Schweizer Pensions- & Investmentnachrichten
Emsig unterwegs
Veröffentlicht am:  16. Juni 2008

Die Agenda von Swisscanto ist prall gefüllt: nicht nur, was die Produktideen betrifft, die zukünftig auf den Markt kommen sollen. Nein, es wird auch über ein effizienteres Risikomanagement und Expansionsstrategien nachgedacht. Gleichwohl, das oberste Ziel bleibt: in der Top-Liga der Schweizer Asset Manager mitzuspielen.

Fragen: Michael Lennert

Antworten: Peter Bänziger, Bereichsleiter Asset Management und Institutionelle Kunden, Swisscanto

Peter Bänziger ist seit 2004 Mitglied der Geschäftsleitung der Swisscanto Gruppe. Das Rüstzeug hierfür erarbeitete sich der Schaffhauser beim ehemaligen Schweizerischen Bankverein (SBV) und bei der Bank Leu, wo er für das Asset Management und Institutionelle Geschäft verantwortlich war. Bänziger war zudem vier Jahre im Stiftungsrat der Credit Suisse Pensionskasse. Er ist eidg./europ. dipl. Vermögensverwalter (AZEK) und absolvierte das Executive MBA-Programm der Swiss Banking School. Der Vater zweier Kinder ist leidenschaftlicher Harley-Davidson-Fahrer und liebt den Schutzhundesport, beispielsweise nahm er mit seinem Malinois, einem belgischen Schäferhund, letztes Jahr an den Schweizer Meisterschaften teil. ML


spn: Welches sind derzeit die drei Top-Themen auf der Agenda des institutionellen Asset-Management-Geschäftes von Swisscanto?

Peter Bänziger: Erstens: eine Verstärkung des Risikomanagements, da die Subprime-Krise gezeigt hat, wie wichtig ein effizientes Risikomanagement ist. Dazu haben wir eine detaillierte Financial Risk Policy formuliert. Diese werden wir mit einem modernen Tool umsetzen. Zweitens wollen wir das Angebot der Satelliten im Bereich der Aktien wie auch der Obligationen ausbauen und bereits bestehende Satelliten noch besser vermarkten. Und nicht zu vergessen drittens: der Aufbau eines institutionellen Vertriebes in London.

spn: Wie will sich Swisscanto zukünftig im institutionellen Geschäft positionieren?

Bänziger: Wir wollen einer der führenden Asset Manager für institutionelle Anleger in der Schweiz sein.

spn: Gibt es bei Swisscanto Schwächen bei der Aufstellung im institutionellen Geschäft, und wenn ja, wo liegen diese Schwächen?

Bänziger: Swisscanto ist insbesondere bekannt als die Fondsgesellschaft der Kantonalbanken. Zudem sind wir den institutionellen Kunden ein Begriff durch die Swisscanto-Anlagestiftungen, die jährlich durchgeführte Swisscanto-Pensionskassenumfrage und die Vorsorgeberatung.

Leider schafften wir es bisher noch zu wenig überzeugend, uns bei den institutionellen Anlegern als Manager von institutionellen Direktmandaten zu positionieren.

spn: Wie sieht das institutionelle Geschäft von Swisscanto in fünf Jahren aus?

Bänziger: Der Trend zu Core-Satellite-Strategien wird anhalten. Indexanlagen werden sich noch stärker zum reinen Massengeschäft entwickeln und der Markt wird nur von einigen wenigen ganz grossen Institutionen beherrscht werden. Gleichzeitig werden aktive Manager noch stärker gefordert werden, Alpha zu generieren. Das heisst zum einen, dass nur Manager mit entsprechender Outperformance höhere Preise für ihre Produkte rechtfertigen können und so im Markt überleben werden. Enhanced Indexing oder indexnahes Investieren wird dann eine Chance haben, wenn mit grosser Wahrscheinlichkeit zumindest die Index-Performance plus die eigenen Kosten erwirtschaftet werden.

