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Iwan Deplazes |
Nicht auf jeder Hochzeit tanzen und den Fokus ganz klar auf die Schweizer Kundschaft richten: So lautet das Motto der Zürcher Kantonalbank (ZKB) - und zwar als Gesamtlösungsanbieterin für kleinere und mittlere Pensionskassen und als Spezialistin für nachhaltige Produkte, Derivatelösungen und Rohstoffanlagen.
Fragen: Michael Lennert
Antworten: Iwan Deplazes, Leiter Asset Management
Zurück zu den Wurzeln. Das dachte sich wohl auch Iwan Deplazes, als er Anfang 2007 als Leiter des Institutionellen Asset Managements wieder zur Zürcher Kantonalbank zurückkehrte. Hier war er bereits von 1998 bis 2005 im Fixed-Income-Bereich tätig, davon die letzten zwei Jahre als Teamleiter. Im Juli 2007 übernahm er schliesslich die Leitung des ZKB Asset Managements. Dazwischen lag ein kurzer Abstecher zur Credit Suisse.
Deplazes studierte an der Universität Zürich Wirtschaftswissenschaften und ergänzte seine Ausbildung mit dem Ausbildungslehrgang zum Europäischen Diplom für Finanzanalysten und Vermögensverwalter. Der im Kanton Uri wohnhafte passionierte Sportler ist Mitglied der Kommission für Institutionelle Vermögensverwaltung der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg), Präsident der Anlagekommission der Swisscanto Sammelstiftungen und Verwaltungsrat der Firma Vescore Solutions AG, Sankt Gallen.
ML
spn: Welches sind derzeit die drei Top-Themen auf der Agenda des institutionellen Asset-Management-Geschäfts der Zürcher Kantonalbank (ZKB)?
Deplazes: Ein Top-Thema ist sicherlich die Wachstumsinitiative „Avanti“. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Vermögensbestände bei den Pensionskassen (PKs) innerhalb der nächsten fünf Jahre von 21 auf 40 Milliarden Schweizer Franken zu steigern. Die Beratungstätigkeit wird ausgebaut und die Produktpalette gezielt erweitert.
Verbunden mit dieser Wachstumsinitiative gilt es sicherzustellen, dass die internen Prozesse und Strukturen mit den stets steigenden Ansprüchen unserer institutionellen Kunden Schritt halten. Hier liegt der Fokus auf der Produktinnovation und -entwicklung, sowie den Anlage-, Risikomanagement- und Kundenbetreuungsprozessen. Eine Konsequenz davon ist die kürzlich vollzogene Neuausrichtung des Asset Managements.
Zudem arbeiten wir an der Entwicklung und Einführung eines umfassenden Portfolio-Management-Systems, welches uns erlaubt, Portfolios noch zielgerichteter zu bewirtschaften und die erzielten Ergebnisse massgeschneidert zu rapportieren.
spn: Wie will sich die ZKB zukünftig im institutionellen Geschäft positionieren?
Deplazes: Als ZKB haben wir die kritische Grösse, um ein umfassendes Angebot an Anlagen für Schweizer Institutionelle, also von der Portfolio Analyse über traditionelle gemischte Mandate bis zu Spezialmandaten, anzubieten.
Im Bereich der Spezialmandate wollen wir uns noch stärker auf Themen konzentrieren, bei denen wir die ganze Wertschöpfungskette auch intern anbieten können. Dies gilt insbesondere für Schweizer Anlagen, also Aktien Schweiz, Obligationen Schweiz und indirekte Immobilien Schweiz, aber auch nachhaltige Anlagen sowie massgeschneiderte Derivatlösungen. Zudem sind wir Experten für Rohstoffanlagen. Die Assets under Management dieser Produktpalette belaufen sich mittlerweile auf über 2 Milliarden Franken.
spn: War Avanti notwendig, oder anders ausgedrückt, gab es oder gibt es Schwächen bei der Aufstellung im institutionellen Geschäft der ZKB, und wenn ja, wo liegen diese Schwächen?
