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Thomas Zeier, Luzerner Pensionskasse, Geschäfts |
Die Luzerner Pensionskasse (LUPK) sieht im Jahr 2009 Chancen wenn überhaupt, dann eher bei vergleichsweise traditionellen Anlagekategorien wie etwa Hypothekendarlehen. Geschäftsführer Thomas Zeier und Leiter Anlagepolitik Heinz Achermann reagieren auf die Frage nach den Chancen zwar zunächst mit einer kleinen Denkpause, das ist aber beim aktuellen Marktgeschehen keineswegs überraschend. „Wir haben keine Anlagekategorie, die wir speziell favorisieren und übergewichten“, sagt Achermann. Die Hypotheken aber dürften auch nächstes Jahr gut laufen. Bei Aktien erwartet man nach den jüngsten Marktverwerfungen keine Wunder mehr. Auch wenn sich die Märkte beruhigen sollten, wird man 2009 die Niveaus von Mitte 2007 wohl nicht mehr erleben.
Allerdings haben die zwei Geschäftsleitungsmitglieder vor, auch mit einigen ganz konkreten und tief greifenden Massnahmen auf die Ereignisse rund um Subprime&Co. zu reagieren. Grundlegend plant man eine Rückkehr zu mehr traditionellen Anlagen und eine konzentriertere eigene Prüfung von Direktanlagen. Strukturierte Produkte und Hedgefonds sind vorderhand nicht mehr Mittel der Wahl im Kampf um die notwendige Rendite. „Wir werden die Chancen nicht in Blackbox-Produkten suchen“, stellt Achermann fest. Die Kasse ist Mitte September mit rund 95 (Ende 2007: 105,5) Prozent Deckungsgrad in eine Unterdeckung geraten, die Risikofähigkeit somit stark eingeschränkt. „Wir haben derzeit wohl etwas Schräglage, aber es läuft kein Wasser ins Boot”, sagt es Achermann sportlich.
Kontrolle statt Vertrauen
Zu den Investment-Risiken rechnet Achermann ausserdem nicht mehr nur die Volatilität, sondern nun auch Bonität und Ausfallrisiken. Um diese zuverlässig und zeitnah beurteilen zu können, will er sich künftig nicht mehr allein auf das Urteil der grossen Rating-Agenturen verlassen. Die LUPK erwägt deshalb, künftig mit eigenem Personal vertieftes Research als Grundlage für Anlageentscheide zu betreiben. „Wir möchten uns künftig selbst ein Bild von den Risiken unserer Investments machen“, so Achermann. Die externen Ratings sollen dann nur noch Hinweise, aber keine Entscheidungsgrundlage mehr sein.
Im auslaufenden Jahr hat die LUPK allerdings noch an ihrer erst 2007 neu adjustierten Anlagestrategie festgehalten. Deshalb mussten bei Kurskorrekturen in nennenswertem Umfang Aktien zugekauft werden, um die taktische Untergrenze von 20 Prozent nicht zu unterschreiten. Ende 2007 bestand das Portfolio zu 21,5 Prozent aus Dividendenpapieren, während die Strategie 25 Prozent verlangt und bis zu 30 Prozent ermöglicht. Achermann schätzt die bis Mitte Oktober in den Aktienanteil investierten Mittel auf rund 100 Millionen Franken. Diese wurden teils auch aus dem Obligationenportfolio zurückfliessenden Mitteln finanziert. Der Anlageprozess folgt einem Core-Satellite-Ansatz mit Gewichtung 80:20. Den Core bilden bei den Aktien Index-ETFs, als Satelliten nutzt man Fonds oder Stiftungsprodukte beispielsweise auf Small Caps oder Branchen. Einzeltitel kauft die Kasse nicht.
Weniger Oblis, mehr Hypotheken
Auch bei den Obligationen konnte ein Absinken der Quote beobachtet werden, doch entspricht dieses den strategischen Vorgaben. Die Strategie sieht langfristig einen Anteil von 35 Prozent vor. Der Oblianteil ging von 42,5 Prozent Ende 2007 auf 40,3 Prozent Mitte Oktober 2008 zurück. Im festverzinslichen Bereich erwarb man tendenziell kurz-laufende Anleihen.
Wachstum verzeichneten dagegen die Hypotheken – bereits eingangs als einer der Hoffnungsträger für das neue Jahr genannt, und wohl auch eine Möglichkeit vom (zu) starken Schweizer Immobilienmarkt zu partizipieren. Der Anteil ging hier im Jahresverlauf 2008 von 9,1 auf 10,3 Prozent nach oben, obwohl die langfristige Strategie „nur“ 8,0 Prozent vorsieht. Die Quote der alternativen Anlagen blieb mit 6,2 nach 6,0 Prozent vergleichsweise stabil. Hier kann man wohl eine gewisse Vorsicht gegenüber der Strategie feststellen, die auf lange Sicht eine Quote von 10 Prozent verlangt und zwischen 5 und 12 Prozent zulässt.