Und noch zu Swisscanto selbst. Swisscanto wird in den nächsten fünf Jahren mehr Satellitenprodukte und entsprechende Direktmandate anbieten. Wir werden aber weiterhin auf Anlageformen setzen, die Alpha- und Beta-Komponenten enthalten. Dazu gehören zum Beispiel Portfolios aus Staats- und Unternehmensanleihen, deren Mehrwert sich am durchschnittlichen Renditeaufschlag gegenüber Government Bonds misst. Bei den Satelliten sehen wir vor allem Möglichkeiten im Bereich von Long-Short-Strategien.

spn: Welche weiteren Themen werden strategisch auf Sie zukommen?

Bänziger: Wir werden uns mit der Frage auseinandersetzen, ob und in welcher Form Swisscanto strukturierte Produkte anbieten will.

spn: Über welche Neuerungen bei Swisscanto können sich institutionelle Investoren in der Schweiz künftig besonders freuen?

Bänziger: Wir glauben weiter an den Erfolg von Immobilienanlagen – und das nicht nur in der Schweiz. Deswegen bieten wir künftig auch die Möglichkeit an, über Dachfonds-Produkte in nicht kotierte Immobilien im Ausland zu investieren.

Zudem sind wir überzeugt, dass sich unser Know-how in der Kreditanalyse im noch relativ jungen High-Yield-Markt für institutionelle Anleger positiv niederschlagen wird. Ein Ziel dabei: Damit auch kleinere Pensionskassen von den Vorteilen der Diversifikation von alternativen Anlagen profitieren können, werden wir – unter Vorbehalt der Zustimmung des BSV (Bundesamt für Sozialversicherungen) – ein gemischtes Produkt lancieren, das auch Dach-Hedgefonds und Rohstoffe enthält. Weiter werden wir unsere Angebotspalette mit Long-Short-Strategien (130:30) erweitern, obwohl hier die Skepsis des Marktes noch gross ist.

spn: Worin werden Sie in Ihrem Geschäftsbereich in den kommenden zwölf Monaten am stärksten investieren, um nicht vom Markt überholt zu werden?

Bänziger: Natürlich verfolgen wir die aktuellen Trends und mögliche künftige Entwicklungen, wir glauben aber definitiv nicht, dass wir einfach so überholt werden. Sicher werden wir unsere nachhaltigen Produkte weiter fördern und entsprechend dem Wachstum investieren. Im Fixed Income legen wir einen Fokus auf die Weiterentwicklung unseres Credit-Spread-Ansatzes, um klar aktive und innovative Produkte anzubieten. Die Weiterentwicklung unserer quantitativen Modelle sowie deren Anwendung in den Emerging Markets ist uns ebenfalls wichtig.

spn: In welchen Asset-Klassen versprechen Sie sich in diesem und im nächsten Jahr das stärkste Neugeschäft in der Schweiz?

Bänziger: Wir sehen eine anhaltend hohe Nachfrage nach Immobilien in der Schweiz und rechnen auch mit einem Erfolg bei nicht kotierten Immobilien Ausland. Wachstum sehen wir aufgrund der aktuellen hohen Kredit-Spreads auch in High-Yield-Produkten und bei Unternehmensanleihen. Wir sind überzeugt, dass sich die Long-Short-Strategien als risikokontrolliertes und für den Anleger transparentes Anlagevehikel durchsetzen werden.

spn: Welche Asset-Klassen/-Konzepte wird Swisscanto niemals anbieten?

Bänziger: Wir verzichten auf alle Investitionsarten, die nicht unseren Qualitätskriterien entsprechen, für uns ein Reputationsproblem werden könnten oder deren Risiken wir nicht selbst einschätzen können.

spn: Wie lauten speziell Ihre Pläne, Ziele und wo sehen Sie Herausforderungen auf Sie zukommen?

