Commodities im Allgemeinen und Soft Commodities, oder anders ausgedrückt Agrar-Rohstoffe im Speziellen werden zunehmend elementarer Bestandteil von institutionellen Portfolios. Interessant: Mehr als die Hälfte der Investoren will 2008 verstärkt in den Agrarsektor (53 Prozent) investieren, einfach weil hier die höchsten Renditen erwartet werden, gefolgt von der Viehzucht mit 16 Prozent aller Nennungen, Edelmetallen (13 Prozent), Energie mit immerhin noch 12 Prozent aller Nennungen und den Industriemetallen mit 6 Prozent.
So auf jeden Fall lautete der Haupttenor einer Befragung auf der „4th Annual Commodities Investors Conference“ von Barclays Capital in Barcelona, bei der rund 260 institutionelle Investoren befragt wurden. Denn obwohl rund 65 Prozent der Befragten die derzeit hohen Rohstoffpreise als das Hauptübel für ein Rohstoff-Investment ansehen – momentan investieren laut Umfrage 70 Prozent der Investoren nur maximal 5 Prozent ihres Portfolios in Rohstoffen –, geben immerhin 65 Prozent der Investoren an, in den kommenden drei Jahren mindestens 5 Prozent bis sogar mehr als 10 Prozent ihrer Portfolios in Rohstoffe investieren zu wollen.
Gemischte Meinungen zu Portfoliowirkung
„Auch wir sehen aktuell ein sehr starkes Interesse institutioneller Investoren an Rohstoffen generell und an Soft Commodities im Speziellen, wobei zunehmend aktive Management-Lösungen nachgefragt werden. Hintergrund hierbei sind deutliche Dekorrelationseigenschaften von Rohstoffen zu anderen Asset-Klassen sowie auch der ihnen eigene Inflationsschutz“, sagt etwa Peter Fanconi, CEO bei Harcourt in Zürich. Harcourt geht, selbst bei einer kurzfristigen Abschwächung des weltweiten Wirtschaftswachstums, mittel- bis langfristig von einem unveränderten Angebot-Nachfrage-Ungleichgewicht aus, vor allem getrieben durch die steigende Nachfrage der Emerging Markets, was Rohstoffe auch in der Zukunft zu einem attraktiven Investment machen sollte.
Preisprognosen nahezu unmöglich
Eine Ansicht, die andere Experten insbesondere bei Agrar-Rohstoffen nicht in voller Gänze teilen, denn: „Wir erachten Soft Commodities als Anlageklasse für Schweizer Pensionskassen als nicht zentral, da primär die nicht erneuerbaren Energien für die Diversifikationseffekte im Portfolio verantwortlich sind“, sagt Dr. Christian Fitze, Consultant bei Ecofin in Zürich. Fitze wiederum rät Investoren, wenn diese an einem Engagement in Commodities interessiert sind, ihre Umsetzungsstrategie gezielt an den Risikoeigenschaften des Gesamtvermögens sowie den erzielbaren Rollprämien auf den Rohstoffmärkten auszurichten. Das heisse auf der anderen Seite jedoch auch, dass die Investoren nicht jeden gehandelten Rohstoff gleichermassen berücksichtigen sollten. „Wir empfehlen deswegen indexierte respektive regelbasierte Strategien. Aktive oder Long-Short-Strategien sind potenziell problematisch in Bezug auf die Diversifikationsziele. Zudem sind wir skeptisch, ob aktive Anbieter genügend Informationen über mögliche Preisentwicklungen besitzen, die nicht schon in den Marktpreisen enthalten sind“, erklärt Fitze.
Den Vorwurf etwa, dass gerade die institutionellen Investoren für den Preisanstieg bei Soft Commodities verantwortlich sein sollen, kann er nicht nachvollziehen und weist darauf hin, dass speziell Index-Investoren niemals eine physische Zusatznachfrage auslösen und damit nicht für einen Anstieg der Spot-Preise verantwortlich sein können.
Eine Kerbe, in die ähnlich, wenn auch aus einer anderen Motivlage heraus, Domenico Truncellito, Sprecher bei Man Investments, schlägt. Denn er wehrt sich dagegen, dass insbesondere schon wieder die „bösen“ Hedgefonds den schwarzen Peter an den Preissteigerungen bei Agrar-Rohstoffen zugeschoben bekommen.
Engagement moralisch verwerflich?
„Finanzinvestoren bringen vor allem Liquidität in diese Märkte“, sagt Truncellito und verweist darauf, dass gerade Hedgefonds ja nicht nur auf steigende Preise setzen. Ein derzeit durchaus wunder Punkt, denn weltweite Hungerkrisen haben die Investoren, die auf steigende Agrar-Rohstoffe wetten, mitunter in Verruf gebracht, schliesslich würden sie die Preissteigerungen damit selbst mit anheizen. „Ich kenne keine empirische Untersuchung, die einen validen Zusammenhang zwischen Hedgefonds und den Preissteigerungen an den Agrar-Rohstoffmärkten aufzeigt. Diese Trends sind eindeutig fundamental getrieben”, sagt Truncellito. ML
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| Abbildung 1: Befragung, „4th Annual Commodities Investors Conference“; Quelle: Barclays Capital. | Abbildung 2: Befragung, „4th Annual Commodities Investors Conference“; Quelle: Barclays Capital. |
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