Schweizer Pensions- & Investmentnachrichten
„Wir warten nicht, bis etwas populär ist“
Veröffentlicht am:  16. Oktober 2006

Den Charme einer Privatbank spielen lassen, aber ohne bemühtes Phlegma – Pictet zeigt eindrucksvoll, wie man so auch bei internationalen Pensionsfonds punktet. Die Herausforderung: Den Standard zu halten und an der Speerspitze erfolgreicher Investmentideen zu sein – ohne vom dynamischen Spezialisten zum Generaldilettanten zu mutieren.

Fragen: Maik Rodewald

Antworten: Renaud de Planta, Pictet & Cie, CEO und geschäftsführender Teilhaber



spn: Herr de Planta, welche sind derzeit die Top-Themen auf der Agenda von Pictet Asset Management?

De Planta: Da sprechen wir über zwei Themen. Erstens sind wir dabei, unsere Fixed-Income-Kapazität stark auszubauen. In den vergangenen sieben Jahren haben wir bereits ein gutes Team und einen Track Record aufgebaut. Jetzt ist es an der Zeit, beim Produktangebot in die nächste Dimension aufzusteigen. Ein Vorgeschmack: Seit Juni bieten wir vier neue Fonds beziehungsweise Mandatstypen an, neben Inflation linked Bonds und Asset Backed Securities sind das globale und asiatische Emerging-Market-Anleihen – und zwar in lokalen Währungen. Das gibt es eher selten. Zweitens wollen wir Marktführer für Socially Responsible Investments (SRI) werden. Ich sehe keinen Anbieter, der so gute Voraussetzungen dafür hat wie Pictet. Wir forschen dazu bereits seit zehn Jahren, und wir verwalten in den Segmenten Wasser, Utilities und SRI bereits fast 15 Milliarden Schweizer Franken. Gerade bei SRI spürt man: Das letzte Commitment dafür fehlt den meisten Anbietern.

Es sind also zwei Gebiete, die wir stark ausbauen – ohne dabei unser Kerngeschäft zu vernachlässigen, zum Beispiel active Equities, Emerging Market Equities, und non US-Small Caps. Dort haben wir viele Kunden, und deren Pflege wird immer Priorität haben. Eine grosse Gefahr im Asset Management ist, dass man ständig zu viele neue Sachen angeht und dabei vergisst, das Bestehende gut zu machen.

spn: Was stimmt Sie so positiv für die Emerging Markets und deren Schuldtitel?

De Planta: Viele Unternehmen aus den Emerging Markets waren auf den internationalen Kapitalmärkten kaum oder nicht kreditfähig. Das hat sich geändert. Einige von ihnen sind mittlerweile bedeutende Unternehmen, die expandieren wollen. Und dafür wollen sie sich jetzt refinanzieren, was auch deshalb besser funktioniert, weil sich die Bonitätseinstufungen ihrer Länder verbessert haben. Viele Emerging-Markets-Währungen haben sich zudem stabilisiert. Darum sind internationale Investoren aus den USA oder Japan bereiter denn je, in Emerging Market Debt zu investieren und damit Überrenditen einzufahren und ihre Rentenportfolios breiter zu streuen.

Die Schuldner wollen, die Gläubiger auch – und wir helfen ihnen dabei. Da wir bereits 16 Fondsmanager für Emerging Market Equities in London beschäftigen und wir unsere Daten über Schwellenländer-Unternehmen bereits seit 20 Jahren führen, haben wir gute Startvoraussetzungen für den Ausbau der Debt-Seite. Speziell für asiatische Schuldner haben wir zudem bereits ein Team in Singapur aufgebaut.

spn: Gibt es wirklich so viele Investoren, die Nischen wie Emerging Market Debt in lokalen Währungen und SRI-Produkte in ihren Portfolios unterbringen können und wollen?

De Planta: Wir warten nicht, bis etwas populär ist. Würden wir das tun, wären wir ziemlich sicher immer hintendran. Es gibt handfeste Gründe, in die genannten Nischen zu investieren. Beispielsweise galten Emerging Market Equities – wo wir seit den 80er Jahren aktiv sind – lange als zu riskant für Pensionseinrichtungen. Das hat sich völlig geändert. Und bezüglich der Nischen, die wir künftig stärken wollen: Sie wären sicherlich erstaunt, wie viele Kunden SRI sowie Emerging Market Debt in lokalen Währungen schon nachfragen. Wir verwalten 1,5 Milliarden Schweizer Franken in Dollar denominiertem Emerging Market Debt – und zwei Monate nach dem Start im Juni hatte der weltweite Emerging-Market-Debt-Fonds in lokalen Währungen bereits 100 Millionen Schweizer Franken eingesammelt.

spn: Welcher Markt weltweit ist für das institutionelle Geschäft von Pictet Asset Management der wichtigste?

