„Zur Weihnacht zeigt die Welt sich immer so, wie sie sein könnte, wenn es die anderen 364 Tage im Jahr nicht gäbe“, formulierte der Aphoristiker und Publizist Willy Meurer sehr treffend.
Leider gab es auch dieses Jahr die anderen 364 Tage, die sich so gar nicht nach Weihnachten angefühlt haben. Und mit grosser Wahrscheinlichkeit wird sich die Welt auch an vielen der 365 Tage des Jahres 2009 so zeigen, als gäbe es kein Weihnachten.
Doch Träumen muss erlaubt bleiben – auch mir als Finanzredaktor, für den der berufliche Alltag 2008 ebenfalls mehr nackte Realität als Wunschtraum war und der wie viele bangt, dass auch 2009 wenig an Weihnachten erinnern wird.
Meine Weihnachtsträume könnten deswegen so aussehen:
Barack Obama führt den Amerikanern erfolgreich vor Augen, dass es ein Irrweg ist, andauernd über die eigenen Verhältnisse zu leben.
Die Europäer lassen sich von dem wieder gestärkten Optimismus der Amerikaner anstecken und bekämpfen die Finanzkrise gemeinsam an ihren Wurzeln.
Die Verantwortlichen der Pensionskassen geraten nicht in Panik ob der entstandenen Unterdeckung etlicher Kassen. Denn Pensionskassen sind für die Ewigkeit konzipiert, und genauso werden sie auch behandelt.
Banker, Politiker und Aufsichtsbehörden setzen sich gemeinsam an einen Tisch, um über die Auswüchse von Gier und Angst, ihre eigene Verantwortung und neu zu schaffendes Vertrauen zu diskutieren. Resultat sind klare Verhaltensregeln, die von harten Sanktionen bei Verstössen flankiert werden; es bleibt also nicht bei leeren Worthülsen und reinen Absichtserklärungen.
Und nicht zu vergessen meine Wunsch-Schlagzeilen für 2009: „Finanzkrise endlich zu Ende“, „Mögliche Depression wohl kein Thema mehr“, „Rezession schlägt nur kurzfristig auf Realwirtschaft durch“, „Banken vertrauen sich wieder“, „Weltwirtschaft vor erneutem Aufschwung“, „Zentralbanken erhöhen Zinsen“, „Strukturierte Produkte ganz vom Markt verschwunden“, „Amerikaner mit 10 Prozent Sparquote“, „Banker bekennen sich zu sozialer Verantwortung“, „UBS und CS erneut auf Erfolgsspur” ...
Zurück zum Weihnachtsmärchen von Meurer: Sicherlich zeigt die Welt sich nicht immer so, wie sie sein könnte. Doch Weihnachtsträume können in Erfüllung gehen – jedenfalls ein Teil von ihnen.
Deswegen: Frohe Weihnachten allerseits und die Zuversicht, dass sich die Welt 2009 an viel mehr Tagen so zeigt, wie sie sein könnte!
- Konrad Hummler, Wegelin
- Aktives versus passives Asset Management
- Mit der Lizenz zum Geldverdienen
- Nur eine von zehn Pensionskassen ist risikofähig
- Wo die Jungen die Alten subventionieren
- Michael Brandenberger
- Vertrauen wieder herstellen
- Risikomanagement
- Pensionskassen 2010: Vorerst auf Kurs
- Wettbewerb mit freundlicher Unterstützung des Staates



