Schweizer Pensions- & Investmentnachrichten
Neue Freiheit

Brigitte Schmid, Geschäftsführerin, PK Swiss Re

Veröffentlicht am:  08. August 2008

Die Pensionskasse Swiss Re erlebt 2008 in neuer Konstellation. Im Rahmen strategischer Entscheide veränderte sich die Anlagestrategie, ausserdem wurden vom Konzern diverse Investmentvehikel an Schroders verkauft. Im Hintergrund stehen weitere tief greifende strukturelle Veränderungen.

Wechsel zum Beitragsprimat


Beispielsweise erfolgten Anfang 2007 die Umstellung auf das Beitragsprimat und eine Rücknahme der angestrebten Zielrendite von 5,5 auf 4,5 Prozent. Für den Wechsel zum Beitragsprimat sprach gemäss Geschäftsführerin Brigitte Schmid die Demografie der Pensionskasse, die Ende 2007 die Zahl von 3.019 (3.175) Versicherten und 1.388 (1.297) Pensionären zählte. Nun wird eine Verzinsung des Sparkapitals von 3,5 Prozent angestrebt. Dazu addieren sich 0,6 Prozent für die steigende Lebenserwartung und 0,4 Prozent für die Verwaltungskosten. Die höhere Zielrendite der Vergangenheit begründet Geschäftsführerin Schmid mit der im Leistungsprimat noch notwendigen Finanzierung der Erhöhung der versicherten Löhne, was 1 Prozent Mehrrendite verlangte.


UBS-Position im Portfolio komplett liquidiert



Nicht nur dank dieser Neuaufstellung haben sie und der erst seit Juni amtende Leiter Vermögensverwaltung Felix Stutz alle Hände voll zu tun. Der Aktienmarkt sorgt für Handlungsbedarf. Zu deutlich waren die Kurseinbussen im ersten Halbjahr. „Massivität und Geschwindigkeit haben manchmal die Erwartungen doch übertroffen“, stellt Stutz fest.

So wurde eine vergleichsweise grosse Position in UBS – immerhin Ende 2007 gemäss Geschäftsbericht 1,2 Prozent der direkt gehaltenen Aktienanlagen - komplett liquidiert.

Allerdings wurde auch generell die Aktienquote von 35 auf 30 Prozent gesenkt – konform der neuen Strategie. „Derzeit haben wir kurz laufende Obligationen als Cashersatz hoch gewichtet“, meint Stutz. Stutz glaubt jedoch nicht, dass die Schwäche der Wirtschaft in den gegenwärtigen Gewinnausweisen bereits voll sichtbar ist. Ob sie aber in den Erwartungen der Marktteilnehmer eingepreist ist, sieht er als „eine andere Frage“. Allerdings hofft er nun, dass sich der Seitwärtsmarkt etablieren kann. Sollte sich der Trend aber bis Herbst oder Ende Jahr nicht weiter verschlechtern, könne man für 2009 und 2010 schon eine bessere Prognose stellen.


Deckungsgrad sinkt unter Ausschüttungsniveau


Im vergangenen Jahr konnten von den Anlagen lediglich Private Equity mit 19,0 Prozent und Immobilien Schweiz mit 10,4 Prozent zweistellige Renditen erbringen. Ausländische Aktien rentierten 7,1 Prozent, schweizerische aber nur 0,8 Prozent. Auch Obligationen Schweiz (0,8) und Obligationen Fremdwährungen (4,3) zeigten ein, teils wechselkursbedingt, divergierendes Bild.

Der Deckungsgrad der Kasse, der Ende 2007 noch 126,7 (Vorjahr: 127,3) Prozent betrug, ging weiter zurück. Per Ende Mai erreichte er 118 Prozent. Schmid erwartet, dass man im laufenden Jahr zwischen 115 bis 120 Prozent abschliessen kann. Das Thema einer Ausschüttung an die Versicherten, letztes Jahr schon ein denkbares Szenario, ist damit wohl vom Tisch. Gemäss Stutz wird im laufenden Jahr auch die minimale Zielrendite von 4,5 Prozent wohl verfehlt. Eine Rendite von 3,5 bis 4,0 Prozent würde er schon als sehr gut bewerten.


