Bayerischen Versorgungskammer, ist demnach kaum zu erwarten. Absolute-Return-Mandate hat die PKBS derzeit nicht vereinbart, ebenso wenig wie performanceabhängige Gebühren für aktive Verwalter. Das schliesst Stohler für die Zukunft aber nicht grundlegend aus. Ganz anders als Investitionen in Hedgefonds: Sie kommen auch künftig kaum in Frage. Der Grund: Ihre Intransparenz, gerade auch bei den Kosten. MRO
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