Schweizer Pensions- & Investmentnachrichten

Alfred Gantner

Das Glas ist auf jeden Fall halbvoll
Veröffentlicht am:  23. Februar 2009

Die Philosophie der Partners Group ist einfach: Erkenne das Potenzial des halbvollen Glases und beklage dich nicht über das halbleere. Oder anders ausgedrückt: Natürlich muss man derzeit als Investor mit Wertverlusten rechnen. Gleichwohl kann man von dem derzeitigen Ausverkaufstreiben auch enorm profitieren.

Fragen: Michael Lennert

Antworten: Alfred Gantner, Partners Group, CEO

Alfred Gantner ist ein Gründungspartner der Partners Group und Mitglied des Business Development Committees. Als Executive Chairman leitet er zudem die Geschäftsstrategie und -entwicklung. Als Mitglied des Private Equity Investment Committees war er für den Aufbau des Private-Equity-Geschäfts sowie eine grosse Anzahl von Private-Equity-Investitionen in Europa und den USA verantwortlich. Bevor Alfred Gantner Partners Group gründete, arbeitete er bei Goldman Sachs & Co., wo er nach Aufenthalten in New York und London am Aufbau des institutionellen Kundengeschäfts in der Schweiz beteiligt war. Er startete seine Karriere im Finanzsektor im Wertpapierhandel der Cantrade Privatbank (UBS) in Zürich und Genf. Gantner verfügt über einen MBA-Abschluss der Marriott School of Management der Brigham Young University.

spn: Herr Gantner, wie gut, oder wie schlecht, hat die Partners Group bisher die Finanzkrise gemeistert?

Alfred Gantner: Sicherlich war das vergangene Jahr ein sehr schwieriges Jahr, es war aber dennoch erfolgreich. Die Gründe hierfür liegen schlicht darin, dass es uns gelungen ist, den in Aussicht gestellten Neugeldzufluss zu realisieren. Dagegen wurde das gesetzte „Assets under Management”-Ziel verfehlt und die Prognose für 2009 entsprechend gesenkt. Gleichwohl halten wir aber an unserem Langfristziel fest.

spn: Und das heisst konkret?

Gantner: Konkret bedeutet dies, dass das verwaltete Vermögen per Ende 2008 mit 24,4 Milliarden Schweizer Franken rund eine Milliarde Franken unter der Zielsetzung lag und der Neugeldzufluss von 6,2 Milliarden Schweizer Franken – dies entspricht Zuflüssen von 32 Prozent im nicht kotierten Privatmarktbereich wie Private Equity, Private Debt, Private Real Estate und Private Infrastructure – vor allem durch negative Effekte im Währungsbereich sowie Abflüsse und eine negative Performance nahezu aufgezehrt wurde. Gleichwohl rechnen wir bis Ende dieses Jahres mit Assets under Management von 26 bis 29 Milliarden Schweizer Franken und einem Neugeldzufluss von rund 4 Milliarden. Zudem halten wir an unserem Langfristziel von 50 Milliarden Schweizer Franken bis zum Jahr 2012 fest. Allerdings ist dies mittlerweile aufgrund der Marktumstände ein anspruchsvolleres Ziel geworden.

spn: Sie sprechen eine negative Performance an. Wie hoch ist diese?

Gantner: Die Finanzkrise und die Marktturbulenzen im Jahr 2008 haben natürlich auch den Privatmarkt getroffen. Das heisst, die Portfolios verzeichneten per Jahresende Korrekturen des Nettoinventarwertes von rund 10 bis 15 Prozent. Zudem wissen unsere Kunden, dass dieses Jahr weitere Wertkorrekturen in der Grössenordnung von 15 bis 20 Prozent ihrer Portfolios zu erwarten sind.

spn: Welche Themen stehen bei Partners Group derzeit ganz oben auf der Agenda?

Gantner: Im Privatmarktbereich sind wir ganz nahe an der Wirtschaft. Das heisst, wir begleiten die Unternehmen auf Jahre hinaus und versuchen, die Firmen wettbewerbsfähiger, profitabler und grösser zu machen.

