SMI und SPI liefern derzeit den Stoff, aus dem die Alpträume der Anleger sind. Ganz anders sieht es bei den sogenannten Nebenwerten aus. Deren Referenzindizes sind nicht nur weit höher geklettert als die grossen Brüder, sie zeigen auch weniger Abwärtsdrang. Beispielsweise hat der von der Börse Bern errechnete Börsenindex für Regionalwerte BIRW den SPI seit Mitte 2007 deutlich abgehängt (vergleiche auch Abbildung).
Die von der „normalen“ Börsenwelt abweichenden Charakteristika haben mittlerweile auch Philipp Lütolf vom Institut für Finanzdienstleistungen Zug auf den Plan gerufen. In einer Studie über das Verhalten von OTC-Titeln fand der Finanzwissenschaftler heraus, dass diese zwischen Januar 2000 und August 2007 nicht nur eine eklatant bessere Performance als kotierte Aktien erzielten, sondern auch in für kotierte Titel schlechten Zeiten wesentlich weniger nachgaben. Als Gründe machte er unter anderem die starke Inlandorientierung der erfassten Firmen aus. Die oftmals monierte geringe Liquidität der Titel hat sich zudem deutlich verbessert, stellt aber dennoch den grössten Risikofaktor bei Investments dar.

Trotz dieser ermutigenden Fakten sind die nicht kotierten Valoren nur in geringem Umfang Ziel von Pensionskassen-Investments. Im Weg stehen vor allem die Statuten, sagt Albert Lussi von WHP aus Stans. Wie vielen schweizerischen PKs die Welt der Nebenwerte per Dekret verschlossen ist – wahrscheinlich seien diese Zahlen nie erhoben worden.
Mehrheitlich vorsichtige Kassen
Dabei sind einige Branchen, beispielsweise Casinos, vorrangig über nicht kotierte Aktien zugänglich. So muss Nebenwert-Mandatsverwalter Lussi regelmässig Überzeugungsarbeit leisten. „Wenn man sieht, wie einfach die Türen für Private Equity aufgingen, müssten es Nebenwerte einfacher haben“, resümiert er. Alternativen zum Direktengagement gibt es kaum. Aufzuführen wäre lediglich die SWX-kotierte Nebenwerte Beteiligungs AG (nebag). Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren ist, dürfte aber in absehbarer Zeit auch die BEKB zusammen mit State Street ein Nebenwerte-Vehikel für institutionelle Anleger lancieren.
Wie restriktiv Pensionskassen bei Nebenwerten vorgehen, zeigt die Pensionskasse der Sankt Galler Gemeinden. „Die Kotierung an der SWX oder Berner Börse ist für unsere Beteiligungen Pflicht“, sagt Geschäftsführer Heinz Eigenmann. Dies auch, weil das Mindestinvestitionsvolumen eine Million Franken beträgt, was ausserbörslich schwer realisierbar ist. Erst recht im Verkaufsfall. „Wenn man nicht auf einmal verkaufen kann, ist es nutzlos“, meint er. Allerdings gibt es auch mittelgrosse Firmen, bei denen solche Volumina beim Börsenumsatz Probleme machen. Deshalb beteiligt man sich hier nur über Fonds oder Anlagestiftungen. Direkt steigt Eigenmann erst ein, wenn das Unternehmen mindestens eine Marktkapitalisierung von 200 bis 300 Millionen vorweisen kann.
Nicht ganz an der Seitenlinie steht die Pensionskasse Uri. Wie Kurt Rohrer, verantwortlich für die Vermögensanlage, verrät, besitzt man 1.000 Aktien der nicht kotierten Gotthard Raststätte A2 Uri AG. Diese wurden im Rahmen eines Block Tradings erworben und nun als Dividendentitel geführt. Hauptgrund für die Akquisition: „Man weiss, dass die Raststätte gut läuft“, so Rohrer. Allerdings wäre ein Verkauf des Paketes äusserst schwierig, stellt er fest und berichtet von Tagesumsätzen im ausserbörslichen Handel in der Grössenordnung von zehn Stück. Heute würde man jedoch bei Unternehmen nicht mehr so gross einsteigen, auch wenn die Rendite stimme.
Teilweise enger Markt
Wesentlich engagierter wiederum ist die Stiftung Abendrot aus Basel. Geschäftsführer Hans-Ulrich Stauffer meint, dass es keine Restriktionen für den Einstieg gebe, solange es sich nicht um Private-Equity-ähnliche Anlagen handelt, für die kein transparenter Markt existiert. Die Stiftung arbeitete zeitweilig mit dem ausserbörslichen Handel der Luzerner Kantonalbank zusammen, von dort kam auch eine Beteiligung an der Thermalquelle Zurzach ins Portfolio, die jedoch mangels Performance und Dividende wieder abgestossen wurde. Bessere Ergebnisse brachte ein Paket an der Mustermesse Basel, das mit Gewinn veräussert wurde. Noch im Portfolio – und das schon seit rund 15 Jahren – ist eine Beteiligung am Milchverarbeiter Hochdorf Holding AG. Laut Stauffer hat man diese einstmals selbst evaluiert. Auch als die Bank Sarasin das Portfolio-Screening der Stiftung in Sachen Nachhaltigkeit übernahm, konnten die Aktien von Hochdorf bleiben.
Nicht aktiv ist die Stiftung aber bei den zahlreichen Bergbahnen. Dort sei der Markt wirklich zu eng, meint Stauffer.
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