Deplazes: Sagen wir es so: Vielleicht haben wir in der Vergangenheit die Akquisition im institutionellen Geschäft zu wenig aktiv betrieben, beispielsweise sind unsere nachhaltigen Anlagen kaum bekannt. Gleiches gilt für Schweizer Small und Mid Caps. Doch das wird sich ändern.
spn: Wie sieht das institutionelle Geschäft der ZKB in fünf Jahren aus?
Deplazes: Wir werden als Alternative zu Grossbanken weiter an Bedeutung gewinnen und uns als Spezialistin für massgeschneiderte Lösungsansätze profilieren.
Gleichzeitig – und das ist ein persönliches Anliegen – soll der „Spirit“ im ZKB Asset Management, also die Motivation und Leistungsbereitschaft mit sehr viel Kollegialität und Fairness, beibehalten werden.
spn: Über welche Neuerungen können sich institutionelle Investoren bei der ZKB in der Schweiz künftig noch freuen?
Deplazes: Beispielsweise haben wir dieses Jahr Rohstoffzertifikate eingeführt. Hier sind wir, nicht zuletzt aufgrund unseres quantitativen, aktiven Ansatzes, auf grosses Interesse gestossen. Wir massen uns nicht an, prognostizieren zu können, ob etwa Mais im Preis stärker steigt als etwa ein Industriemetall. Mehrwert schaffen wir dadurch, dass wir die Terminstrukturkurven optimal ausnutzen.
Die nachhaltige Produktpalette haben wir zudem mit einem institutionellen Fremdwährungsobligationen-Fonds weiter ausgebaut.
spn: Noch eine spezielle Nachfrage zu den aktuellen Rohstoffpreisen. Sind Sie der Meinung, dass beispielsweise bei Soft Commodities derzeit Angebot und Nachfrage hauptverantwortlich die Preise treiben oder eher das „spekulative“ Engagement von Investoren.
Deplazes: Unabhängig davon, wie viele Spekulanten an den Markt kommen, letztlich muss immer die Frage gestellt werden, wie sich diese verhalten. Und hier kenne ich keinen Spekulanten, der sich Soft Commodities physisch ausliefern lässt. Was macht der Spekulant? Er positioniert sich auf der Terminstrukturkurve und löst den Kontrakt kurz vor Verfall auf, so dass er eben nicht mit der physischen Lieferung konfrontiert wird. Das heisst, physisch erzeugen die Spekulanten keine höhere Nachfrage. Was wir hingegen beobachten, ist eine deutlich höhere Nachfrage auf der Terminstrukturkurve. Das kann mitunter auch den Preis treiben.
Auf der anderen Seite bin ich gleichwohl der Überzeugung, dass beispielsweise eine höhere Nachfrage auf dem Neun-Monats-Kontrakt dazu führt, dass mittelfristig auch physisch mehr von diesem Rohstoff produziert wird – dies in der Erwartung eines künftig erhöhten Absatzes.
spn: Ist der Spekulant also somit letztendlich sogar der Heilsbringer?
Deplazes: Nein, so möchte ich das nicht verstanden wissen. Hingegen bin ich, wie schon angetönt, durchaus der Meinung, dass sich eine spekulative Nachfrage mittelfristig positiv auswirken kann, da mehr Angebot produziert wird und sich die Preise im Endeffekt somit wieder stabilisieren.
spn: Wie beurteilen Sie die Rolle von alternativen Investments in den Portfolios institutioneller Investoren heute und in fünf Jahren, und wie wollen Sie sich hier positionieren?
Deplazes: Vorweg ist festzuhalten, dass die Kategorie „alternative Investments“ mit den Subsegmenten Hedgefonds, Private Equity und Rohstoffen eine sehr heterogene Struktur aufweist. Die beiden letztgenannten Segmente repräsentieren sicher neue Risikoarten, im Jargon „Beta“ genannt, während die Rendite von Hedgefonds eher von den spezifischen Fähigkeiten des Hedgefonds-Managers – respektive von dessen „Alpha-Fähigkeiten“ –, abhängt. Bei der ZKB sagen wir insbesondere den neuen Beta-Segmenten eine rosige Zukunft voraus, auch solchen, die derzeit erst eine Randerscheinung darstellen, wie beispielsweise verbriefte Versicherungsrechte oder der Handel mit CO2-Zertifikaten.
spn: Gibt es weitere Sektoren, die Sie als chancenreich ansehen?