Deswegen müssen wir uns 2009, und sicherlich auch noch 2010, intensiv mit den Portfolios und den Bilanzstrukturen, vor allem der grossen Buy-outs der Jahre 2006 und 2007, auseinandersetzen. Wir sind in mehrere tausend Unternehmen rund um den Globus investiert und stellen in der Breite klare Bremsspuren bei Umsatz und Profitabilität fest.

spn: Besteht eine der Aufgaben dieses Jahres also darin zu retten, was zu retten ist?

Gantner: Nein, da haben Sie mich falsch verstanden. Obwohl es in einer Rezession zu Wertberichtigungen und in gewissen Fällen gar zu Abschreibern kommen wird, präsentiert sich unser breit diversifiziertes Portfolio in seiner Substanz solide. Nichtsdestotrotz bringt die ungeahnte Dimension des Einbruchs für Private-Equity-Investoren viel Arbeit bei den Portfoliounternehmen mit sich. Weiter gibt es derzeit auch unglaubliche Investitionsmöglichkeiten.

spn: Sehen Sie derzeit Anlagechancen bei Private Equity?

Gantner: Die Partners Group hat etwa noch rund sieben Milliarden Schweizer Franken in der Hinterhand, die in den nächsten zwei bis drei Jahren investiert werden können, so dass wir vom derzeitigen Ausverkaufstreiben auch ganz enorm profitieren können.

Beispielsweise ist bei uns momentan der Aufkauf von bestehenden Private Market Assets im Sekundärmarkt ein grosses Thema, da wir in der Lage sind, qualitativ hochstehende Private Market Assets zu signifikanten Abschlägen gegenüber dem Fair Market Value zu kaufen.

spn: Haben sich die Renditeerwartungen im Privatmarktbereich geändert?

Gantner: Grundsätzlich sehen wir uns nicht veranlasst, unsere Renditeerwartungen zu verändern. Wir sind sogar der Meinung, dass die Investitionen, die wir heute am Sekundärmarkt tätigen, wahrscheinlich zu den attraktivsten Renditen gehören werden, zu denen wir jemals investiert haben.

Eine andere Frage ist natürlich, ob sich die kurzfristige Renditeentwicklung, vor allem für die Anlagejahre 2006 oder 2007, verändert hat. Hier lautet die Antwort: Natürlich. Denn speziell für diese Jahre werden insbesondere die Anlagen im Large- und Mega-Large-Buy-out-Bereich enttäuschen.

spn: Sie sprachen die grossen Private Equity Deals an. Die Anzahl der grossen Deals ist ja merklich zurückgegangen …

Gantner: Das haben Sie ja diplomatisch ausgedrückt. Die Anzahl der grossen Deals ist nicht nur zurückgegangen, die Anzahl liegt faktisch bei null, da es zurzeit praktisch keine Fremdfinanzierung gibt.

spn: Fremdfinanzierung ist ein gutes Stichwort: Wie trifft das sogenannte Deleveraging Ihre Branche?

Gantner: Es gibt immer Zyklen, und natürlich wird auch der Debt-Markt wieder zurückkommen. Denn der ist für das Funktionieren einer Volkswirtschaft notwendig.

Jetzt natürlich, in 2009, werden die Themen für Neuinvestitionen primär Turnaround-Situationen und Distressed Sellers sein. Zudem werden wir voraussichtlich auch in eine Reihe von Public-to-Private Deals investieren. Denn gerade unter den Small und Mid Caps sind die Bewertungen teilweise unglaublich tief, da nicht wenige Gesellschaften zum Wert ihrer Barmittel gehandelt werden. Das sind alles Transaktionen, die grösstenteils mit Equity finanziert werden können. Diese Situationen wollen wir ausnutzen, mit dem Ergebnis, dass wir derzeit mehr Gelder investieren als etwa im Top-Zyklus des Marktes.

spn: Wie beurteilen Sie derzeit generell die Situation und das Image von Private-Equity-Investoren, Stichwort Heuschrecken?

Gantner: Sicherlich wurde und wird darüber viel gesprochen und geschrieben, insbesondere auch über das Etikett, das Herr Müntefering den Private-Equity-Investoren gegeben hat. Ich glaube allerdings nicht, dass dies ein Massstab ist. Sehen Sie, ich habe nicht die Wahrnehmung, dass Private Equity ein schlechtes Image hat. Wir haben weltweit rund 400 Kunden, bei denen hat Private Equity sogar einen hervorragenden Ruf.

spn: Wie nehmen Sie selber Private Equity wahr?