Bänziger: Nehmen Sie beispielsweise unsere Vermögensaufteilung. Berücksichtigt man den Anteil der gemischten Anlagen, ist die Hälfte des verwalteten Vermögens in Obligationen und Geldmarktpapieren investiert. Hier streben wir eine Gewichtsverschiebung in Richtung der Satelliten, also in nachhaltige Anlagen, innovative Aktienprodukte oder alternative Anlagen an, bei denen wir unsere Fähigkeiten als aktiver Manager unter Beweis stellen können.

spn: Wollen Sie auch im Ausland stärker Fuss fassen? Gibt es konkrete Pläne und mit welchen Investment-Ansätzen?

Bänziger: Die Schweiz ist und bleibt unser Hauptmarkt. Bereits seit mehreren Jahren sind wir mit einem Vertriebsteam sehr erfolgreich in Deutschland unterwegs. Hier stossen vor allem unsere Nachhaltigkeitsprodukte auf eine sehr gute Nachfrage. Wir werden sukzessive weitere europäische Märkte bearbeiten. Im Jahre 2008 steht der Aufbau des institutionellen Geschäftes in UK im Vordergrund.

spn: Würden Sie eine/n Bank/Asset Manager übernehmen, um weiter zu wachsen?

Bänziger: Die Übernahme einer Bank kommt aufgrund unserer Eignerstruktur und unseres Setups kaum in Frage. Die Übernahme eines Asset Managers, der unsere Aktivitäten ergänzen würde, wäre eine Option. Sofern sich Möglichkeiten zu einem vernünftigen Preis ergeben, würden wir diese prüfen.

spn: Themenwechsel. Charakterisieren Sie die Pensionskassen-Landschaft in der Schweiz. Welche Trends stellen Sie fest – positive und negative?

Bänziger: Hier darf zuerst einmal klar festgehalten werden, dass wir eine berufliche Vorsorge haben, die hervorragend funktioniert und so gut dasteht, dass wir im Ausland darum oft beneidet werden. In den letzten Jahren hat eine Professionalisierung, aber auch eine Konzentrierung der Kräfte stattgefunden. Zudem erfolgte auch ein Trend zu einer gewissen Entscheidungsfreiheit der Versicherten. Dies hat aber auch zur Folge, dass es immer schwieriger wird, die einzelnen Pensionskassen miteinander zu vergleichen. Positiv ist auch, dass die Pensionskassen-Verantwortlichen noch kostenbewusster geworden sind.

spn: Nutzen schweizerische Pensionskassen ihre Anlagefreiheiten zu wenig aus und welchen Investment-Ansätzen – Beispiel Core Satellite – gehört dabei die Zukunft?

Bänziger: Die Anlagefreiheit wird meiner Meinung nach noch immer zu wenig genutzt. Dies trotz der weit fortgeschrittenen Professionalisierung. Ob die Zukunft dem Core Satellite gehört, wird sich weisen, der Ansatz ist auf alle Fälle bei den grossen Kassen weit entwickelt.

spn: Haben Absolute-Return-Konzepte beziehungsweise -Mandate bei Schweizer Pensionskassen eine Zukunft?

Bänziger: Bei der Mehrzahl der Pensionskassen wohl kaum, ausser sie zielen darauf ab, mindestens die notwendige Sollrendite zu erreichen. Denn jede Unterschreitung der Sollrendite bedeutet einen Verlust beim Deckungsgrad. Die Anbieter dürften sich im heutigen Umfeld hüten, solche Ziele zu setzen. Hinzu kommt, dass die Pensionskassen im Allgemeinen einen genügend langen Anlagehorizont haben, um zwischenzeitlich negative Marktentwicklungen aufzufangen.

spn: Was denken Sie, in welchen Kantonen sind Pensionskassen für neue Investment-Ansätze besonders aufgeschlossen?

Bänziger: Ich glaube, dass die Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Investment-Ansätzen viel eher von der Professionalität der Fachverantwortlichen bei den Pensionskassen abhängt als vom Domizil der Vorsorgeeinrichtung.

spn: 130:30-Produkte, Portable Alpha und Liability Driven Investing geben die Richtung vor: Ihre Beurteilung?