De Planta: Es kommt darauf an. Nach verwaltetem Volumen ist es ein anderer Markt als nach Erträgen. Interessanter ist die Kundenstruktur: Gerade auch die großen Pensionseinrichtungen aus Nordamerika, Japan, Nordeuropa und Holland zählen zu unseren Kunden. Und da merkt man ganz deutlich: Sie denken global, genauso wie die großen Schweizer Pensionskassen, und vor allem auch immer ähnlicher.

spn: Und wie wichtig sind Schweizer Institutionelle noch für Pictet?

De Planta: Gemessen am verwalteten Vermögen ist die Schweiz für uns ein historisch wichtiger Markt. Aber der Schweizer Markt ist overbanked, ausserdem drückt die nicht ganz irrationale Tendenz zu semipassiven Mandaten in der Schweiz vor allem bei Schweizer Renten natürlich auf die Margen. In Europa ist es einfacher, mit attraktiv vergüteten Spezial- und Nischenmandaten Geschäft zu machen. Mittlerweile stammen daher 80 Prozent unserer Mandate von ausländischen Institutionen. Und eines unserer jüngsten SRI-Mandate haben wir mit einem staatlichen französischen Organ abgeschlossen. Für einen nicht französischen Manager ist das sehr bemerkenswert.

spn: Welche Asset-Klassen würden Sie niemals anbieten?

De Planta: Ich würde grundsätzlich niemals nie sagen. Aber eines wird sich nicht ändern: Wir werden fokussiert bleiben, denn das ist einer der Erfolgsfaktoren im Asset Management. Strategisch liegt der Fokus für Pictet erstens auf europäischen Asset-Klassen und zweitens auf ausgewählten globalen Nischen.

spn: Portable Alpha und Liability Driven Investing – solche Themen schwappen aus dem Angelsächsischen auch in die Schweiz. Müssen Sie noch in Derivate-Know-how investieren, um hier an der Speerspitze zu sein?

De Planta: Ich würde eher sagen, an der Speerspitze zu bleiben. Wir gehören bei Derivaten zu den Pionieren, deshalb müssen wir jetzt auch nicht panikartig agieren: Vor acht Jahren haben wir erstmals systematisch Zinsswaps und vor sechs Jahren Credit Default Swaps in Publikumsfonds eingesetzt. Teilweise haben wir die Regulatoren und Revisoren darin fortgebildet. Wir haben dort Mitarbeiter, die nicht ausschliesslich aus dem Asset Management kommen, sondern auch aus dem Proprietary Trading und dem Risikomanagement.

Hier wird Privatbank-Geschichte geschrieben: Morgendlicher Treffpunkt der acht Pictet-Teilhaber.

spn: Halten Sie die Trennung von Alpha und Beta denn überhaupt für eine sinnvolle Übung?

De Planta: Ja, das ist ein Teil der Zukunft. Ein Aktienmarkt-Alpha auf Schweizer Renten zu stülpen, das ist für eine Pensionskasse eine sinnvolle Übung. Und einige öffnen sich diesem Gedanken auch schon.

spn: Die Investorenportfolios sind immer noch sehr vom Long-only-Ansatz geprägt. Wann wird sich das ändern?

De Planta: Da sind wir mitten drin. Das Interesse an den so genannten 120:20- oder 150:50-Mandaten wächst, das könnte mittelfristig die traditionellen Long-only-Mandate ersetzen. Bei einem 120:20-Portfolio gehen Sie 120 Prozent long und 20 Prozent short, entweder im Index oder in einzelnen Titeln. So können Sie ein ausgeprägtes

Alpha-Risiko eingehen, ohne dass sich das Beta-Risiko ändert. Außerdem partizipieren sie voll an Beta – und längerfristig ist der Return von Beta nicht zu unterschätzen. Zum Beispiel finden es viele Kunden interessant, ein bisschen mehr Risiko bei Schweizer Aktien einzugehen, und das wäre mit einem 120:20-Mandat gut möglich. Es erlaubt uns, mehr Ideen umzusetzen. Denn Long-only aktiven Mehrwert bei Schweizer Aktien zu liefern, ist ein schwieriges Unterfangen. Wirklich performancewirksam untergewichten können Sie nur die wenigen grosskapitalisierten Werte des Index. Gerade für das wichtige Segment Schweizer Aktien, das sehr häufig nur noch passiv verwaltet wird, gibt es ein grosses Potenzial für eine derartige Mandatekonstruktion, mit etwas mehr Risiko und damit realistischer nach Kosten auch eine Outperformance zu schaffen. Ansonsten garantiert man den Kunden eine relativ stark prognostizierbare Unterperformance – und das ist nicht Zweck der Sache.