Deplazes: Ja, beispielsweise wurden die Bereiche Rohstoffe und Währungsmanagement in den letzten Jahren mit den Produkten Edelmetall-ETFs, den aktiven Rohstoffzertifikaten sowie der Einführung von Währungsoverlay-Mandaten sukzessive ausgebaut. Wir sind überzeugt, dass auch in diesen Segmenten nachhaltiger Kundennutzen gestiftet werden kann. Zudem werden wir in Zukunft ein rasches Wachstum des synthetischen Portfolio Managements sehen. Allokationsentscheidungen dürften inskünftig vermehrt via Derivate anstatt Basisanlagen umgesetzt werden. Die zunehmende Erosion der Transaktionskosten im Derivatbereich wird die Geschwindigkeit dieser Entwicklung noch beschleunigen.
spn: Zurück zu Ihrem Geschäftsmodell. Worin werden Sie in den kommenden zwölf Monaten am stärksten investieren, um nicht vom Markt überholt zu werden?
Deplazes: Das Hauptaugenmerk wird auf dem Ausbau der Beratungstätigkeiten sowie der gezielten Erweiterung der Produktpalette liegen. Gleichzeitig gilt die Devise „performen, performen und nochmals performen“.
spn: Wollen Sie auch im Ausland stärker Fuss fassen? Gibt es konkrete Pläne und mit welchen Investment-Ansätzen?
Deplazes: Wir verfolgen eine Strategie, welche auf unserem Heimmarkt Schweiz aufbaut. Wir wollen die Bedürfnisse unserer Kunden in der Schweiz möglichst umfassend abdecken. Unsere zu diesem Zweck erworbenen Kernkompetenzen setzen wir aber auch gezielt dazu ein, um vermehrt ausländische Kunden zu bedienen. Darüber hinaus bieten wir im Ausland das klassische Schweizer Offshore Private Banking an. Eine physische Präsenz im Ausland ist zurzeit nicht geplant.
spn: Würden Sie eine/n Bank/Asset Manager übernehmen, um weiter zu wachsen?
Deplazes: Wir verfolgen einen Wachstumskurs, der primär auf organischem Wachstum aufbaut. Als Ergänzung schliessen wir aber auch akquisitorisches Wachstum nicht aus. Eine Akquisition muss aber klare strategische, finanzielle und kulturelle Vorgaben erfüllen und auch vom Risikoprofil her zu uns passen. Sofern diese Voraussetzungen erfüllt sind und die Verfügbarkeit gegeben ist, sind wir für eine Akquisition offen.
spn: In welchen Asset-Klassen versprechen Sie sich in diesem und im nächsten Jahr das stärkste Neugeschäft in der Schweiz?
Deplazes: Sicher zeigen Rohstoffanlagen aus Diversifikationsgründen gute Zuwachsraten. Umfragen zufolge investieren Pensionskassen derzeit durchschnittlich rund drei Prozent ihrer Portfolios in Rohstoffe, wobei wir glauben, dass dieser Anteil durchaus noch höher sein könnte. Empfehlenswert sind sieben bis acht Prozent. Übrigens halten wir Rohstoffanlagen auch für ein geeignetes Mittel, um sich gegen ansteigende Inflationserwartungen abzusichern.
Gleiches gilt in unsicheren Zeiten, wie wir sie gegenwärtig erleben, auch für die Anlagekategorie Immobilien Schweiz. Auch Overlay-Strukturen können in Zeiten, in welchen wenig Ertrag aus traditionellen Anlagekategorien zu erwarten ist, als Renditetreiber beigezogen werden.
spn: Welche Asset-Klassen/-Konzepte wird die ZKB niemals anbieten?