Bänziger: 130:30-Produkte werden sich wegen der guten Effizienz durchsetzen. Bei Portable Alpha und LDI bin ich dagegen skeptisch.

spn: Asset Manager brauchen immer mehr Derivate-Know-how. Sie bei Swisscanto ebenfalls?

Bänziger: Ja, unsere Portfolio Manager setzen taktische Über- und Untergewichte in allen Anlagekategorien oft mit Derivaten

um. Aber nicht nur die Portfolio Manager brauchen Derivate-Wissen, sondern auch die Investment Controller und die Risikomanager.

spn: Wie beurteilen Sie die Rolle von alternativen Investments in den Portfolios institutioneller Investoren heute, in fünf Jahren und wie wollen Sie sich hier positionieren?

Bänziger: Ich bin überzeugt, dass die Portfolios vieler institutioneller Investoren in den nächsten Jahren verstärkt den Portfolios der amerikanischen Universitäten gleichen werden. Die alternativen Anlagen werden weiter an Gewicht gewinnen, dies zu Lasten der Obligationenquote.

spn: Welche Konzepte versprechen für Sie den meisten Erfolg?

Bänziger: Ich würde die möglichen Anlageklassen im Portfolio-Kontext beurteilen. Die Kombination von Assets mit tiefer Korrelation ist wichtig. In diesem Sinne sollten Dach-Hedgefonds, Private Equity, Timberland (bewirtschaftetes Waldland), Währungen und Commodities geprüft werden.

spn: Wollen Sie sich auch bei Infrastruktur-Investments, Rohstoffen, Währungen, Mezzanine oder Ähnlichem stärker positionieren, und wenn ja, warum? Gibt es weitere Sektoren, die Sie für chancenreich ansehen?

Bänziger: Bei den Rohstoffen verfügen wir bereits über ein sehr gut laufendes Produkt. Bei den anderen Investments hängt das zum einen von der Nachfrage in unserem Vertriebsnetz, zum anderen von unserem eigenen Know-how ab. In jedem Falle stellt sich die Make-or-Buy-Frage oder allenfalls die einer Partnerschaft.

spn: Sie sind Verfasser der Swisscanto-Pensionskassenstudie. Skizzieren Sie die wichtigsten Ergebnisse der aktuellen Studie?

Bänziger: Die Pensionskassen mussten wegen der Marktturbulenzen in den ersten drei Monaten 2008 einen der grössten Rückschläge in einem Quartal hinnehmen. Deckungsgrad und Wertschwankungsreserven der Pensionskassen haben darunter gelitten. Das ist aber noch keine Katastrophe. Der durchschnittliche Deckungsgrad der privatrechtlichen Kassen, die an der diesjährigen Swisscanto-Pensionskassenumfrage mitgemacht haben, lag Ende 2007 immer noch etwas über 112 Prozent. Die Wertschwankungsreserven sind ja dazu da, Rückschläge aufzufangen. Aufgrund von Aussagen von Pensionskassen muss man davon ausgehen, dass bis Ende April etwa drei Prozentpunkte Deckungsgrad verloren gingen. Einige Kassen, deren Deckungsgrad Ende 2007 100 Prozent nur knapp überstieg oder darunter lag, werden ohne eine Erholung an den Märkten Stabilisierungs- oder gar Sanierungsmassnahmen einleiten müssen. Sicher ist, dass die meisten Kassen eine Besserung der Märkte für die Verstärkung der geschrumpften Wertschwankungsreserven nutzen müssen. In diesem Zusammenhang wird die Belastung der aktiven Versicherten wieder vermehrt zu Diskussionen über den Solidaritätspakt führen.

spn: Worüber sollte sich eine Pensionskasse den Kopf zerbrechen, wenn sie einen Deckungsgrad von unter 100 hat?