Gute alte Immobilien
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Heinz Achermann, Luzerner Pensionskasse, Leiter Anla |
Deutlich stärker als vorgesehen sind die in Immobilien investierten Mittel gewachsen. Ihr Anteil im Portfolio legte auf 22,8 Prozent im Oktober zu, nachdem es Ende 2007 erst 20,7 Prozent waren. Die Strategie erwartet hier die Zahl „22“ bei einer taktischen Bandbreite von 15 bis 25 Prozent. Bei den Bestandsimmobilien hat laut Zeier rund ein Drittel derselben noch Investitionspotenzial. Dieses wird mit Renovationsprojekten ausgeschöpft, mit teils tief greifenden Umbauten. Dabei geht es bis hin zum Verändern von Grundrissen. Am Ende steht die höherwertige Neupositionierung der ganzen Liegenschaft. Zum Einsatz kommen nach Möglichkeit auch erneuerbare Energien, oft in Form von Solarpanels. „Es gibt bei uns keine Pinselrenovationen“, schmunzelt Zeier. Vor allem werden mögliche Energiesparmassnahmen bei der Pensionskasse konsequent umgesetzt.
Bei Neuengagements spürt man jedoch auch den engen Schweizer Markt. Im laufenden Jahr konnte man sich ein Projekt in Ebikon sichern und ist in Verhandlungen für den Erwerb eines Objektes in der Zürcher Agglomeration. Hierbei handelt es sich um eine gemischt genutzte Liegenschaft mit einem Investitionsvolumen von rund 50 Millionen Franken. Mangels Alternativen fliesst auch Geld in Fonds, die ausländische Büroimmobilien halten. Zeier qualifiziert die indirekten Immobilienanlagen aber eher als „Übergangslösungen“. Am liebsten hätte er attraktive Wohnliegenschaften im Kanton Luzern.
Während die Kasse alle Investitionsentscheide inhouse fällt, wurde der UBS vor zwei Jahren das Amt eines Global Custodian übertragen und damit einiges an administrativer Backoffice-Arbeit ausgelagert, die bisher von der Kassenverwaltung selbst erledigt worden war. Mit den Resultaten zeigt man sich sehr zufrieden. Eine spezielle Anlageberatung ist im Rahmen des Global Custody nicht eingeschlossen. Kostenpflichtige Beratungsdienstleistungen in Form von Mandaten nutzt die Kasse nicht, dennoch besteht ein reger Informationsaustausch zwischen ihren Entscheidungsträgern und verschiedenen Finanzinstituten. Besonders kleinere Firmen sind, so Zeier, in der Vergangenheit positiv aufgefallen. Bei diesen bestehe oft eine klare Interessenlage bezüglich der Vergütung. Man verdiene am Beratungshonorar und nicht an Retrozessionen oder Produktgebühren. „Je transparenter und offener, desto besser“, resümiert Zeier. Besonders gern sieht er spezialisierte Anbieter, mit einer klaren, transparenten Vergütungsstruktur.
Mandatsträger, tummelt euch!
Die LUPK hat zurzeit fünf Verwaltungsmandate an verschiedene Finanzdienstleister vergeben. Im kommenden Jahr könnte es in dieser Gruppe zu zwei Wechseln kommen. Dies zeichnet sich einerseits für das Mandat „Aktien Europa“ ab. Offenbar liegt die Performance nur noch am Rand des Tolerierbaren. Ein weiterer Mandatswechsel wird bei einem Strategiemandat diskutiert. Dieses verlangt die Erwirtschaftung eines Ertrags von „Inflation plus 3,5 Prozent“, wobei das Endergebnis jeden Jahres der Ausgangspunkt für das neue Jahr ist. Somit führt auch eine Nullrunde zu einer Minus Performance. Derzeit hat die LUPK zwei solche Mandate vergeben, deren Volumen 30 und 50 Millionen Franken betragen. Zu „Schnellschüssen“ bei Mandaten tendiert die LUPK nicht. Zeier betont, dass man einem Mandatsträger durchschnittlich drei Jahre Zeit gebe, seine versprochenen Leistungen nachweislich zu erbringen.
Zu den bisherigen Ertragsentwicklungen aller Anlageklassen wollten die Kassenexponenten keine Angaben machen. Vergangenes Jahr rentierte das Portfolio gesamthaft mit 2,9 Prozent. Von der definierten neuen Strategie verspricht man sich im mittelfristigen Schnitt aber eine Jahresrendite von knapp 5 Prozent. Doch schon der Geschäftsbericht 2007 hält fest, dass es an der nötigen Wertschwankungsreserve fehle, um die Vorgaben für die Asset Allocation verzögerungsfrei umzusetzen. Die Entwicklungen des laufenden Jahres dürften deshalb wohl der Auftakt zu einer grösseren Warteschleife sein.
Digital und online
Die strategischen Topthemen der LUPK abseits der Kapitalmärkte sind typisch für die Pensionskassenwelt: alternde Bevölkerung, Entwicklung der Beitragszahlungen, Umwandlungssatz. Derzeit hat die Kasse 18.000 Versicherte und 4.500 Rentner. Das Verhältnis dürfte in Zukunft in die falsche Richtung laufen. Bisher wurden die höheren Mittelbedürfnisse für die steigende Lebenserwartung über Erträge aufgefangen, doch diese Quelle präsentiert sich zunehmend „verstopft“, meint Thomas Zeier. Die Versicherten sind indessen noch nicht übermässig beunruhigt über die Lage ihrer Kasse und haben nach wie vor Vertrauen in das System der Pensionskassen. Zeier bestätigt aber, dass Anfragen zur Lage der LUPK seit der Finanzkrise zunehmen.
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