Deplazes: Auch bei dieser Frage gilt das Sprichwort „sag niemals nie“. Gleichwohl hüten wir uns davor, uns zu weit von unseren erwähnten Kernkompetenzen weg zu bewegen. Der Kunde soll klar wissen, für welche Bereiche die ZKB „best in class“ ist, und er kann auch darauf vertrauen, dass dies so bleibt. Deshalb werden wir Lösungsansätze in Bereichen wie Private Equity, Emerging Markets oder Hedgefonds nur zusammen mit externen Partnern anbieten.
spn: Und wie sieht es beispielsweise bei Infrastrukturanlagen aus?
Deplazes: Das Thema Infrastruktur ist problematisch – dies auch deswegen, weil Infrastruktur zum einen in Aktienanlagen, zum anderen aber auch in Immobilienanlagen eingebettet ist.
Man kann sich beispielsweise darüber streiten, ob ein Flughafen als gewerblich genutzte Immobilie der Kategorie Immobilien zuzuordnen ist oder als Infrastrukturbau in die Kategorie Infrastruktur gehört. Deswegen ist Infrastruktur für mich auch keine eigene Anlagekategorie. Ich glaube deshalb auch nicht, dass sich Infrastruktur als eigenständige Anlageklasse etablieren wird.
spn: Und was zeichnet Ihrer Ansicht nach eine Anlagekategorie aus?
Deplazes: Natürlich denkt ein Investor in Anlagekategorien. Zu Recht, denn es wird vom Gesetzgeber so vorgegeben. Viel relevanter als die einzelnen Anlagekategorien ist jedoch, die Risikofaktoren der einzelnen Asset-Klassen, aber auch des gesamten Portfolios zu analysieren. Dabei sind Fragen zu klären, wie: Wie hoch sind die Kredit-, Zins- oder Währungsrisiken oder aktuellerweise auch die Sensivitäten gegenüber dem Ölpreis, die der Investor in einer Anlagekategorie wie auch in seinem Portfolio insgesamt eingeht?
spn: Die Risikobetrachtung sollte also vor dem Denken in Anlagekategorien stehen?
Deplazes: Eine Pensionskasse verfügt über ein bestimmtes Risikobudget, welches sie über die einzelnen Risikofaktoren verteilen kann. Zielsetzung sollte es sein, dass man zum einen das Gesamtrisikobudget nicht überschreitet und zum anderen die Risiken gut diversifiziert sind. Somit steht für mich das Denken in Risikokategorien und -sensivitäten vor dem Denken in Anlagekategorien.
spn: Die ZKB hat sich auch der Nachhaltigkeit verschrieben. Warum?
Deplazes: Grundlage dafür ist der Leistungsauftrag, welcher im Artikel 2 des Kantonal-bankengesetzes verankert ist. Dieser fordert von der ZKB, dass sie die volkswirtschaftliche Entwicklung im Kanton unterstützt und dabei ökologische und soziale Anliegen berücksichtigt. Als die „Nahe Bank“ hat die ZKB verantwortungsvoll zu handeln, und zwar gegenüber der Gesellschaft wie auch gegenüber der Umwelt.
Und die Bank hat auch einen Nachhaltigkeitsauftrag, der über die ökonomische Nachhaltigkeit hinausgeht. Schwerpunkte unserer Nachhaltigkeitsanstrengungen sind die betrieblichen Leistungen für Mitarbeitende und Umwelt sowie, in Kooperation mit dem WWF Schweiz, unsere Produktlinie Nachhaltigkeit sowie regionale Umweltprojekte. Zudem ist unsere Geschäftspolitik langfristig ausgerichtet. Nachhaltigkeits- und Leistungsauftrag ergänzen sich daher. Es ist unsere Überzeugung, dass ein verantwortungsvoller Umgang mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen auch einen Mehrwert für die Kunden generiert.
spn: Themenwechsel. Charakterisieren Sie die Pensionskassenlandschaft in der Schweiz. Welche Trends stellen Sie fest?