Die Schaltzentrale der Macht von Pictet in Genf (helles Gebäude ganz rechts): Von hier aus wurde die internationale Expansion bisher gelenkt …

spn: Werden Sie in absehbarer Zeit mehr Vermögen short als long verwalten?

De Planta: Wir machen heute schon beides. Und ich wäre nicht erstaunt, wenn sich das Verhältnis von Long-only zu Long-short graduell verlagert.

spn: Welches Schicksal haben Benchmarks im Asset Management vor sich?

De Planta: Das ist eine Frage des Zeithorizonts des Kunden. Natürlich sind wir letztlich alle Absolute-Return-Investoren. Aber um das zu erreichen, braucht man eine saubere strategische Allokation und kann deshalb Benchmarks nicht ausweichen. Ich kenne nur wenige Kunden, die bereit sind ein Mandat zu vergeben, das nicht benchmarkabhängig ist.

spn: Als Teilhaber einer großen Schweizer Privatbank haben Sie auch Einblick in die Anlagestrategie von erfolgreichen Family Offices. Was können sich regulierte Pensionskassen von unregulierten Familienvermögen abschauen?

De Planta: Die Mehrzahl nutzt Benchmarks für die Gliederung der Spezialmandate,
genauso wie das Pensionskassen auch machen. Der entscheidende Unterschied ist: Sie sind bereit, längerfristig zu denken und ein bisschen origineller zu investieren. Sie sind empfänglicher für neue Konzepte. Das ist insbesondere der Fall, wenn der Patriarch noch an der Spitze steht, denn er hat das Unternehmen gestartet und die analytischen Fähigkeiten, die Business Proposals zu beurteilen. Er ist bereit, gewisse Risiken einzugehen, die sich ein Agent – also etwa ein Stiftungsratsmitglied – vielleicht nicht erlauben kann, weil er ins Kreuzfeuer der Kritik geraten könnte. Letztendlich lassen sich die Unterschiede auf die verschiedenen Principal-Agent-Strukturen zurückführen.

spn: Würden Sie zustimmen, dass Schweizer Vermögensverwalter bei hiesigen Pensionskassen einen großen Heimvorteil haben?

De Planta: Ich wünschte, das wäre so. Faktum ist: Nirgends auf der Welt – mit Ausnahme Nordeuropas und Hollands – spüre ich so viel Offenheit für ausländische Asset Manager. In der Schweiz hat sogar die erste Säule, die AHV, ausländische Verwalter.

Der Heimvorteil in den USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Japan ist viel grösser. Weltweit haben Universalbanken, die Kreditlimite vergeben oder kürzen, gelegentlich auch einen Einfluss auf Mandatsvergaben. Unsere tiefere Überzeugung ist aber: Langfristig zählt per saldo die Performance. Früher oder später können Verwalter von treuhänderischem Vermögen diesem Druck nicht mehr Stand halten. Natürlich ist es uns schon passiert, dass ein Mandat an uns vorbeizog, weil wir keine Universalbank sind. Aber das zwingt uns, kompetitiv zu bleiben und ein fokussierter Spezialist zu sein. Und das ist gut, denn denen gehört die Zukunft im Asset Management.

spn: Sehr viele Investoren halten strukturierte Produkte für intransparent. Ausserdem kann wohl kaum jemand ernsthaft vorhersehen, wie sich solche Produkte in Crash-Szenarien entwickeln und wie gut die Diversifizierungseffekte der Vergangenheit noch wirken – zumal sich in solchen Märkten die Autokorrelationen doch verstärken. Sind strukturierte Produkte ein Fluch oder ein Segen für die Finanzmarktstabilität?

De Planta: Wir können uns aus Performancegründen nicht erlauben, strukturierte Produkte wie CDOs in unseren Rentenfonds einfach nicht zu analysieren, nur weil sie intransparenter sind als andere Anlagen. Ob die Korrelationen höher sind als in anderen Anlageklassen und ob das Finanzsystem fragiler wird, möchte ich hinterfragen. Gerade die Kreditderivate sind – richtig eingesetzt – ein sehr geeignetes Mittel, um Kreditrisiken zu verlagern und zu diversifizieren. Das ist für das Bankssystem weltweit vorteilhaft.

… und von hier aus wird sie künftig vorangetrieben: eine Computersimulation des neuen Pictet-Domizils in Genf.

spn: Also sind solche strukturierten Produkte eher ein Segen?