Bänziger: Eine Pensionskasse mit einem Deckungsgrad von unter 100 Prozent hat immer gewisse Sorgen. Sie muss sich mit Sanierungsmassnahmen auseinandersetzen, diese planen und umsetzen. Schwieriger ist die Frage, ob und wie stark sie die strategische Asset Allocation anpassen soll. Sie muss meines Erachtens ihre Strategie darauf ausrichten, die maximalen Rückschlagsrisiken zu minimieren. Dies bedeutet unter anderem die Aufnahme von Dach-Hedgefonds und Rohstoffen in die strategische Asset Allocation.

spn: Wie aktiv sollte sich ein Institutioneller bei der Stimmrechtsausübung einmischen? Gibt es Lehren aus dem Fall UBS?

Bänziger: Einmischen ist das falsche Wort. Wir sehen es als unsere Aufgabe an und sind bei den Anlagefonds auch verpflichtet, die Interessen unserer Anleger zu wahren. Jede Pensionskasse sollte die Rechte ihrer Versicherten bestmöglich vertreten und deshalb ihre Stimmrechte aktiv ausüben.

spn: Swisscanto hat sich auch der Nachhaltigkeit verschrieben. Warum?

Bänziger: Nachhaltig investieren heisst für uns einen Mehrwert in zweifacher Hinsicht erzielen: erstens eine langfristig höhere Performance und zweitens die Gewissheit, aktiv etwas für eine nachhaltige Unternehmensentwicklung und damit für unsere Umwelt und Zukunft zu tun.

spn: Wie sieht es da bei den Schweizer Pensionskassen aus, investieren diese auch nachhaltig in die Nachhaltigkeit?

Bänziger: Nachhaltigkeit ist bei den Pensionskassen noch kein zentrales Thema. Auffallend ist, dass die grossen Kassen deutlich höhere Anteile an nachhaltigen Anlagen in ihren Portfolios halten. Bei diesen grossen Kassen sind das hauptsächlich die öffentlich-rechtlichen Vorsorgeeinrichtungen. Bei den kleineren Kassen sind die Anteile nach wie vor sehr gering. Ich bin überzeugt, dass wegen der guten Performance der nachhaltigen Produkte deren Anteil bei den Pensionskassen ansteigen wird.

spn: Und wieder ein Themenwechsel. Dieses Mal aus aktuellem Anlass. Waren Sie von der Subprime-Krise betroffen?

Bänziger: Swisscanto hat nicht in solche Produkte investiert. Von der Subprime-Krise waren sehr wenige Schweizer Anleger direkt betroffen. Indirekt ist aber jeder, der einer Schweizer Vorsorgeeinrichtung angeschlossen ist, Eigentümer von Finanzaktien und Obligationen. Die Performance-Einbussen betreffen deshalb praktisch alle.

Eine weitere Komponente in dieser Krise sind die strukturierten Produkte. Viele Anleger werden von den Barrier Reverse Convertibles die schlechtesten Performer – meist CS- oder UBS-Aktien – angedient bekommen. Ihre Aktienquote wird ungewollt stark ansteigen – meist mit hohen spezifischen Risiken.

spn: Welche Lehren haben Sie gezogen, wo lauert gegebenenfalls die nächste Krise?

Bänziger: Krisen können immer dort entstehen, wo sich die Preise von Vermögensanlagen in Richtung irrationale Bewertung bewegen, kurzum in den Märkten, wo die Gier der Anleger der dominierende Faktor ist.

spn: Welche Asset-Klassen werden Sie persönlich demnächst in Ihr privates Portfolio aufnehmen und wieso?

Bänziger: High Yield. Unternehmensanleihen bieten risikoadjustiert hohe Renditevorteile.

spn: Welche Tendenzen im Asset Management sehen Sie mit grosser Besorgnis?