Deplazes: Meiner Ansicht nach bewährt sich das Drei-Säulen-System mit den unterschiedlichen Finanzierungssystemen weiterhin sehr gut. Im Zuge der ersten BVG-Revision wurden zudem wichtige Entwicklungsschritte im Bereich der Flexibilisierung vorgenommen, ohne die überzeugenden Vorteile der zweiten Säule aufzugeben. Ich denke da an die partnerschaftliche Trägerschaft zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer oder an die nach wie vor wichtigen Grundsätze der Planmässigkeit und Kollektivität.
Des Weiteren stelle ich fest, dass viele Führungskräfte von Pensionskassen ihr Wissen über das Anlagegeschäft in den vergangenen Jahren substantiell ausgebaut haben. Dies hat zu einem professionelleren Anlageverhalten der Pensionskassen geführt.
spn: Nutzen Schweizerische Pensionskassen Ihre Anlagefreiheiten zu wenig aus, und welchen Investmentansätzen gehört die Zukunft?
Deplazes: Man soll die Anlagefreiheiten dort ausnützen, wo sie zusätzliches Risiko-/Renditeoptimierungspotenzial eröffnen. Viele Pensionskassen tun dies und nützen ihre Anlagefreiheiten gut aus, indem sie Anlagen tätigen, welche den Erweiterungsartikel 59 aus dem BVV2 benötigen. Hingegen wiegen sich relativ viele Kassen in der falschen Sicherheit, dass sie ihrer Verantwortung genügend nachkommen, wenn sie sich strikte an die im Artikel 54 festgehaltenen Anlagebegrenzungen halten. Hier setzt der Regulator meines Erachtens die falschen Signale.
Im Einsatz von derivativen Finanzinstrumenten sind die Pensionskassen nach wie vor eher zurückhaltend. Ich bin allerdings überzeugt, dass sich der Derivateinsatz überall dort durchsetzen wird, wo er die Transaktionskosten verringert und die Handelbarkeit im Vergleich zu Basisanlagen erhöht.
spn: Haben Absolute-Return-Konzepte beziehungsweise -Mandate bei Schweizer Pensionskassen eine Zukunft?
Deplazes: Pensionskassen verfolgen bei der Festlegung der Anlagestrategie bereits eine langfristig ausgerichtete „Absolute Return“-Strategie, indem sie die benötigte Zielrendite mit einer möglichst kleinen Schwankungsbreite zu erreichen suchen. Die Delegation dieser Aufgabe an einen Asset Manager über die Vergabe eines Absolute-Return-Mandates kann eine Lösung sein. Unsere Erfahrung zeigt aber, dass die Verantwortungsträger von Pensionskassen diese Entscheidung mehrheitlich selber fällen wollen.
spn: Worüber sollte sich eine Pensionskasse keinen Kopf zerbrechen, wenn sie einen Deckungsgrad von unter 100 hat?
Deplazes: Ein Deckungsgrad unter 100 Prozent impliziert für die Kassenverantwortlichen ein fast unlösbares Dilemma: Einerseits fehlt die Risikofähigkeit, andererseits verschlimmert sich mit einer risikolosen Anlagestrategie der Deckungsgrad weiter, da die geforderte Zielrendite nicht erreicht werden kann. Wir empfehlen in einer solchen Situation, in begrenztem Ausmass an risikobehafteten Anlagen mit entsprechend höherem Renditepotenzial festzuhalten.
spn: Nun zu strategischen Fragen. Was ist wichtiger aus Sicht eines Anlegers: Die strategische Asset Allocation oder das Alpha-Potenzial der Asset Manager?
Deplazes: Das Ertragspotenzial und damit verbunden auch das Risiko eines Anlegers ergibt sich zum entscheidenden Teil durch die festgelegte Strategie. Deshalb ist es für den Anlageerfolg der Pensionskasse entscheidend, dass sie einerseits die Strategie, also die richtige Auswahl von Beta, auf die längerfristige Sollrendite ausrichtet und andererseits für eine gute Diversifikation der verschiedenen Anlagekategorien sorgt.
Alpha ist im Gegensatz zu den Risikoprämien von Anlageklassen langfristig eine schwer schätzbare Grösse. Es gibt keine ökonomische Risikoprämie als Entschädigung für das Eingehen eines Tracking Errors wie bei der Positionierung in Aktien und Obligationen. Gleichwohl ist die Suche nach Alpha überall dort notwendig, wo die Märkte nicht vollständig effizient sind.
spn: Glauben Sie an die Alpha-Fähigkeiten von Managern?