De Planta: Dass in gewissen Krisen wie etwa am Bondmarkt durch Enron oder Parmalat damals nicht mehr Schaden eingetreten ist, hängt auch mit Kreditderivaten zusammen. Die Tatsache, dass man sowohl im Kreditgeschäft der Banken wie auch im Fondsmanagement über diese Instrumente verfügt, lässt mich auf künftige Krisen eher gelassen blicken. Das ist wie bei den Währungstermingeschäften in den 70er Jahren: Am Anfang gibt es Unfälle, aber wenn es sich einmal eingebürgert hat, dann ist es ein sehr effizientes Risikoumverteilungssytem. Es zersplittert das Risiko und verteilt es auf jene Akteure, die eine Prämie dafür bekommen, dass sie das Risiko tragen. Man muss aufpassen, dass man die Instrumente nicht alle in einen Topf wirft. Und der volkswirtschaftliche Nutzen darf nicht vernachlässigt werden. Man muss natürlich aufpassen, dass die Risikonehmer das Risiko auch richtig verstehen.

spn: Einige deutsche Pensionskassen wären sicherlich froh, wenn es im deutschen Versicherungsaufsichtsgesetz einen Passus wie den Paragrafen 59 des Schweizer BVGs gäbe, der im Grunde einer Prudent Man Rule entspricht. Nutzen die Schweizer Pensionskassen diese Vorschrift?

De Planta: Ja, intensiv. Sonst könnten die Kassen keine Hedgefonds haben. Sie müssen das natürlich begründen können. Eine solche Regelung entspricht voll dem Schweizer Pragmatismus: Sie können alles tun, solange es funktioniert. Wenn nicht, dann zählt sofort wieder das Gesetz. Darin unterscheiden sich Deutschland und die Schweiz fundamental. Ich beneide aber die Deutschen um ihren Ansatz nicht.

spn: Welche Tendenzen im Asset Management sehen Sie mit Besorgnis?

De Planta: Erstens, die Regulierungsdichte, die in den vergangenen zwei Jahren exponenziell gewachsen ist. Das verkrustet den Arbeitsablauf und kostet sehr viel. Und der Nutzen für den Endkunden ist höchst zweifelhaft.

Zweitens: Die doppelten Standards, die für die Long-only-Industrie und die Hedgefonds-Industrie gelten. Es ist doch schlichtweg absurd, dass die Long-only-Industrie einer Vielzahl von Vorschriften unterliegt, die für die Hedgefonds-Industrie nicht gelten. Der gesunde Menschenverstand muss wieder zum Mass der Dinge werden. Unterm Strich halte ich den Markt für ein effizientes Allokationssystem. Die Kunden müssen ihre Hausaufgaben machen. Sie müssen herausfinden, ob ein Institut über genügend interne Kontrollen verfügt. Die Zeit ist ein sehr guter Richter. Wenn man versucht alles zu regeln, wird man immer einen Krieg zu spät sein, und es erhöht die Kosten. Da darf man sich keine Illusion machen: Am Ende zahlt das der Kunde.

spn: Wofür zahlt der Kunde genau?

De Planta: Zum Beispiel dafür, dass wir als international agierender Asset Manager fünf verschiedenen aufsichtsrechtlichen Regimen unterliegen, deren Regelungen teilweise nicht kongruent sind: Der US-amerikanischen SEC, der Schweizer EBK, der Luxemburger CSSF, sowie der britischen und der japanischen FSA. Deswegen beschäftigen wir weltweit 15 Compliance Officer, das sind bereits fünf Prozent der im Asset Management Beschäftigten. Und da sprechen wir noch gar nicht über herkömmliche Risiko-Kontrolle. Die Grenze des Erträglichen ist bald erreicht.



Sie erinnern sich. Der Blindtext-Fall im vorigen Jahr. Nun will Karl noch nach Canossa. Und Claudia heiratet zur Busse Copperfield. Jeden Morgen entzünden sie eine Kerze. Jeden Nachmittag ist eine Runde Rosenkranz fällig. Zur Heiligen Marie. Weil Karl mit dem Zopf der Claudia mit dem Smile optisch nette Koran-Typo aufs Mieder hat sticken lassen. Heiliger Blindtext am Busen.

ihr. Zur Heiligen Marie Antoinette. Madame ging schön aufs Schafott. Welch eine Haltung. Sie weiß, sie kriegt den Kopf ab. Aber vorher pudert sie ihn noch, beißt sich auf die Lippen von wegen Lippenrot, kneift sich in die Wangen von wegen Wangenrot. Und sie weiß, sie wird den Kopf verlieren. Oben ab. Und es stört die Marie nicht. Diese Haltung verehren die Blindtexter. Du weißt, du wirst gecuttet. Aber du gibst alles. Sainte Marie, steh uns bei. The english call it the holy attitude of SM.. MRO



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