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Werner Hertzog |
Inflation muss sich nicht immer zum Schreckgespenst entwickeln. Insbesondere dann nicht, wenn man sich als Pensionskasse auf der Passivseite richtig positioniert hat, sprich keine Teuerungszulagen verspricht. Auf der Aktivseite ist der beste Schutz gegen Inflation ein breit diversifiziertes Portfolio – jedenfalls bei der Publica.
Fragen: Michael Lennert
Antworten: Werner Hertzog, Direktor, Pensionskasse des Bundes Publica
Strategisch denken, stets bemüht sein, politisch korrekt und ausgewogen zu handeln und Reputationsrisiken von seiner Pensionskasse fernzuhalten, das sind die Hauptaufgaben von Werner Hertzog, dem Direktor der Pensionskasse des Bundes Publica. Keine leichte Aufgabe. Gleichwohl, wenn es zum Wohle seiner Versicherten ist, setzt er sich ein. Das Rüstzeug hierfür erarbeitete er sich im Sektor Kollektivleben der Schweizerischen National-Versicherungs-Gesellschaft in Basel, als Direktor der Basellandschaftlichen Pensionskasse und bei der Basler sowie bei der Winterthur. ML
spn: Herr Hertzog, wie gehen Sie bei der Publica mit dem Thema Inflation um?
Werner Hertzog: Nichts saniert eine Pensionskasse besser als Inflation. Nein. Natürlich gibt es Risiken. Deswegen muss man auch versuchen, die Inflationsrisiken gerade auf der Liability-Seite einer Pensionskasse herauszunehmen.
spn: Und wie nehmen Sie die Risiken auf der Passivseite heraus?
Hertzog: Indem wir keine Teuerungszulagen garantieren.
spn: Da freuen sich sicher die Versicherten der Publica.
Hertzog: Natürlich ist dies nur die eine Seite, und zwar die Seite, wie man eine Pensionskasse managt. Die andere Seite sind unsere Kunden. Unsere Kunden tragen im Prinzip das Risiko einer leicht überdurchschnittlichen Inflation, da wir einen gewissen Prozentsatz an Inflation bei unseren Pensionsplänen eingerechnet haben.
spn: Und wie hoch ist dieser Prozentsatz?
Hertzog: Eine Inflationsrate von durchschnittlich 1,5 Prozent pro Jahr, und das auf die nächsten 40 Jahre gesehen.
spn: Rechnen Sie zukünftig mit höheren Inflationsraten?
Hertzog: Natürlich gibt es Phasen, in denen man eine erhöhte Inflation hat. Mit der Folge, dass im Beitragsprimat die Kaufkraft der Leistungen geschmälert wird, ebenso wie bei den laufenden Renten auch. Und dies stellt für die Versicherten, ebenso wie für unser Image und unsere Attraktivität als Pensionskasse, schon ein Problem dar.
spn: Und zu welchen Schlussfolgerungen kommen Sie hierbei?
Hertzog: Wir müssen in Phasen von erhöhter Inflation einfach auch höhere Anlageerträge generieren, damit wir in der Lage sind, etwa höhere Verzinsungen beim Alterskapital oder Leistungsverbesserungen zu bieten. Aber um Gottes willen sollte hier keine gesetzliche Pflicht abgeleitet werden.
spn: Wie positionieren Sie sich auf der Anlageseite?
Hertzog: Grundsätzlich gilt, dass Aktien einen gewissen Inflationsschutz bieten, ebenso wie Immobilien, Infrastruktur oder Rohstoffe, respektive die Erhöhung deren Anteile in der Asset Allocation.
spn: Sie arbeiten ja gerade daran, Ihr Portfolio neu auszurichten. Können Sie dies noch konkretisieren, und wollen Sie damit auch den Inflationsschutz der Pensionskasse verbessern?
Hertzog: Das stimmt. Unser Ziel ist es, nicht mehr Risiken dazuzu nehmen, vielleicht aber andere Risiken, einfach auch deswegen, weil wir als Pensionskasse danach noch diversifizierter aufgestellt sind.
spn: Nehmen Sie auch neue Asset-Klassen ins Portfolio auf, und wie kommen Sie voran?
Hertzog: Wir sind gerade bei der Umsetzung. Bei einer grossen Pensionskasse, wie wir es eine sind, kann man eine neue Anlagestrategie natürlich nicht in zwei Tagen umsetzen. Das braucht circa zwei Jahre Zeit. Auch deswegen, da wir einen gestaffelten Einstieg bevorzugen, um damit kein schlechtes Timing zu haben. Und noch zu Ihrer Frage der zusätzlichen Asset-Klassen. Ja, wir haben uns beispielsweise dazu entschlossen, in Rohstoffe zu investieren.
spn: Und wie viel Prozent werden Sie in Rohstoffe investieren?
Hertzog: Wenn man sich als Pensionskasse dazu entschliesst, in eine neue Asset-Klasse zu investieren, sollte dies natürlich nicht nur ein Prozent sein, sondern es sollte portfoliorelevant sein, also sagen wir mal so um die fünf Prozent.
spn: Herr Hertzog, zum Abschluss, Ihr Fazit zum Thema Inflation?
Hertzog: Inflation ist nicht das schlimmste Szenario für eine Pensionskasse, insbesondere wenn man die Passivseite richtig designt hat. Viel schlimmer ist Deflation. Das ist das schlimmste Szenario – denn bei Deflation gehen die Anlagen runter und die Liabilities hoch.
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