Gantner: Wenn Leute über Private Equity sprechen, dann sprechen sie über Large- und Mega-Large-Buy-out-Transaktionen und assoziieren grosse Übernahmen mit hohem Leverage und Risiko.

Das ist jedoch nicht das klassische Handwerk von Venture Capital und Private Equity. Das klassische Handwerk von Private Equity liegt im Wachstums-, im Small- und Mid-Cap-Bereich, ist hemdärmlig und dreht sich um aktives Business Development und darum, über vier, fünf oder sechs Jahre, also über einen ganzen Zyklus, eine bessere Firma aufzustellen. Sicherlich stimmt es: Leverage ist ein Teil der Renditequelle, aber eben nur ein Teil der notwendigen Wertschöpfung. Genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen – und zwar zwischen reinen Finanzingenieuren und den wirklichen Business Buildern.

spn: Und Sie gehören zu den Business Buildern?

Gantner: Die Partners Group und unsere Investitionspartner haben den Anspruch, wertschöpfende Investoren zu sein mit dem Ziel, eine nachhaltige Unternehmensentwicklung zu erreichen. Beispielsweise sind die Portfolios der Partners Group lediglich mit rund sieben Prozent des gesamten Vermögens in grosse, beziehungsweise sehr grosse Transaktionen der Jahre 2006/2007 investiert.

spn: Mit wie viel Rendite kann ein Investor im Banne der Finanzkrise noch rechnen?

Gantner: Über den Zyklus hinweg glaube ich, dass immer noch Renditen von 15 Prozent realistisch sind. Unsere Renditen in früheren Zyklen waren deutlich höher. Natürlich gibt es auch Konkurrenten, die das Ganze noch einmal auf Portfoliostruktur hochleveragen. Davor haben wir immer gewarnt, denn es steckt bereits genügend Leverage in den Zielfirmen. Dass zu viel schaden kann, wird zurzeit auf eindrückliche Weise demonstriert.

spn: Das hört sich ja fast so an, als wären Sie von der Finanzkrise kaum tangiert?

Gantner: Natürlich ist es für unsere Kunden und auch für uns als Mitinvestoren schmerzhaft, wenn wir in dieser Rezession beim inneren Wert der Portfolios mit Wertverlusten in der Grössenordnung von 25 bis 35 Prozent rechnen müssen. Das tut weh, keine Frage. Wir korrelieren eben nun mal mit der Realwirtschaft. Gleichwohl ist das nur die eine Seite. Auf der anderen Seite investieren unsere Investoren ja nicht nur in einem Jahr, sondern die Portfolios werden über fünf, sechs oder sieben Jahre aufgebaut. Mit der Folge, dass die Investoren, die heute noch kaufen können, von den gleichen Problemen, also dieser enormen Wirtschaftskrise und dem Finanzmarktstress, auch ganz besonders profitieren können. So erkennen wir das Potenzial des halbvollen Glases und beklagen uns nicht über das halbleere.

spn: Themenwechsel. Wie beurteilen Sie den Stellenwert von alternativen Anlagen in den Portfolios von Schweizer institutionellen Investoren?

Gantner: Sie haben einen wichtigen Stellenwert. Beispielsweise empfehlen wir unseren Kunden eine Beimischung von fünf bis zehn Prozent in Private-Equity-Anlagen sowie weitere fünf bis zehn Prozent für Private Debt, Private Real Estate und Private Infrastructure, wobei jede Private-Market-Anlageklasse professionell verwaltet und breit diversifiziert werden soll. Und in diese Richtung bewegt es sich auch.

spn: Wie beurteilen Sie die Untersektoren?

Gantner: Neu entdeckt werden derzeit sicher Private Infrastructure und Private Real Estate. Zudem sehe ich ganz klar, dass sich viele Leute die Frage stellen, wie es im Hedgefonds-Bereich weitergehen wird.

spn: Interessant. Doch bevor eine Frage zu Hedgefonds kommt, noch eine andere: Etliche Experten priesen die Beimischung von alternativen Anlagen mit dem Argument, dass diese wenig, gar nicht oder sogar negativ mit anderen Asset-Klassen korrelieren. Doch so ganz scheint diese Rechnung nicht aufgegangen zu sein.