Bänziger: Lassen Sie es mich so sagen: Vor einigen Wochen ist der Gründer der Chaos-Theorie verstorben. Von ihm stammt das Bild des Flügelschlags eines Schmetterlings, der Auslöser einer Katastrophe ist. Die Auslöser der Subprime-Krise oder anderer Turbulenzen waren mehr als ein Flügelschlag, hatten aber im Endeffekt weit verheerendere Auswirkungen, als man sich vorgestellt hatte. Heute sind so viele Akteure mit den verschiedenen Strategien und teilweise horrendem Leverage in den Finanzmärkten tätig, dass das ganze System nicht mehr vollständig kontrollierbar ist. Wir müssen damit leben, dass jederzeit eine unerwartete Situation an den Finanzmärkten eintritt. Sorge bereitet mir, dass viele Anleger die Risiken ihrer Anlagen zu wenig realistisch einschätzen. Bei Eintritt eines ungünstigen Ereignisses haben sie dann vielfach keine Handlungsfreiheit mehr.

spn: Nennen Sie einen Mythos im Asset Management, den Sie für Ihre institutionellen Kunden gerne entlarven wollen?

Bänziger: Ich staune immer wieder, wie indexgläubig die ganze Finanzwelt ist. Es wird selten gefragt, ob die Indizes, die angewendet werden, überhaupt effizient sind. Robert Arnott hat mit der Idee des Fundamental Indexing glaubhaft gezeigt, dass es bessere Kriterien für die Bildung eines Index gibt als die Börsenkapitalisierung.

spn: Was ist wichtiger aus Sicht eines Anlegers: die strategische Asset Allocation, das heisst die richtige Auswahl von Beta, oder das Alpha-Potenzial der ausgewählten Asset Manager?

Bänziger: Die strategische Ausrichtung ist für jeden Anleger von zentraler Bedeutung und steht damit vor dem Alpha-Potenzial der eingesetzten Produkte. Hier ist aber anzufügen, dass vor allem die privaten Anleger eher selten die notwendigen Schritte unternommen haben, sprich eine Finanzplanung gemacht haben, um zu der für sie „richtigen“ strategischen Ausrichtung zu kommen. Ist diese Arbeit gemacht, sind weitere Fähigkeiten zur Optimierung der Rendite bei vorgegebenem Risiko gefragt. Darunter fallen die taktische Asset Allocation, die Wahl der Instrumente und eben auch die Wahl der Manager mit Alpha-Fähigkeiten.

spn: Glauben Sie an die Alpha-Fähigkeiten von Managern?

Bänziger: Ja sicher, wenn nicht, dürften wir uns nicht als aktiver Manager bezeichnen und Gebühren verlangen, die höher sind als diejenigen von Indexanlagen.

spn: Worüber wird sich Ihrer Meinung nach die Investment-Branche in den kommenden Jahren noch wundern?

Bänziger: Über die rasche Verlagerung der Wirtschaftskraft vom Westen Richtung China und die Zunahme der Bedeutung der Finanzplätze im Mittleren Osten.

spn: Welche Stationen Ihrer Karriere haben Sie ganz besonders geprägt?

Bänziger: Möglicherweise meine ersten Schritte nach der Berufslehre als Geldmarkt-, Devisen- und Edelmetallhändler. Sie haben mir gezeigt, dass Märkte nicht rational sein müssen, dass Trends länger dauern und viel stärker ausfallen können, als man erwartet.

spn: Welches Ereignis hat Sie während dieser Zeit am meisten beeindruckt?

Bänziger: Am meisten geschockt haben mich die Bilder des 11. September 2001 – ich hatte in meiner Zeit in New York auch im World Trade Center gearbeitet. Als Investor beeindruckt mich am meisten Warren Buffett. Er ist seinem Stil treu geblieben, erzielt mit sehr grossem Vermögen über lange Zeit eine hervorragende Performance – und er ist persönlich deswegen sehr reich geworden. Und niemand missgönnt ihm diesen Erfolg.

spn: Vielen Dank für das Gespräch.



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