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Professor Cuno Pümpin |
Könnten die schweizerischen Pensionskassen ihre Anlagerenditen nur schon um 1,5 bis 2 Prozent steigern, würden sich die mühseligen Diskussionen um die Mindestverzinsung und den Umwandlungssatz erübrigen, ist der emeritierte Sankt Galler Management-Professor Cuno Pümpin überzeugt. In den Medien und speziell bei privaten professionellen Investoren haben die neuen Ansätze Pümpins (Cuno Pümpin/Maurice Pedergnana, Strategisches Investment Management, Haupt-Verlag 2008) bereits grosse Beachtung gefunden. Die Pensionskassenbranche dagegen hat bisher kaum reagiert.
Finanzierung zunehmend ungewiss
„Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um meinen Schlaf gebracht.“ Heinrich Heines berühmteste Gedichtzeile lässt sich eins zu eins auch auf das schweizerische Vorsorgesystem anwenden.
Kein schlechter Zeitpunkt also, um sich grundsätzliche Gedanken über die Zukunft des helvetischen Vorsorgesystems zu machen, findet der emeritierte Sankt Galler Professor. Dies speziell in Anbetracht der Tatsache, dass schon relativ geringe Fortschritte bei der Anlage der Pensionskassengelder genügten, um wegen der steigenden Vorsorgerisiken nicht mehr um den Schlaf gebracht zu werden.
Gute Investoren können es
„Kann die aktuelle Rendite der Pensionskassenanlagen auch nur um 1,5 bis 2 Prozent erhöht werden, so wäre die Finanzierung der Altersvorsorge weitgehend gewährleistet“, ist Pümpin überzeugt. Und durchschnittliche jährliche Renditen von 6 bis 8 Prozent sollten für Vorsorgeeinrichtungen bei einer richtigen Strategie eigentlich problemlos zu erreichen sein.
Und in der Tat: Hervorragende Investoren können auch wesentlich mehr erreichen. Als konkrete Beispiele dafür kann der Sankt Galler Management-Lehrer nicht nur auf die immer wieder zitierten Fonds der US-Spitzenuniversitäten wie Harvard oder Yale zurückgreifen: „Es sind mir in der Schweiz und in Deutschland durchaus Family Offices und private Investoren bekannt, die mit ähnlichem Erfolg nach dem Konzept des strategischen Investment Managements investieren“, sagt Pümpin. Aus nachvollziehbaren Gründen wollten die meisten davon leider nicht namentlich genannt werden. „Schon bestens bekannt sind immerhin vorbildliche Beispiele unternehmerischer Investoren, etwa Klaus Jacobs, Giorgio Behr (Direktinvestments) oder Walter Hauenstein (Immobilien), die ein dem strategischen Investment Management entsprechendes Konzept umgesetzt haben.“
Pensionskassen haben noch kaum reagiert
Die Pensionskassenbranche hat von Pümpins Vorschlägen, wie langfristig nachhaltige Wertsteigerungen erzielt werden können, jedoch noch kaum Kenntnis genommen. „Ja, ich fühle mich schon etwas als Rufer in der Wüste“, bedauert der Sankt Galler Management- und Investment-Experte. Auch von den Gewerkschaften oder den Versicherten selber sei ein Echo auf die seit Mitte Jahr im Buch „Strategisches Investment Management“ vorliegenden Ideen bisher ausgeblieben.
Pümpin kritisiert speziell die in der aktuellen Anlagepraxis zugrunde liegende Kapitalmarkttheorie. Diese habe sich im Hinblick auf eine wirkungsvolle Investment-Strategie schlicht als untauglich erwiesen. „Mit ihr wurden sowohl in Bezug auf die Performance als auch hinsichtlich des Risikos unbefriedigende Resultate erzielt“, hält Pümpin fest. Ein zentraler Grund liege darin, dass die Kapitalmarkttheorie versuche, die Kapitalanlage mittels mathematischer Optimierung zu steuern. Bei diesem Vorgehen würden die wichtigen Erkenntnisse der Strategielehre völlig ausgeklammert.
„Investoren, die ihre Performance nachhaltig verbessern wollen, brauchen einen neuen, ganzheitlichen Ansatz. Dieser muss auch die Erkenntnisse der Strategielehre und der Innovationsforschung einbeziehen“, erklärt Pümpin. „Ganz offensichtlich, eine Anlagestrategie, die die Schwergewichte auf Asset-Klassen mit intensivem Wettbewerb legt, wie dies bei Obligationen und Blue-Chip-Aktien der Fall ist, wird bestenfalls durchschnittliche Ergebnisse bringen.”
Strategie des Wettbewerbvorteils
Erfolgreiches Investieren erfordert nach den Worten Pümpins vielmehr ein strategisch richtiges Vorgehen gegenüber den Mitbewerbern. In Wettbewerbssituationen habe derjenige Akteur Erfolg, der gegenüber seinen Mitspielern Wettbewerbsvorteile aufbauen könne. „Es geht somit darum, durch besseres Wissen und bessere Investment-Fähigkeiten im Vergleich zu den anderen Akteuren erfolgsversprechendere Investment-Entscheide zu treffen; dies, indem etwa aussichtsreiche Innovationen vor den Wettbewerbern erkannt werden.“
Dabei könnten Beziehungsnetzwerke wesentlich zum Erfolg beitragen.
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