Neue Strategie, mehr Auswahl


Somit konzentrieren Schmid und Stutz sich auf die Änderungen im Asset Management, die im laufenden Jahr anstehen. Einerseits muss eine neue Anlagestrategie umgesetzt werden, andererseits kam in die Asset-Management-Konstellation der Kasse Bewegung, weil der Mutterkonzern aus strategischen Gründen Geschäftsteile verkaufte. Konkret handelte es sich um die Swiss Re Asset Management Funds (Switzerland) AG, welche an das Bankhaus Schroders veräussert wurde. Damit landeten einige Investmentvehikel, an denen die Pensionskasse beteiligt ist, zum Beispiel der Swiss Re Immoplus, Small and Mid Cap Value Fund Europe oder der Swiss Re Capital Fund bei einem externen Anbieter. Nun wird man schauen, ob und wie sich Performance und Gebühren entwickeln.

Stutz war übrigens Leiter der verkauften Einheit – blieb mit dem Wechsel in die Swiss Re Pensionskasse aber seinem bisherigen Arbeitgeber treu. Möglich wurde dies, weil der Stiftungsrat der Pensionskasse sich entschied, das Asset Management inhouse zu konzentrieren und damit das Tätigkeitsfeld des Leiters Vermögensverwaltung schuf. Während Stutz sich auf übergeordnete Aspekte und Aktienmandate fokussiert, wird es noch eine weitere Stelle für eine Bondfachkraft geben.


PPCmetrics erstellte neue ALM-Studie


Die neue Strategie wurde auf Basis einer von PPCmetrics erstellten Asset-Liability-Studie (ALM) entwickelt. Sie sieht folgende Zielwerte (und Bandbreiten) für die einzelnen Anlageklassen vor: Aktien 30 (20–40) Prozent, Obligationen 42 (35–60) Prozent, Immobilien 18 (14–22) Prozent und alternative Anlagen 10 (5–15) Prozent.

Mit der Strategieänderung einher ging auch die grosse Freiheit in Sachen Auswahl. Bisher kaufte man Fonds meist nur bei Swiss Re, nun öffnet sich die grosse Welt der Anlageprodukte. „Die Änderung der Asset-Management-Verantwortlichkeiten erlaubt nun, Ausschau nach neuen Möglichkeiten zu halten“, sagt Stutz. Also evaluiert man neue Instrumente und Investmentfonds und kann auch externe Manager und Mandatsträger in Erwägung ziehen.


Core-Satellite-Ansatz


Allerdings zählt auch Swiss Re als externer Anbieter, und dort ist das Core-Portfolio- Aktien-Welt angesiedelt. Dieses ist neuer Kernbestandteil der gefahrenen Core-Satellite-Strategie. Das Kernportfolio enthält demnach über 60 Prozent der Aktieninvestments mit 50 bis 100 grossen Qualitätstiteln, die aktiv bewirtschaftet werden. Als Satelliten fungieren Regionen, Stile oder Themen. Beispielsweise wurden die USA über einen ETF auf den S&P 500 und Japan über einen ETF auf den Topix abgebildet. Ausserdem gibt es weiterhin den Europäischen Small and Mid Cap Satelliten. Im Bereich Aktien Schweiz lässt sich die Kasse von der Zürcher Vermögensverwaltung Michel&Cortesi Asset Management AG beraten.