Deplazes: In effizienten Märkten, welche durch eine Vielzahl von Analysten abgedeckt werden, ist ein konsistentes und über die Zeit hinweg stetiges Alpha schwer zu erwirtschaften. Aus diesem Grund bieten wir in diesen Märkten „intelligente“ Indexierungsansätze an. Diese haben den entscheidenden Vorteil, dass die Renditeerwartung auch nach Kosten auf der Benchmark liegt. Die Möglichkeit gegenüber Benchmarks einen Mehrwert zu erzielen, ist jedoch in Rohstoffmärkten, im Schweizer Aktien- und Bondmarkt sowie in ausgewählten Sektoren durchaus gegeben.
spn: Themen wie 130/30 Produkte, Portable Alpha und Liability Driven Investing geben die Richtung vor: Ihre Beurteilung?
Deplazes: Die weltweite Verkaufsmaschinerie des Finanzsektors ist für neue Akquisitions- und Marketingkampagnen laufend auf neue Schlagwörter angewiesen und produziert in periodischen Abständen „neue“ Anlagekonzepte. Die ZKB investiert ihre Ressourcen grundsätzlich nur in diejenigen Innovationen, die nachhaltigen Kundennutzen stiften. So ist beispielsweise Liability Driven Investing als Anlagekonzept zwar theoretisch sehr interessant, faktisch fehlen aber zur Zeit liquide Anlageinstrumente, um beispielsweise die sehr langfristigen Verbindlichkeiten einer Pensionskasse adäquat abzusichern.
spn: Stimmen Sie folgender Aussage zu? „Der Home Bias ist ökonomisch zunehmend schädlich. Insbesondere konjuktursensitive Asset-Klassen wie Aktien oder Immobilien müssten Schweizer Pensionskassen noch viel konsequenter internationalisieren“.
Deplazes: Natürlich verbessert eine konsequente internationale Diversifikation das Rendite-Risiko-Profil einer Pensionskasse. Der Trend bei den Schweizer Pensionskassen geht auch eindeutig in diese Richtung.
Ein grosser Teil der internationalen Diversifikation wird hingegen bereits durch die Unternehmen selber vorgenommen. Wer würde heute noch behaupten, Nestlé, Roche, ABB oder Novartis seien auf die Schweizer Volkswirtschaft ausgerichtete Unternehmen?
spn: Welche Asset-Klassen werden Sie persönlich demnächst in Ihr privates Portfolio aufnehmen, und wieso?
Deplazes: Ich glaube beispielsweise langfristig an den diversifizierenden Nutzen von Rohstoffanlagen. Deshalb werde ich mein Portfolio um eines unserer Rohstoffzertifikate erweitern. Grundsätzlich bin ich natürlich immer auf der Suche nach neuen Betas.
spn: Welche Tendenzen im Asset Management sehen Sie mit grosser Besorgnis?
Deplazes: Die Asset Manager stehen insbesondere in der Schweiz stetig steigenden Regulierungs- und Risikomanagement-Erfordernissen gegenüber, welche teilweise erhebliche Zusatzinvestitionen erfordern. Nicht jeder Kunde vermag darin auch einen Nutzen für sich zu erkennen.
spn: Nennen Sie einen Mythos im Asset Management, den Sie für Ihre institutionellen Kunden gerne entlarven wollen?
Deplazes: Nicht dort, wo die höchsten Saläre bezahlt werden, entstehen auch immer die besten Performance-Resultate.
spn: Worüber wird sich Ihrer Meinung nach die Investment-Branche in den kommenden Jahren noch wundern?
Deplazes: Über die enorme Kreativität im Bereich der alternativen Anlagen und die damit zwangsläufig bevorstehende Trennung der berühmten Spreu vom Weizen. Man wird sehr schnell sehen, wer wirklich neue Betas erschlossen hat und wer bestehendes Beta lediglich in eine neue Verpackung eingebracht hat.
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