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Michael Lennert, Redaktor |
„Das Restrisiko ist das Risiko, das einem den Rest gibt“, formulierte der belgische Politiker Pierre Chevalier treffend.
Ob sich die Käufer und Anbieter von strukturierten Produkten über die Restrisiken dieser Produkte Gedanken gemacht haben, kann man freilich getrost anzweifeln.
Also über Konstruktionen, die über sogenannte Special Purpose Vehicles in illiquide, kaum handel- und bewertbare Underlyings investieren, diese über mehrere komplexe Rechtsstufen verpacken, um sie dann weiterzuverkaufen.
Doch warum sollte man sich darüber auch Gedanken machen. Steckt dahinter nicht eine sinnvolle Idee? Die Idee, durch das breite Streuen von Kreditrisiken eine sinnvoll diversifizierte Rendite zu generieren. Ein Bemühen also, welches auf jeden Fall zu begrüssen ist.
Aber auch ein Spiel, welches nicht aufging. Doch woran lag das? Etwa daran, dass sich Investoren immer noch zu einseitig auf Risikomodelle verlassen, die Szenarien sogar noch beschleunigen, indem sie etwa bei Kursstürzen unisono zu einem Abbau der Positionen raten. Und gerade damit ein Herdenverhalten auslösen, welches zu mangelnder Liquidität führen kann.
Oder an dem nach wie vor verbreiteten Glauben daran, dass Risiken normalverteilt sind? Obwohl mittlerweile Konsens darüber besteht, dass gerade Extremereignisse nicht normalverteilt sind.
Fehlt es bei vielen Investoren also immer noch an einem ausreichenden Bewusstsein für die Krisenanfälligkeit von Risikomodellen? „Möglicherweise hat man zwar Extremausschläge modelliert. Aber man hat der fehlenden Liquidität nicht Rechnung getragen. Das ist eine der Hauptschwierigkeiten. Niemand sah voraus, dass es mangels Liquidität unmöglich geworden ist, aus Risiken auszusteigen“, erklärt hierzu Dominique Ammann, Partner bei PPCmetrics, in der Rubrik „Im Gespräch“ gegenüber spn.
Deswegen: Gefordert sind Produkte, die ihre Risiken transparent machen, und zwar bis zum letzten Winkel ihrer Konstruktion. Doch nicht nur das. Risiko muss auch wieder bewert-, handelbar und liquide sein. Das ist es indes nur, wenn Risiko wieder einen Preis hat. Und zwar einen Preis, den jeder kennt!
Aber nochmals zurück zum Begriff des Restrisikos. Ja, es gibt Risiken, die einzugehen man sich nicht leisten kann. Es gibt aber auch Risiken, die nicht einzugehen man sich nicht leisten kann: etwa das Risiko, das Restrisiko nicht zu berücksichtigen - denn dies kann einem auf jeden Fall den Rest geben.
Herzlichst, Ihr
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