Nachhaltige Investmentansätze auf der Agenda


Ein neues Thema ist für die Pensionskasse die Nachhaltigkeit. Im Portfolio waren Ende 2007 immerhin 1,7 Prozent Royal Dutch Shell und 0,6 Prozent Siemens, Firmen die in Bezug auf Klimawandel-Relevanz und Corporate Governance auf den ersten Blick nicht gerade punkten. Doch nun wird die Pensionskasse nicht gleich in Ökoaktivismus verfallen. „Es ist nicht unser Ziel als aktiver Abstimmer an GVs zu gehen“, betont Schmid. Vielmehr nimmt man die Abstimmungsservices von Risk Metrics in Anspruch. Deren Standardverfahren wurde für die Pensionskasse Swiss Re um drei Kriterien ergänzt, die auf Umwelt- und soziale Risiken, Klimawandel (Ausweisen der CO2-Bilanz) und Menschenrechte (keine Geschäfte mit bestimmten Staaten) lauten. Die Traktanden der Portfoliounternehmen werden nun entsprechend geprüft und die PK Swiss Re erhält Abstimmungsvorschläge. Allerdings entschied man sich mit diesem Vorgehen vorerst für ein vergleichsweise moderates Verfahren und nicht für ein anderes, ausschliesslich auf SRI (Socially Responsible Investment) ausgerichtetes Modell von Risk Metrics. „Dieses ging dem Stiftungsrat zu weit“, erklärt Geschäftsführerin Schmid hierzu.


Noch keine Hedgefonds und keine Rohstoffe im Portfolio


Noch gar keinen Bestand hat die Kasse an Hedgefonds. Ende 2006 bewertete Schmid die Industrie im Gespräch mit spn noch als „zu undurchsichtig“. Mittlerweile hat sich das geändert. „Die Industrie hat sich durch das Investoreninteresse gewandelt“, meint Stutz. Deshalb wurde der erlaubte Anteil alternativer Investments im Portfolio ausgebaut und darf bis zu 15 Prozent bei einem Ziel von 10 Prozent betragen. Derzeit, beziehungsweise Ende 2007 wurden aber nur 3,2 Prozent Private Equity ausgewiesen, wobei die Pensionskasse hier mit Horizon21 zusammenarbeitet. Derzeit werden diverse Hedgefonds-Anbieter evaluiert. „Es gibt aber keinen Druck die Quote bis Ende Jahr auszuschöpfen“, stellt der Leiter Vermögensanlagen klar. Man wird kaum einzelne Hedgefonds kaufen, und ausserdem überlegt sich Stutz, auch die Strategie nicht selbst zu definieren. „Ich suche jemanden der für uns die Strategie professionell aussucht“, meint er. Dann gilt die Performance. Auch in Rohstoffen hat die Kasse zwar die Tür geöffnet, aber noch nicht investiert, wenn man von Aktien der produzierenden Industrie absieht. Stutz findet noch Bewertungsunterschiede, denn die Aktien der Firmen seien nicht so stark gestiegen wie die Preise der hergestellten Commodities. Ausserdem: „Bei gewissen Rohstoffen sehe ich spekulative Prämien“, stellt er fest. Einige Metalle hätten sich aufgrund massiver Nachfrage der Finanzindustrie verteuert. Mithin wird man in diesem Sektor wohl mit einer Anlage noch zuwarten. Und wie bei Hedgefonds gilt, dass die Pensionskasse ihre Anlagestrategie „erst geändert hat, wenn wir wirklich investieren”.


Versicherte sollen Strategie selber wählen


Aus strategischer Sicht hat Geschäftsführerin Schmid noch ein weiteres Anliegen. Mittelfristig wünscht sie sich, dass es für die Versicherten die Möglichkeit zur freien Wahl der Anlagestrategie gibt. Dies würden diese auch selber wünschen, lässt sie wissen. Im Fokus stünden dabei höhere Einkommensgruppen ab rund 120.000 Franken Jahresgehalt, die dann eine mehr oder weniger aggressive Strategie für ihre Pensionskassengelder auswählen könnten. Allerdings müssten die Versicherten dann auch das Downside-Risiko tragen. So lange aber das Freizügigkeitsgesetz bei einem Austritt Vorgaben über die Höhe der Austrittsleistungen macht, sieht Schmid kein Realisierungspotenzial für diese Idee.



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