Gantner: Ein Problem dabei ist, dass die alternativen Anlagen alle in einen Topf geworfen werden. So wurden etwa Hedgefonds, die ein Absolute-Return-Ziel verfolgen, oft mit Private Equity gleichgestellt. Das ist natürlich falsch. Wir sagen seit vielen Jahren, Private Equity ist mit der Realwirtschaft korreliert, obwohl der Aktienmarkt als vorauslaufender Indikator die Bewertungskorrektur um circa neun Monate vorwegnimmt. Wer sagt, Private Equity sei nicht mit der Realwirtschaft korreliert, macht sich etwas vor.

spn: Und Ihr Statement zu Hedgefonds?

Gantner: Hedgefonds haben sicherlich über viele Jahre solide Absolute-Return-nahe Charakteristika demonstriert. Doch mittlerweile haben sich meiner Ansicht nach zwei Dinge verändert: Mit den immer grösser werdenden Mittelzuflüssen wurde zum einen das Alpha immer kleiner. Zum anderen haben sich die Finanzmärkte dahingehend verändert, dass die Risikoprämien – nicht nur der traditionellen, sondern auch der alternativen Anlagen – heute viel stärker korrelieren als früher. Das ist empirisch messbar und wird auch dazu führen, dass die Hedgefonds, die überleben, sich drastisch verändern werden. Beispielsweise werden diese wesentlich weniger Liquidität offerieren – zu tieferen Gebühren wohl auch. Unsere Antwort auf diese Veränderungen sind kürzerfristige, breit diversifizierte Private-Market-Anlagen unter Einschluss von Hedgefonds-Replikationsstragien (Alternative-Beta-Strategien).

spn: Welche Schlüsse ziehen Sie daraus?

Gantner: Meiner Ansicht nach müssen Investoren einerseits lernen, dass traditionelle Hedgefonds-Strategien zwar den Zugang zu interessanten, erstrebenswerten Risikoprämien darstellen. Dies sollte jedoch nicht aus reinen Absolute-Return-Überlegungen gemacht werden. Andererseits sehen wir, dass Hedgefonds-Manager immer mehr aus den traditionellen Anlagestrategien ausbrechen, um sich immer mehr in illiquide Assets vorzuwagen. Im illiquiden Anlagesegment kann die Wertschöpfung jedoch per Definition nicht mehr im Market Timing, sondern muss hauptsächlich im Business Building gründen. Deswegen bin ich auch überzeugt, dass hierbei Private Equity aus der Konkurrenz zu Hedgefonds gestärkt hervorgehen wird. Der erfahrene, langfristig denkende Private-Equity-Manager hat mit seinen zwölfjährigen Investitionsvehikeln einen massgeblichen Vorteil.

spn: Welche Lehren haben Sie aus der Finanzkrise gezogen?

Gantner: Viele, beispielsweise die, dass wir heute alle gescheiter sind. Nein, Spass beiseite, wir haben bereits 2005 gewarnt – „the fool is sitting in the debt market“. Es war offensichtlich, dass das Risiko nicht mehr ausreichend bezahlt wurde. Die Fehleinschätzung lag jedoch darin, dass wir glaubten, davon fast nur profitieren zu können. Jetzt jedoch erleben wir, dass diese signifikante Rezession und die laxe Kreditvergabepolitik genügten, um auch grosse, an und für sich gesunde Unternehmen ins Wanken zu bringen. Da muss Private Equity natürlich auch eine Mitverantwortung übernehmen. Der Grund: Mittlerweile stehen auch Firmen und somit Arbeitsplätze im Risiko, die in der Retrospektive unvernünftig hoch verschuldet wurden. Das muss man heute eingestehen. Nichtsdestotrotz möchte ich mich dagegen verwahren, dass dies ein Breitenphänomen ist. Viele Private-Equity-Transaktionen und -Beteiligungen sind auch heute noch sehr solide finanziert und werden die Krise meistern.





Privacy Policy
Terms and Conditions

Mailing address: Financial Times Ltd, Number One Southwark Bridge, London, SE1 9HL, United Kingdom

© The Financial Times Limited 2010